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So reagiert der chinesische Künstler und Menschenrechtler Badiucao auf die Zensur im chinesischen App Store. bild: Badiucao

«Think Different»? Von wegen! Apple macht Bückling vor China

Zuerst die «New York Times», jetzt VPN-Dienste, die anonymes Surfen im Netz erlauben: Apple schmeisst weitere Apps aus dem chinesischen App Store, die der Regierung in Peking nicht gefallen.



Apple hat VPN-Apps aus seinem chinesischen App Store gelöscht, mit denen die strengen Internet-Sperren des Landes bisher umgangen werden konnten. Chinesen konnten so beispielsweise News auf westlichen Webseiten lesen.

ExpressVPN, einer der Anbieter der so genannten VPN-Tunnel, teilte in einer Stellungnahme mit, dass Apple die Software entfernt habe, weil sie gegen chinesische Gesetze verstosse. Auch die populäre Tunnel-App VyprVPN war am Sonntag nicht mehr in Apples China-Angebot verfügbar.

Apple hatte bereits Anfang des Jahres Ärger auf sich gezogen, als es auf Wunsch Pekings die Nachrichten-App der «New York Times» aus seinem Angebot in China löschte. Für den iPhone-Konzern ist die Volksrepublik nach den USA der wichtigste Markt. Apple-CEO Tim Cook fügt sich der chinesischen Regierung, um Apples Erfolg in China nicht zu gefährden – selbst wenn so die Meinungs- und Pressefreiheit weiter eingeschränkt wird.

Peking hatte zuletzt angekündigt, die Regulierung der VPN-Programme verschärfen zu wollen, die eine der wenigen Möglichkeiten sind, die Internetsperren des Landes zu umgehen.

Apple äussert sich wie folgt: «Chinas Ministry of Industry and Information Technology (MIIT) hat früher in diesem Jahr angekündigt, dass alle Entwickler von VPNs eine Lizenz der Regierung benötigen. Von uns wurde verlangt, dass wir einige VPN-Apps aus dem App Store in China entfernen, welche die neuen Vorschriften nicht einhalten. Diese Apps bleiben in allen anderen Märkten ausserhalb Chinas verfügbar.»

Erst kürzlich kündigte Apple an, ein eigens für die chinesischen iCloud-Kunden bestimmtes Datenzentrum in dem abgeschotteten Land zu errichten. Kritiker sahen darin auch den Versuch der Regierung in Peking, die Daten der Apple-Kunden zu kontrollieren.

Die Tech-Konzerne fügen sich Peking

Auch Apples Rivale Microsoft unterwirft sich den Wünschen Pekings: Microsoft hat der chinesischen Regierung unlängst ein eigenes Windows programmiert. Es ermöglicht den Behörden, eigene Verschlüsselungstechniken einzusetzen. Diese Spezialversion soll dem Konzern die Tür in chinesische Behörden öffnen.

Facebook und Twitter sind schon seit Jahren von der chinesischen Regierung gesperrt. Auch Google-Dienste oder die Videoplattform YouTube, viele internationale Medien oder Webseiten, die Pekings Politik kritisieren oder Menschenrechtsthemen ansprechen, werden blockiert. Zuletzt wurde auch die Nachrichten-App WhatsApp massiv gestört. Nutzer konnten zwar noch Textnachrichten senden, allerdings keine Fotos mehr.

Chinas eigene soziale Netzwerke werden derweil streng von den Zensoren überwacht. Kritische Artikel werden gelöscht, viele Suchbegriffe sind gesperrt.

Russland plant Netz-Zensur für 2018

Auch Russland plant vor dem Wahljahr 2018 strenge Zensurgesetze, die den Einsatz von Anonymisierungs-Software (etwa Tor) und Virtueller Privater Netzwerke (VPN) einschränken. Am 18. März 2018 will sich Russlands Präsident Wladimir Putin im Amt bestätigen lassen, kritische Berichterstattung aus dem Ausland kommt entsprechend ungelegen.

Einzelne westliche Webseiten wie das Job-Netzwerk LinkedIn (gehört zu Microsoft) werden bereits heute gesperrt, nun drohen ähnliche Zustände wie in China. Das neue Gesetz, das von Putin unterzeichnet wurde, ist ein weiterer Schritt zu mehr Kontrolle über das Internet durch die russischen Behörden.

