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Facebook-Insiderin Kate Losse: «Mark Zuckerberg geht es nicht ums Geld»

Sie kennt das grösste soziale Netzwerk der Welt wie nur wenige andere: Facebook-Insiderin Kate Losse spricht über die Macht der Tech-Firmen, Sexismus im Silicon Valley und sie verrät, worauf die Nutzer unbedingt achten müssen.

Publiziert: 08.10.18, 04:57 Aktualisiert: 08.10.18, 08:13
Raffael Schuppisser und Yannick Nock / az

Kate Losse weiss, wie Mark Zuckerberg tickt – das gehörte quasi zu ihrem Jobprofil. Als ehemalige Redenschreiberin des Facebook-Chefs und eine der ersten Mitarbeiterinnen des sozialen Netzwerks war die Amerikanerin entscheidend am Aufstieg der Firma beteiligt. Seit ihrem Abgang wünschen ihr einige ehemalige Mitarbeiter allerdings einen Platz in der Hölle.

Zu Besuch in der Schweiz: Kate Losse war Gastrednerin am Swiss Media Forum in Luzern. Bild: zvg az

Frau Losse, Sie kennen Facebook wie nur wenige andere. Ist das soziale Netzwerk Fluch oder Segen für die Gesellschaft?
Kate Losse: Weder noch. Ich denke, Menschen zu vernetzen, ist eine gute Sache. Darin ist Facebook spitze. Menschen können darüber ihre Ideen auf der ganzen Welt verbreiten. Doch eines lässt sich nicht abstreiten: Je stärker Facebook gewachsen ist, umso grösser sind die Probleme geworden. Fake News, politische Einflussnahme oder der Datenschutz sind riesige Herausforderungen, die Facebook erst noch lösen muss.

Gerade der Daten-Skandal um Cambridge Analytica hat gezeigt, dass persönliche Informationen nicht sicher sind. Ist es naiv, Facebook zu vertrauen?
Der Fall hat zumindest offengelegt, dass das System missbraucht werden kann. Ich glaube aber, dass Facebook daraus gelernt hat.

Wäre nicht mehr Misstrauen angebracht? In Ihrem Buch erwähnen Sie ein Masterpasswort, über das Facebook-Mitarbeiter Zugang auf jeden Account erhalten. Klingt nicht sehr sicher.
Zu jener Zeit war ein solcher Zugang bei den meisten Webportalen verbreitet und absolut üblich. Dass es heute noch ein Master-Passwort gibt, glaube ich nicht.

Die Ghostwriterin

Kate Losse war die erste Redenschreiberin von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Wie sich später herausstellte, war sie auch die öffentliche Stimme ihres Chefs im Internet. Eingestellt wurde sie 2005 als Nummer 51 und damit als eine der ersten weiblichen Mitarbeiterinnen von Facebook. Zwei Jahre nachdem sie Facebook verlassen hatte, erschien 2012 ihre feministische Abrechnung über die Zeit beim sozialen Netzwerk unter dem Titel «The Boy Kings: A Journey Into the Heart of the Social Network». Am Sexismus in der Tech-Branche arbeitet Losse sich bis heute ab – in Artikeln und Essays für die «New York Times» sowie den «New Yorker». Losse lebt in der Nähe von Los Angeles und ist Autorin mehrerer Bücher.

Cambridge Analytica: Der Skandal einfach erklärt

Video: watson/Emily Engkent, Corsin Manser

Undatierte Aufnahme von den Instagram-Gründern Kevin Systrom (rechts) und Mike Krieger (links). Bild: AP/Instagram/Facebook Inc.

Kritik kommt auch vom ehemaligen Whatsapp-Erfinder und von den Co-Gründern des Foto-Netzwerks Instagram. Sie bemängeln die Unternehmensstrategie, insbesondere die viele Werbung und haben mittlerweile gekündigt. Verliert Mark Zuckerberg gerade seine besten Mitarbeiter?
Die Abgänge sind zweifellos einschneidend, gerade Instagram ist für Facebook enorm wichtig geworden. Allerdings kündigen die meisten Gründer von Start-ups, nachdem sie ihre Firma verkauft haben. Die Instagram-Gründer sind sogar verhältnismässig lang geblieben.

