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Der kleine Streber ist nicht alleine: Immer mehr Kinder lernen Teile des Schulstoffs bereits im Kindergarten.
bild: shutterstock

Jedes dritte Kind kann schon vor der Einschulung lesen und schreiben. Good News! Oder etwa nicht?

yannick nock / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Mami und Papi braucht's nicht immer: Wenn heute ein 6-Jähriger Lust auf eine kurze Geschichte hat, schmökert er schon mal allein in einem Buch. War früher die 1. Klasse der Ort, wo man das Abc lernte, sind viele Kleine heute schon zwei Schritte weiter: Sie lesen vor der Einschulung selbstständig Kinderbücher oder kritzeln Briefchen an ihre Gspänli.

«Wir haben seit einigen Jahren immer mehr Kinder, die immer mehr können», sagt Andrea Lanfranchi, Forschungsleiter an der interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik. In einigen Kantonen beherrsche heute jedes dritte Kind bereits am ersten Schultag den Stoff, den es erst am Ende der 1. Klasse können sollte.

Mehrere Studien, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, bestätigen den Trend. Afra Sturm, Professorin für Deutschdidaktik an der Fachhochschule Nordwestschweiz, sieht die Ursache für die jungen Lese- und Schreibkünstler in den Kindergärten. Früher war es den Kindergärtnerinnen verboten, Buchstaben und Zahlen zu erwähnen. Das sollte den Schulen überlassen werden.

«Wer mit den Eltern ein SMS an Opa schreibt, lernt spielerisch mit Schrift umzugehen»

Heute ist das anders. Zeigt ein Kind Interesse an Büchern oder an Zahlen, darf es diese Freude nun schon vor der Einschulung ausleben. Die technische Entwicklung spiele hingegen lediglich eine untergeordnete Rolle. Wenn Kinder nur auf dem iPad spielen würden, wecke dies keine Lese- oder Schreibfreude, sagt Sturm. Anreize können Tablets und Smartphones aber geben: «Wer mit den Eltern ein SMS an Opa schreibt, lernt spielerisch mit Schrift umzugehen.»

«Viele Eltern von kleinen Kindern haben Angst, etwas Wichtiges zu verpassen»

Frühförderwahn der Eltern

Doch längst nicht alles geschieht aus Eigeninteresse. Mami und Papi drängen ihren Nachwuchs zunehmend zu Höchstleistungen. «Viele Eltern von kleinen Kindern haben Angst, etwas Wichtiges zu verpassen», sagt der Psychologe und Heilpädagoge Lanfranchi. Sie hätten in Ratgebern gelesen oder den Medien entnommen, dass sich in der Entwicklung von Kleinkindern Zeitfenster aufmachten, die man nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte. Ansonsten sei der Zug für die spätere Karriere der Kinder abgefahren.

«Das stimmt natürlich nicht», sagt Lanfranchi. Clevere Anbieter von Frühförderkursen seien trotzdem sofort in die Nische gesprungen. Nach Englisch in der Spielgruppe könne man heute tatsächlich Frühchinesisch buchen, aber auch Schach für Kleinkinder oder «Violine ab 3».

Rücksicht auf die Lernschwachen

«Muss man schon als Baby Algebra lernen? Sicher nicht!» Dieser «Frühförderungswahn» sei schädlich für die Entwicklung der Kinder. Das wohlgemeinte «Projekt Kind» könne die Heranwachsenden überfordern. «Das Gras wächst schliesslich nicht schneller, wenn man daran zieht», sagt Lanfranchi. Gleichzeitig gebe es Eltern, die ihre Kinder zeitlich und finanziell nicht so unterstützen könnten, wie es nötig wäre. Diese Entwicklung fordert die Lehrerinnen und Lehrer. Wenn das Gefälle innerhalb einer Klasse zu gross wird, droht der einen Gruppe Langeweile, der anderen Frust und Überforderung.

