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IT-Sicherheitsexperte Brian Krebs legte sich mit Nerds an. Die originelle Antwort kommt in Form einer gewaltigen Spendenaktion für die Krebshilfe. bildmontage: pr0gramm / Twitter

IT-Experte gerät ins Fadenkreuz wütender Nerds – die Schweizer Krebsliga freuts

Über 100'000 Franken an Spendengeldern sind bereits bei der Krebshilfe mit dem Vermerk «Kampf gegen Krebs» eingegangen. Von der originellen Protestaktion des Imageboards pr0gramm.com profitiert auch die Krebsliga Schweiz.



IT-Journalist und Sicherheitsexperte Brian Krebs ist seit einigen Tagen der meistgehasste Mensch im deutschsprachigen Internet. Krebs hat mit einer Story den Entwickler des Kryptowährungs-Schürfers Coinhive (siehe unten) enthüllt. Es ist der Gründer des deutschen Imageboards pr0gramm.com

Auf der Pr0gramm-Website werden von den Nutzern für gewöhnlich Bilder und Videos gepostet und fleissig kommentiert. Aktuell sind allerdings nur Spendenbestätigungen für die Krebshilfe mit dem Vermerk «Kampf gegen Krebs» zu sehen.

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Nerds spenden für die Krebshilfe, um Brian Krebs eins auszuwischen. screenshot: Pr0gramm

Ein so genannter Crypto-Miner oder Crypto-Schürfer ist eine Software, die Webseitenbetreiber einsetzen können, um die Computer nichtsahnender Besucher zum Schürfen von Kryptowährung einzusetzen. Das Problem: Krebs deckte nicht nur den Namen des Coinhive-Entwicklers auf, sondern enthüllte auch die Identität der aktuellen Betreiber von Pr0gramm, die offenbar nichts mit dem Kryptowährungs-Schürfer zu tun haben. 

Anonymität und Datenschutz sind der Pr0gramm-Community heilig – die Empörung ist entsprechend gewaltig.

«Nach seinem Bericht vom Montag mit Name und Wohnorten von Pr0gramm-Verantwortlichen fürchten viele in der Community das Aus für die Seite», schreibt watson.de. «Wenn Pr0gramm runtergefahren wird wegen des Berichts, dann verlieren Hunderttausende Kellerkinder ihren Lebensinhalt», schrieb ein Nutzer halbironisch auf Twitter an Krebs. 

Der US-Journalist antwortete: «Die Kellerbewohner müssten also etwas anderes tun, als anonym Hassbilder und Todesdrohungen gegen Journalisten zu posten? Wäre ja echt eine Schande!»

Ein weiterer Twitter-Nutzer machte Krebs daraufhin auf die Bedeutung seines Namens in der deutschen Sprache aufmerksam:

Shitstorm wird zum Lovestorm

Die Pr0gramm-Community, die für ihren derben Humor bekannt ist, reagierte zunächst, wie man es von ähnlichen Portalen wie Reddit gewohnt ist: Mit einer Anti-Krebs-Meme-Flut, also mit fiesen Bildern gegen den IT-Sicherheitsexperten.

Doch dann nahm die Protestaktion eine verrückte Wendung, «als Nutzer BassT87 einen Screenshot als Beleg für eine 25-Euro-Spende an die Krebshilfe postete», wie das deutsche Newsportal T-Online schreibt.

Pr0gramm-User BassT87 schreibt:

«Ich habe den Rummel um Herrn Krebs mal zum Anlass genommen, meinen Teil gegen Krebs beizutragen. Vielleicht macht der ein oder andere es ja (statt dem drölftausendsten Meme) ja nach ... »

Sein Kommentar trat die Spendenwelle für die Deutsche Krebshilfe los. Bis Mittwochabend kamen so über 100'000 Franken zusammen. Da die Webseite der Krebshilfe zwischenzeitlich unter dem Ansturm zusammenbrach, kamen auch andere Organisationen in den Genuss von Spenden: «Die Deutsche Krebshilfe teilte mit, es seien 4100 Spenden mit einem Betrag von 103'000 Euro eingegangen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum berichtete von 74 Spenden», schreibt T-Online.

Spenden für Schweizer Krebsforschung: «Krebs ist scheisse»

Auch Einrichtungen in Österreich und der Schweiz haben Spenden erhalten. Die Krebsliga Schweiz bestätigt auf Anfrage:

«Zwischen dem 27. März und heute, 29. März, sind mehr als 200 Online-Spenden für die Krebsliga Schweiz und die Krebsforschung eingegangen. Das sind deutlich mehr Onlinespenden als sonst. Diese haben bislang Einnahmen von rund 7500 Franken generiert. Die meisten sind mit dem Spendengrund ‹Krebs ist scheisse› versehen.»

Da nicht bei allen Spenden eine Herkunft erkennbar sei, geht die Krebsliga Schweiz davon aus, dass rund 90 Prozent von dieser Aktion stammen. Es kämen aber nach wie vor Onlinespenden rein. Alleine heute Vormittag seien es rund 20 weitere Spenden.

Und weiter schreibt uns Beatrice Bösiger, Fachspezialistin Kommunikation bei der Krebsliga Schweiz:

«Wir freuen uns sehr über diese überraschende Aktion und möchten uns bei allen Spenderinnen und Spendern bedanken.»

Krebsliga Schweiz

«Die fieseste Malware des Jahres»

Was hat es mit Coinhive auf sich? Das Techportal Motherboard nannte den Kryptowährungs-Schürfer «die fieseste Malware des Jahres». Mehr als eine Milliarde Internet-Nutzer im Monat stellen den «Crypto-Jackern» unfreiwillig Rechnerleistung zur Verfügung. Ein Crypto-Miner ist eine Software, die Webseiten-Betreiber einsetzen können, um die Computer nichtsahnender Besucher zum Schürfen von Kryptowährung zu nutzen.

Krebs schrieb, dass der Pr0gramm-Gründer Dominic Szablewski Coinhive entwickelt habe. Szablewski hat das zwischenzeitlich selbst in einem Blog-Beitrag bestätigt. Er habe pr0gramm.com 2015 verkauft, habe Coinhive aber auf einer speziellen Pr0gramm-Website testen dürfen. Inzwischen habe er den Kryptowährungs-Schürfer an eine andere Firma verkauft. Die derzeitigen Pr0gramm-Betreiber hätten keinen unmittelbaren Anteil an Coinhive, auch wenn Krebs dieses nahelege.

Die ganze Aufregung hat mit der Spendenflut letztlich ein gutes Ende genommen. Die Empörung wäre vielleicht auch nicht so gross gewesen, wenn die mehrheitlich deutschen Pr0gramm-Nutzer die Gepflogenheiten im US-Journalismus gekannt hätten. Heise.de schreibt hierzu: «Die Namensnennung, die die Community so sehr in Harnisch gebracht hat, ist im Grunde geläufig im Journalismus der englischsprachigen Welt. Nach deutscher Berufsethik wäre man vielleicht etwas anders vorgegangen.»

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