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Zwei Jahre sind es nun her, seit der legendäre Star-Koch, Dok-Filmer und Schriftsteller starb. Er hinterlässt eine klaffende Leere. Doch seine Rezepte, die gibt es noch.
Am 25. Juni wäre Anthony Bourdain 64 Jahre alt geworden. Nein, das ist kein runder Geburtstag. Und der Jahrestag seines Todes ist der 8. Juni, ein anderes Datum, also. Aber feiern möchte man Letzteres sowieso nicht. Wenn schon ehren – und dazu eignet sich ein Geburtstag besser. Dieser Artikel ist einzig aus der Feststellung entstanden, dass die Welt ein ärmerer Ort geworden ist, seit uns Bourdain verlassen hat. Niemand ist da, der ihn ersetzen könnte.
Nur schon mit einem US-Präsidenten in Vietnam bun cha essen – wer könnte das sonst?
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Bourdain konnte bisweilen rigide und vernichtende Meinungen zu allem und jenem haben – er hielt von Veganismus ebenso wenig wie von Donald Trump mit seinen durchgebratenen Steaks –, er blieb trotzdem immer interessiert, neues Essen zu entdecken. Berührungsängste hatte er keine. Geschmorte Lunge und Milz ab der Strasse in Sizilien oder Truck-Stop-Chili in einer Chips-Tüte in New Mexico – alles wurde mit grossem Gwunder und Respekt probiert. Und meistens auch für «delicious» befunden.
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Dies notabene von einem klassisch geschulten Chef, der zeitlebens ein Anhänger klassischer französischer cuisine blieb. Tatsächlich ist sein «Les Halles Cookbook» bis heute eines der besten und brauchbarsten Bücher, um sämtliche Klassiker der Bistro-Küche zu lernen. Es ist auch eines der brauchbarsten Bücher, sich in den Stil und das Wesen von Anthony Bourdain zu verlieben.
So spricht der Verfasser eines Kochbuches mit seinen Lesern. Auch sagt er, «Your fries probably suck» oder «Toast your goddamn muffins! Everybody fucks up the muffin».
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Diesen Sprachstil und auch die langen, ausladenden Einführungen, die sämtliche seiner Kochbücher kennzeichnen (ganze sechs Einführungskapitel zählt «The Les Halles Cookbook», bevor man zu den Rezepten kommt), darf Bourdain sich erlauben, weil er ein verdammt unterhaltender Schreiberling ist. Bekannt wurde er nämlich ursprünglich nicht als Koch, sondern als Autor von «The Kitchen Confidential».
Teils Autobiografie, teils Enthüllungsbuch, teils Gonzo-Journalismus – in «Kitchen Confidential» erfährt der Leser, wie sehr Sex und Drogen die ursprünglichen Anreize für Bourdains Einstieg ins Kochgewerbe waren (und die Tatsache, dass «we dressed like pirates and were holding big scary knives all day long»). Ebenso lernt man, weshalb man nie Fisch oder Meeresfrüchte an einem Montag bestellen sollte oder weshalb Brunch ein Beschiss ist.
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Auch schrieb er Krimis und historische Essays. Nachher, mit zunehmender Prominenz, kamen die TV-Shows dazu. Mit «Parts Unknown», seiner letzten Dokuserie, kombinierte er Travelogue, Kochshow und Promi-Interviews, mitunter jenes legendäre Zusammentreffen mit Obama. Die wichtigste Lektion aus Jahren von Food-Travelogues lautet: «Above all, do not be a snob».
Das beste Essen der Welt entstammt nicht Reichtum und Überfluss, sondern Armut. Mit wenigen, qualitativ oft fragwürdigen Zutaten ein leckeres Essen zubereiten. Sei also kein Snob. Hab' Respekt vor dem Essen, vor den Rezepten, sei es ein Cheeseburger oder Tournedos Rossini, die noch so bescheidenen Quellen entstammen. Und deshalb ist Anthony Bourdain, wie es sich für einen langjährigen Restaurant-Chef gehört, auch sehr strikt mit der Methodik. Mach's richtig oder lass' es besser sein. Es gibt einen Grund, weshalb man ein Rezept auf eine gewisse Art zubereitet und nicht anders. Und ausserdem: Es ist nicht schwierig, es richtig zu machen. Weshalb also mindere Qualität in Kauf nehmen?
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Wir vermissen dich, Anthony.
So. Nun zu den Rezepten!
Le sandwich provencal – so was von gut!
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Für 4 bis 8 Personen
Ha – das könnte glatt von mir stammen. In seinem letzten Rezeptbuch, «Appetites», zitiert Bourdain Rezepte seiner family kitchen – so, wie er zuhause mit Frau und Kind isst. Koreanisches Fried Chicken ist dabei. Und Burgers. Und Borscht. Und Sandwiches und Partyfood ... und Pasta.
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Für 4-6 Personen.
Poulet mit literweise Rotwein? Überleg' mal – das kann eigentlich nur Hammer werden. Und: Es hört sich nach mehr Aufwand an, als es in Wahrheit ist. Do it.
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Mit dem hier als Beilage servieren:
Leute, hier werden die Kartoffeln kurz vorgekocht ... im Vollrahm. Du willst leicht und bekömmlich? Dann bis du hier am falschen Platz.
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Für 4 Personen.
Und nun zum Dessert ...
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Anthony bourdain, «appetites; a cookbook», 2015
Video: watson