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Analyse

Seit 40 Jahren wird Hillary Clinton niedergemacht – der Grund ist stets derselbe: Sie hat keinen Penis 



Der hier gewählte Titel ist zugegebenermassen vulgär. Aber genau deshalb passt er zum beschriebenen Gegenstand: Hillary Clinton wird seit Jahr und Tag für Dinge kritisiert, die bei männlichen Politikern keinerlei Bedeutung haben. Worin liegt der Unterschied zwischen ihr und diesen Männern? Eben. Zum Beweis werden hier eine Reihe klassischer Ressentiments gegen Clinton aus dem Zeitraum 1979 bis 2015 aufgelistet – und jeweils mit aufschlussreichen Gegenbeispielen männlicher Politiker ergänzt:

1979

«Man erhält den Eindruck, dass Sie möglicherweise nicht sonderlich an Gala-Dinners, Kaffeekränzchen und Gartenpartys interessiert sind.»

«Frage» eines Journalisten an die First Lady von Arkansas, Hillary Clinton. quelle: interview in focus

FILE - In this Feb. 27, 1979 file photo, Arkansas Gov. Bill Clinton and his wife, Hillary, enter the White House in Washington to attend a dinner honoring the nation's governors. (AP Photo/Barry Thumma)

Hillary Clinton mit Gatte Bill Clinton, dem frisch gebackenen Gouverneur von Arkansas bei einem offiziellen Empfang (1979). Bild: AP

First Lady von Arkansas Hillary Clinton hinterliess gemäss diesem Journalisten nicht bei allen Beobachtern den Eindruck einer liebenswürdigen Gastgeberin in der Gouverneurs-Residenz. Vergleichen wir das einmal mit einem x-beliebigen First Gentleman, zum Beispiel mit Michael Haley, Ehemann von Nikki Haley, der aktuellen Gouverneurin von South Carolina.

Bild

Michael Haley (links), First Gentleman von South Carolina. bild via The State Newspaper

Ob er am oben abgebildeten Weihnachtsempfang 2014 in der Gouverneurs-Residenz Spass hatte, ist nicht bekannt. Es fragt ihn auch niemand danach. Weil es niemanden interessiert. Weil es niemand für wichtig hält. Weil es nicht wichtig ist.

1992

«Ich finde sie eine sehr aggressive Frau. Und sie ist übermässig ehrgeizig.»

Mann von der Strasse über Hillary Clinton, Ehefrau von Präsidentschaftskandidat Bill Clinton. quelle: bericht nbc today

FILE - In this July 21, 1992 file photo, then-Democratic presidential nominee Bill Clinton stands with his wife Hillary Clinton  during a campaign stop at General Butler State Park in Carrollton, Ky. Bill Clinton promised voters in 1992 that they’d be getting “two for the price of one” if they elected him to the White House, a presidential duo of the young Arkansas governor and his Yale Law-educated wife. Near a quarter century later, the duo is back, but not quite the same. (AP Photo/Greg Gibson, File)

Hillary Clinton im Präsidentschaftswahlkampf 1992 ihres Ehemanns Bill. Bild: Greg Gibson/AP/KEYSTONE

Hillary Clinton studierte an der Elite-Uni Yale Jura. Sie arbeitete in einer renommierten Anwaltskanzlei. Nach elf Jahren als First Lady von Arkansas und weiteren acht Jahren als First Lady der USA an der Seite von Ehemann Bill wurde sie Senatorin. Und dann Aussenministerin. Und jetzt demokratische Präsidentschaftskandidatin. Ja, Hillary Clinton kann getrost als ehrgeizig bezeichnet werden.

Nehmen wir Ted Cruz, der in Princeton und Harvard Jura studierte, ein Praktikum am Obersten Gerichtshof ergatterte, mit 42 in den Senat gewählt und vier Jahre später bereits Präsident werden wollte. Niemand würde ihm vorwerfen, er sei zu ehrgeizig. Weil dies absurd wäre. Natürlich sind Spitzenpolitiker auf der ganzen Welt ehrgeizig. Sonst würden sie nie Spitzenpolitiker werden.

Sen. Ted Cruz, R-Texas, looks back before entering Air Force One at Love Field Airport, Tuesday, July 12, 2016, in Dallas. Cruz attended a memorial service for the five fallen police officers with President Barack Obama. (Tom Fox/The Dallas Morning News via AP)

Ted Cruz an Bord der Air Force One (2016). Bild: AP/The Dallas Morning News

Dass Hillary Clinton nicht bereit war, ihre besten Jahre als Statistin an der Seite ihres Mannes zu verbringen, brachte sie mit ihrer legendären Cookie-Aussage unmissverständlich zum Ausdruck. 

