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Wenig Schnee, dafür Kälte: Die Gegend um Jeongseon.
Bild: twitter

Zwei Jahre vor Olympia: Wie Bernhard Russi im Niemandsland eine Abfahrtstrecke gebaut hat

Die Weltcup-Woche in Jeongseon stellt die Abfahrtsstrecke der Olympischen Spiele 2018 erstmals ins internationale Schaufenster. Pistenarchitekt Bernhard Russi skizziert den Wandel von den Hängen in unberührter Natur zum renntauglichen Parcours.

04.02.16, 07:13 04.02.16, 07:39

Einst war da Niemandsland. Ein Ort, an dem es bis vor gut 14 Jahren nichts gab als bewaldetes Gelände. Der Berg rief Bernhard Russi gleichwohl – ein erstes Mal am 20. August 2001. Der Urner erinnert sich bestens an seine erste Mission am Mountain Gariwang, rund 50 Autominuten entfernt vom Alpensia Sports Park gelegen, dem olympischen Zentrum in den Bergen.

Das 1. Training

Kjetil Jansrud stellte im ersten Training in der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) die Bestzeit auf, vor dem Österreicher Romed Baumann und dem Italiener Peter Fill.

Von den Schweizern klassierte sich keiner in den Top 15. Carlo Janka war mit 1,30 Sekunden Rückstand 16., Ralph Weber 20. Drittbester Schweizer war Marc Gisin als 29. Beat Feuz, nicht als Trainings-Weltmeister bekannt, reihte sich auf Position 35 ein. (sda)

Russi wurde an jenem Tag 53 Jahre alt. Für das Feiern blieb jedoch keine Zeit. Sich einen Überblick zu verschaffen, erste Abmessungen vorzunehmen und den möglichen Verlauf der Piste zu eruieren, hatte Priorität. Russi weiss viel zu erzählen. Seine Ausführungen sind hochinteressant. Die Mischung aus Information und Geschichten fesselt.

Die Strecke in Jeongseon in 3D.
streamable

Zum informativen Teil gehören selbstredend die Eckdaten der Strecke. Sie ist 2852 Meter lang und weist einen Höhenunterschied von 825 Metern auf. Das Ziel befindet sich auf 545 Metern über Meer. Es ist davon auszugehen, dass der Kurs trotz vier Sprüngen nicht das ganz grosse Spektakel garantiert. Die richtig steilen Passagen fehlen, eine eigentliche Mutprobe gibt es nicht. Überwinden müssen sich die Fahrer nirgends.

Ein von Beat Feuz (@feuz87) gepostetes Foto am

Eine statt zwei Pisten

«Ich spürte, dass wir den Aktivisten entgegenkommen und einen Kompromiss finden mussten.»

Bernhard Russi

Ursprünglich waren es zwei Pisten, für die Russi eine Lösung suchte. Der Plan, für Männer und Frauen eigene Strecken zu bauen, musste aber verworfen werden. Im Verlauf der drei Kandidaturen Pyeongchangs für die Ausrichtung von Winterspielen war der obere Teil des Berges zur Schutzzone erklärt worden. Umweltschützer hatten sich für den Erhalt einer seltenen Baumart stark gemacht. Besagte Bäume stehen vor allem dort, wo die Frauen-Strecke vorgesehen war.

«Ich spürte, dass wir den Aktivisten entgegenkommen und einen Kompromiss finden mussten», erinnert sich Russi. «Noch am selben Abend wurde vereinbart, lediglich eine Piste zu bauen.» Mit Ausnahme eines rund 300 Meter langen Abschnitts ist die Strecke für Männer und Frauen identisch. Weitere Kompromisse hatte Russi nicht einzugehen. «Ich konnte das bauen, was ich mir vorgenommen hatte.»

«Pisten-Vater» Bernhard Russi.
Bild: KEYSTONE

«Ich konnte das bauen, was ich mir vorgenommen hatte.»

Bernhard Russi

Die einzige Abweichung betraf die Traverse kurz nach dem Start, zurückzuführen auf ein kleines Missverständnis. Die einheimischen Arbeiter hatten Russis Vorgabe nicht wie gewünscht umgesetzt. Einfluss auf den Streckenverlauf nahm das Versehen allerdings keinen.

Testfahrer Défago bald Pistenbauer?

Dieser Tage kann Russi zum zweiten Mal auf die Dienste von Didier Défago zählen. «Im vergangenen Sommer waren wir schon einmal gemeinsam vor Ort», erzählt Russi weiter. Diesmal hat Défago eine Doppelfunktion inne. Er stellt sich auch als Testfahrer zur Verfügung – für Russi eine absolute Luxuslösung. «Mit seiner Erfahrung ist er vor allem für den Kurssetzer (Hannes Trinkl, den Verantwortlichen der FIS für den Speed-Bereich, Red.) extrem wichtig.»

Nach Skirennsport sieht's noch nicht aus, aber die Abfahrtsstrecke ist seit einiger Zeit befahrbar.
YouTube/Hello PyeongChang

Ob Défago, der wie Russi eine Lehre als Hochbauzeichner absolviert hat, ihm in der Rolle des Pistenarchitekten folgen wird? «Ich habe mir vor längerer Zeit Gedanken darüber gemacht, wer nach mir diese Aufgabe übernehmen könnte. Mit Didier habe ich vor zwei Jahren schon lose darüber diskutiert. Auf jeden Fall hat er nicht gleich abgewunken.»

Einen zeitlichen Rahmen für seinen Abgang hat sich Russi nicht gesteckt. «Diesbezüglich bin ich kein grosser Planer.» Planen wird er vorläufig weiterhin im Solde der FIS. Mit der Abfahrtspiste für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking steht die nächste Aufgabe bereit. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • c_meier 04.02.2016 13:59
    Highlight braucht es jedes Jahr 2-3 Weltcup-Pisten in der wilden Natur?
    Wahrscheinlich schon, solange das IOC immer in neue Gebiete will und nichts bestehendes nutzen will...
    bzw. die bestehenden Gebiete keine Olympia-Kandidatur..
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 04.02.2016 08:35
    Highlight Die Nachhaltigkeit der Skistätten Winterspiele nimmt immer mehr ab. 2014 fand Russi bei den Russen zwar keine Infrastruktur, dafür wenigstens aber Schnee und Berge vor (und das Skigebiet wird immer noch genutzt). 2018 findet Russi ein paar Hügel und Kälte, Schnee Fehlanzeige. Apropos kein Schnee, 2022 wird dann der Hammer im schweinetrockenen Osten Chinas. Keine Infrastruktur und zwar die Kälte, nicht aber das Wasser für Schneekanonen, dieses wird man hunderte Kilometer anschleppen. Diesbezüglich hätte man doch dem schneesicheren Almaty den Vorrang geben können.
    16 1 Melden
    • Pitar 04.02.2016 17:18
      Highlight dann müsste mann die olympischen spiele halt in der schweiz machen oder irgendwo wo es die infrastruktur hätte, aber das will ja dann auch wieder niemand.
      1 0 Melden

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