Die Jungen nutzen heute lieber Instagram. Hat Facebook die besten Zeiten bereits hinter sich?
Das hängt davon ab, wen man fragt. Menschen, die schon 2007 begeisterte Facebook-Nutzer waren, sind mit den Veränderungen der letzten Jahre vielleicht unzufrieden und wünschen sich die alten Zeiten zurück. Doch neue Features wie beispielsweise der Newsfeed waren für den kommerziellen Erfolg wichtig. Jetzt kommt es darauf an, was Facebook von Instagram lernt. Es wird spannend zu beobachten sein, ob Facebook nun mehr wie Instagram wird, oder ob es sich zu etwas ganz anderem entwickelt.

Mit Fake News und der politischen Werbung, die über Facebook verbreitet werden, steigt auch die soziale Verantwortung. Verdankt Donald Trump seine Wahl zum US-Präsidenten auch Facebook?
Das ist schwierig zu beantworten. Oft wird vergessen, dass politische Werbung auf Facebook nicht verboten ist. Vielen Menschen ist aber nicht bewusst, dass sie personalisierte Informationen erhalten, die ihre Wahl beeinflussen sollen. Sie glauben, die Informationen kämen zufällig und seien eine akkurate Abbildung der Realität.

Liegt es in der Verantwortung der Nutzer, sich über die Algorithmen zu informieren oder sollte Facebook das Vorgehen klarer ausweisen?
Mehr Transparenz wäre sicher hilfreich. Nutzer sollten Klarheit haben, wer hinter einer politischen Empfehlung steht und warum man genau diese Information erhält. Eine gute Idee wäre es auch, wenn die Nutzer ihre Einstellungen so ändern könnten, dass sie mehr Beiträge von politisch Andersdenkenden erhalten. Doch dafür müsste Facebook ein Teil seiner Macht abgeben. Das machen sie im Valley aber nicht gerne.

Facebook erklärt seine Spielregeln:

Facebook schreibt in den Spielregeln: «Wir entfernen Fotos von Personen, auf denen Genitalien oder vollständig entblösste Pobacken zu sehen sind.» EPA/DPA / MAURIZIO GAMBARINI
Was darf rein, was nicht? Nachdem Facebook oft für seinen Umgang mit unerwünschten Inhalten kritisiert wurde, erklärt das soziale Netzwerk jetzt ausführlich sein Regelwerk. Shutterstock
Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Statt eines einzelnen Textes mit elf Kapiteln gibt es nun eine Website mit Links zu verschiedenen Themen und mehr Beispielen als bisher. Getty Images Europe / David Ramos
Neu sind Abschnitte über sexuelle Ausbeutung und Inhalte terroristischer Organisationen. AP Raqqa Media Center of the Islamic State group / UNCREDITED
Ein Team von mehreren 100 Mitarbeitern ist dafür zuständig, verbotene Inhalte aus dem sozialen Netzwerk zu entfernen. Dabei geht es nicht nur um explizite Gewalt, sondern auch um Fälle von Mobbing. KEYSTONE / LUIS BERG
Selbst ein Foto aus der Schule, unter dem einfach nur «Nettes Kleid» steht, könne unter Umständen als Mobbing gemeint sein, sagt die zuständige Facebook-Managerin.
Facebook war in der Vergangenheit immer wieder wegen Entscheidungen zu einzelnen Inhalten kritisiert worden, etwa wenn Bilder von Protesten oder Fotos von Kunstwerken mit Nacktheit entfernt wurden. X90065 / JIM YOUNG
Facebook verlasse sich weitgehend darauf, dass die Nutzer problematische Inhalte selbst melden. X02714 / © Dado Ruvic / Reuters
Nur in einigen Bereichen, vor allem, wenn es um die Sicherheit von Kindern gehe, setze Facebook eine Software ein, die aktiv nach Inhalten (wie zum Beispiel Pornografie) sucht. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Facebook hat nahezu 1,4 Milliarden Nutzer. Zum Umgang mit Nacktheit gibt das Unternehmen ausführliche Erklärungen. APA / DPA/PETER ENDIG
Eine 149 Jahre alte Vagina Vulva, «l'Origine du Monde» des Malers Gustave Courbet, steht im Mittelpunkt eines Rechtsstreits zwischen Facebook und einem französischen Lehrer. Flickr / Michele M. F.
Fotos von Frauen beim Stillen oder Vernarbungen nach Brustamputationen seien jedoch in jedem Fall erlaubt. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON

