Schweiz
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ZUM THEMA FRUEHENGLISCH AN SCHWEIZER SCHULEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- English dictionaries and a primer are displayed in a third grade English class at Feld school in Suhr, Switzerland, on September 25, 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Englischwoeterbuecher und ein ABC Buch aufgenommen waehrend dem Englischunterricht einer 3. Klasse im Schulhaus Feld am 25. September 2014 in Suhr, Kanton Aargau. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ob Englisch oder Französisch, der Nutzen des frühen Fremdsprachenunterrichts ist laut der internationalen Forschung zumindest umstritten. Das hört die Bildungslobby nicht gerne. Bild: KEYSTONE

Politiker schikanieren wissenschaftliche Kritiker am Frühfranzösisch

18.09.16, 05:33 18.09.16, 08:46


In der internationalen Sprachenforschung geht man davon aus, dass früher Fremdsprachenunterricht für Kinder sich später nicht zwingend vorteilhaft auf die Sprachfähigkeiten der Jugendlichen auswirkt. Schüler, die später Französisch oder Englisch lernen, holen sehr rasch auf. Wer aber als Wissenschaftler in der Schweiz solche Befunde verbreitet, sticht in ein Wespennest, wie die «NZZ am Sonntag» am Beispiel mehrerer Forscher zeigt.

Schuld ist der politisch stark aufgeladene Sprachenstreit um Frühfranzösisch und/oder Frühenglisch. Die Zeitung schildert unter anderem den Fall der jungen Forscherin Simone Pfenninger, die sich daran machte, die Annahme «Früher-desto-besser» zu bestätigen. Es gelang ihr nicht – wie es auch der internationalen Forschung regelmässig nicht gelingt.

Doch anstatt diesen Befund, der weder für Frühenglisch noch für Frühfranzösisch spricht, zur Kenntnis zu nehmen, wurde der Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK, Christoph Eymann, gegenüber Pfenninger persönlich: Ihre Arbeit genüge «offensichtlich qualitativ» nicht, schrieb er in einem Artikel in der «Basler Zeitung» unter Hinweis darauf, dass ihre Studie in einer internationalen Forschungsübersicht nicht berücksichtigt wurde. Aus seiner Sicht können aus der Arbeit der preisgekrönten Forscherin und baldigen Professorin an der Universität Salzburg zudem «keine Erkenntnisse für die aktuelle Diskussion abgeleitet werden».

Christoph Eymann, Praesident der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK, spricht ueber die Milchkuh-Initiative, am Montag, 11. April 2016, in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

EDK-Präsident Christoph Eymann hat etwas dagegen, wenn Pfenningers Studie als «ultimativer Beweis» gegen den frühen Fremdsprachenunterricht herhält. Bild: KEYSTONE

Laut «NZZ am Sonntag» kriegte Pfenninger den Unmut der Politik auch direkt zu spüren. Die Anwesenheit der redegewandten Frau an Podiumsgesprächen sei kritisiert worden und man habe ihr offen gesagt, es wäre besser, wenn ihre Studie nie erschienen wäre. Offenbar ist sie auch kein Einzelfall: Auch andere Studienübersichten, welche die Vorteile des frühen Fremdsprachenunterrichts kritisch beleuchten, kämen bei der «Bildungslobby» schlecht an, heisst es weiter. Politisch Verantwortliche verweigerten das Gespräch und einzelne Forscher bangten um Fördergelder und Karriere. Der Freiburger Professor für Mehrsprachigkeit, Raphael Berthele, kritisiert, dass Resultate und Erkenntnisse selektiv herausgepickt würden.

Eine Erklärung für das angeblich ablehnende Verhalten der Politik gegenüber wissenschaftlichen Kritikern ist laut «NZZ am Sonntag», dass für die EDK viel auf dem Spiel steht: Einerseits geht es um die Macht in der Bildungspolitik – traditionell Sache der Kantone – gegenüber dem Bund. Andererseits wurde viel in die Ausbildung von Lehrern investiert, die Fremdsprachen in der Unterstufe unterrichten. Eine Änderung würde nochmals teuer.

Eymann bestreitet laut der Zeitung, dass er die wissenschaftliche Arbeit Pfenningers geringschätzt. Für ihn sei es aber nicht zulässig, dass ihre Studie als «ultimativer Beweis» gegen den frühen Fremdsprachenunterricht herangezogen wird. Von politischem Druck auf Wissenschaftler wisse er nichts. Aus seiner Sicht gibt es aber zu viele Studien im Bildungsbereich.

