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Gewisse Entscheidungen verlangen nach einem cleveren System, ich weiss. 

FragFrauFreitag

Liebe Kafi Freitag. Unsere Familie besteht aus zwei Erwachsenen und drei Kindern. Bis jetzt waren für uns demokratisch gefällte Entscheidungen kein Problem. 

Da jetzt der Kleinste aber in ein Alter kommt in dem er mitentscheiden kann, sind wir Erwachsenen plötzlich in der Minderheit und verlieren eine Abstimmung nach der anderen. Davor waren wir zwar auch selten Sieger, aber ein Unentschieden gab uns allen zumindest die Möglichkeit, durch eine Diskussion einen befriedigenden Entscheid herbei zu führen. Nun meine Frage an Sie: dürfen wir kurzerhand einer Kinderstimme einen tieferen Wert zumessen? Indem wir zum Beispiel sagen, sie zähle nur ein Drittel? Und könnte man die darauf folgenden Entscheidungen denn überhaupt noch demokratisch nennen? Oder sollten wir jetzt, da wir in der Minderheit sind, nicht gleich eine Diktatur einführen damit unsere Interessen gewahrt bleiben? Das wäre dann zumindest ehrlich. Mit herzlichen Grüssen, Regula, 46



Liebe Regula

Manchmal kommen Fragen rein, bei denen ich nicht ganz sicher bin, ob sie wirklich ernst gemeint sind. So erging es mir eben bei der Ihren. Aber irgendwie sagt mir eine innere Stimme, dass bei Ihnen Zuhause tatsächlich eine Scheindemokratie herrscht, die eine eigentliche Diktatur übertünchen soll und dass Sie es tatsächlich ernst meinen damit. Sie haben sich da ein System aufgebaut, dass mit 3 Kindern nicht mehr aufgeht.

Schön doof, wüki.

Das hätten Sie sich im Laufe der Familienplanung mal etwas besser überlegen sollen, weil wenn sie denn mal da sind, gibt man sie ja ungern wieder weg, gell. Und wenn man sich dann mal durchgerungen hat, auf eines zu verzichten, welches wäre es dann? Das, was noch nicht wirklich gut verhandeln kann und sich darum immer den beiden grösseren anschliesst oder doch das älteste, was ja die Linie vorgibt? Ach, ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken dieser Tage.

Der Nachteil von Scheinsystemen ist immer der, dass sie früher oder später auffliegen. Sie haben da was etabliert was nur so lange funktioniert, wie sie ein Vetorecht haben, welches Sie hübsch verpackt als Entscheid auf Diskussionsebene verkaufen können. Was genau wollten Sie mit dieser Regierungsform erreichen? Wollten Sie Ihren Kindern vorgaukeln, dass Sie ein Mitspracherecht auf Augenhöhe hätten? Oder Ihnen die Vorteile einer Demokratie aufzeigen? Wollten Sie die Verantwortung für Entscheidungen an das Absolute Mehr delegieren und sich selber daraus stehlen? Oder so tun, als wären Sie und Ihre Kinder Gschpändli, die alles zusammen besprechen?

Das hätten Sie sich im Laufe der Familienplanung mal etwas besser überlegen sollen, weil wenn sie denn mal da sind, gibt man sie ja ungern wieder weg, gell.

Was auch immer Ihr Motiv war, der Plan geht nicht auf, wie Sie jetzt erkennen müssen. Das hätte ich Ihnen schon vorher sagen können.

Wann immer Eltern versuchen, sich mit den Kindern zu verkumpeln, geht es in die Hose. Und das ist auch richtig so. Denn schliesslich sind Sie die Eltern und nicht die Freunde Ihrer Kinder.

Sie tragen die Verantwortung für diese kleinen Menschlein und alle Entscheidungen, die ringsherum um diese gefällt werden müssen. Das können Sie nicht übertragen, auch wenn es nett und modern klingt. Und ja ich weiss, dass wir hier nicht von den grossen und gewichtigen Entscheidungen reden, sondern vermutlich eher so von Themen wie der Wochenendplanung oder der Menüplanung fürs Mittagessen. Aber wenn Sie noch nicht einmal bereit sind, sich in solchen Fragen der Mehrheit zu beugen, dann frage ich mich erst recht, was diese Familiendemokratie soll.

Ich weiss, dass wir in der Kindererziehung alle einen persönlichen Mittelweg zwischen totaler Autorität und Laisser-faire suchen und dafür manchmal abenteuerliche Wege einschlagen. Mein Sohn und ich sprechen ganz oft Entscheidungen ab und suchen nach Lösungen, die für uns beide stimmen. Aber dennoch herrscht in letzter Konsequenz eine Diktatur bei uns Zuhause und daraus mache ich auch keinen Hehl. Ich trage die Verantwortung und darum bin auch ich es, welche bei uns Dekrete erlässt. Das klingt wenig trendy und mag nicht so recht ins hippe Bild von moderner Elternschaft passen. Aber unter dem Strich ist es vor allem eines; nämlich ehrlich.

Welchen Weg auch immer Sie einschlagen, finden Sie den, der Ihren Kindern nichts vormacht. Weil früher oder später merken Sie das uns zahlen es einem heim!

Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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    Alle Leser-Kommentare
  • nele 30.04.2016 16:51
    Highlight Highlight Die Tendenz, bereits Vorschulkinder bei den meisten Familienentscheiden mitreden und mitentscheiden zu lassen, finde ich unsinnig. Die Kinder werden von solchen Entscheiden überfordert, die Eltern suchen in ihnen Kumpels, statt ihre Rolle als Erziehende wahr- und ernst zu nehmen. Solche Kinder haben Mühe, sich in der Schule einzugliedern, sind es sich gewohnt, dass sich alles um sie dreht und wollen jede Anweisung ausdiskutieren. Erstaunlicherweise kommt bei anderen Themen oft genau von solchen Eltern der Hinweis "lasst doch Kinder nich Kinder sein"
  • Bruno Wüthrich 27.04.2016 23:41
    Highlight Highlight Eigentlich ist es ein Bisschen traurig. Wir sind alles Demokraten, und wir bringen es nicht fertig, auch in der Familie Demokratie zu leben.
    Dabei ist doch ein wesentlicher Bestandteil der Demokratie die Überzeugungsarbeit, die einer Abstimmung voran geht. Und darin sollten doch die Eltern gegenüber den Kindern gewisse Vorteile haben.
    Eine romantische Vorstellung? Ich weiss es nicht. Denn leider habe ich, als ich die Gelegenheit hatte (und ich hatte 20 Jahre lang Gelegenheit) es nie mit Demokratie versucht.
    Meine Kinder haben sich aber trotzdem zu Demokraten entwickelt.
    • strieler 28.04.2016 03:14
      Highlight Highlight Naja man kann das ja auch noch erweitern. Zu einer Demokratie gehören ja gewisse Grundwerte. Umd die muss man den Kindern ja auch zuerst beibringen. Es hat schon seinen Grund, dass es ein Stimmrechtsalter gibt, welcher eine gewisse sozialisation im system vorhergeht. Und so kann das ja auch zuhause laufen.
    • gelesen 28.04.2016 13:47
      Highlight Highlight wir sind zwar als land demokratisch, aber vieles in unserem system funktioniert nicht demokratisch, d.h, firmen sind die meisten nicht demokratisch, da herrscht immer noch hierarchie, obwohl die meisten dies auch verleugnen würden. usw.
  • Ylene 27.04.2016 22:51
    Highlight Highlight 1. Scharfsinnige und -züngige Antwort, 2. keine Eigenwerbung, 3. keine gefühlten 17 Selbstportraits --> Für einmal wow!!! Ich versuche mich jeweils als 'wohlmeinender Diktator' zu Hause. Zumindest der Diktatorteil klappt, am Rest arbeite ich dran... ;-) Ich weiss ja nicht, wie alt die Kinder sind, aber m. E. sind Kinder mit zu vielen Entscheidungsmöglichkeiten schnell mal heillos überfordert und dann nerven sich nur noch alle. Ein paar 'Leitplanken' brauchts immer, die je nach Situation halt enger oder weiter auseinander sind.
  • kEINKOmmEnTAR 27.04.2016 20:48
    Highlight Highlight Schön dass du die Frage nicht nach dem ersten Abschnitt abgewürgt hast sondern eine durchdachte Antwort gibst.
  • Yelina 27.04.2016 17:07
    Highlight Highlight Ah, die alten Erinnerungen: ich beschwer mich beim Vater, dass eine Entscheidung nicht fair sei und als Antwort hörte ich "das Leben ist nicht fair". Und er hatte Recht!
  • Bowell 27.04.2016 14:07
    Highlight Highlight Vielleicht gibts ja die Möglichkeit ein Referendum zu machen? Also man hätte dann ein halbes Jahr Zeit um so ca. zwei Unterschriften zu sammeln, die würde man einreichen und dann käme die Vorlage vor die Familie. Ansonsten soll das Militär doch einfach putschen, ich hoffe doch es gilt die allgemeine Wehrpflicht?
    • Tom Garret 29.04.2016 10:36
      Highlight Highlight You made my Day :-D
  • pamayer 27.04.2016 10:07
    Highlight Highlight ich gebe frau freitag voll recht: zusammen ausdiskutieren, gemeinsam tragbare lösungen suchen, die kids mit ihren anliegen ernst nehmen und echt zuhören.
    dabei aber klarstellen, das ist mein haushalt, diese und diese regeln gelten, so lange du hier wohnst.
    wenn wir den kids wirklich konsequent achtsam begegnen, finden wir allermeistens win win lösungen.
    und alle haben was davon.
    • 8004 Zürich 30.04.2016 14:08
      Highlight Highlight Word!
  • Miicha 27.04.2016 09:50
    Highlight Highlight Ist halt auch schwierig, wenn das oberste Ziel ist, von seinen Kindern gemocht zu werden.
    • pamayer 27.04.2016 22:24
      Highlight Highlight Ja. Glaube, dem liegen viele erziehungsfehler zu grunde.

FragFrauFreitag

Kafi, darf man fragen, wie viel Geld man zur Erstkommunion schenkt?

Hallo Frau Freitag.Vielen Dank für deine erfrischenden Antworten. Ich freue mich immer wieder diese zu lesen. Mein Götti-Kind feiert nächstes Jahr Erstkommunion. Nicht das ich ein Fan von «Geld schenken» bin, aber vermutlich wird es auf das hinauslaufen. Nun wollte ich die Eltern meines Götti-Kindes unverbindlich fragen, was den so betragsmässig für die Erstkommunion üblich ist, da ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe. Meine Frau ist der Meinung, dass sei ein absolutes No-Go. Florian, 36

Lieber FlorianMit 5000 Franken liegen Sie nie falsch. Da ist ein Betrag, mit dem sich das Kind auch was Richtiges kaufen kann, nicht nur so billigen China Schrott, der dann nach ein paar Wochen kaputt im Garten liegt und verwittert. Zu unserer Zeit wäre das noch ein Vermögen gewesen, ich weiss. Aber heute kostet ja schon ein gutes Handy fast 1000 Stutz und eine Lederhülle braucht man ja dann auch dazu und ein Flatrate-Abo mit Highspeed und so. Läppert sich, das werden Sie auch einsehen.

Nein …

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