In Ihrem Buch erwähnen Sie, dass Zuckerberg gerne Sätze wie «Firmen sollten über Länder» von sich gibt. Zeigt das seinen Machthunger?
Ich denke nicht, dass er damit meint, Firmen sollten über der Politik stehen. Er ist kein rücksichtloser Anführer. Er sprach in Meetings auch gerne von Revolution oder darüber, den Markt zu dominieren. Das kann für Nicht-Amerikaner einschüchternd klingen, in den USA sind solche Ausdrücke aber positiv behaftet. Es geht darum, erfolgreich zu sein.

«Donald Trump gelingt es mit seinen Reden, das Publikum zu inspirieren. Das ist eine Stärke.»

Kate Losse

Sie haben eng mit Zuckerberg zusammengearbeitet. Was motivierte ihn?
Mark geht es nicht ums Geld. Seine Vision war es immer, die Menschen zu vernetzen. Das Geld, das er damit verdient, ist für ihn nur ein netter Nebeneffekt. Er will Grenzen einreissen und die Welt verändern.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Bild: EPA/DPA

Was war 2005 Ihre Motivation bei der damals kleinen Firma Facebook anzufangen.
Ich war genauso wie Mark fasziniert davon, Menschen zu vernetzen. Was mir gefiel, war, wie gut organisiert und einfach Facebook aufgebaut war. Dagegen war MySpace (das damals dominante soziale Netzwerk; Anm. d. Red.), ein grosses Durcheinander. Für mich ist diese Unordnung der Grund, warum MySpace nie zu einem Massenphänomen geworden ist. Die Nutzer waren überfordert.

In Ihrem Buch prangern Sie den Sexismus im Silicon Valley an. Wie war es für Sie, als eine der ersten Frauen bei Facebook?
Im Valley gibt es sehr viel maskuline Energie. Der Sexismus, der daraus resultiert, ist allerdings nicht sofort ersichtlich. Bei der #Metoo-Debatte geht es meistens um Übergriffe von Männern auf Frauen. Das sind schlimme Einzelschicksale. Im Valley ist der Sexismus mehr ein strukturelles Problem. Gerade in der Informatik wird den Frauen oft weniger zugetraut. Das habe ich zu Beginn oft festgestellt.

Was raten Sie Frauen, die in einer von Männer dominierten Firma arbeiten?
Es ist wichtig, sich immer bewusst zu machen, dass die eigene Arbeit gleich viel wert ist, wie jene der männlichen Kollegen. Ausserdem sollte man seine Rechte kennen und Unterstützung anfordern, wenn man sie braucht. Ich glaube noch immer, dass man weit kommt, wenn man mit anderen respektvoll umgeht und ihnen zu verstehen gibt, dass man das auch von ihnen erwartet.