«Ich hätte zu Hause bleiben, Kekse backen und Kaffeekränzchen abhalten können. Stattdessen entschied ich, meinen Beruf auszuüben, den ich ergriffen hatte, bevor mein Mann in die Politik einstieg.»

Hillary Clinton

Konservative Amerikaner legten ihr dies als Geringschätzung der Arbeit von Müttern und Hausfrauen aus. Cookie-Gate markiert den Anfang der Attacken, die bis heute anhalten.

2003

«Glauben Sie, dieses Land ist bereit, Sie als nationale Kandidatin zu akzeptieren?»

Journalistin Barbara Walters Frage an Senatorin Hillary Clinton über ihre angeblichen Pläne, eines Tages Präsidentin zu werden.

«Herr Obama/Herr Romney/Herr McCain/Herr Bush, glauben Sie, dieses Land ist bereit, Sie als nationalen Kandidaten zu akzeptieren?» Klingt irgendwie albern, oder?

2008

«Wenn Hillary Clinton spricht, hören Männer [ihre Frauen nörgeln]: ‹Bring den Müll raus!›»

Marc Rudov, Experte auf Fox News quelle: fox news

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Video: streamable

Hillary Clintons Stimme passt offenbar nicht allen. Dasselbe liesse sich über Ex-Präsidentschaftskandidat Ben Carson (spricht auffällig leise und langsam) oder Senator/Ex-Präsidentschaftskandidat Lindsey Graham (seltsamer Südstaaten-Akzent) sagen.

Wäre es nicht klüger darauf zu achten, was diese Leute sagen, statt mit welcher Stimme sie es sagen? Oder noch besser: Was sie tun, statt was sie sagen? Für Hillary Clinton gilt das offenbar nicht.

2008

«Ich bewundere, was Senatorin Clinton für Amerika gemacht hat. Was ihren Anzug anbelangt, bin ich mir nicht so sicher.»

Senator John Edwards quelle: abc news

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Video: streamable

Senator John Edwards, der 2008 für die Demokraten US-Präsident werden wollte, äusserte sich in einer Debatte abschätzig über die Garderobe seiner Mitbewerberin. Die Verachtung in seinem Blick ist grenzenlos. 

Auch hier stellt sich die Frage: Wer macht sich über die Garderobe des Kongressabgeordneten Jared Polis lustig (siehe Bild unten)? Niemand. Warum ist dann Clintons Anzug ein Thema?

Bild

screenshot via C-span

Aus purer Boshaftigkeit könnte man auch auf diesen schlecht geschnittenen Anzug ihres Ehemanns verweisen. Gut, in den 1990ern wurden sie gerne etwas weiter getragen. Aber gar so weit dann doch nicht.

Bild

Bill Clinton mit seinem Vize Al Gore (1993). bild:pd

2015

«Ausländische Politiker versuchten zu dekodieren, was ihre Frisuren bedeuten. Einer sagte, wenn das Haar zurückgebunden war, musste man sich auf schlechte Nachrichten gefasst machen.»

TV-Bericht über Clintons Amtszeit als Aussenministerin (2009-2013). quelle: abc news

abspielen

Video: streamable

Wessen Frisur ist ebenfalls ein Dauerthema? Genau.

Republican presidential candidate Donald Trump speaks during a campaign town hall at Ocean Center, Wednesday, Aug. 3, 2016, in Daytona Beach, Fla. (AP Photo/Evan Vucci)

Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Aber niemand kommt auf die Idee, aus seiner Frisur irgendwelche Schlüsse auf seine politischen Positionen zu ziehen.

Es gibt wirklich problematische Seiten Hillary Clintons

Das amerikanische Newsportal National Memo hat diese und weitere sexistische Fragen an Hillary Clinton aus vier Jahrzehnten in einem Video zusammengefasst:

Dieser Fokus auf völlig irrelevante Eigenschaften ist nicht nur sexistisch, er verstellt auch den Blick auf wirklich problematische Aspekte in der Persönlichkeit Hillary Clintons. Über einen bestimmten wird in einem Folgeartikel zu sprechen sein. 

Wer gewinnt: Trump oder Clinton?

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

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