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Metro-Station in Paris. Die französische Regierung macht mit ihrer Corona-Warn-App einen Alleingang, ähnlich wie es Grossbritannien versucht.
Metro-Station in Paris. Die französische Regierung macht mit ihrer Corona-Warn-App einen Alleingang, ähnlich wie es Grossbritannien versucht.Bild: AP

Frankreich will eigene Corona-App Anfang Juni fertig haben – und attackiert (erneut) Apple

Bei der «StopCovid»-App sind technische Probleme vorprogrammiert: Offenbar können die Entwickler nicht die Schnittstellen von Apple und Google nutzen.
06.05.2020, 14:4906.05.2020, 22:01

Die französische Regierung will eine eigene Corona-Warn-App ab Anfang Juni zum Einsatz bringen. Die «StopCovid»-App, mit der der Kontakt von positiv auf das Coronavirus getesteten Personen nachverfolgt werden soll, solle bis zum 2. Juni fertig sein, sagte der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, am Dienstag dem Fernsehsender BFM Business.

Brisant: Die App werde dabei nicht auf die Schnittstellen von Google oder Apple zurückgreifen, erklärte O. Es gebe bei den Lösungen der US-Konzerne eine «Reihe von Problemen hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre und der Verbindung mit dem Gesundheitssystem», sagte er.

Dieser Darstellung widersprechen IT-Experten und Epidemiologen wie der Schweizer Marcel Salathé, die im Gegensatz zu den Franzosen auf ein dezentralisiertes Tracing-System des Konsortiums DP-3T setzen, bei dem die sensitiven Daten auf den Geräten bleiben.

Ab kommender Woche werde eine Testphase der französischen Proximity-Tracing-App unter realen Bedingungen beginnen, kündigte O an. Sie solle dann ab dem 2. Juni einsatzbereit sein, wenn in Frankreich ein zweiter Schritt der Lockerung der Corona-Beschränkungen geplant ist.

Die Corona-Warn-App soll mit Hilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind – und Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufhielten.

Frankreich und Grossbritannien machen Alleingang

Apple und Google haben eine technische Lösung als Basis für Corona-Apps für ihre Betriebssysteme iOS und Android entwickelt, auf die die Länder aufsetzen können. Diese Lösung basiert auf der «Schweizer Lösung» von DP-3T. Die entsprechenden Software-Updates sollen Mitte Mai vorliegen.

Google und Apple sind die einzigen, die Voraussetzungen für einen reibungslosen Betrieb der Corona-Apps direkt in die Betriebssysteme der Smartphones integrieren können.

Die Schweiz, Deutschland, Italien und mehrere andere Länder Europas wollen die Apple-Google-Schnittstellen nutzen, Frankreich und Grossbritannien gehen einen eigenen Weg.

screenshot: twitter

Dass es bei einem solchen «Alleingang» zu technischen Problemen kommen kann, zeigte sich kürzlich in Australien. Auch dort setzt die Regierung auf eine eigene Lösung. Seit der Lancierung am 3. Mai häufen sich User-Beschwerden, zudem sind auch Bluetooth-Verbindungsprobleme aufgetreten.

Frankreich hatte bereits von Apple gefordert, die aus Datenschutzgründen eingeführten Einschränkungen für den Bluetooth-Einsatz im Hintergrund aufzuheben. Experten warnen, dass ohne Hilfe der Konzerne das Bluetooth-Signal ausgehen oder schneller der Geräteakku leeren könnte.

Entscheidender Unterschied zwischen der dezentralen Lösung der US-Konzerne und dem zentralen Ansatz der Franzosen ist, wo der Abgleich der Daten dafür stattfinden soll.

  • Bei Apple und Google soll das ausschliesslich auf den Smartphones der App-User geschehen, die dafür regelmässig Listen der Schlüssel von infizierten herunterladen. Für dieses Modell sind auch die Datenschützer.
  • Beim Konzept der Franzosen dagegen werden die Daten auf einem zentralen Server abgeglichen. Dies ermöglicht laut Kritikern fragwürdige Big-Data-Anwendungen.

Gleich beim zentralen und dezentralen Konzept ist, dass die Smartphones anonyme Schlüssel austauschen. Wenn ein Nutzer seine Infektion meldet, werden die Inhaber der Schlüssel benachrichtigt, die in seiner Nähe waren.

(dsc/sda/dpa)

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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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bebby
06.05.2020 17:15registriert Februar 2014
Logisch, dass Frankreich diesen Weg geht. Dort läuft immer alles über die Zentrale in Paris.
Das Ganze zeigt auch wieder einmal, dass Europa völlig unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten hat, was eine Grenzöffnung weit in die Länge ziehen wird.
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