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Das gleiche Sujet, fotografiert vom Pixel 3, rechts mit Nachtmodus. screenshot: theverge.com

Google revolutioniert die Kamera-App – was man über «Night Sight» wissen muss

Google hat den Nachtmodus für seine Pixel-Smartphones offiziell lanciert. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.



Was ist «Night Sight»?

Ich hatte schon über eine frühe Beta-Version von Googles «Night Sight» berichtet und mich begeistert gezeigt. Nun ist der Kamera-Nachtmodus für Pixel-Smartphones offiziell verfügbar und was soll man sagen: Er ist noch besser als erhofft, hat aber auch seine Schwächen, wie wir gleich sehen.

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screenshot: theverge.com

Nein, ich stehe nicht auf Whisky zum Zmorge 🙈. Mit dem Sujet lässt sich aber zeigen, dass der Nachtmodus auch für die Selfie-Kamera auf der Vorderseite verfügbar ist. Beide Fotos wurden mit einem Pixel 3 XL gemacht. Und sie stammen nicht aus Googles PR-Abteilung, sondern von einer unabhängigen Quelle: dem renommierten US-Techblog The Verge.

Ein ganzes Album mit PR-Bildern von Google gibt's hier.

PS: Der Nachtmodus soll bei Tageslicht schärfere Aufnahmen ermöglichen. Dies schreibt der US-Techblog Android Police. Bei superauflösendem Zoom gebe es weniger Bildrauschen, man müsse das Handy aber sehr ruhig halten.

Für welche Android-Smartphones gibt's das?

Offiziell für die Pixel-Smartphones von Google.

Per Update der Kamera-App profitieren nicht nur Besitzer eines Pixel 3 und Pixel 3 XL: Die Funktion gibt's leicht eingeschränkt auch für die früheren Pixel-Geräte.

Wie geht das?

Die Google-Kamera nimmt zwischen sechs und 15 Bilder mit unterschiedlicher Belichtungszeit auf, dann analysiert der Prozessor die Bilderserie mithilfe künstlicher Intelligenz und setzt sie zu einem optimierten Gesamtbild zusammen.

In Sekundenbruchteilen wird das optimierte Foto berechnet und auf dem Display anzeigt. Wenn man schnell genug sei, könne man bei der Bildoptimierung zusehen.

Mit einem Beitrag im Google AI Blog wird das aus meiner Sicht revolutionäre Feature vorgestellt. Titel: «Night Sight: Seeing in the Dark on Pixel Phones». Darin beschreibt Google ausführlich die technischen Herausforderungen, die es zu meistern galt. Das Verblüffende aus Laiensicht: Es ist hauptsächlich ein Software-Feature, basierend auf künstlicher Intelligenz (KI). Darum funktioniert der Nachtmodus auch mit älteren Geräten, wenn auch eingeschränkt: Ein schneller Prozessor ist hilfreich und die Kamera sollte einen optischen Bildstabilisator besitzen (OIS), das sind winzige Motörchen, die selbst kleinste Handbewegungen und Wackler ausgleichen.

Wie werden die Farbtöne korrekt getroffen?

Die Google-Ingenieure und Kamera-Experten haben lernfähige Algorithmen für die automatische Bildoptimierung entwickelt. Im Blog wird erklärt, wie sie den Nachtmodus speziell trainiert haben, damit er die Farbtöne besser trifft.

Die Problemstellung des echt wirkenden Weissabgleichs wird anhand eines Beispiels erklärt:

Ist der Schnee wirklich blau, wie er von der Kamera aufgenommen wurde? Oder ist es weisser Schnee, der von einem blauen Himmel beleuchtet wird?

Zum Bildervergleich oben: Der Weissabgleich im Standard-Kameramodus des Pixel 3 (links) «wisse» nicht, wie gelb die Beleuchtung auf der Hütte am Ufer von Vancouver war. Das Resultat rechts (mit neuem AWB-Algorithmus) überzeugt.

Diese Mehrdeutigkeit mache den Weissabgleich schwierig, halten die Kamera-Experten fest. Um dies zu lösen, habe man den lernbasierten AWB-Algorithmus entwickelt, der darauf ausgelegt sei, zwischen einem gut ausgewogenen Bild und einem schlecht ausgewogenen zu unterscheiden.

Braucht man ein Stativ zum Fotografieren?

Nope.

Smartphone in der Hand halten und abdrücken. Fertig.

Man kann aber natürlich ein Stativ verwenden, um ein noch besseres Resultat zu erreichen. Was denkst du, welches der beiden folgenden Fotos wurde bei aktiviertem Nachtmodus gemacht, und welches im normalen Modus?

bilder: google

Bei der Aufnahme links war der Nachtmodus eingeschaltet. Der Himmel ist «sauberer», hat also weniger Bildrauschen (Noise), und es lassen sich mehr Sterne erkennen.

