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Yonnihof

«Geliebter 31er ...»

Bild: shutterstock

Ein Liebesbrief an den schlimmsten Bus der Stadt.

Ein Bekannter sagte kürzlich: «Ich stiege NÖD in 31er!» Er tat dies aus tiefster Überzeugung und das will was heissen, denn der Mann fährt regelmässig S12.

Ich liebe den 31er-Bus, meine Damen und Herren. Ja, es ist wahr.  

Und ich hasse den 31er-Bus, meine Damen und Herren. Und ja, auch das ist wahr.  

Wie es halt so ist in der Liebe: Ambivalenz ist das Salz in der Suppe. Man verliebt sich in die Stärken des Gegenübers, wirklich lieben tut man dann aber seine Schwächen. In all ihrer Pracht.  

Dieses Ding zwischen dem 31er und mir, das läuft nun seit fünf Jahren, off and on. Im Sommer bin ich jeweils recht untreu und betrüge ihn regelmässig mit meinem Fahrrad, das passenderweise Lolita heisst. Werden die Tage kürzer und das Wetter garstiger, kehre ich immer wieder zurück in die Arme meines geduldigen Geliebten und er nimmt mich ohne Widerworte auf. Aso ja, für 2.20 pro Churzstrecki.  

Und gemeinsam haben wir alles gesehen, er und ich. Für diejenigen, die das öffentliche Verkehrsnetz der Stadt Zürich jetzt nicht grade auswendig kennen: Der 31er fährt vom Hegibachplatz (wo?) nach Schlieren (ja, dort, wo nur Kinder wohnen dürfen, die singen können). Das wäre an sich nichts Besonderes, läge innerhalb dieser Strecke nicht auch die Verbindung zwischen HB und Langstrasse.  

Die Bedienung ebendieses Abschnittes brachte unserem 31er-Bus denn auch liebliche Kosenamen wie «Drogätram» und «Lumpesammler» ein und selbst wenn man sich gegen jegliche Form der Stigmata zu wehren versucht – man kommt nicht umhin, zu verstehen, woher diese Namen kommen. Denn obwohl das Partyleben an der Langstrasse vor allem freitags und samstags in voller Blüte steht; im 31er ist auch am Dienstagmorgen um 10 High Life.  

Kein Tag, keine Uhrzeit zu unschuldig, um nicht von lustigen Gestalten die Weltgeschichte erklärt zu bekommen. Geschrien, geflüstert – anything goes. Kürzlich lernte ich Ruedi kennen. Ruedi kenne ich vom Sehen im Quartier und Ruedi sagt immer ganz nett Grüezi. Im Bus dann betrachtete er ausgiebig meinen Poschtisack und hielt mir im Anschluss einen Vortrag über die unterschiedlichen Qualitäten von Salat in den Supermärkten unserer Patria. Manches davon machte durchaus Sinn, manches weniger. Also für mich. Ruedi hingegen war voll in seinem Element und monologisierte sich innert nur drei Stationen ins Feuer. Ich lauschte gebannt. Am Ende betrachteten wir gemeinsam leise kopfschüttelnd und mit Verachtung im Blick das Grün in meiner Tasche. Nüsslisalat wird nie wieder dasselbe für mich sein. Thanks Ruedi!  

Bricht die Nacht über die Stadt herein, tun es auch die Partygänger über den 31er. Und sie brechen nicht nur herein, sondern auch hinein. In den Bus. Da erkennt man dann zum Beispiel an der roten Kotze, dass ein Grüppchen junger Landmädchen zum ersten Mal an die Langstrasse in den Ausgang durfte. Roter Wodka – REPRESENT! Und das soll nicht abschätzig sein, denn ich beschreibe damit meine Wenigkeit, als ich 17 war. Also vor fünf Jahren. Ähem.  

Am Wochenende mutiert der 31er nach Mitternacht zu einer dieser Grossraumdiscos aus der Jahrtausendwende, die in jedem Raum wieder eine andere Musikrichtung bot. Nur ohne Wände. Danke, liebe Boombox-Hersteller, nei würkli, super gmacht. Es entsteht eine wilde Mischung aus David Guetta, Elektro, Hiphop und Balkan-Sounds.