Zwar reagierten die Lehrpersonen mit individualisiertem Unterricht, wie Lehrerpräsident Beat Zemp erklärt, aber wenn die Klassen immer grösser würden, sei dies bald nicht mehr ausreichend möglich. Zemp warnt deshalb vor den geplanten Kürzungen der Bildungsbudgets in den Kantonen.

Neben grösseren Klassen spitze sich auch der Mangel an Sonderpädagogen weiter zu. Darin sieht Lanfranchi das Hauptproblem: Obwohl viele Erstklässler schnell lesen und schreiben lernten, könnten 5 bis 10 Prozent der Kinder den Rückstand auf die Frühleser nicht allein aufholen. Sie würden heilpädagogische Unterstützung brauchen. «Nur so haben lernschwache Kinder eine Chance, mitzuhalten.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tilia 07.03.2016 16:17
    Highlight Highlight gewisse Dinge holst du als Erwachsener nie mehr auf. ich wär dankbar für mehr sportliche Förderung zb gewesen. ich sehe heute Leute in meinem Alter welche sehr gefordert und gefördert wurden und sie sind dankbar dafür. hat alles zwei seiten. die frage ist eher ob man talente eines kindes erkennt und diese fördert oder eine ökonomisch gewinnbringende Seite fördert einfach weils Mode ist. Förderung ist gut und wichtig aber man soll das Kind fördern, nicht das eigene Ego.
  • Olaf! 07.03.2016 11:10
    Highlight Highlight Ich halte das für eine bedenkliche Entwicklung. Wenn ein Kind einfach interesse hat am lesen, ist das ja ok. das Kind gezielt pushen und in Frühenglisch, chinesisch, geigespielen zu schicken finde ich total daneben. Die Kinder müssen schon 1 Jahr früher in den jetzt obligatorischen Kindergarten, lass die armen Kinder doch auch noch Kinder sein. Wenn das so weiter geht haben wir schlussendlich Koreanisch, Japanische Verhältnisse und das will niemand der sein Kind liebt.
  • Pupsi 07.03.2016 01:52
    Highlight Highlight ich finde diese tatsache sehr interessant, jedoch kommen bei mir auch einige Fragen auf. wenn ich mich umhôre (ist natürlich nicht empirisch repräsentativ) höre ich immer wieder "kinder heutzutage sind verzogen, verwöhnt und unselbstständig. wiederum können sie im schnitr früher lese usw. da kommt mir nur " Zuckerbrot und peitsche" in den sinn. kann es sein, dass wir als Gesellschaft den kindern heute falsche Belohnungsoptionen anbieten, sie dadurch verwöhnen, alles mit dem ziel, sie auf hôchtleistungen trimmen zu können?
  • Toerpe Zwerg 06.03.2016 18:33
    Highlight Highlight Es lässt sich manchmal schlicht nicht verhindern. Das Kind will können. Also lernt es die Buchstaben. Fördern kann man das nicht, es geschieht.
    • TomTayfun 09.03.2016 08:39
      Highlight Highlight Das Kind will einfach erfahren und lernen Dinge fühlen und ergreifen, Kinder lernen sehr viel beim "einfache nur" Spiel lasse eure Kinder spielend lernen. Kinder Kind sein lassen, und keine Banker Bissens People werden, das fördert Kinder. (vom Hausmann u. Vater)
  • Madison Pierce 06.03.2016 17:19
    Highlight Highlight Heute darf ein Kind kaum mehr Kind sein. Einerseits haben viele Eltern schon ein klares Ziel für ihren zukünftigen "Herr Dr.", andererseits wird zu viel gemessen und überwacht. Der Kindergarten ist schon obligatorisch und die Eltern bekommen zu hören, wenn ihr Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen schlechter malt oder nicht sauber spricht. Dabei sind nicht alle gleich in der Entwicklung, ein Bekannter war an der Real, jetzt fertig mit der ETH.

