Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«S'Güggi» macht dicht: Der «strengste Knast» der Schweiz vor dem Aus



Gefängnis Sennhof, Chur

Bild: Südostschweiz

Das erste kantonale Gefängnis Graubündens und der «strengste Knast» in der Schweiz wird nach 200 Jahren in Rente geschickt. Knapp 3000 Quadratmeter auf dem Sennhof-Areal in Chur werden frei für die Umnutzung - mit noch offenem Ausgang.

«S'Güggi» nannten die Churer den Sennhof, ein früher verbreiteter Dialektausdruck für Gefängnis. «Jedes Kind kennt den Sennhof in Chur», schreibt Regierungsrat Christian Rathgeb im Vorwort des Buchs «200 Jahre Bündner Strafvollzug», das letztes Jahr erschien, eineinhalb Jahre vor dem Ende des Sennhofs und dem Umzug des Gefängnisses in eine moderne neue Anstalt in Cazis in Mittelbünden.

33 Vollzugsplätze, 20 Plätze für Ausschaffungs- und vier für Untersuchungshäftlinge sind im Gefängnis am Rande der Altstadt untergebracht. Die Justizvollzugsanstalt im Schattenwurf des bischöflichen Hofes ist nicht aus einem Guss gebaut, sondern gewachsen aus einem Ensemble verschiedener Gebäude. Abgesessen werden dort auch langjährige Strafen.

Die ältesten Bauten stammen von Anfang des 17. Jahrhunderts. Der markante runde Turm bildet einen der letzten Reste der ehemaligen Churer Stadtmauer. Zunächst diente der Sennhof als Wohnhaus und landwirtschaftlichen Zwecken, zeitweise wurden dort Seifen hergestellt. 1817 kaufte der Kanton die Liegenschaft und führte sie als erste kantonale «Zuchtanstalt».

ARCHIVBILD ZUR SCHLIESSUNG DER LETZTEN SPINNEREI IN DER SCHWEIZ --- Ein Mitarbeiter der Spinnerei Hermann Buehler AG in Sennhof bei Winterthur wickelt am 12. Mai 2005 das Ende eines Baumwollstrangs auf eine Rolle. In der Spinnerei werden aus Baumwolle Qualitaetsgarne zur Herstellung von Textilien produziert.   (KEYSTONE/Peter Fischli)

Bild: KEYSTONE

Auch der erste kantonale Verhörrichter, Baron Heinrich von Mont, hatte dort seinen Amtssitz. Bis 1995 stand das Gefängnis unter der Leitung der Staatsanwaltschaft, die heute noch Büros hinter den Mauern belegt und ebenfalls bald umziehen muss.

«Strengste» geschlossene Anstalt

Geführt wird die Strafanstalt seit sechs Jahren von einer Frau: Ines Follador-Breitenmoser. Unter ihrem Regime ist noch keinem Insassen die Flucht gelungen, obschon es Versuche gab. In die Schlagzeilen geriet das Gefängnis letztmals im September 2014, als ein Häftling in seiner Zelle Handtücher, Bettdecke und Matratze in Brand steckte. Der Vorfall ging glimpflich aus.

Der Sennhof ist neben dem Thorberg im bernischen Krauchtal nicht nur eines der ältesten Gefängnisse der Schweiz, sondern gilt überdies landesweit als «strengste» geschossene Anstalt. Die Enge bekommen Insassen zu spüren. Die Zellengrösse entspricht nicht mehr den heutigen Vorschriften. Statt minimal 12 umfassen sie im Schnitt lediglich 8.5 Quadratmeter.

«Zurück zu den Sternen»

Einer der bekanntesten Insassen war Bestsellerautor Erich von Däniken, der 1969 im Churer Gefängnis sein zweites, in einer Rekordauflage erschienenes Buch «Zurück zu den Sternen» schrieb. Der Jude David Frankfurter verbüsste neun Jahre im Sennhof, bevor er begnadigt wurde. Er hatte 1936 in Davos den Nazi und Gauleiter Wilhelm Gustloff in dessen Büro erschossen.

Strafanstalt Sennhof in der Altstadt von Chur mit dem Turm der Regulakirche, aufgenommen am Mittwoch, 21. Oktober 2009. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Bild: KEYSTONE

Der älteste Bündner Knast lässt sich sogar touristisch vermarkten. Das Gefängnis sei bei den Stadtführern ein beliebtes Thema, sagt die Churer Tourismusdirektorin Leonie Liesch. Für den Churer Stadtpräsidenten Urs Marti ist die Strafanstalt eine touristische Attraktion der besonderen Art.

Kaufen möchte die Stadt Chur den 2900 Quadratmeter grossen Landfleck indes nicht. Das Parlament lehnte die Aufnahme entsprechender Verhandlungen ab. «Wir sehen der Denk- und Planungsarbeit des Kantons gespannt entgegen und bringen uns gerne ein», sagt Stadtpräsident Marti.

Vom Gefängnis zum «Jailhotel»

Was soll aus der Gebäudegruppe werden, wenn sie als Gefängnis ausgedient hat? Es gibt das Beispiel des Zentralgefängnisses Luzern, aus dem das «Jailhotel Löwengraben» entstand, laut Eigendeklaration das «erste Gefängnishotel in der Schweiz».

Das ehemalige Basler Untersuchungsgefängnis Lohnhof wurde ebenfalls in einen Hotelbetrieb umfunktioniert. Zudem entstanden in der historischen Baute Wohnungen, ein Museum, ein Theater und ein Jazzclub.