Apple streicht «New York Times» aus App-Store in China

abspielen

Video: reuters

Apple, Google und Facebook bauen monumentale Hauptquartiere

(oli/sda/dpa)

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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ökonometriker 01.08.2017 15:43
    Highlight Highlight Ich sehe das Problem nicht, wenn Microsoft der chinesischen Regierung ein eigenes Windows programmiert. Da wird ja nichts zensiert, sondern nur ein guter Service geboten. Ist doch klar, dass China nicht Verschlüsselungstechnologien der USA einsetzen möchte...
    Google hat sich dem Druck der chinesischen Regierung kaum gebeugt (und wurde geblockt).

    Apple (und Yahoo) hingegen unterstützen die Zensur. Das macht die ohnehin in China wegen hoher Steuern überteuerten iPhones noch unattraktiver - aber jeder muss selber wissen, was er kaufen möchte...
  • Skeletor82 31.07.2017 15:28
    Highlight Highlight Jetzt bin ich gespannt Oliver Wietlisbach; Ob Du die neusten Apple-Produkte dann doch wieder vorstellen wirst und/oder privat Apple Geräte kaufen wirst. So wie Du es schreibst, sollte man diese Produkte tunlichst meiden.

    Man kann wissen, dass Apple unsägliche Arbeitsbedingungen in Chinas Fabriken akzeptiert.

    Dennoch gibt es für Millionen Kunden keinen Grund, auf Apple Produkte zu verzichten.

    Und Apple hält sich hier mal an die Vorgaben, wa nicht immer der Fall ist. Wieso sie es hier tun, ist wohl klar.

    Apple ist ein kapitalistisch veranlagtes Unternehmen. Und das wär's auch schon.
    • Oliver Wietlisbach 31.07.2017 15:42
      Highlight Highlight Natürlich werden wir Apple-Geräte weiter vorstellen – und auch weiter kritisch über Apple berichten. Jeder Konsument muss und kann zum Glück selbst entscheiden, welche Firmen er unterstützen möchte.
    • redeye70 03.08.2017 19:49
      Highlight Highlight Was macht dich so sicher, dass die anderen Smartphonehersteller besser sind als Apple? Sind sie denn besser? Ich nehme schwer an du benutzt ein Fairtradehandy. Etwas anderes kommt wohl kaum in Frage. Warum ist immer nur Apple im Fokus der IT-Branche wenn die anderen Vögel keinen Deut besser sind?
  • Turi 31.07.2017 13:30
    Highlight Highlight Weshalb Bückling? Jede Schweizer Firma, die in China tätig ist, hält sich ebenso an die Vorgaben des Regimes. Aber das ist natürlich was gaanz anderes, schon klar.
    • Oliver Wietlisbach 31.07.2017 13:51
      Highlight Highlight Selbstverständlich ist das etwas anderes: Apple hat die Macht die Meinungs- und Pressefreiheit in China einzuschränken. Vergleichbare Macht haben höchstens Konzerne eines Kalibers von Google, Facebook oder Microsoft. Kommt hinzu, dass Apple mit Abstand der reichste Konzern der Welt ist und kein Schweizer 08/15-KMU.
    • demokrit 31.07.2017 13:57
      Highlight Highlight Gegen China ist selbst Apple nur ein beschaulicher Zwerg. Die Macht haben letztlich die Konsumenten. Niemand wird gezwungen Apple Produkte zu kaufen.
    • Firefly 31.07.2017 14:13
      Highlight Highlight @Oliver Wietlisbach, Apples Reichtum und Macht basiert auf chinesischer (Sklaven)Arbeit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Karl33 31.07.2017 12:58
    Highlight Highlight Wo sind jetzt die, die so gerne sagen: Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten?
  • neutrino 31.07.2017 12:05
    Highlight Highlight Zu sagen, das sei Gesetz, ist viel zu einfach. Warum haben wir heute in Europa und Amerika keine Sklavenarbeit mehr? Weil sich gewisse Institutionen und Personengewehrt haben, und sich gegen das damalige Gesetz gestellt haben. Und nicht einfach gesagt haben: das steht im Gesetz.
    • FrancoL 31.07.2017 12:33
      Highlight Highlight Sehr schön gesagt, ABER wieso kaufen viele von uns noch dort wo es Sklavenarbeit gibt?