    Ich konnte früh lesen, weil es mich interessiert hat. Deshalb haben es mir meine Eltern beigebracht, ohne Zwang und Druck. So sollte es sein.
  • AndiCartoon 06.03.2016 15:09
    Highlight Highlight In der Schule lernen wir Techniken. Wer was daraus macht, darauf hat die Schule keinen Einfluss.
    Benutzer Bild
  • Ares 06.03.2016 14:48
    Highlight Highlight Passend dazu ein Zitat von dem ich keine Ahnung habe wer es gesagt hat:
    "Bildung ist extrem teuer. Es gibt nur eines, was teurer ist als Bildung: keine Bildung."
    • Dan Ka 07.03.2016 07:30
      Highlight Highlight Sag das mal der SVP. Das Zitat ist (so ähnlich jedenfalls) von JFK.
  • Retarded Wizard 06.03.2016 14:02
    Highlight Highlight Zu diesem Artikel möchte ich gerne auf diesen Film verweisen.

    Wirklich sehenswert und zeigt die enormen Defizite des heutigen und auch gestrigen "Bildungssystems" auf. Wir werden in der Schule nicht gebildet.

    Wir werden eingeteilt in gut und schlecht, intelligent und dumm. Vielen Menschen werden deshalb Chancen geraubt, etwas erreichen zu können, indem sie beispielsweise nie studieren können.

    Unser Schulsystem ermöglicht wenigen etwas, und der Rest wird vorbereitet auf eine Leben als Steuersklave des Staates, der nie auch nur die geringste Chance haben wird, daraus auszubrechen.
    Play Icon
    • Alnothur 06.03.2016 21:43
      Highlight Highlight Und was nützt es deiner Meinung nach genau, jemanden, der schlichtweg nicht intelligent genug dafür ist, ans Studium zu lassen?
    • Retarded Wizard 07.03.2016 03:00
      Highlight Highlight Intelligenz ist so vielschichtig. Nur weil jemand an Schultests scheitert macht ihn das nicht unfähig etwas zu erreichen, und schon gar nicht dumm.

      Interessen sollten vor Talent/Fähigkeiten gestellt werden. Jeder sollte tun, was er auch mit Leidenschaft macht und nicht das, was irgendwelche Schultests einem ermöglichen oder verunmöglichen.

      Es sollte nicht darum gehen immer der Beste sein zu wollen in dem was man tut.
      Schulnoten beispielsweise sind in meinen Augen der falsche Weg.