(trs)

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • exeswiss 19.09.2016 23:53
    Highlight Zitat Eymann: "Aus seiner Sicht gibt es aber zu viele Studien im Bildungsbereich."

    es kann nie zuviele studien geben, nur zuwenige.
    0 0 Melden
  • blobb 18.09.2016 18:49
    Highlight Jedes Kind sollte so früh wie möglich eine Fremdsprache lernen mit dem Ziel, dass in ein Paar Generationen alle eine gemeinsame Sprache beherrschen. Nicht nur in der Schweiz, sondern am besten weltweit.
    Dazu eignet sich Englisch halt am besten, kann von mir aus aber auch Französisch, Chinesisch oder Esperanto sein. Hauptsache wir fangen an uns zu verstehen.
    Der Stolz auf eine Sprache, ist genau so doof wie der Stolz auf die Grenzen die einen umgeben.
    2 0 Melden
  • dmark 18.09.2016 12:40
    Highlight Ich sah anhand meiner Kinder, dass diese frühsprachliche Erziehung in der Schule, ausser noch mehr lernen, nicht wirklich etwas brachte.
    Dies lief dann weit besser als sie älter wurden...so ab 10 Jahren.
    5 0 Melden
  • pun 18.09.2016 12:33
    Highlight Wir üben doch gerade erst die besseren Methoden für einen frühen Fremdsprachunterricht ein. Kein Büffeln, sondern Spass an der Sprache und selbsttätiges forschendes Lernen. Der LP21 ist ein wichtiger Schritt dahin.
    Wir entwicklen uns zum Glück weiter, aber in Sache begeisterndes Fremdsprachenlernen haben wir noch ein gutes Stück weg vor uns.
    5 7 Melden
  • Likos 18.09.2016 11:48
    Highlight Ich finde Sprachunterricht generell eher nutzlos.. was lernt man schon in 1-2 Lektionen die Wochen zwischen all den anderen Fächern?
    Hinter jedem unserer "Sprachbezirke" steht ein grosses Land daneben was uns alles Mundgerecht liefert, wir können wunderbar isoliert in unserer Sprache leben.
    Das "kalte Wasser" wo uns zu anderen Sprachen "zwingt", fehlt uns völlig.
    Sprache müsste die Schule irgendwie intensiver vermitteln können, nicht früher.
    4 6 Melden
    • lilie 18.09.2016 20:47
      Highlight @Likos: Das stimmt schon. Aber ich denke, der Sprachunterricht sollte einfach mal gewisse Grundlagen vermitteln.

      Wer die Sprache richtig lernen will, macht einen Sprachaufenthalt.
      0 0 Melden
  • Phrosch 18.09.2016 11:12
    Highlight Vor gefühlten 100 Jahren lernte ich im Gymi ab 13 Franz und ab 16 Englisch, und fast alle in der Klasse brachten es in bei der Matur in beiden Fächern mindestens auf das, was heute Niveau B2 ist. Ich vermute mal kühn, dass dies heute auch erreicht wird, allerdings mit sehr viel mehr Aufwand unter gleichzeitiger Vernachlässugung von Mathe und Muttersprache. Die Stunden für Fremdsprachen werden ja woanders abgezwackt.
    7 0 Melden
    • who cares? 18.09.2016 12:47
      Highlight Bei mir waren es ab 10 Franz und ab 12 English, Abschlussjahrgang 2014. Dafür wars dann bei der Matur Niveau C1.
      0 0 Melden
  • lilie 18.09.2016 10:37
    Highlight Es ist doch irgendwie naheliegend, dass Kinder überfordert sind, wenn sie zwei Fremdsprachen gleichzeitig lernen müssen.

    Ich bin dafür, dass man Englisch in der Oberstufe oder von mir aus ab der 5. Klasse oder so unterrichtet. Früher nicht, denn etwas vergessen wohl die Herren (und Damen?) Bildungspolitiker: Deutschschweizer Schulkinder müssen zuerst einmal Hochdeutsch reden und schreiben lernen!

