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In Bukarest wurde eine mobile Intensivstation aufgebaut, weil die Spitäler voll sind.
In Bukarest wurde eine mobile Intensivstation aufgebaut, weil die Spitäler voll sind.
Bild: keystone

Während in Westeuropa die Pandemie abklingt, sieht es in Osteuropa gar nicht gut aus

Während in Westeuropa erste Staaten die Coronapandemie praktisch für beendet erklärt und alle Massnahmen aufgehoben haben, steigen die Todesfälle in Osteuropa teilweise stark an. Besonders betroffen sind Bulgarien und Rumänien.
12.10.2021, 09:2013.10.2021, 09:50
Reto Fehr
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Dänemark und Norwegen haben praktisch alle Corona-Massnahmen aufgehoben, in Portugal findet sich kaum mehr jemand, der impffähig ist, aber den Piks noch nicht erhalten hat. Auch in der Schweiz gingen Neuinfektionen und Hospitalisationen zuletzt wieder zurück. Westeuropa steht im Kampf gegen das Coronavirus aktuell wieder ziemlich gut da.

Anders sieht es in Osteuropa aus. In vielen Ländern nehmen die Neuinfektionen und Todesfälle wieder zu. Am stärksten betroffen sind aktuell Bulgarien und Rumänien. Insbesondere in Rumänien nehmen Neuinfektionen aktuell stark zu:

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Dramatischer als die Fallzahlen ist aber in beiden Ländern die Entwicklung der Covid-19-Todesfälle. Hier stehen beide Länder auf ähnlichem Niveau und ein Vielfaches über den Zahlen der Schweiz:

Weltweit gehören die beiden Länder gar zu denjenigen Nationen, welche in den letzten sieben Tagen pro Million Einwohner am meisten Todesopfer wegen Covid-19 beklagen mussten. Lässt man die Nationen mit weniger als zwei Millionen Einwohnern weg, liegen Rumänien und Bulgarien auf den Rängen 1 und 2 (Daten von «ourworldindata» vom 4. bis 10. Oktober).

Tiefste Impfraten in der EU

Wie kam es dazu? Wie so oft fallen verschiedene Gründe zusammen. Da wäre beispielsweise das Gesundheitssystem, welches deutlich unter dem Schweizer Standard liegt und in der 3. Welle im Frühling genauso an die Grenzen kam wie jetzt in der 4. Welle im Herbst. Gemäss Medienberichten bilden sich vor den Krankenhäusern Schlangen und Betten auf den Intensivstationen sind in vielen Landesteilen besetzt.

Catalin Apostolescu, Direktor des Matei Bals Spitals in Bukarest, erklärte kürzlich: «Wenn das so weiter geht, kollabiert das Gesundheitssystem in den nächsten Tagen. Wir sind zu 110 Prozent ausgelastet.» Vor einigen Tagen brannte es zudem in einem Spital in Constanta. Es war bereits das dritte Feuer in einem Spital in Rumänien innert nicht einmal einem Jahr.

Patientinnen wurden beim Feuer im Spital in Constanta nach draussen evakuiert. Neun Covid-Patienten auf der Intensivstation kamen im Feuer ums Leben.
Patientinnen wurden beim Feuer im Spital in Constanta nach draussen evakuiert. Neun Covid-Patienten auf der Intensivstation kamen im Feuer ums Leben.
Bild: keystone

Die Mehrheit der Hospitalisierten sind Ungeimpfte oder Geimpfte mit Vorerkrankungen. Womit wir beim zweiten Problem wären: Die Impfquoten in Rumänien und Bulgarien sind EU-weit die tiefsten. Während in Rumänien erst knapp 30 Prozent vollständig geimpft sind, sind es in Bulgarien sogar nur knapp 20 Prozent. Da steht die Schweiz mit rund 60 Prozent plötzlich wieder gut da:

Falsche Sicherheit im Sommer

Warum liessen sich so wenige Personen in Rumänien und Bulgarien impfen? Auch hier spielen wieder verschiedene Faktoren mit rein. Ein Grund ist gemäss der «Financial Times», dass die Bewohner nach der dritten Welle im Sommer mit tiefen Neuinfektionen glaubten, dass die Pandemie vorbei sei.

Hohe Impfskepsis

Ein viel wichtigerer Punkt: Die Impfskepsis in den beiden Ländern ist gross. Dahinter steckt eine allgemein grössere Skepsis gegenüber der Medizin als in anderen Ländern und Fake News. Vor allem die ältere Bevölkerung, welche die kommunistische Diktatur noch miterlebte, traut den Medien nicht. Früher waren diese gesteuert und alternative Kanäle waren wichtig für Informationen. Auch heute schadet sich beispielsweise das rumänische TV selbst, indem es Prominenten eine Plattform gibt, welche sich gegen die Impfung wehren, wie Catalin Stoica von der Universität Bukarest sagt.

Proteste gegen einen möglichen Impfzwang in Bukarest am Sonntag, 10. Oktober.
Proteste gegen einen möglichen Impfzwang in Bukarest am Sonntag, 10. Oktober.
Bild: keystone

Stoica untersucht zusammen mit Radu Umbress, warum Fake News zu Covid-19 sich so gut verbreiten. Die beiden widersprechen in der Deutschen Welle dabei der verbreiteten Meinung, dass viele Ungebildete diese Theorien glauben: «Es sind eher diejenigen mit mittlerer oder hoher Ausbildung, vielleicht weil sie sich als besser informiert einschätzen.»

Grosser Anteil der Bewohner lebt auf dem Land

Auch die «Financial Times» hat sich die Frage gestellt, warum die beiden Länder bei den Impfungen so hinterherhinken. Mit ein Grund sei, dass fast 50 Prozent der Bevölkerung auf dem Land wohnen und diese teilweise schwierig zu erreichen sind, insbesondere wenn auch noch Lieferpannen auftreten, wie das in Rumänien der Fall gewesen sei.

Heftige Vergleiche der Zertifikats- und Massnahmen-Gegner in Rumänien.
Heftige Vergleiche der Zertifikats- und Massnahmen-Gegner in Rumänien.
Bild: keystone

Gefälschte Zertifikate

Und dann gibt es noch einen weiteren Punkt, der in Rumänien und Bulgarien als «Waschbecken-Impfung» bekannt ist. Damit sind falsche Zertifikate gemeint, welche Ärzte ausstellen, ohne die Patienten zu impfen. Stattdessen sollen sie das Vakzin ins Waschbecken spritzen. Dies geschehe auf Wunsch der Patienten. Hin und wieder berichteten rumänische Medien von solchen Zertifikats-Schwindlern.

Andrei Baciu, Vize-Präsident der nationalen Koordinationsstelle für die Covid-19-Impfung, weiss von dem Problem. Er gehe allerdings nur von sehr wenigen Fällen aus, sagte er in der «Financial Times» und sprach von vielleicht 400 von zwei Millionen Zertifikaten. Andere gehen da allerdings von viel höheren Zahlen aus.

Droht ein Szenario wie in Norditalien 2020?

Fakt ist aktuell: Das Gesundheitssystem steht vor der Überlastung. In Rumänien wird diskutiert, ob man Patienten ins Ausland zur Behandlung versetzen kann. Momentan laufen Gespräche mit Ungarn, das sich dafür bereit erklärte. Derweil gibt es einige, die eine weitere Verschlimmerung befürchten. So sagte Beatrice Mahler, Managerin des Marius Nasta Institut für Pneumologie in Bukarest der TV-Station Digi24: «Ich möchte nicht den Punkt erreichen, den Italien 2020 durchmachte. Aber das Risiko ist gross.»

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