DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Orange trägt nur die Müllabfuhr – und die Medaillengewinner beim Eisschnelllauf in Pyeongchang.
Orange trägt nur die Müllabfuhr – und die Medaillengewinner beim Eisschnelllauf in Pyeongchang.
Bild: EPA/EPA

Warum Holland im Eisschnelllauf alle abtrocknet, aber im Eiskunstlauf nix gewinnt

Wie 2014 in Sotschi dominieren die Niederländer auch in Gangneung die Eisschnelllauf-Wettbewerbe praktisch nach Belieben. Wie ist diese Überlegenheit zu erklären? Und warum klappt es im Eiskunstlauf nicht?
14.02.2018, 17:46

An den Winterspielen vor vier Jahren in Sotschi klassierte sich Holland im Medaillenspiegel auf dem 5. Rang – nur drei Länder holten mehr Edelmetall als «Oranje». Das erstaunt, kann doch Holland nun wirklich nicht als Wintersportnation bezeichnet werden. Das wird bei genauerem Hinschauen bestätigt – 23 der 24 Medaillen (acht goldene) gingen 2014 auf das Konto der Eisschnellläufer. Die 24. Medaille holte ein Shorttracker.

Ireen Wüst und Sven Kramer sind in Holland längst zu Volkshelden geworden.
Ireen Wüst und Sven Kramer sind in Holland längst zu Volkshelden geworden.
Bild: AP/AP

Seit 1994 haben die Holländer bis Pyeongchang insgesamt 64 Medaillen bei Winterspielen geholt. Nicolien Sauerbreij ist bis heute die einzige Nicht-Eisschnelläuferin, die eine Medaille mit nach Hause gebracht hat. Die Alpin-Snowboarderin siegte 2010 in Vancouver im Parallel-Riesenslalom. 

Vor den Spielen von Pyeongchang stellte sich die Frage, ob die unglaubliche Dominanz der Holländer weitergehen würde. Diese Frage kann schon nach fünf Wettkampftagen mit Ja beantwortet werden. Fünf Disziplinen, fünf Siege, neun Medaillen, lautet die eindrückliche Zwischenbilanz der Holländer. Zusammen mit den Shorttrackern bringt man es gar auf elfmal Edelmetall.

Im Medaillenspiegel liegt «Oranje» damit hinter Deutschland auf Rang 2. «Eine Nation ohne Schnee und Eis dominiert die Spiele», jubelt das «Algemeen Dagblad» und fasst zusammen: «Für ein Land, in dem Wasser seit Menschengedenken nicht mehr zufrieren will und Schnee eine Seltenheit ist, läuft es nicht schlecht in Pyeongchang.»

Der Medaillenspiegel 2018:

Stand: 14.02.18
Stand: 14.02.18
bild: screenshot srf

«Es ist krass», sagt der Schweizer Eisschnellläufer Livio Wenger. «Ich bin ehrlich: Ich hätte das nicht erwartet.» Beispielsweise war die Japanerin Miho Takagi bei ihren vier Weltcup-Starts in dieser Saison über 1500 m nicht zu bezwingen, ehe sie sich am Montag um zwei Zehntel Ireen Wüst geschlagen geben musste.

Unglaubliche Masse an Läufern

«Die Niederländer machen definitiv etwas richtig auf die Winterspiele hin», so Wenger. Der Erfolg liegt für ihn darin begründet, «dass sie über eine unglaubliche Masse verfügen». Das gilt nicht nur für die Athleten, sondern auch für die Trainer. Ausserdem wird bezüglich Material vieles von den Niederländern selber produziert, auch Wenger läuft mit Schuhen und Kufen, die von dort stammen.

Livio Wenger fuhr bislang weit an den Medaillen vorbei: Er wurde 17, über 5000 m und 25. über 1500 m.
Livio Wenger fuhr bislang weit an den Medaillen vorbei: Er wurde 17, über 5000 m und 25. über 1500 m.
Bild: AP/AP

«Da haben sie sicher Vorteile. Ich glaube nicht, dass sie bessere Trainingsmethoden als viele andere haben», erklärt der 25-jährige Luzerner. Bei Sven Kramer, der am Sonntag über 5000 m sein insgesamt viertes Olympia-Gold gewonnen hat, sehe man, dass er andere Kufen unter den Schuhen habe. Er sei aber auch technisch der Beste.