Wilder ist nur noch der Mix, der die geneigte Nase penetriert, sobald man das schwerfällige Gefährt betritt. Grad im Sommer überrascht einen der Innenraum gerne mit einem blumigen Bouquet aus Axe, Blüemliparfum, Schweiss, Sexualhormonen und Kebab. So schön.  

Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie die VBZ die Busfahrer für den 31er auswählen. Ich nehme an, ihre CVs müssen eine Mischung aus Kindergartenausbildung und militärischer Spezialeinheit vereinen. Und optimalerweise einen stark eingeschränkten Geruchssinn.     

Sie sind die wahren Helden dieser Geschichte. Sie und ihr stoisches «Bitte vo de Tür zruggträtte», das man in 31er-Kontext immer siebenmal wiederholen muss, weil's nicht nur durch den Gehörgang, sondern auch durch die fünf verschiedenen Substanzen hindurch muss, die der/die Angesprochene intus hat. Sie und ihr Schmunzeln ob den kuriosen Debatten, die sich um sie herum entfalten. Sie und ihr «En schöne Abig» beim Aussteigen.  

Dieser Text ist für sie.

Yonni Meyer

Yonni Meyer (35) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nickname* 12.08.2017 21:36
    Highlight Highlight wie immer liebe pony m.: einfach nur genial, danke! <3
  • Spooky 08.08.2017 20:25
    Highlight Highlight Mitte der 80-er Jahre war ich auch ein paar Jahre lang regelmässig mit dem 31-er unterwegs. Vom HB bis zur Langstrasse. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass mir irgendetwas aufgefallen ist, was den normalen Rahmen gesprengt hätte. Entweder war es damals noch nicht so schlimm, oder ich war selber einer jener schrägen Vögel, über die Yonny Meyer so amüsant und unterhaltend zu berichten weiss 😱😇👻
  • URSS 07.08.2017 15:55
    Highlight Highlight Ich will ja nicht rumzicken, " scharfzüngig " hä?"pointentiert"
    wie ?Also bitte... ich weiss alles ist subjektiv. Aus meiner subjektiven Sicht, ist der Artikel , gelinde gesagt, laaaaaangweilig...

    Für mich ist er sicher nicht...
  • pamayer 06.08.2017 11:11
    Highlight Highlight Danke für deine liebevolle Betrachtungsweise des 'Junkie Express'.

    Mir sind die schrägen Vögel und ihre Lebensbereiche generell symphatischer als durchgestylte Erfolgstypen und ihre leblosen Luxusshoppingstrassen.

    In Basel sind die schrägen Vögel viel präsenter als zB in Zürich. In Kleinbasel sowieso.
    Und das Zusammenleben funktioniert trotz allem 'ganz ordentlich', was nicht mit 'konfliktfrei' zu verwechseln ist...
  • StefanZaugg 06.08.2017 10:31
    Highlight Highlight Zu meiner Studizeit hiess der noch "Kongoexpress", glaub ich. Da ist "Lumpesammler" noch politisch korrekter.
  • Schnapphahn 06.08.2017 10:17
    Highlight Highlight 31er fahren ist wie Indiana Jones - einfach ohne Nazis.

