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Auf Facebook sind sie schon lange Sieger – wie die AfD ein digitales Wahlvolk züchtete

Mit 12,6 Prozent wurde die AfD am Sonntag in den Deutschen Bundestag gewählt. Sie erzielte das drittbeste Resultat aller Parteien. Auf Facebook hat die rechtspopulistische Partei aber schon lange die Nase vorn. Eine Analyse.



Auf der Facebook-Seite der AfD prangt ein Banner mit wehenden Deutschlandflaggen, darüber steht gross geschrieben «Danke Deutschland!» – und darunter, auf unschuldigem Babyblau: «Du hast dich getraut.»

In der Tat haben sich viele «getraut», die «Alternative für Deutschland» zu wählen. Die rechtspopulistische Partei zieht mit 12,6 Prozent aller Wählerstimmen mit 94 Sitzen in den Deutschen Bundestag ein. Kaum eine Überraschung, denn die AfD mobilisiert stark, insbesondere auf Facebook. Dort hat sie das grösste, stärkste und interaktivste Wahlvolk im Vergleich zu allen anderen Parteien.

Zum Vergleich: Facebook-Likes der Parteien und ihre Sitzverteilung im Bundestag:


Infogram

Der Wahlkampf auf Facebook

Facebook ist laut dem Digital Newsreport 2017 die beliebteste Social Media Plattform in Deutschland. 31 Millionen der 2 Milliarden Facebook Nutzer sind Deutsche. 

Die Kraft des sozialen Netzwerks haben viele alteingesessene Parteien nicht erkannt, wie der deutsche Politikberater Johannes Hillje seinem Buch Propaganda 4.0. Wie rechte Populisten Politik machen feststellt: «Vermutlich war es [Facebook] für viele Politiker ein lästiger zusätzlicher Kanal. Wie eine Veranstaltung, auf der man sich sehen lassen muss, aber eigentlich keine Lust auf die Gäste hat.»

Bild

Auf Facebook hat die AfD das digitale Volk hinter sich. bild: watson/logo: wikicommons

Ganz anders die AfD: Sie setzte von Anfang an konsequent auf den Kanal. Inzwischen hat sie 384’524 Facebook-Likes. Zum Vergleich: Die Union, die stärkste Partei im Deutschen Bundestag, zählt nicht einmal die Hälfte: 167’434 Likes.

Pompöse Musik, schöne Landschaftsbilder: So mobilisiert die AfD auf Facebook

Mehr als nur Likes

Doch Likes alleine reichen noch lange nicht, um von Facebook bevorzugt zu werden. Der Algorithmus des Facebook-Newsfeeds will Interaktionen, Emotionen und Kommentatoren. Auch Bilder und Videos werden von Facebook bevorzugt behandelt.

Angela Merkel als Feindbild

Dem ist sich auch die AfD bewusst. Auf ihre Facebook-Wall kommt so gut wie nichts anderes: 47 Prozent ihrer Posts sind Bilder, 43 Prozent Videos. Bei den Posts stehen Migration und Sicherheit im Vordergrund: Zwei sehr emotionale Themen. Dadurch schafft es die AfD ein enorm hohes Engagement bzw. zahlreiche Interaktionen (Likes, Shares, Kommentare) pro Post zu generieren. Das folgende Beispiel soll dies veranschaulichen:

Der gestrige Post der CDU, mit einem Bild von Angela Merkel, erreichte 7’527 Interaktionen. Das sind umgerechnet 45,56 Interaktionen pro 1’000 Fans. Der erfolgreichste Post der SPD im vergangenen Monat erhielt 19’313 Interaktionen. Zwar um einiges mehr Kommentare und Likes als die CDU, jedoch noch lange nicht so viel wie die AfD.

Der erfolgreichste Post des letzten Monats der AfD ist der Folgende:

Der Post, ein reines Bild, zählt bislang 57’744 Interaktionen. Das sind 150,9 Interaktionen pro 1’000 Fans – dreimal mehr als bei der CDU.

Diese markanten Unterschiede zeigen sich nicht nur in einzelnen Posts, sondern auch im Zeitvergleich. Die folgende Abbildung zeigt die Anzahl Interaktionen zwischen CDU und AfD. 