      Aber was weiss ich den schon; ich bin ja nicht intelligent genug.
    • Olaf44512 07.03.2016 13:17
      Highlight Highlight So vielechichtig intelligenz auch sein mag, wenn einer vielschichtig nichts kann, dann kann er eben nichts. Natürlich hat jeder gewisse "Fähigkeiten", zu was diese nützlich sind ist die andere Frage.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Merida 06.03.2016 12:34
    Highlight Highlight Ich finde es richtig, die Lehrpersonen nicht noch weiter zu überfordern, dann haben sie auch wieder Zeit und Energie für die alle Kinder.
  • Merida 06.03.2016 12:33
    Highlight Highlight @_kokolorix: Leider ist es in Tat und Wahrheit so, dass diese Einsparungen und Neuerungen bezüglich SHP und integrativem Unterricht genau dazu führen, dass Lehrpersonen überfordert sind. Wenn zu recht verlangt wird, dass eine Binnendifferenzierung statt findet, also alle Kinder auf ihrem jeweiligen Niveau gefördert werden, dabei auch Kinder mit diversen Lernbehinderungen (Dyskalkulie, Legasthenie etc.) zu berücksichtigen sind und dennoch bei den Assistenzen gespart wird und die Klassen wieder grösser werden (z.T. 26 Kinder), dann ist das kein Wunder.
    • nele 06.03.2016 14:06
      Highlight Highlight das sehe ich auch so! Es ist jetzt schon so, dass einzelne Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten die Lehrpersonen für integrierte Förderung zu einem grossen Teil der Zeit in Beschlag nehmen - da bleiben oft wenig Ressourcen für andere Kinder mit Förderbedarf, geschweige denn für all die Kinder mit durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Fähigkeiten, die ebenso ein Anrecht auf Aufmerksamkeit und auf Förderung ihrer Stärken hätten. Und nun soll genau in diesem Bereich gespart werden - zusammen mit der Erhöhung der Klassengrössen führt dieses Sparen in der Bildung zu Qualitätsverlust.
    • _kokolorix 06.03.2016 19:28
      Highlight Highlight das ist schon das was ich weiter unten zum Ausdruck bringen wollte. integration wird von bürgerlichen politikern als sparübung verstanden. als vater einer tochter mit trisomie sehe ich ganz deutlich wie sich das auswirkt. für die integration ist unsere schule völlig überlastet, die x mal teurere lösung hps führt dazu das die kinder unterfordert sind und für alles und jedes hilfestellung erhalten und weder lesen noch rechnen lernen. diese fähigkeiten fehlen dann wenn sie ein selbstbestimmtes leben führen wollen. da bleibt nur noch das leben in geschützten institutionen
  • AdiB 06.03.2016 12:27
    Highlight Highlight geige ab 3? dörfen kinder heute noch kinder sein? oder sind kinder heute wie haustiere? jeden trick erlernen, damit ich ihn im park allen zeigen kann?
    solche psychoeltern habe ich in der verwandschaft. das kind muss neben top schulleistungen noch top sportler sein. ich frage mich wirklich ob es diesen eltern bewust ist, was sie den kindern antun? aus erfahrung mit leuten dessen eltern ständig so einen druck machten kann ich sagen, sehr viele werden am schluss junkies. keine kindheit, kein leben und dann die volljährigkeit und unabhängigkeit.
  • Nick Name 06.03.2016 11:58
    Highlight Highlight Irgendwie habe ich das Gefühl, dass bei ALLEN rund um die Kinder vor allem eines mal wichtig wäre:
    Hey Bro, chills emal ...
    Entspannt euch. Chunnt scho guet. Entweder früher oder später.

    Und vergesst mal so Kackezeugs (excusez l'expression, aber m.E. triffts das am besten) wie eine Maturaquote. Kein Mensch braucht eine Matura, um glücklich zu werden.
    • Charlie Brown 06.03.2016 13:52
      Highlight Highlight @Rendel: Die Maturaquote der Schweiz lässt sich nicht so einfach mit dem Ausland vergleichen. Stichwort "Duale Bildung", aka Berufslehre.