Die holländische Olympia-Delegation 2018 besteht aus 33 Athletinnen und Athleten: 20 Eisschnellläufer, 9 Shorttracker, 3 Snowboarder, 1 Skeleton-Pilot.
Die holländische Olympia-Delegation 2018 besteht aus 33 Athletinnen und Athleten: 20 Eisschnellläufer, 9 Shorttracker, 3 Snowboarder, 1 Skeleton-Pilot.
Bild: EPA/EPA

Welche Auswahl an Topathleten die Niederländer haben, zeigt das Beispiel von Ted-Jan Bloemen, der aufgrund des hohen Levels in seinem Heimatland seit der Saison 2014/15 für Kanada läuft. Nun nimmt der 31-Jährige erstmals an Winterspielen teil und gewinnt über 5000 m die Silbermedaille. Doch worauf ist die grosse Masse zurückzuführen? Eisschnelllauf ist in der Niederlande ein Teil der Kultur. So ist das «Skating» ein Motiv auf vielen alten Gemälden von holländischen Künstlern.

Eiskunstlauf braucht zu viel Platz

Dass dem so ist, hat damit zu tun, dass es überall im Land Wasser gibt, weshalb im Winter das Skaten die schnellste Variante sein kann, um von A nach B zu kommen. Schlittschuhlaufen lernen die Holländer praktisch gleichzeitig mit Laufen, so ein weit verbreitetes Klischee. Nur Velofahren ist noch populärer.

Man wächst in Holland also sozusagen mit Schlittschuhen an den Füssen auf. Das Land ist flach und im Winter kalt. Schnee fällt wenig, Skifahren ist keine Option. Das führt dazu, dass es im Vergleich zu anderen Ländern viele Eisbahnen sowie viele professionelle Teams gibt.

So sieht Winter in Holland aus.
So sieht Winter in Holland aus.
Bild: shutterstock

Für Wenger ist die Überlegenheit der Holländer allerdings zu gross: «Man muss vor ihnen absolut den Hut ziehen. Es ist aber sicher nicht ideal für die Sportart, wenn ein Land dermassen dominiert.»

Immerhin: Im Eiskunstlauf hinken die Holländer der Konkurrenz weit hinterher. In Pyeonchang stellen sie mal wieder keinen Athleten, seit 1924 gewann «Oranje» nur vier Medaillen in dieser Sportart. Auf den vereisten Kanälen bieten sich Langstrecken-Wettbewerbe halt viel mehr an, als das platzraubende Eiskunstlaufen oder Eishockey. Da bleiben die Holländer lieber beim traditionellen Eisschnelllaufen. (pre/fox/sda)

Das holländische Volksfest
Die «Elfstedentocht» (Elf-Städte-Tour) ist nicht nur das wichtigste Langstreckenrennen auf Natureis, sondern in Holland ein wahres Volksfest mit rund 1,5 Millionen Zuschauern. Das letzte Mal konnte dieses Rennen allerdings 1997 durchgeführt werden, da seither nie mehr alle Grachten und kleinen Seen der Strecke gefroren waren.

Im Auftrag des Diktators – die Olympia-Tage der Armee der Schönen

1 / 39
Auftrag des Diktators – Olympia-Tage der Armee der Schönen
quelle: ap/ap / felipe dana
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Unvergessene Olympia-Momente: Winterspiele

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Black Power: Zwei Fäuste und die berühmteste Siegerehrung der Olympischen Spiele

16. Oktober 1968: Die Siegerehrung über 200 m bei den Olympischen Spielen in Mexiko wird mit Spannung erwartet. Was werden Tommie Smith und John Carlos machen? Als sie einlaufen ist definitiv klar: Hier wird etwas Spezielles geschehen.

Als 200-m-Sieger Tommie Smith (USA), Landsmann John Carlos (Bronze) und der Australier Peter Norman (Silber) zur Siegerehrung das Olympiastadion von Mexiko City betreten ist allen klar: Das wird keine gewöhnliche Siegerehrung.

Smith und Carlos tragen je einen schwarzen Handschuh und laufen mit den Schuhen in der Hand ein. Smith trägt einen schwarzen Schal, Carlos lässt die Jacke weit offen, was ein herber Verstoss gegen die olympischen Regeln ist. Und alle drei – auch der weisse Norman – …

Artikel lesen
Link zum Artikel