«Hate Speech» bei Facebook – was toleriert wird, und was nicht:

Dürfen Facebook-Nutzer «Asylanten raus» fordern und Flüchtlinge als «faule Räuber und Diebe» bezeichnen, «die unser Land überschwemmen»? Die Antwort lautet ... EPA/EPA / KOCA SULEJMANOVIC
... Ja. Zwar bilden Flüchtlinge für Facebook eine «quasi geschützte Gruppe». Doch geniessen sie weniger Schutz als andere, vollständig geschützte Gruppen wie etwa «Rasse» (Race), Ethnie oder nationale Herkunft. EPA/EPA / MOHAMMED BADRA
Facebook hält das Grundrecht der freien Meinungsäusserung auch für verächtliche Postings hoch. Demnach ist erlaubt zu schreiben, dass man Migranten für faul und für dreckige Diebe und Räuber hält, die nur nach Europa kommen, um die Sozialsysteme auszubeuten. AP/AP / Ferdinand Ostrop
Facebook hält in der internen Definition zu der «Quasi Protected Category (QPC)» der Migranten fest, dass es nicht auf deren Motivation ankomme.
Die Bestimmungen zu Hassreden («Hate Speech») gelten für Menschen, die vor Kriegen und Naturkatastrophen flüchten, aber auch für Wirtschaftsflüchtlinge. kaltura://1789921/178992100/71000/1_4yjt7uy2 / reuters-video
Interessant sei die Fussnote zum internen Facebook-Dokument, hält die «Süddeutsche Zeitung» fest. Darin heisse es: «Flüchtlinge sind eine verletzliche Gruppe, und wir wollen entwürdigende Kommentare entfernen, die sich gegen sie richten. Gleichzeitig wollen wir eine breite gesellschaftliche Debatte über Migration ermöglichen, ein wichtiges Thema in den kommenden Wahlkämpfen.» EPA DPA / MARTIN SCHUTT
Unangetastet bleiben sollen gemäss den internen Facebook-Richtlinien auch andere erniedrigende Postings, wenn sie sich gegen Migranten richten ... ap/ap / MOHAME BEN KHALIFA
... und nicht gegen Engländer, US-Amerikaner oder Schweizer. Denn die nationale Herkunft gehört zu einer von acht geschützten Facebook-Kategorien (im Gegensatz zu den Ländern selbst).
Geschützt werden sollen die Migranten aber bei eindeutigen Drohungen. Solche Äusserungen sollen die Facebook-Moderatoren löschen. EPA/EFE / MIGUEL PAQUET
Gelöscht werden sollen auch entmenschlichende Zuschreibungen, wie zum Beispiel: «Migranten sind dreckige Kakerlaken, die unser Land überschwemmen.»
Dürfen Facebook-Nutzer dazu aufrufen, dicke Menschen umzubringen? shutterstock / shutterstock
Das wird in der Tat toleriert. Da das Körpergewicht ein veränderliches Merkmal sei, zählt Facebook Hass-Postings gegen Fettleibige nicht als Hassrede, die gelöscht werden muss. Gleiches gilt für Alter, Beruf, Haarfarbe und viele andere Eigenschaften.
Vor Hassrede geschützt sind weder Reiche und Arme ...
... noch US-Demokraten, Kommunisten oder Grüne.
Die anderen sieben geschützten Kategorien sind: Geschlecht (Gender), sexuelle Orientierung, Rasse, Ethnie sowie schwerwiegende und dauerhafte Behinderungen oder Krankheiten.
Wenn eine der genannten Gruppen bedroht, beleidigt, herabgesetzt oder ausgegrenzt wird, soll der entsprechende Beitrag von den zuständigen Moderatoren entfernt werden. Allerdings muss der Beitrag von einem Facebook-User «gemeldet» worden sein.
Kompliziert wird es, sobald unterschiedliche Kategorien zusammenfallen. Was ist mit «Bringt alle Muslime um»? Laut Facebook-Regelung ... AP / OSMAN ORSAL
... ein klarer Fall: Religiöse Überzeugung zählt zu den geschützten Kategorien, solche Äusserungen werden nicht toleriert. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Gelöscht werden muss auch: «Bringt alle muslimischen Flüchtlinge um!» Hingegen ... AP/AP / Bernat Armangue
... erlaubt ist «Bringt alle muslimischen Lehrer um», ebenso Gewaltaufrufe gegen muslimische Arbeitslose, Teenager, Dunkelhaarige, Reiche oder Fettleibige. AP/AP / Bernat Armangue
Was ist mit «Alle Terroristen sind Muslime»? Gemäss Facebook-Regelung ... AP/AP / Bernat Armangue
... ist dies eine zulässige Aussage, da Terroristen keine geschützte Gruppe sind. AP/AP / Giannis Papanikos
Gelöscht werden müsste dagegen: «Alle Muslime sind Terroristen». EPA/EFE / Quique Garcia
Elend kompliziert, ja! Dieses Flussdiagramm soll Facebook-Moderatoren instruieren, wie sie vorgehen müssen, wenn geschützte Gruppen bedroht oder beleidigt werden.
Die Mehrheit der Facebook-User bleibt im Unklaren. Vage formuliert finden sich die Regeln auch in den öffentlichen «Gemeinschaftsstandards» von Facebook.