«Grobe Vorstellungen» habe der Kanton davon, was mit dem Sennhof-Areal geschehen solle, sagt Kantonsbaumeister Markus Dünner. Und: «Wir planen einen Investorenwettbewerb.» Die Ausschreibung soll im nächsten Frühling erfolgen.

Die Nachfrage nach Wohn- oder Gewerbeflächen dürfte aufgrund der zentralen Lage des Sennhofs hoch sein, glaubt man beim Kanton. Mit der weiteren möglichen Nutzung der Gebäudegruppe beschäftigt sich auch eine eigens gegründete Interessengemeinschaft Sennhof. Dort favorisiert wird ein «Mix aus Wohnen, Kultur, Gastronomie und Jugendherberge». (sda)

Häftlinge restaurieren Kult-Spielsachen

Play Icon

Video: srf/SDA SRF

Das könnte dich auch interessieren:

Danach suchen Schweizer und Schweizerinnen auf Pornhub am meisten

Link to Article

In diesem Land wohnt nur ein einziger Schweizer. Wir haben mit ihm gesprochen

Link to Article

«14 Uhr: Claras Haut ist rot»: Kitas informieren Eltern neu per Liveticker über ihre Kids

Link to Article

Selbst Trump spricht nun von einem Impeachment

Link to Article

«Hi-Tech-Roboter» in russischer Fernsehshow entpuppt sich als verkleideter Mensch

Link to Article

Tumblrs neuer Pornofilter ist ein riesiger Fail – wie diese 19 Tweets beweisen

Link to Article

Netflix' zweite deutsche Original-Serie ist da – und ein riesiger Fail

Link to Article

Miet-Weihnachtsbäume sind in Hipster-Hochburgen in – doch die Sache hat einen Haken

Link to Article

Welche dieser absolut dämlichen Studien gibt es tatsächlich?

Link to Article

Brennende Leichen und blühender Aberglaube – ein Besuch in Indiens heiligster Stadt

Link to Article

Jetzt ist es da! Das geilste Polizeiauto der Schweiz

Link to Article

Viva la nonna! – weshalb ich mega Fan vom neuen Jamie-Oliver-Buch bin (dazu 5 Rezepte)

Link to Article

Über Zürich fliegen jetzt Viren-Drohnen

Link to Article

«Meine 20 Jahre ältere Affäre erniedrigt mich»

Link to Article

Diese 13 Bilder zeigen, wieso «Doppeladler» völlig zu Recht das Wort des Jahres ist

Link to Article

Ade Pelz: Schweizer zeigen Canada Goose die kalte Schulter

Link to Article

Doch noch geeinigt! 30 Minuten vor Ablauf der Deadline rief Nylander in Toronto an

Link to Article

Queen Ariana Grande singt sich mit neuem Song auf den YouTube-Thron 👀

Link to Article

11 Dinge, die du schon immer von einem orthodoxen Juden wissen wolltest

Link to Article

So läuft das Weihnachtsessen mit den Arbeitskollegen ab. Immer. Jedes Jahr. Die Timeline

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Warum die Chinesen die Amerikaner im KI-Wettrennen schlagen werden

Link to Article

Der Super-Beau, der in weniger als 15 Minuten alles verkackt!

Link to Article

Netflix killt die nächste Superhelden-Serie

Link to Article

Die Weihnachtswünsche dieser alten Leute sind so bescheiden, dass es dir das Herz bricht

Link to Article

7 ausgefallene Punsch-Rezepte, die du diesen Winter unbedingt ausprobieren solltest!

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Herzschmerz pur! 15 Leute erzählen, wie sie vom Seitensprung ihres Partners erfuhren

Link to Article

7 Duschmomente, die uns (vermutlich) allen bekannt vorkommen 

Link to Article

Du regst dich über die Migros-Suppe auf? Dann kennst du diese Gender-Produkte noch nicht!

Link to Article

Wutbürger nehmen Grossrätin wegen Baby ins Visier– und so reagiert der Grossvater 

Link to Article

Nach SBI-Niederlage: Jetzt beginnt der nächste Streit in der Aussenpolitik

Link to Article

Das Sexismus-Dinner des FC Basel sorgt weltweit für Schlagzeilen

Link to Article

«Es war alles ein verdammter Fake»: Schweizer Adoptiveltern packen aus

Link to Article

Führerscheinentzug nach 49 Minuten – so witzelt die Polizei über den «Tagesschnellsten»

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pfauenfeder 03.01.2018 10:42
    Highlight Highlight Als churerkind musste ich mehrmals mit der schule an eine führung im sennhof. War jedesmal sehr interessant und gleichzeitig komisch von den häftlingen so beglotzt zu werden.
  • MacB 03.01.2018 10:03
    Highlight Highlight Oftmals läuft man da auf dem Weg zum Gymi lang. War früher immer ein Erlebnis, sich auszumalen, wer da wohl drinsitzt :)

«Kirche von Homo-Netzwerken befreien!» –  Verein will schwule Priester verbannen

Anhänger des Churer Bischofs Vitus Huonder erklären sexuelle Übergriffe mit «Homo-Netzwerken» innerhalb der Kirche.

Mitten in der Adventszeit hat Papst Franziskus eine alte Debatte neu entfacht. In einem neuen Buch äusserter sich kritisch über Homosexuelleim Kirchendienst. Bestärkt durch die Schützenhilfe von oben wagt sich jetzt eine konservative Schweizer Gruppierung aus der Deckung: der Verein Pro Ecclesia, der dem umstrittenen Churer Bischof Vitus Huonder nahesteht.

Pro Ecclesia hat eine Petition mit dem Titel «Die Katholische Kirche von Homo-Netzwerken befreien!» lanciert, die im Januar an den …

Artikel lesen
Link to Article