      Verstehe ich dich richtig, nur weil weniger eine Matura haben (also Lehren abschliessen) haben wir Fachkräftemangel? Das mag bei den Medizinern stimmen. (Obwohl selbst dort gäbe es mehr Interessenten als Studienplätze). Aber sonst? Sehe ich nicht ein...
    • Charlie Brown 06.03.2016 16:00
      Highlight Highlight @Rendel: Ich kann dir nur aus meinem (Rekrutierungs-)Alltag erzählen. Ich stelle Leute nach Fähigkeiten und danach ob sie in unsere Firma passen ein. Diplome sind mir egal. Auch wir müssen zum Teil im Ausland rekrutieren, weil wir in der Schweiz zum Teil die Leute nicht finden. Aber wir suchen nicht im Ausland Studienabgänger, weil es in der Schweiz zu wenig Maturanden hat sondern zu wenig ausgebildete Fachkräfte, ob Uni, FH, HF, Lehrabgänger oder Selfmade-Querentwickler.
    • Nick Name 06.03.2016 18:44
      Highlight Highlight Auso. Ist natürlich etwas scharf geraten, dieser Satz mit der Matura. Ganz sicher ist er aber nicht als Wertung der Matura an sich (hab ja selbst studiert ...) gemeint und schon gar nicht der "Maturierten". Ich nerv mich bloss, wenn es Bildungspolitisierenden und Schulleitungen darum geht, sich nach Quoten zu richten. Und Eltern auch. Das ist Chabis. Wir sollten uns nach den Menschen richten.
      Und, Rendel: "Spielen ist auch wichtig (...). Viel Bewegung ist wichtig (...). Kinder sollten nicht optimiert werden, sondern gefördert, wie es jedem einzelnen entspricht.": Unterschreib ich total.
  • _kokolorix 06.03.2016 11:22
    Highlight Highlight unser bildungsystem ist völig degeneriert. statt die kinder auf das leben vorzubereiten wird versucht jedes kind für einen zukünftigen ceo posten fit zu machen. dazu werden die masstäbe laufend an die lernstärksten, die durchaus von diesen massnahmen profitieren, angepasst. das dabei etwa zwei drittel der kinder permanentem frust ausgesetzt werden, wird in kauf genommen. dieselben, ständig überforderten, jungen leute sollen dann nach abschluss der schule selbstbewusst auftreten und überall den winner typ zeigen, weil unsere wirtschaft ja keine looser gebrauchen kann. das kann nie funktionieren
    • 有好的中国老虎 friendly chinese Tiger 06.03.2016 13:02
      Highlight Highlight Ich befürchte wir werden hier in der schweiz eine ähnliche aotuation haben wie zbsp japan oder china. dort werden die kinder schon von kleinauf getrimmt. schon bevor die jn den kindergarten gehen haben die frühenglisch, instrumentstunde oder sport. und dann während der schule haben die meisten kinder dann noch extra mathe stunden und andere kurse. diesen kindern wird schlicht die kindheit geraubt, was sehr traurig ist, denn diese bekommt man nicht zurück.
    • nele 06.03.2016 14:16
      Highlight Highlight ich sehe im Bereich der Erziehung in den Familien ähnlich "ungesunde" Entwicklungen. Eine breite Palette an Förderkursen für die Freizeit, Geburtstagsfeste im Sinne von "je ausgefallener, desto besser", Mitbestimmung der Kindern bei allen Familienentscheiden - und am 3 Königstag stopft man den König so oft in ein neues Stück, bis auch das eigene Kind mit Krone in den Kindergarten darf. Verlieren bei einem gemeinsamen Spiel ist zu hart für die kleinen, die Frustrationstoleranz sollen sie dann im Kindergarten lernen..
  • stadtzuercher 06.03.2016 10:20
    Highlight Highlight wenn eltern um sie herum eine welt erleben, in der das motto heisst 'the winner takes it all', ists doch klar, dass die kinder auf das vorbereitet werden. zum beispiel mit früher förderung.
  • Topoisomerase 06.03.2016 10:09
    Highlight Highlight Dass ein Druck auf Kinder ausgeübt werden soll, bestreite ich vehement. Natürlich gibt es immer Eltern, welche das Kind zu stark forcieren, aber das Lernen in diesem Alter ist auch sehr einfach. Lesen und Schreiben habe ich mit fünf (zwei Jahre vor der Primarschule) gelernt, indem mir mein Grossvater jeden Tag aus den Globi-Büchern vorgelesen hat, also bestand kein Druck seitens der Eltern.
  • Stefan Kuster 06.03.2016 09:53
    Highlight Highlight unserem 4 jährigen sohn wurde im kiga bemängelt das er den stift nicht richtig halten konte. Wir als eltern gingen eigetlich davon aus das solche Sachen im kiga beigebracht würden.
  • mister_michael 06.03.2016 09:41
    Highlight Highlight Es ist wahnsinnig was wir heute von Jugendlichen und Kindern verlangen. Sorry liebe Schweiz, es kann und darf nicht sein, das Eltern Ihre Kinde Psychiatriereif fördern. Zeigt ein Kind Interesse und will wirklich von sich aus mit dem Lesen und Schreiben vorher Anfangen, dann ist das schön. Aber wir sollten die kleinen Menschlein nicht dazu drängen, sie haben auch ein Anrecht auf eine Kindheit. Und ja ich finde auch, die Kinder sind teils verwöhnt und verzogen, aber auch wahnsinnig unter Druck gesetzt. Da sind die Kinder unschuldig, dies geht auf die Last von Eltern und Pädagogen...
    • Gähn on the rocks 06.03.2016 10:14
      Highlight Highlight Dieses unbedarfte Lehrerbashing geht mir gehörig auf den Keks! Du und andere unterstellen den Lehrpersonen unlauteres Handeln. Einfach so. Das ist pure Ablenkung vom eigenen Erziehungsunvermögen.
      Und genau das ist das Grundproblem des Schulalltags. Die Kinder sind die Leidtragenden.
    • Charlie Brown 06.03.2016 10:25
      Highlight Highlight @Gähn: Jede Kritik scheint bei ihnen als bashing anzukommen. Das sagt fast mehr über Sie und ihre Kritikfähigkeit aus als über die differenzierten, kritischen Statements.