    Manchmal find' ich es auch amüsant. Wenn sich dann aber um 17.00 noch 4 Kinderwagen ins Gedränge quetschen müssen, ist das nicht unbedingt so prickelnd.
    • nickname* 12.08.2017 21:34
      Highlight Highlight und wie genau sollen die leute mit ihrem kinderwagen sonst von a nach b kommen? laufen?
  • Trajane 06.08.2017 09:29
    Highlight Highlight Danke für den schönen Text! Als gebürtige (singende, aber leider nie bei den bekannten Chind) Schlieremerin kenne ich diese Hassliebe nur zu gut. Auf den leeren Magen Morgens der Hass, nach einem nervigen Tag die Liebe wegen den interessanten Kurzbekanntschaften.
    Falls du übrigens mal die schönen Seiten der ungeliebten Endhaltstelle kennnen lernen magst, gib mir Bescheid 😊
  • Cyp zurück in die Zukunft 06.08.2017 09:02
    Highlight Highlight wir kannten die 31 Linie noch als "Orient-Express" oder "dirty one". .. wobei früher schenkten sich die Linien 31, 32 und 2 nicht viel.. vor 17 Jahren fand ich die 32 Linie am traurigsten.. 7:30 stieg meistens ein verwirrter Herr mit zotteligem Haar ein. Seine hände hatte er immer in den Hosentaschen..was dazu führte, dass er immer durch den halben Bus flog, da er sich nirgends festhielt.. an der Station Röntenstrasse stiegen die Alkis mit ihren Papiertaschen, die sie zuvor mit Lagerbier im Denner gefüllt hatten, ein..ausgestiegen sind die Meisten beim Grill an der Kreuzung Militärstrasse...
  • Ceci 06.08.2017 06:34
    Highlight Highlight Oh, das ist eine schöne Geschichte und Ode an die Linie 31 ❤️
    Danke Yonni
  • DonCamillo 06.08.2017 01:07
    Highlight Highlight Jetzt weiss ich was ich das nächste Mal in Züri mache :)
  • Päsu 05.08.2017 22:17
    Highlight Highlight Aaaah der rote Vodka. Hab ich auch erlebt... Ich habe damals im Winter in einen Brunnen gereiert. Läckbobi, das sah am nächsten morgen lecker aus.
    • Muster Mustermann 06.08.2017 00:33
      Highlight Highlight En Guete
    • Lichtblau 06.08.2017 16:47
      Highlight Highlight In den Bus oder Brunnen reihern? Geht gar nicht. Dafür gibt's doch "Rabättli".
    • Yonni Moreno Meyer 06.08.2017 17:19
      Highlight Highlight Ach Lichtblau. Das Rabättli vor dem Volg. Ich fühl dich grad so sehr.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Henzo 05.08.2017 21:30
    Highlight Highlight D Linie vom Yilmaz Z. <3
  • Muster Mustermann 05.08.2017 20:49
    Highlight Highlight Bei mir ist der 31 eine Hassliebe. Muss ihn regelmässig nehmen und fühle mich danach wie aus der Kanalisation gekrochen. Erlebe aber vielmals auch lustige Sachen. Meisten auf Höhe Langstrasse. Man hat auch das Gefühl dass das der einzige Bus der Stadt ist die ohne Klimaanlage fährt- an dieser Stelle danke an die Bus Chauffeure.
  • Stachanowist 05.08.2017 19:09
    Highlight Highlight Fun Fact: Weite Teile der Linie 31 gehörten ursprünglich zur Tramlinie 1, die in den 50er Jahren durch die Buslinie ersetzt wurde. Damals dachte man (wohl nur für kurze Zeit), dass die Zukunft den Stadtbussen gehöre. Deshalb gibt's in Zürich kein 1er-Tram :)
    • Yonni Moreno Meyer 05.08.2017 21:45
      Highlight Highlight So cool, das wusste ich nicht, danke für diesen Kommentar! Wissen Sie per Zufall auch, warum die neuste Linie 17 heisst und man die 16 ausgelassen hat? Ich nämlich nicht.
    • Stachanowist 06.08.2017 01:38
      Highlight Highlight @ Meyer

      Gerne :) Ich weiss eigentlich nicht, warum man die 16 ausgelassen hat - hatte es nicht einmal bemerkt! Aber Google hilft. Die Linie 16 soll das berühmte Rosengartentram werden, das Hardplatz und Bucheggplatz verbindet, also eine der seltenen Querverbindungen im Zürcher Tramverkehr herstellt. Der Bau dieser Linie lässt aber auf sich warten, was meines Wissens an einem Veto des Stimmvolks liegt.
    • BoJack 06.08.2017 05:31
      Highlight Highlight Die Linie 16 (Etappe 3 - 2020 Tramgangente Rosengarten) soll von Hirzenbach über Bucheggplatz - Hardbrücke - Albisriederplatz nash Hermetschloo verkehren.
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