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epa08415449 A busker named Robert Burck, known as the Naked Cowboy, stands in the middle of a quiet Times Square in New York, New York, USA, 11 May 2020.  EPA/JUSTIN LANE

Der Naked Cowboy auf dem Times Square trägt ebenfalls eine Maske. Bild: EPA

«Alle tragen jetzt eine Maske»: So kämpft sich New York aus der Krise

Das Coronavirus hat in der Stadt New York rund 20'000 Todesopfer gefordert. Eine Lockerung des Lockdown ist frühestens ab Juni möglich. Und Normalität wird noch lange ein Fremdwort bleiben.



New York war eine Stadt, in der das Leben pulsierte, während 24 Stunden. «The City that doesn't sleep» heisst es im durch Frank Sinatras Version unsterblich gewordenen Song «New York, New York». Eine harte Stadt, die dich verschlingen und zermalmen, aber auch mit Energie aufladen konnte. Stets faszinierend und inspirierend, und sicher niemals langweilig.

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Die Vergangenheitsform ist nötig, denn seit Andrew Cuomo, der Gouverneur des Bundesstaats New York, am 20. März den Lockdown verordnet hat, steht die Stadt still. Die sonst tagsüber permanent überfüllten Strassen in Manhattan sind wie leergefegt. Die Broadway-Theater mussten erstmals in ihrer Geschichte schliessen und die Subway den 24-Stunden-Betrieb einstellen.

In this photo provided by the Office of Governor Andrew M. Cuomo, New York Gov. Cuomo tries out a spraying device which is part of a three-step disinfecting process of a New York City subway car at the Corona Maintenance Facility in the Queens borough of of New York, Saturday, May 2, 2020. Cuomo announced on Thursday April 30, that New York City is shutting down its subway system each day from 1 a.m. to 5 a.m. to increase cleaning of trains and stations during the coronavirus crisis. (Kevin P. Coughlin/Office of Governor Andrew M. Cuomo via AP)

Die Subway ist seit zwei Wochen nachts zwecks Reinigung geschlossen. Gouverneur Andrew Cuomo legte selber Hand an. Bild: AP

Das Coronavirus hat keine Region der USA so hart getroffen wie New York, eine Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten vieles durchmachen musste. In den 1970er Jahren war sie so gut wie pleite, schmutzig und von Kriminalität und Drogen gebeutelt. In den 90ern folgte die Wiedergeburt, ehe der 11. September 2001 ihr einen Stich ins Herz versetzte. Es folgte die Finanzkrise von 2008.

Nichts aber lässt sich vergleichen mit Corona. New York ist wieder Ground Zero, nur viel heftiger als vor 19 Jahren. Die derzeitige Bilanz: Rund 200'000 positiv getestete Fälle und mindestens 20'000 Tote. Die Dunkelziffer dürfte in beiden Fällen höher sein. Zeitweise musste die Stadt Kühllaster mieten, um alle Leichen unterbringen zu können. Im Central Park entstand ein Lazarett.

«Über Ostern war es besonders schlimm, da hatten wir rund 800 Todesfälle pro Tag. Jetzt sind es weniger als 200», berichtet Barbara Leifer. Ende März hatte watson erstmals mit der Sängerin und Dirigentin gesprochen, die den Diplomatic Choir of Berlin leitet und eigentlich nur kurz in die USA reisen wollte, seit dem Lockdown jedoch in ihrem Appartement in Midtown West festsitzt.

epa08330962 Field tents are erected as a makeshift hospital in the East Meadow of Central Park by the disaster relief organization Samaritan's Purse in New York, USA, 29 March 2020. New York City is now an epicenter of coronavirus and COVID-19 in the USA, with New York reporting over 59,000 confirmed cases and over 965 related deaths.  EPA/Peter Foley

Das Lazarett im Central Park wurde zur Entlastung der New Yorker Spitäler errichtet. Bild: EPA

Damals wirkte Leifer nervös, teilweise verängstigt. Manche Leute kümmerten sich «überhaupt nicht um die Aufforderung, sich und andere zu schützen, sei es im Laden oder auf der Strasse», klagte sie im Skype-Gespräch. Die allgemeine Lage in New York hat sich seither nicht verändert, aber gerade dieser Punkt habe sich wesentlich gebessert: «Die Leute sind vorsichtiger geworden.»