Wenn das Smartphone auf ein Stativ geklemmt oder in eine ähnliche Halterung gespannt werde, schiesse das Pixel 3 (XL) sechs Bilder mit jeweils einer Sekunde Belichtungszeit, hält androidpit.de in seinem Testbericht fest.

Wie ist der Vergleich mit dem iPhone XS?

Damit kommen wir zum Vergleich mit einer der derzeit besten Smartphone-Kameras am Markt: dem iPhone XS. Wobei ich schon in meinem Review konstatiert hatte, dass Apple unbedingt auch einen Nachtmodus entwickeln sollte ...

Links ein XS-Foto, rechts das gleiche Sujet mit dem Pixel 3 von Google. quelle: google

Matthew Panzarino von Tech Crunch hält fest, dass der Nachtmodus (rechts) viel bringe bezüglich der Farbtöne. Dafür müsse man graue statt schwarze Schatten hinnehmen. Es sei wie fast immer bei der Handyfotografie: Man müsse Entscheidungen treffen, sprich: Kompromisse eingehen.

Licht und Schatten: So beurteilte der watson-Redaktor das XL-iPhone

Wie ist der Vergleich mit den besten Smartphones von Huawei und Samsung?

Androidpit.de hat den Nachtmodus des Pixel 3 von Google mit dem Huawei Mate 20 Pro verglichen:

Ein Vorteil gegenüber dem Huawei-Smartphone, wo eine Nachtaufnahme schon mal 20 Sekunden Zeit in Anspruch nehmen kann: Ein Low-Light-Foto mit Googles Nachtmodus dauert nie länger als sechs Sekunden. Abhängig ist die Anzahl der dabei geschossenen Fotos davon, wie die Lichtsituation ist und wie sehr der Fotograf wackelt.

quelle: androidpit.de

Die folgende Studioszene zeigt, wie sich Googles neuer Nachtmodus im Vergleich mit den grössten Konkurrenten schlägt.

Fazit von Androidpit.de

«Auch das Mate 20 Pro bringt Licht in die Szene, liefert aber ein deutlich farbloseres Bild ab. Beim mit dem Galaxy Note 9 geschossenen Foto gehen die Details verloren und ein deutliches Rauschen macht sich bemerkbar. Apples iPhone XS lässt uns im Dunkeln sitzen und zeigt kaum mehr, als auch mit blossem Auge zu erkennen ist, und mixt das mit Rauschen und verwaschenen Details.»

Fazit: Dank Software sei das Pixel 3 mit nur einer Kamera auf Augenhöhe mit dem neuen Mate 20 Pro von Huawei, das gleich drei Optiken bietet. Die anderen Konkurrenten schlage es bei Nachtaufnahmen mit wenig Licht deutlich.

Wo ist der Haken?

Die Hardware wirkt limitierend. Und bewegliche Objekte werden schlecht erfasst (siehe nächster Punkt).

Beim Pixel 3 (XL) werde ein Problem deutlich, das Google nicht über die Software beheben könne, schreibt androidpit.de, da es dem Gerät an einem Laser-Fokus fehle.

«Umso schlechter das Licht, umso mehr Probleme bekommt der Autofokus.»

Links das Pixel 3, rechts das Mate 20 Pro

quelle: androidpit.de

Das Huawei-Smartphone liefere in diesem Fall zwar dunklere und mattere Bilder, die aber seien immerhin scharf.

Wie gut werden bewegliche Objekte abgebildet?

😏

Googles Nachtmodus tauge nicht, um Objekte aufzunehmen, die in Bewegung sind, hält The Verge fest. Zwar würden kleine Bewegungen berücksichtigt, aber grössere Objekte wie vorbeifahrende Autos erscheinen verschwommen.

Zudem komme der Nachtmodus nicht besonders gut mit hellen Lichtern klar. Auch diese werden unscharf dargestellt. Daraus folgert The Verge:

Der Nachtmodus-Einsatz sollte sich auf wirklich lichtschwache Situationen beschränken, die in einer Grossstadt eigentlich kaum vorkommen.

Ist das alles?

Oh nein. Das ist erst der Anfang.

Die Bildsensoren moderner Smartphones würden eine Menge an Informationen erfassen, die (bislang) nicht weiter verarbeitet bzw. verwendet würden, schreibt Panzarino. Man schaue sich Fotos nur mal im Rohdatenformat (RAW) an.

Kann das mein Handy* in Zukunft auch?

Theoretisch, ja. Auf jeden Fall.

* Setze hier ein Smartphone-Modell deiner Wahl ein, Hardware-Voraussetzungen sind (wie oben erwähnt) ein leistungsfähiger Prozessor und optische Bildstabilisierung.

Praktisch wird es darauf ankommen, ob und wie die anderen Smartphone-Hersteller nachziehen wollen. Der Nachtmodus ist «nice to have», kein unverzichtbares Feature.

Es sei eine Frage der Philosophie, nicht des Könnens, ob Apple dem iPhone einen vergleichbaren Nachtmodus spendiert, kommentiert der Tech-Crunch-Chefredaktor.

via The Verge

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