      Wie oben geschrieben: Es sind Pädagogen und Eltern gefordert. Was daran Lehrerbashing ist? Ich weiss es nicht...
    • Gähn on the rocks 06.03.2016 10:26
      Highlight Highlight Im Übrigen, Mister Michael, ich bin in vielem mit Ihnen einig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • dracului 06.03.2016 08:26
    Highlight Highlight Spielerisch SMS an die Grosseltern schreiben? So wird also der Profilierungswahn der heutigen Eltern verkauft. Viele Eltern "fördern" ihre Kinder fast zu Tode mit Hobbys, Kursen, international School und allerlei gezielten Aktivitäten. Es wird alles getan, damit die Kinder möglichst früh gute Schulfähigkeiten bekommen und dann gute Abschlüsse erreichen. Wir sollten uns drigend fragen, wo diese Manie hinführt und wie wichtig allenfalls die "soziale Entwicklung" des Kindes für das spätere Leben ist?
  • Charlie Brown 06.03.2016 08:14
    Highlight Highlight Ich erlebe, wie von Seite der Schule ein latenter Druck auf Kind und Eltern ausgeübt wird. Ein Stab von Sonderpädagogen schwirrt ab den ersten Kindergartentag um die Kleinen herum, beobachtet und analysiert sie. Was sicher gut gemeint ist, übt nicht zuletzt auf die Eltern einen diffusen Druck aus. So erlebe ich das zumindest aktuell.
    • Gähn on the rocks 06.03.2016 09:05
      Highlight Highlight Solches geschieht nur, wenn Auffälligkeiten, jeglicher Art, vorhanden sind. In erster Linie geht es darum, das Kind zu unterstützen. Da sind Fachleute am Werk, die in keinster Weise eine andere Motivation haben, als dieselbige.
      Druck empfinden höchstens Eltern, die partout nicht kooperieren wollen. Meistens zum Nachteil ihrer eigenen Kinder.
    • Charlie Brown 06.03.2016 09:35
      Highlight Highlight @Frau Dr. Gähn: Nun, ich erlebe es, wie ich es erlebe. Ich habe nicht gesagt, es sei absolut und überall so. Sie scheinen im Gegensatz jeden Kindergarten in der Schweiz und insbesondere jenen in meinem Dorf zu kennen ;-)

      "Auffälligkeiten" werden bei uns gezielt gesucht, in dem alle Kindergärtner systematisch untersucht/beobachtet werden.

      Ich finde die gebotene Hilfe super, wäre bei Bedarf (der nicht besteht weil bis jetzt keine Auffälligkeiten gefunden wurden) sehr kooperativ. Ich weise nur auf Nebeneffekte hin. Dass ich damit gewissen auf den Schlips trampe liegt in der Natur der Sache.
    • Gähn on the rocks 06.03.2016 10:23
      Highlight Highlight Herr Tell, natürlich kenne ich nicht alle Kindergärten.
      Sie sagen viele richtige Sachen. Ich bin ein bisschen empfindlich diesbezüglich;-)
      Wenn Ihr Kind ein gutes Selbstvertrauen entwickeln konnte in den ersten Jahren, von Ihnen gestützt wird und zuhause nicht permanent über die Lehrperson getratscht wird, sind Sie auf gutem (Schul-) Weg.
      Ansonsten ist es immer gut und förderlich im Gespräch zu bleiben, anstatt die Faust im Sack zu machen! Viel Glück.
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