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Gewisse Entscheidungen verlangen nach einem cleveren System, ich weiss. 
Gewisse Entscheidungen verlangen nach einem cleveren System, ich weiss. 
FragFrauFreitag

Liebe Kafi Freitag. Unsere Familie besteht aus zwei Erwachsenen und drei Kindern. Bis jetzt waren für uns demokratisch gefällte Entscheidungen kein Problem. 

Da jetzt der Kleinste aber in ein Alter kommt in dem er mitentscheiden kann, sind wir Erwachsenen plötzlich in der Minderheit und verlieren eine Abstimmung nach der anderen. Davor waren wir zwar auch selten Sieger, aber ein Unentschieden gab uns allen zumindest die Möglichkeit, durch eine Diskussion einen befriedigenden Entscheid herbei zu führen. Nun meine Frage an Sie: dürfen wir kurzerhand einer Kinderstimme einen tieferen Wert zumessen? Indem wir zum Beispiel sagen, sie zähle nur ein Drittel? Und könnte man die darauf folgenden Entscheidungen denn überhaupt noch demokratisch nennen? Oder sollten wir jetzt, da wir in der Minderheit sind, nicht gleich eine Diktatur einführen damit unsere Interessen gewahrt bleiben? Das wäre dann zumindest ehrlich. Mit herzlichen Grüssen, Regula, 46
27.04.2016, 09:24

Liebe Regula

Manchmal kommen Fragen rein, bei denen ich nicht ganz sicher bin, ob sie wirklich ernst gemeint sind. So erging es mir eben bei der Ihren. Aber irgendwie sagt mir eine innere Stimme, dass bei Ihnen Zuhause tatsächlich eine Scheindemokratie herrscht, die eine eigentliche Diktatur übertünchen soll und dass Sie es tatsächlich ernst meinen damit. Sie haben sich da ein System aufgebaut, dass mit 3 Kindern nicht mehr aufgeht.

Schön doof, wüki.

Das hätten Sie sich im Laufe der Familienplanung mal etwas besser überlegen sollen, weil wenn sie denn mal da sind, gibt man sie ja ungern wieder weg, gell. Und wenn man sich dann mal durchgerungen hat, auf eines zu verzichten, welches wäre es dann? Das, was noch nicht wirklich gut verhandeln kann und sich darum immer den beiden grösseren anschliesst oder doch das älteste, was ja die Linie vorgibt? Ach, ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken dieser Tage.

Der Nachteil von Scheinsystemen ist immer der, dass sie früher oder später auffliegen. Sie haben da was etabliert was nur so lange funktioniert, wie sie ein Vetorecht haben, welches Sie hübsch verpackt als Entscheid auf Diskussionsebene verkaufen können. Was genau wollten Sie mit dieser Regierungsform erreichen? Wollten Sie Ihren Kindern vorgaukeln, dass Sie ein Mitspracherecht auf Augenhöhe hätten? Oder Ihnen die Vorteile einer Demokratie aufzeigen? Wollten Sie die Verantwortung für Entscheidungen an das Absolute Mehr delegieren und sich selber daraus stehlen? Oder so tun, als wären Sie und Ihre Kinder Gschpändli, die alles zusammen besprechen?

Das hätten Sie sich im Laufe der Familienplanung mal etwas besser überlegen sollen, weil wenn sie denn mal da sind, gibt man sie ja ungern wieder weg, gell.

Was auch immer Ihr Motiv war, der Plan geht nicht auf, wie Sie jetzt erkennen müssen. Das hätte ich Ihnen schon vorher sagen können.

Wann immer Eltern versuchen, sich mit den Kindern zu verkumpeln, geht es in die Hose. Und das ist auch richtig so. Denn schliesslich sind Sie die Eltern und nicht die Freunde Ihrer Kinder.

Sie tragen die Verantwortung für diese kleinen Menschlein und alle Entscheidungen, die ringsherum um diese gefällt werden müssen. Das können Sie nicht übertragen, auch wenn es nett und modern klingt. Und ja ich weiss, dass wir hier nicht von den grossen und gewichtigen Entscheidungen reden, sondern vermutlich eher so von Themen wie der Wochenendplanung oder der Menüplanung fürs Mittagessen. Aber wenn Sie noch nicht einmal bereit sind, sich in solchen Fragen der Mehrheit zu beugen, dann frage ich mich erst recht, was diese Familiendemokratie soll.

Ich weiss, dass wir in der Kindererziehung alle einen persönlichen Mittelweg zwischen totaler Autorität und Laisser-faire suchen und dafür manchmal abenteuerliche Wege einschlagen. Mein Sohn und ich sprechen ganz oft Entscheidungen ab und suchen nach Lösungen, die für uns beide stimmen. Aber dennoch herrscht in letzter Konsequenz eine Diktatur bei uns Zuhause und daraus mache ich auch keinen Hehl. Ich trage die Verantwortung und darum bin auch ich es, welche bei uns Dekrete erlässt. Das klingt wenig trendy und mag nicht so recht ins hippe Bild von moderner Elternschaft passen. Aber unter dem Strich ist es vor allem eines; nämlich ehrlich.

Welchen Weg auch immer Sie einschlagen, finden Sie den, der Ihren Kindern nichts vormacht. Weil früher oder später merken Sie das uns zahlen es einem heim!

Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Hallo Kafi. Kürzlich stand unser Nachbarsjunge schreiend und tobend auf dem Balkon. Er wurde von der Nachbarin dorthin ausgesperrt. Darf eine Mutter ihr Kind auf dem Balkon aussperren, wenn es austickt? Werner, 44
Hoi Kafi. Wie bringt man ein Kind davon ab, Fluchwörter zu benutzen? Liebe Grüsse. Sandra, 30
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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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