Wechsel an der Spitze – das sind neu die weltweit grössten E-Auto-Hersteller
Nach zwei Jahren in Folge mit sinkenden E-Auto-Verkäufen ist Tesla erstmals seit Jahren nicht mehr der grösste Elektroauto-Hersteller. Der Marktführer heisst neu BYD. Der chinesische Elektroauto- und Akkuhersteller lieferte 2025 fast 2,3 Millionen E-Autos aus. Das waren über 600'000 vollelektrische Modelle mehr als Tesla.
Das stärkste Wachstum verzeichnete aber der Geely-Konzern, ebenfalls aus China, der mit seinen E-Autos erstmals die Millionenmarke knackte und neu die Nummer drei ist – vor Volkswagen mit knapp einer Million Stromer.
Geely jagt Tesla
Am meisten Stromer verkauft Geely im Heimatmarkt China mit bei uns kaum bekannten Marken wie Zeekr. Zum schnell wachsenden Automobilkonzern gehören aber auch bei uns bekannte Marken wie Volvo, Polestar und Smart. 2026 bringen die Chinesen mit Lynk & Co eine weitere Marke in die Schweiz. Die Stromer von Lynk & Co werden in Kooperation mit Volvo in Schweden entworfen und in China gebaut.
Auch in der Schweiz ist Geely bereits die Nummer drei im E-Auto-Segment und kurz davor, Tesla zu überflügeln.
Schweizer kaufen also sehr wohl chinesische E-Autos, am liebsten, wenn sie wie Volvo, Polestar oder Smart nicht als China-Stromer wahrgenommen werden.
VW steht unter Strom
Ebenfalls einen deutlichen Aufwärtstrend zeigt der VW-Konzern. Die Deutschen mussten sich zwar von Geely überholen lassen, steigerten ihre globalen E-Auto-Auslieferungen aber um über 30 Prozent auf fast eine Million Stromer. Das reichte 2025 für Rang vier. Der VW-Konzern mit den Marken Audi, Skoda, Cupra und Porsche wuchs schneller als der Gesamtmarkt und baute bei den Stromer-Auslieferungen den Vorsprung auf Hyundai-Kia, BMW und Mercedes aus.
Tesla zieht den Stecker
In den Top 5 ist Tesla der einzige Hersteller, der nicht mehr wachsen kann. Angesichts der sinkenden Verkäufe schwört Elon Musk den E-Auto-Pionier auf eine Zukunft mit Robotern und Robotaxis ein.
Tesla hat, mit Ausnahme des gefloppten Cybertrucks, seit Jahren kein neues Modell lanciert und kündigte diese Woche an, die älteren Modelle S und X einzustellen – angeblich um Kapazitäten für die Roboter-Produktion freizumachen. Fakt ist: Die Verkäufe beider Modelle gingen seit Jahren stark zurück. 2025 versuchte Tesla den alternden Modellen mit Facelifts neues Leben einzuhauchen – ohne Erfolg.
Teslas Jahresgewinn für 2025 brach um 46 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Dollar ein. Zu beachten ist, dass Teslas Erlöse aus dem CO₂-Zertifikatehandel 2,76 Milliarden Dollar betrugen. Diese Einnahmen werden künftig schrumpfen, da Donald Trump die Grenzwerte zum CO₂-Ausstoss der Autobranche lockerte. Andere Autohersteller müssen Tesla folglich weniger CO₂-Verschmutzungsrechte abkaufen.
VW startet grösste Modelloffensive der Konzerngeschichte
Auch bei Volkswagen gibt es Licht und Schatten: Der VW-Konzern ist in Europa mit einem satten Stromer-Wachstum von 66 Prozent die klare Nummer eins, verlor aber im schnell wachsenden E-Auto-Segment in China den Anschluss an die heimischen Autohersteller (minus 44 Prozent). Mit einer gross angelegten Modelloffensive will VW den Niedergang in China stoppen und dort zur Aufholjagd ansetzen. Mit 20 neuen Modellen allein in diesem Jahr, der Grossteil davon Elektroautos, will der Konzern den Absatz ankurbeln.
VW-China-Chef Ralf Brandstätter sprach von der grössten Modelloffensive der Konzerngeschichte. Ziel sei es, den dritten Platz, auf den VW bei den dortigen Neuzulassungen inzwischen abgerutscht ist, zu verteidigen – und bei E-Autos aufzuholen.
Im vergangenen Jahr war der Absatz des Konzerns auf seinem nach wie vor wichtigsten Markt erneut um acht Prozent auf unter 2,7 Millionen Fahrzeuge (Verbrenner und E-Autos) eingebrochen. Bei den Neuzulassungen rutschte der jahrzehntelange Marktführer auf Platz drei ab: Nach dem E-Auto-Hersteller BYD zog 2025 auch die Volvo-Mutter Geely knapp vorbei. «Wir wollen in den Top 3 bleiben. Und die Nummer eins unter den internationalen Herstellern», sagte Brandstätter.