Sie befolgten nun die Regeln, so Leifer: «Alle tragen jetzt eine Maske.» Ohne dürfe man sowieso nicht in die Geschäfte hinein, und auch in ihrem Wohnblock bestehe Maskenpflicht. Dazu trägt sicher auch die Tatsache bei, dass die Polizei das Social Distancing konsequent durchsetzt. Dennoch ist dieses Verhalten der oft widerspenstigen New Yorker bemerkenswert.

Es scheint sich auszuzahlen. In den Spitälern der Stadt hat sich die Lage entspannt. In der schlimmsten Phase der Krise herrschten dort unhaltbare Zustände. Mangels Ausrüstung mussten Ärzte und Pflegepersonal die gleiche Maske teilweise tagelang benutzen. Viele haben sich infiziert. «Jetzt sind die Spitäler nicht mehr voll», sagt Barbara Leifer.

Workers wearing personal protective equipment bury bodies in a trench on Hart Island, Thursday, April 9, 2020, in the Bronx borough of New York. New York City Mayor Bill DeBlasio said earlier in the week that officials have explored the possibility of temporary burials on Hart Island, a strip of land in Long Island Sound that has long served as the city’s potter’s field.  The city’s 2008 Pandemic Influenza Surge Plan states that Hart Island would be used as a temporary burial site in the event the death toll reaches the tens of thousands and if other storage, such as the refrigerator trucks parked outside hospitals, is full. (AP Photo/John Minchillo)

Auf Hart Island in der Bronx wurden Covid-19-Opfer in einem temporären Massengrab beigesetzt. Bild: AP

Von Normalität kann die Stadt vorerst aber nur träumen. Fünf der zehn Regionen des Staates New York dürfen ab Freitag erste Lockerungen vornehmen. Es handelt sich um ländliche Gebiete im Norden. Sie erfüllen alle sieben von Gouverneur Cuomo formulierten Voraussetzungen, darunter eine klar rückläufige Infektionskurve und genügend Kapazitäten für Tests und Contact Tracing.

«Ich gehe nicht ins Restaurant, ich würde mich dort nicht wohl fühlen.»

Barbara Leifer

Die Stadt New York erfüllt erst vier Kriterien. So hat es trotz Entspannung in den Spitälern noch zu wenig freie Betten auf den Intensivstationen. Bürgermeister Bill de Blasio sagte am Montag, erste Lockerungen werde es wohl erst ab Juni geben, und auch das nur, wenn die Covid-19-Indikatoren weiterhin in die richtige Richtung zeigten. Auch das Maskentragen werde weiterhin nötig sein.

Denis Guidone pauses to take a photograph in front of the Metropolitan Opera House at Lincoln Center on Thursday, March 12, 2020, in New York. The Met Opera canceled performances and rehearsals through March 31 due to fears of the coronavirus spreading, leaving singers scrambling to get home and costing the financially-challenged company millions of dollars. The opera's general manager, Peter Gelb, said it was too early to determine whether the company will resume for any part of the remainder of its season, which runs through May 9. (AP Photo/Kathy Willens)

Wann die Metropolitan Opera wieder spielt, steht in den Sternen. Bild: AP

Selbst in diesem Fall dürfte die Metropole noch für Monate im Zeitlupenmodus verbleiben. Am Broadway soll frühestens ab September wieder gespielt werden, wenn überhaupt. Das New York Philharmonic Orchestra und die Metropolitan Opera verkaufen Tickets für die neue Saison, doch es gibt Gerüchte, wonach ein normaler Spielbetrieb erst ab Herbst 2021 geplant ist.

«Das kulturelle Leben ist vollständig tot», sagt Barbara Leifer, die als Musikerin in der Szene gut vernetzt ist. Sie selber weiss sich zu beschäftigen: «Ich mache Gymnastik und Musik und pflege die Kontakte mit der Familie.» So hat sie ein Video produziert, in dem sie ihren Berliner Chor aus der Ferne dirigiert. Und sie macht zweimal pro Woche Freiwilligenarbeit in ihrem Wohnblock.

Eine Lockerung ab Juni sei unvermeidlich, meint sie. Selber aber will sie vorsichtig bleiben: «Ich gehe nicht ins Restaurant, ich würde mich dort nicht wohl fühlen.» Denn das Personal ist auf jeden Tagesverdienst und jedes Trinkgeld angewiesen und geht deshalb auch krank zur Arbeit. Barbara Leifer weiss, wovon sie spricht. Sie hat in jungen Jahren selber in der Gastronomie gearbeitet.

New York City wird sich ins Leben zurück kämpfen. Etwas anderes kann man sich nicht vorstellen. Aber der Weg dorthin wird lang, hart und schmerzhaft sein.

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