AfD ist violett, CDU gelb

Bild

Auf der Facebook-Seite der AfD sind die User viel aktiver, als diejenigen der CDU. bild: socialbakers.com

Spitzenverdiener AfD

Es scheint, als habe die AfD im digitalen Wahlkampf mit goldenen Schwertern gekämpft, während alle anderen Parteien sich mit hölzernen Stöcken verteidigten. Denn die Partei hat von Anfang an eines verstanden: Für sie entscheidet sich die Wahl auch im Netz. Oder, um es wie Politikberater Hillje auszudrücken: Die Rechtspopulisten wurden «zu den Spitzenverdienern der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie». 

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • baxter2047 28.09.2017 01:07
    Highlight Highlight ihr wisst aber schon alle auch, dass man solche likes auch ganz einfach kaufen kann...

    muss ja nicht sein. kann aber. in dem, wie auch in allen anderen fällen...

    likes... clicks... follower... auch kommentare... kannst du alles kaufen - für alle passenden web-plattformen. teuer ist es auch nicht - aber gut zu wissen.

    wahrscheinlich könnt ihr euch auch die watson-herzchen kaufen - oder halt eben blitze - wer die lieber mag :)
  • Vio Valla 26.09.2017 22:53
    Highlight Highlight FB ist DIE Plattform, um sich über alles mögliche im lauten Ton zu beschweren. "Uns gehts scheisse und die sind Schuld daran" Das funktioniert auf FB einfach immer am besten und in genau dem ist die AfD top und kann das voll bedienen. Gemässigtere und differenziertere Töne verblassen da sofort wieder...
  • Lowend 26.09.2017 11:47
    Highlight Highlight Dieses Phänomen gibt es ja auch hier auf Watson zu bestaunen, wo man meint, dass die Wutbürgerlichen nie arbeiten müssen und aus ihrer total gleichgeschalteten Echokammer Parteiparolen absondern, damit die Leser das Gefühl bekommen, die völkische Wut stehe kurz vor der totalen Machtübernahme und nur eine populistische Kraft gäbe, die uns von dem totalen Chaos retten könne.

    So funktioniert halt psychologische Kriegsführung und darin sind die stramm organisierten Parteisoldaten der völkischen Front echt gut!
    • Lowend 26.09.2017 15:22
      Highlight Highlight Wie gesagt, die Rechten können dass aber recht gut und sie haben im Gegensatz zu den Linken auch die Unterstützung der Meister in diesem Fach, dem ehemals kommunistischen, nun aber total gewendeten russischen FSB, wenn man den vielen unabhängigen Berichten westlicher Medien glauben schenkt.
    • Lowend 26.09.2017 17:45
      Highlight Highlight Ach ja, ganz vergessen, wenn sie keine Argumente gegen das Geschriebene haben, dann werden sie dann immer persönlich.

      Echt langweilig, weil ausgrenzend, schulmeisterlich und so durchschaubar, aber jedes mal ein Zeichen, dass die Worte zutreffen, weil bekanntlich nur getroffene Kätzchen fauchen!
  • DerDudeSagts 26.09.2017 10:40
    Highlight Highlight Was ist eigentlich der Grund dafür, dass ihr (Medien) alles was 1nm rechts von Stalin ist, als "rechtspopulistisch" deklariert?
    Was ist eigentlich der Grund dafür, dass die faschistische Antifa derart hochgelobt wird? Deren Methodik ist die Selbe wie vor 80 Jahren im SS Regime.
    Und nein, ich verabscheue jegliche Art von Extremismus. Von rechts wie von links.
    Ich sage nur, "divide et impera"! Während Medien die Linken auf die Rechten und umgekehrt hetzen, schaut niemand nach oben!
    Ich kenne viele Deutsche, die sich schlicht verraten fühlen. AfD wählen ist eine form von Protest für sie.
  • Makatitom 26.09.2017 09:43
    Highlight Highlight Die Nase vorn, dass ich nicht lache. Jede Menge Bots haben die kreiert, und 32 ihrer Gruppen wurden gekapert. Diskussionen mit diesen Typen sind nicht möglich, weil man immer schon nach dem ersten kritischen Kommentar gesperrt wird. Auch auf Facebook gilt, dass nicht der "die Nase vorn" hat, der am Lautesten schreit
  • dracului 26.09.2017 08:49
    Highlight Highlight Ich weiss nicht, ob die AfD etwas "gezüchtet" hat. Päophile, Nazis, Drogen- und Menschenhandel sind Schattengewächse, die in der Anonymität des Internet und nur abseits der Gesellschaft gedeihen. Die AfD hat also nur von bestehenden Feldern "geerntet" und Schattenpflanzen Sonnenlicht zukommen lassen.
  • luke96 26.09.2017 07:41
    Highlight Highlight Es ist allerdings auch deutlich einfacher für populistische Parteien auf Facebook Wahlkampf zu betreiben. Etablierte, gemässigte Parteien haben zu komplexe Positionen, um diese anhand einiger Posts näher zu bringen.