      Es ist einfach etwas aufzugeben, wenn man dies an einem anderen Ort bekommt und erst noch günstiger.
    • neutrino 31.07.2017 12:58
      Highlight Highlight Ja, klar, schlussendlich geht es (fast) allen darum, möglichst günstig einzukaufen, bzw. möglichst viel Gewinn einzufahren.

      Deshalb ist es umso höher anzurechnen, wenn mal ein Unternehmen oder eine Privatperson sich nicht so verhält.
    • FrancoL 31.07.2017 13:40
      Highlight Highlight Löbliche Ausnahmen sind immer ein Glücksfall.
    Weitere Antworten anzeigen
  • demokrit 31.07.2017 11:47
    Highlight Highlight Wirklich schlimm und naiv finde ich ja dieses Statement von unserer Fehlbesetzung Bundesrat Johann Schneider-Ammann:

    "Er könne mit dem Ausverkauf leben, sagte er kürzlich, «wenn Technologie und Innovationen hier bleiben – und damit auch die Jobs»."

    https://www.blick.ch/news/politik/politiker-warnen-china-fuehrt-einen-wirtschaftskrieg-rettet-die-schweizer-firmen-id7072075.html
    • N. Y. P. D. 31.07.2017 12:00
      Highlight Highlight Ach Johann,
      wenn die Firma verkauft ist, findet der Wissenstransfer nach China statt. Danach kann problemlos die Firma hier geschlossen werden. Kann, muss aber nicht.
      Aber, ich kann mich irren. Eröffne ein Konto auf watson und bringe Dich ein..

      L'ignorance n'est pas bon quand vous êtes assis dans le gouvernement.
      Mais, rire c'est bon pour la santé.
    • Hierundjetzt 31.07.2017 14:05
      Highlight Highlight Letzter Abschnitt trifft aber zu 100% auf Blocher zu...
    • Schizo 01.08.2017 17:37
      Highlight Highlight Meiner Erfahrung nach kaufen die Chinesen das Label «Swiss Made» und den Firmenstandort Schweiz. Ihr Ziel ist also nicht den Standort zu schliessen.
      Gruss aus Shanghai
    Weitere Antworten anzeigen
  • kEINKOmmEnTAR 31.07.2017 11:45
    Highlight Highlight So sind nun einmal die lokale Gesetze, ob sie uns passen oder nicht. Apple hier für fehlende Revolutionsgedanken zu kritisieren ist fadenscheinig wenn im gleichen Zug nicht auch Google für das Durchsetzen der Löschungen wegen des Recht-Auf-Vergessen kritisiert wird.
    • smartash 31.07.2017 12:32
      Highlight Highlight Man soll also ein Unternehmen nicht kritisieren dürfen, weil es auch noch andere Unternehem gibt die sich ebenfalls nicht korrekt Verhalten?
      Was ist den das für eine Logik?

      Wenn in jedem Artikel in dem jemand für ein Fehlverhalten kritisiert wird auch noch alle Anderen die ebenfalls nicht korrrekt handeln erwähnt werden müssen, würde der Artikel unendlich lang werden.

      Ich kann dieses "warum kritisiert diese, die andern machens ja auch" echt nicht mehr hören.
  • NotWhatYouExpect 31.07.2017 11:38
    Highlight Highlight Sowas geht absolut nicht! Ich hoffe so etwas kommt nie hier in der Schweiz!

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Russland-Gesetzliches-Verbot-von-VPN-Diensten-unterzeichnet-3786831.html


    Und wenn wir schon gerade dabei sind kann ich jedem das nutzen eines VPN Dienstes empfehlen. Denn nur wenn jeder mitmacht wird es umso schwerer für die Bösen Feinde unserer Freiheiten.

    https://www.protonvpn.com/
    • NotWhatYouExpect 31.07.2017 15:49
      Highlight Highlight @Radiochopf: Sehr zu empfehlen genauso wie ProtonMail wurde von Cern Mitarbeitern Entwickelt.