Würden Sie gerne wieder in einer grossen Tech-Firma arbeiten?
Es wäre komisch, wieder zu Facebook zurückzukehren, zu jener Firma, die ich als kleines Start-up in Erinnerung habe. Das Schöne an kleinen Unternehmen ist, dass man über den ganzen Geschäftsbereich Bescheid weiss und zu allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen direkten Draht aufbauen kann. Das ist heute bei Facebook oder anderen grossen Unternehmen kaum mehr möglich.

Zuckerberg wird als möglicher US-Präsidentschaftskandidat gehandelt. Würden Sie ihn wählen?
Über Politik haben wir kaum miteinander gesprochen. Keine Ahnung, ob er als Demokrat oder Republikaner antreten würde. Deshalb kann ich auch nicht sagen, ob ich ihm meine Stimme geben würde.

Sie glauben, dass er für die Republikaner antreten könnte?
Nun, das Silicon Valley ist politisch gespalten. Facebook hat sowohl Geld an die Demokraten als auch an die Republikaner gespendet, zuletzt sogar mehr an die Republikaner. So eindeutig ist die Sache also nicht.

Sie waren Zuckerbergs Ghostwriterin. Was war die grösste Herausforderung?
Das Schwierige war, seine Vision in verständliche Worte zu fassen. Wie kann man den Leuten erklären, dass Facebook die Welt auf eine gute Art und Weise verändern und vernetzen will? Das ist abstrakt und nicht gerade einfach.

Ist Mark Zuckerberg ein guter Redner?
Früher hatte er einen speziellen Stil, alles andere als blumig, ziemlich abstrakt, aber sehr präzis. Er sprach ein bisschen, wie wenn man programmiert. Ich versuchte, seine Reden in diesem Stil zu schreiben. Wenn ich heute wieder einmal eine Rede von ihm höre, merke ich, dass sich sein Stil und sein Vokabular verändert haben. Er versucht nun, nicht nur die Technik-Szene anzusprechen, sondern die breite Öffentlichkeit. Ausserdem scheint er bei einem Auftritt besser vorbereitet zu sein.

Twitter und Facebook über russischen Einfluss bei US-Wahlen:

Video: srf

Also ist er nicht mehr so authentisch wie früher.
Das würde ich nicht sagen, er hat sich einfach weiterentwickelt.

Cynthia Nixon Bild: AP/FR103966 AP

Für wen würden Sie heute gerne eine Rede schreiben?
Die Politik ändert sich rasend schnell. In den USA streben gerade viele junge Politiker nach oben. Denken Sie nur an die 28-jährige Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez aus New York. Oder an die Schauspielerin Cynthia Nixon, ein Star aus der Serie «Sex and the City». Sie wäre spannend. Allerdings ist Nixon gerade als Gouverneurskandidatin gescheitert.

Ist es schwieriger, für das andere Geschlecht zu schreiben, wie Sie es bei Zuckerberg getan haben?
Nein, denn es geht um ein gutes Gehör und die Sprache. Ich habe Mark jahrelang im Büro gehört, ich wusste, wie er spricht, welche Wörter er benutzt. Deshalb war es nicht so schwierig für mich, seine Reden zu schreiben.

