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epa05102283 Peter Dreier (C), chief administrator of Landshut, speaking to journalists after the arrival of the bus carrying refugees from Landshut, outside the federal chancellery in Berlin, Germany, 14 January 2016. Peter Dreier (Freie Waehler), chief administrator of Landshut, sent a bus with 31 refugees to the chancellery in Berlin in a protest against Merkel's refugee policy.  EPA/KLAUS-DIETMAR GABBERT

Der Landshuter Landrat Peter Dreier hat einen PR-Coup gelandet – und bekommt vor allem von ganz rechts kräftig Applaus.
Bild: EPA/DPA

«Nächste Ausfahrt Auschwitz» – Flüchtlingsbus-Aktion artet zum digitalen Pogrom aus

31 Flüchtlinge werden für eine Guerilla-Aktion eines bayrischen Lokalpolitikers per Bus zum Kanzleramt nach Berlin gekarrt. Das löst in den Kommentaren zum YouTube-Livestream eine Lawine von Hetzkommentaren unter aller Sau aus. 



Vor Wochen hat der Landrat Peter Dreier aus dem bayrischen Landshut angekündigt, Flüchtlinge aus seinen Gemeinden nach Berlin zu verfrachten. Am Mittwoch setzt er die Aktion in die Tat um und lässt 31 anerkannte Flüchtlinge aus Syrien per Bus zum Amtssitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel karren.

Er habe viel Zuspruch von Bürgern aus der ganzen Republik erfahren, sagt er gegenüber Medien. Der viel geäusserte «Zuspruch» ist allerdings sehr fraglicher Natur. Die Guerilla-Aktion in Berlin wird auf YouTube live gestreamt. Dazu hagelt es in Echtzeit massiv Kommentare von Usern. Der Inhalt der meisten Wortbeiträge müsste eigentlich sämtliche Alarmglocken des Bundeskriminalamtes und der Landeskriminalämter schrillen lassen.

«Brennt im Feuer der Rechtschaffenheit», «Arabische Schweine zurück nach Hause» oder «Nächste Ausfahrt Auschwitz» sind nur drei der Hetzkommentare, die minütlich von Tausenden von Usern zum Livestream eingehen. Hier zwei Screenshots mit einigen Beiträgen, die während des Sendens durch den Kommentar-Ticker liefen:

Teil 1

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Einige Augenblicke später

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Dem bayrischen Landrat Dreier zu unterstellen, dass das Befeuern des Fremdenhasses Ziel seiner Aktion war, mag überzogen sein. Auch wenn dies einige durchaus so sehen.  

Womöglich aber wollten Dreier und die Partei Die Freien Wähler tatsächlich nur das Signal senden: «Wir schaffen das nicht!» Bereits in einer Pressemitteilung Mitte Dezember stösst er in dieses Horn und mahnt: «Aufgrund der unverändert hohen Zuweisungen von wöchentlich 70 Asylbewerbern in den Landkreis Landshut kommt die Landkreisverwaltung trotz intensiver Bemühungen derzeit mit der Eröffnung neuer dezentraler Unterkünfte nicht mehr hinterher.»

«Juden sind schuld»

Wie auch immer – letztlich hat er dem rechten Mob, den Pegida-Anhängern und der AfD einen Bärendienst erwiesen und Öl ins lodernde Feuer des Rechtsradikalismus geschüttet. Und der richtet sich keinesfalls nur gegen Flüchtlinge und Kanzlerin Merkel. Vielmehr geraten auch Juden ins Fadenkreuz der Verbalattacken: «Juden sind schuld», «Hitler hatte recht» und noch drastischere Äusserungen dominieren gegen Ende des Livestreams die Kommentarspalte

Und was hat die Aktion eigentlich den wohnungslosen Flüchtlingen gebracht? Vermutlich nichts. Heute wurden sie wieder zurückverfrachtet nach Landshut. 

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