    Mit Englisch kommt man gut durch in der Schweiz und auf der Welt. Sprachinteressierte Kinder können ja trotzdem weitere Sprachen lernen wie Französisch, Spanisch oder was immer sie interessiert.
    5 2 Melden
  • dracului 18.09.2016 09:55
    Highlight Ich sehe ein Problem darin, dass hierzulande die Lehrer dazu verdonnert werden eine Sprache zu lehren, die sie selber kaum sprechen. Der Kontakt mit Lehrpersonen, die eine Sprache als Muttersprache beherrschen, wäre gerade im Frühsprachemunterricht unabdingbar. Im Moment zerstören die Kantone die Freude an der Sprachenvielfalt mit ihren unbeholfenen Früh-Français-Fédéral-Versuchen. Erlösen wir die Lehrer und Politiker und tun wir zur Abwechslung mal etwas Sinnvolles für die Kinder! Gerade Französischlehrpersonen hätten wir in der Schweiz quasi vor der Tür bzw. in den Nachbarkantonen.
    27 1 Melden
  • Luca Brasi 18.09.2016 09:51
    Highlight Schafft das Frühenglisch endlich ab! ;)
    11 8 Melden
  • pamayer 18.09.2016 09:50
    Highlight Wirklich viel bringt der frühe Fremdsprachenunterricht nicht. Und 100% nicht ansatzweise, was er für den geleisteten Ansatz hätte bringen sollen.
    15 1 Melden
  • Mircs 18.09.2016 09:44
    Highlight Die Aussage "früher Fremdsprachenunterricht sei nicht zwingend fördernd für die Zukunft" ist also das beste Argument?!.. Viele Schüler sind nach der obligatorischen Schulzeit immernoch ahnungslos in Mathematik und damit beginnt man in der 1.Klasse.

    Es gibt kaum etwas besseres als Bilingual aufzuwachsen. Nur dieses Glück hat nicht jeder, deshalb ist es wichtig, dass möglichst früh damit begonnen wird. Unsere Englisch- und Französischkenntnisse als Zweit- und Drittsprache sind grösser als sonst irgendwo auf der Erde. Genau deshalb muss dies so behalten werden.
    12 12 Melden
    • Sveminem 18.09.2016 11:11
      Highlight Aber mit ca 3 Stunden pro Woche kann man halt nicht "bilingual" aufwachsen...
      Bin dafür, dass die Kinder erst mal richtig Deutsch lernen bevor man sie mit einer Fremdsprache überfordert.
      7 0 Melden
  • Töfflifahrer 18.09.2016 08:16
    Highlight Für unsere hochgelobten Politiker ist wohl die Bildung wirklich das Letzte an dem sie sich noch so richtig austoben können. Daher wohl die Inquisition. Wer schon mal gesehen hat wie schnell junge Leute Sprachen lernen, wenn sie wollen und es sie auch interessiert, glaubt den Studien sich eher als dem unqualifizierten Geplapper einiger narzisstisch veranlagter Politiker. Die als Qualifikation gerade mal ihren eigenen Schulbesuch vorweisen können.
    Wie in allen Gebieten darf man doch verlangen, dass diese sog. Volksvertreter alle Informationen adäquat berücksichtigen.
    28 1 Melden
  • Piri 18.09.2016 06:20
    Highlight Diese Ignoranz ist schon sträflich, schon Remo Largo kritisierte den Frühfremdsprachunterricht. Dann kostet es den Steuerzahlet viel Geld und viele Kinder sind mit zwei Fremdsprachen schlichtweg überfordert und entwickeln vor allem eine Aversion aufs Französisch. Ich kenne etliche Kinder, die Französisvh hassen inkl. meiner und wir hatten bezüglich dieser Sorache schon früh, schwierige Hausaufgsbenmomente !!
    29 3 Melden
    • Oban 18.09.2016 09:49
      Highlight Leider ist es dann ja auch so, das man Franz. als Erwachsener kaum braucht. Gerade wieder erlebt an einem Treffen im Ausland, Leute aus Ländern die mit Englisch früh beginnen (Holland, Schweden usw.) sprechen die Sprache beinahe wie ein Nativspeaker, die Italiener, sowie auch ich (Alter30-50) die nur am ende Schulzeit mit Englisch in Kontakt kamen, hatten wie üblich mühe. Umgangssprache in der Wirtschaft ist Englisch, Franz. spricht kaum einer, abgesehen von Franzosen und selbst die können Heute Englisch, weil du auch dort keinen Job bekommst der international ist ohne Englisch auf min B2.
      9 2 Melden
    • R&B 18.09.2016 13:02
      Highlight @Oban: Obwohl es von Vorteil ist, wenn man Französisch versteht, um das Englisch der Franzosen zu verstehen. Ist oft wirklich so! 😂😂😂
      5 0 Melden

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