Erstes neues Modell «in China, for China» angelaufen
Helfen sollen dabei neue, in China speziell für den dortigen Markt entwickelte Fahrzeuge, die nun anlaufen. Das erste Modell, der VW ID.Unyx 07, ist gerade in Serie gegangen, weitere sollen im Laufe des Jahres folgen. Es handelt sich dabei um das erste VW-Modell, das komplett in China entwickelt wurde – inklusive der neuen Elektronik-Architektur. Weitere Modelle sollen folgen, allein 20 in diesem Jahr und 50 bis 2030.
VW setzt dabei auf lokale Partner wie das chinesische E-Auto-Startup Xpeng, um bisherige Software-Defizite auszubügeln. Xpeng gilt in China als führend beim autonomen Fahren. Die Kooperation soll insbesondere helfen, die Entwicklungszeit neuer E-Modelle massiv zu beschleunigen. Deshalb würden Entscheidungen vor Ort getroffen, in «China Speed».
Konzernchef Oliver Blume sprach von einem wichtigen «Meilenstein unserer Strategie ‹In China, for China›», die VW vor drei Jahren aufgestellt hatte. Statt in China nur zu produzieren, sollen Autos dort auch komplett entwickelt werden, angepasst auf den dortigen Markt. «Vor drei Jahren haben uns viele abgeschrieben», sagte Blume mit Blick auf den damals wegbrechenden Markt in China. «Doch wir haben uns mit einer klaren Strategie Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr zurückgekämpft.»
Entwicklung und Produktion finden also nun lokal statt, mit lokalen Zulieferern – was die Kosten senkt.
Neue Export-Märkte für VWs aus China
Der Ansatz eröffne auch neue Export-Chancen, sagte Blume. In die Region Nahost wird bereits aus China geliefert, Südamerika und Afrika könnten folgen. VW reagiert so auf chinesische Rivalen wie BYD, die primär in Asien, Südamerika und Afrika schnell Marktanteile gewinnen. «Auch das ist ein wichtiger strategischer Hebel für den Volkswagen Konzern», so Blume. Weiter ausgeschlossen wird dagegen ein Export der reinen China-Modelle nach Europa.
In China selbst wird der neue Kurs aber wohl erst im kommenden Jahr Früchte tragen, räumte Brandstätter ein. Schliesslich kämen die neuen Modelle erst nach und nach in den Handel. «2027 wird die Modelloffensive dann Wirkung zeigen.»
Ende des Preiskampfs in Sicht
Aufholen will VW vor allem bei den in China boomenden E-Autos. Bei den Verbrennern sind die Wolfsburger mit 22,6 Prozent Marktanteil weiter die Nummer eins. Bei Elektro-Modellen spielt der Konzern dagegen kaum eine Rolle. Den Markt dominieren einheimische Hersteller wie BYD, Geely und rund 100 weitere, die sich einen erbitterten Preiskampf liefern. «Der Wettbewerb ist hart», sagte Brandstätter. Doch mittelfristig werde sich die Spreu vom Weizen trennen.
Bei den Preisen sieht Brandstätter schon jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht: «Bis 2025 hatten die Preise eigentlich nur eine Richtung gekannt: nach unten.» Brandstätter rechnet nicht damit, dass die Preise weiter fallen – steigen dürften sie ihm zufolge aber auch nicht.
VW sieht China als Taktgeber
«Wir haben unsere Kostenstrukturen konsequent auf dieses Umfeld ausgerichtet und wollen mit unseren neuen Fahrzeugen Geld verdienen», sagte Brandstätter. Dabei helfen die neue E-Auto-Plattform und Software-Architektur aus China, die die Kosten um bis zu 50 Prozent senken.
Konzernchef Blume sagte, in keiner anderen Region der Welt vollziehe sich der Umbruch der Branche so schnell, dynamisch und konsequent wie in der Volksrepublik. «In China entscheidet sich, wer in der Transformation vorne mitfährt», so der VW-Chef. «Nur wer in China besteht, wird auch woanders auf der Welt erfolgreich sein.»
Alle ausländischen Autohersteller stehen in China unter massivem Druck: Auch Tesla, Ford, Toyota oder BMW und Mercedes verlieren seit mehreren Jahren Marktanteile an aufstrebende chinesische Autobauer wie Leapmotor, Xpeng und Xiaomi. Als ehemalige Nummer eins in China hat VW aber am meisten zu verlieren.
(oli/awp/sda/dpa)