      @Zipfelmütze: Na jetzt haben wir es noch aber wie Lange? Alles kann sich ändern aber das Hoffen wir natürlich nicht.
  • Papa la Papp 31.07.2017 11:27
    Highlight Highlight Klar: Apple ist so böse, so feige - haben nicht den Mumm Gesetze nach belieben auszulegen und gar zu brechen.
    Das machen doch wir in der ersten Welt überall viel, viel besser - nennt mir ein Erstweltland welches China Produkte importiert und verhökert oder gar mit China handelt oder noch extremer heimische Firmen an China verkauft.
    ICH KENNE KEIN EINZIGES.
    So sieht konsequenter Protest aus und jetzt schäme Dich böse Eva äähhh Apple.
  • Der Tom 31.07.2017 11:11
    Highlight Highlight Apple muss sich an die Gesetze halten. Wir sollten uns lieber Fragen wie viele Firmen noch an China verschachert werden sollen.
    • RETO1 02.08.2017 08:49
      Highlight Highlight Apple muss nicht mit China geschäften, siehe Google
  • Nuka Cola 31.07.2017 11:00
    Highlight Highlight Es ist nunmal so, dass dieser Konzern ein gewinnorientiertes Unternehmen ist und keine NGO. Sein erstes Interesse ist längerfristig bestehen, sein zweites ist hohe Gewinne zu erzielen. Keines seiner Ziele ist es Presse- und Meinungsfreiheit zu schützen. Das ist weder erklärtes Ziel, noch mit den anderen Zielen vereinbar.

    Sicherlich, fürs Marketing wird man gerne sagen, man schütze jene Werte, aber das wars dann auch schon.

    Einerseits verständlich, anderseits natürlich höchst bedauerlich. Aber ehrlich, welche Chance hätte Apple den? Gerade mit der aktuellen US-Regierung eher keine.
    • Oliver Wietlisbach 31.07.2017 11:14
      Highlight Highlight Die Hintergründe kann man hier nachlesen:

      "This is the first time China has won the battle to pressure a major foreign tech platform to get rid of software that helped people tunnel out of China’s restrictive version of the Internet.

      Is it as simple as that? This is where Tim’s headache comes in. Apple’s business in China is huge, but under pressure."

      Fazit: Wenn Apple in China einknickt, hat es auch gegen Trump / NSA keine Chance.

      Quelle: https://techcrunch.com/2017/07/30/apples-capitulation-to-chinas-vpn-crack-down-will-return-to-haunt-it-at-home/
    • neutrino 31.07.2017 11:33
      Highlight Highlight Django Ryffel: Klar, man kann es so sehen. Man kann auch sagen, wenn H&M in Bangladesh Kinder beschäftigt, halte man sich ans dortige Gesetz. Ebenso, wenn die FIFA in Katar Bauarbeiter unter miserablen Bedingungen Stadien bauen lässt. Ist wohl alles gesetzeskonform nach den jeweiligen Gesetzen. Aber ich finde diese Sicht zu simpel.
    • Nuka Cola 31.07.2017 13:47
      Highlight Highlight Hi, leider bietet die Kommentarfunktion hier nicht genügend Zeichen um auf die Komplexität der Gesetzgebung einzugehen.

      Das Ding ist nunmal das ein, ein Unterlimit vorgebendes Gesetz und ein verbietendes Gesetz sich komplett unterscheiden, und ersteres ein Anpassen an die eigenen ethinischen und moralischen Massstäbe durchaus zulassen kann, während ein Verbot dies oftmals nicht ermöglicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DerZürcher 31.07.2017 10:59
    Highlight Highlight Was wäre die Alternative? Sollte sich Apple nicht daran halten, riskieren sie allenfalls ein komplettes verkaufsverbot des iPhones und/oder iTunes Marktplatzes... Das Problem müsste auf politischem Weg gelöst werden...
  • John Smith (2) 31.07.2017 10:23
    Highlight Highlight Apple macht Bückling? Man könnte auch sagen: Apple hält sich ans Gesetz.
    • The Real Deadpool 31.07.2017 10:32
      Highlight Highlight Das ist in diesem Zusammenhang genauso eine doofe Begründung wie «ich habe nur Befehle befolgt».
    • demokrit 31.07.2017 10:34
      Highlight Highlight Ans Diktatorengesetz.
    • Töfflifahrer 31.07.2017 10:49
      Highlight Highlight Und überall wo Geschäfte gewittert werden, kriecht man auf Knien und hat bereits ne ganz braune Zunge vom A... lecken. Aber Hauptsache die Kasse stimmt.
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