US-Präsident Donald Trump Bild: EPA/EPA

Eine unkonventionelle Art zu reden, hat Donald Trump. Wie bewerten Sie ihn aus Sicht einer Redenschreiberin?
Spannend sind für mich die Unterschiede zu seinem Vorgänger. Obama war sehr staatsmännisch, klassisch und hat die Leute erreicht. In den USA gibt es aber auch Menschen, die mit Trumps Art zu reden viel mehr anfangen können. Sie fühlen sich verstanden, gerade weil er nicht staatsmännisch spricht, sondern wie jemand von der Strasse, wie ein Nachbar. Die Stärke eines guten Redners ist es, eine Verbindung zu den Menschen herzustellen und sie zu inspirieren. Das gelingt Trump.

Warum haben Sie 2010 Facebook verlassen?
Ich habe meine Zeit sehr genossen, es war wahrscheinlich der beste Moment, um bei Facebook zu arbeiten. Mir war aber schon 2010 klar, dass der Druck von aussen bald grösser werden wird, dass die Meinung, dass soziale Netzwerke nur Gutes tun und viel Spass bringt, bald zu Ende gehen würde. Doch davon will die Facebook-Kultur am liebsten nichts hören. Das war ein Grund.

Sheryl Sandberg Bild: EPA/EPA

Ein Mitarbeiter aus dem PR-Büro von Facebook schrieb Ihnen, nachdem Sie es gewagt hatten, Sheryl Sandberg, die Co-Geschäftsführerin öffentlich zu kritisieren: «Es gibt einen speziellen Ort in der Hölle für Menschen wie dich.» Wie gehen sie mit solchen Anfeindungen um?
Ich habe einen fundierten Artikel über das Thema Feminismus im Silicon Valley geschrieben. Dass Facebook dermassen plump reagiert hat, überrascht mich nicht. Ähnlich fiel doch letzte Woche die Reaktion aus, als ein Whatsapp-Gründer die Firma kritisiert hatte. Die Facebook-Mitarbeiter werden nervös, wenn sie die Kommunikation über die Firma nicht mehr kontrollieren können.

Ist Zuckerberg offen für Kritik?
Fast niemand traut sich, Mark zu kritisieren. Sie müssen verstehen, es geht um Macht. Mark ist auf einem ganz anderen Level angekommen. Er ist mächtiger und reicher als fast jeder andere in den USA – vielleicht sogar der Welt. Es ist nicht so, dass man heute mit ihm in einem Meeting sitzt und sagt: «Ich finde deine Idee schlecht, wir sollten es anders machen.»

Haben Sie das früher getan?
Es gab Momente, in denen ich sagte «das ist keine gute Idee». Da ging es aber nicht um die Ausrichtung der Firma, sondern um kleinere Probleme. Man muss vorsichtig sein, was man kritisiert.

Letzte Frage: Welche Vorurteile von der Schweiz haben sich in Ihrem Besuch hier bestätigt.
Wenn ich mir die Schweiz anschaue, sehe ich das gelobte Land. Ich nehme an, dass es nicht ganz so ist, aber mir scheint, als seien hier tatsächlich alle neutral, höflich und kommen gut miteinander aus. Ganz anders als derzeit in den USA. Für mich als Amerikanerin ist das ein schönes Erlebnis, geradezu eine Erleichterung. (aargauerzeitung.ch)

Fragst du dich, warum du überall neuen AGB zustimmen musst?

Video: watson/Corsin Manser, Emily Engkent, Lya Saxer

Warum Facebook nicht zu trauen ist

Mark Zuckerberg hat ein Monster geschaffen, das nicht zu zähmen ist

«Kann ich verhindern, dass WhatsApp meine Daten an Facebook weiterreicht?» – Antwort: NEIN

Facebook sucks

Wir müssen die Meinungsfreiheit stärken, nicht beschneiden

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