Schweiz
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25 Probanden mussten im Wochenabstand Stickstoffdioxid einatmen. Bild: KEYSTONE

Abgasversuche an Menschen? In der Schweiz kein Problem

Dubiose Abgas-Experimente an Affen und Menschen im Namen der Autolobby sorgten am Sonntag für Schlagzeilen. Diese Versuche hätten ohne Probleme auch in der Schweiz durchgeführt werden können. 

30.01.18, 09:23 30.01.18, 17:23


Ein weiterer Skandal erschütterte am Wochenende die Autobranche. Die Stuttgarter Zeitung machte publik, dass die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit, kurz EUGT, dubiose Experimente an Abgasversuche an Affen und Menschen in Auftrag gab.

Als Vertreter des Vereins EUGT traten Faport AG, Daimler, BMW und Volkswagen auf. Als Ziel gaben sie an, den aktuellen Wissensstand zu «umweltmedizinischen relevanten Auswirkungen des Verkehrs» zu dokumentieren, Studien und Daten «insbesondere im Bereich der Komplexität von Luftgemischen» zu bewerten.

2015 wurden die ersten Abgasversuche an Affen durchgeführt. Ein Jahr später folgten Versuche mit Menschen. Federführender Wissenschaftler bei Letzteren war Thomas Kraus, Professor für Arbeits- und Umweltmedizin am Uniklinikum Aachen.

Kraus engagierte laut einem Report der EUGT 25 junge, gesunde Testpersonen, die im Wochenabstand jeweils für drei Stunden unterschiedlichen Stickstoffdioxid-Konzentrationen ausgesetzt wurden. Kraus holte dafür laut eigenen Angaben ein Votum der Ethikkommission der Fakultät ein. Die Kommission gab ihm grünes Licht und stufte den Versuch als vertretbar ein.

Ein Blick auf die Schweiz zeigt: Auch hier hätten solche Versuche durchgeführt werden können. 

Gibt es auch in der Schweiz Tier- und Menschenversuche?

Ja. Die meisten Tierversuche werden vor allem durch Hochschulen und Industrie durchgeführt. Dazu gehören Wirksamkeitsprüfungen von Medikamenten oder pharmakologische Unbedenklichkeitsprüfungen. Wer medizinische Versuche an Tieren durchführen will, muss ein entsprechendes Gesuch bei der zuständigen kantonalen Behörde einreichen. Darin müssen die Forscher unter anderem aufzeigen, dass der Nutzen für die Gesellschaft stärker ins Gewicht fällt als das Leiden des Tieres. 

Bei der Forschung an Menschen sieht es etwas anders aus. Lange war die Humanforschung in der Schweiz uneinheitlich und lückenhaft geregelt. Seit 2014 ist das Humanforschungsgesetz in Kraft. Es regelt jedoch nur die Forschung zu Krankheiten des Menschen und zur Funktion und Aufbau des menschlichen Körpers. Wer dazu forschen möchte, braucht eine Bewilligung des Heilmittelinstituts Swissmedic sowie der zuständigen Ethikkommission. 

Lange wurden auch an lebenden Menschen Versuche durchgeführt: 

Wäre ein solcher Abgasversuch an Menschen auch in der Schweiz möglich?

«Grundsätzlich ja», bestätigt Peter Kleist von der Ethikkommission des Kantons Zürich. Denn ein solcher Versuch fiele in der Schweiz, höchstwahrscheinlich nicht unter das Humanforschungsgesetz und müsste somit auch nicht von der Ethikkommission bewilligt werden. Grund dafür: Bei dem Abgasversuch handelt es sich nicht primär um Forschung am Menschen, der Zweck ist ein anderer. Wenn also eine Schweizer Firma Probanden für ein solches Projekt findet, muss sie lediglich die Bestimmungen zum Datenschutzgesetz einhalten.

«Solche Abgasversuche mit Menschen sind aber extrem bedenklich», sagt Kleist. «Die Probanden werden einem potenziell schädlichen Gas ausgesetzt, dessen Einflüsse aber nur kurzfristig überprüft werden.» Der Informationsgehalt des Versuchs sei somit extrem klein. So können laut Kleist – bei fehlendem Nutzen – auch kleinste Risiken kaum gerechtfertigt werden.

Gibt es Widerstand gegen Versuche an Menschen?

Ja. Ein Komitee sammelt derzeit Unterschriften für eine Volksinitiative, die ein Tier- und Menschenversuchsverbot verlangt. Irene Varga, Co-Präsidentin der Initiative, verurteilt die von der EUGT durchgeführten Abgasversuche scharf. «Ich wäre sehr schockiert, wenn Schweizer Unternehmen ebenfalls Menschenversuche im In- und Ausland durchführen lassen würden.» Bisher seien ihr Humanversuche nur im Pharmabereich bekannt. Diese lehnt sie ebenfalls ab.

Vargas geht davon aus, dass sich viele Probanden nur für Versuche zur Verfügung stellen, weil sie auf Geld angewiesen oder schlecht informiert sind: «Firmen locken häufig mit einem finanziellen Zustupf. Zusätzlich wird häufig der gesundheitliche Aspekt heruntergespielt und falsche Sicherheit vorgegaukelt.»

Besonders bei schwer erkrankten Personen, die an Forschungsstudien teilnehmen, spielt laut Varga ein weitere Motivation eine wichtige Rolle: «Für viele ist es der verzweifelte Griff nach dem letzten Strohhalm, in der oft irrigen Annahme, dass man nichts mehr zu verlieren habe.»