    Zudem wäre es interessant zu sehen, wie viele Likes auf der AFD-Seite auch tatsächlich von deutschen Wahlberechtigten stammen. Nicht selten haben ja Rechtspopulisten auch im Ausland eine grosse Fangemeinde.
  • Bruno S.1988 26.09.2017 07:29
    Highlight Highlight Warum erinnert mich das Ganze so stark an die Wahl von Donald Trump?
    Bei einer Demokratie wo jeder Staatsbürger eine Stimme hat, darf doch der Wutbürger nicht einfach ignoriert werden!
    Ein solch heikles Thema wie Rassismus wird leider nicht durch Thabuisierung aus der Welt geschaffen. Früher haben solche Idioten einfach keine Sendezeit erhalten. Heute, im Zeitalter der Information, besteht dieses Monopol nicht mehr! Es ist Zeit für eine Umstellung und ein Umdenken! Sogar das 75 Jährige Baby im Weissen Haus hat verstanden dass Twitter ein mächtiges Werkzeug ist!
    • Alnothur 26.09.2017 11:00
      Highlight Highlight Klar, Rassismus gibt es (auch) in der AfD. Aber auch unter den AfD-Wählern machen Rassisten nur einen kleinen Teil aus. Alle AfD-Wähler als "Rassistische Wutbürger" abzustempeln verkennt das Problem genauso, wie die etablierten Parteien das "Problem" sozialer Medien verkennen.
    • Bruno S.1988 26.09.2017 11:19
      Highlight Highlight Youtube Video:
      Offener Rassismus in der AfD

      Ein Rassist sagt in den wenigsten Fällen "ja, ich bin ein Rassist".
      Genau so wenig wie ein Idiot von sich aus sagt "ja, ich bin ein Idiot".

      Bildung ist der Schlüssel, um Rassismus zu bekämpfen!
      Play Icon
  • tagomago 26.09.2017 07:09
    Highlight Highlight Auf 20min verteilen sich die Likes 10:1 pro AFD
    • Wilhelm Dingo 26.09.2017 10:42
      Highlight Highlight Ja, das ist beängstigend. Vielleicht sind diese Menschen ja nicht einfach nur Nazis sondern haben tatsächlich reale Probleme um welche sich kein Politiker schert. Leider bewirtschaftet die SVP als einzige die heiklen Probleme, ohne jedoch brauchbare Lösungen zu haben.
  • Wilhelm Dingo 26.09.2017 06:43
    Highlight Highlight Gute Analyse, danke.
  • Nate Smith 26.09.2017 06:37
    Highlight Highlight Vielleicht haben die Wähler der anderen Parteien einfach einen Job und weniger Zeit für Facebook 🙄
    • Heinz Grüenig 26.09.2017 07:33
      Highlight Highlight Oder lesen zeitungen statt fb😏
    • Wilhelm Dingo 26.09.2017 07:38
      Highlight Highlight Du machst es Dir zu einfach
    • StilleLaute 26.09.2017 07:57
      Highlight Highlight Vielleicht sind die anderen Parteien auch ewig gestrige, die diese Chance nicht erkannt haben, so wie es im Bericht steht.

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