Forscher sollen Abgase an Menschen getestet haben

Video: srf

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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13
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Andrea 30.01.2018 10:19
    Highlight Wir brauchen Tierversuche, NICHT!

    13 32 Melden
    • Luca Andrea 30.01.2018 12:37
      Highlight lasst euch nicht vom reisserischen titel beirren und schaut euch das video an.
      es kommen sehr gute argumente warum tierversuche unnötig sind, wie sie finanziert werden etc. machen muss und welche alternativen es gibt.
      zB. menschliches Gewebe in vitro testen, oder simulationen am computer in silico machen, oder freiwillige mit mikrodosen testen
      5 14 Melden
    • Mutzli 30.01.2018 13:59
      Highlight 1/2 Das ist reichlich irrelevant. Kritik und Vorsicht im Bezug auf Tierversuche ist sicherlich angebracht um schädliche Exzesse zu vermeiden. Tierversuche generell verbieten hingegen...Selbst man mal die medizinische Forschung aussen vor lässt (die im übrigen um vieles humaner als noch vor z.B. 15 Jahren ist), ist Ihnen eigentlich bewusst was in der Schweiz bereits alles als Tierversuch gilt?
      Bei einer wiss. Exkursion eine Schlange einfangen um sie zu untersuchen oder Studenten zu zeigen: Tierversuch. Vet. Studenten die einer Kuh beim Gebären untersuchen sollen: Tierversuch. etc.
      5 4 Melden
    • Mutzli 30.01.2018 14:03
      Highlight 2/2 Das heisst nicht, dass diese restriktive Praxis per se falsch ist, aber man muss sich bewusst sein, dass mit einem generellen Verbot somit auch praktisch die Tiermedizinische Ausbildung und biologische Feldversuche verunmöglicht würden.

      Um doch noch kurz zur Medizin zurückzukommen: Es besteht bereits ein Problem der Übertragbarkeit bei Versuchen mit anderen Tieren auf den Mensch; wie um alles in der Welt soll das denn besser werden wenn man nicht mal mehr einen Organismus, sondern nur Zellkulturen benützt? Auch die Simulationen müssten mit Tieren kalibriert werden, sonst ists Nonsens.
      9 4 Melden
    • smoothdude 30.01.2018 19:57
      Highlight Es braucht tierversuche. In vitro kulturen schön und gut aber das ist nur der erste schritt um eine potenzielle wirksamkeit zu testen. Mit den weiteren in vivo esperimenten muss dann noch die potenziell toxische wirkung auf andere zelltypen bzw organe getestet werden, wie auch eine geeignete dosis ermittelt werden. Da menschen wiederum anders dauf die substanz reagieren können, muss schlieslich noch am menschen getestet werden.
      Es gibt mehr als genug fälle, in denen in vitro experimente positive wirkungen gezeigt haben, welche dann in vivo widerlegt wurden
      2 2 Melden
  • kleiner_Schurke 30.01.2018 10:11
    Highlight Sehr geehrte Frau Varga
    Sie unterstellen also den Onkologen, diese würden ihre Patienten schlecht oder falsch informieren um neue Medikamente an diesen zu testen? Frau Varga, schämen sie sich! Ich finde es ist ein absolute Frechheit, was sie da behaupten. Wenn es denn eine Alternative gibt, und damit meine ich nicht Mistelkuren oder homöopathisch verdünnte Ameisen oder Hundekot, dann legen sie diese alternativen Methoden auf den Tisch und weisen sie deren Wirksamkeit nach. Aber bitte ohne diese Methoden am Menschen aus zu probieren.
    72 16 Melden
  • Markus Kappeler 30.01.2018 09:54
    Highlight Es waren keine Abgasversuche sondern Forschung mit unterschiedlichen Stickstoffdioxid-Konzentrationen in der Atemluft. Wenn man wissen will wie viel Stickstoffdioxid-Konzentration gesundheitsschädigend ist, muss man nun mal Forschung betreiben. Als Grenzwert am Arbeitsplatz im Innenraum (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) gilt ein Wert vom 950 µg/m3, während an verkehrsreichen Strassen zwischen 30-60 µg/m3 gemessen werden. Wichtig wäre doch darum zu wissen mit welchen Konzentrationen die freiwilligen Testteilnehmer belastet wurden, das wären mal keine Fakenews.
    88 10 Melden
    • Domsh 30.01.2018 10:58
      Highlight Nein.
      Es gibt bereits Forschung, Ergebnisse und Grenzwerte zu dieser Frage.
      Hier sollte es nur darum gehen, diesen bestehenden Resultaten etwas entgegenzustellen. Ohne Aussage zu Langzeitfolgen nota bene.
      Somit ist das Motiv nicht Beschaffung von Wissen sondern Diskreditierung von bestehendem - der eigenen Gewinnmaximierung hinderlichem - Wissen.
      Deshalb ist es auch verwerflich, falsch und zu verurteilen!
      20 15 Melden
    • Dr. Zoidberg 30.01.2018 11:24
      Highlight lt. dem studienleiter waren die konzentrationen weit unterhalb der grenzwerte der arbeitsplatzverordnungen. dazu kommt, dass man einfach reines stickoxid in die luft gemischt hat und eben keine autoabgase.
      25 2 Melden
    • fcsg 30.01.2018 11:59
      Highlight Laut der Doku in der Netflix-Serie Dirty Money, indem der Leiter dieser Forschungsinstitution in den USA aussagte, wurden die Affen mit Autoabgasen begast und nicht nur Stickstoffdioxid ausgesetzt... Es gab auch eine Skizze mit einer Versuchsanordnung um Menschen direkt mit Autoabgasen zu begasen.
      4 1 Melden

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