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Bild: AP/AP

Models streiten über «Frauenhasser» Karl Lagerfeld – der Schlagabtausch in 11 Tweets

21.02.2019, 02:0221.02.2019, 02:11

Der bekannte deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist am 19. Februar in einem Pariser Spital gestorben. Der Designer hatte die Mode-Branche über Jahre hinweg geprägt. Die Betroffenheit war gross.

Aber nicht bei allen. Jameela Jamil, Model und britische Fernsehmoderatorin, stört sich, dass Lagerfeld – «ein skrupelloser Frauenhasser» – als «Heiliger, der zu früh gegangen ist» dargestellt wird. Er sei gewiss talentiert gewesen, «aber nicht die beste Person», schrieb sie auf Twitter.

Wenig Freude an Jamils Kritik verspürte das Model Cara Delevingne – eine langjährige Freundin und Muse des Modedesigners.

«Es ist nicht möglich durchs Leben zu gehen, ohne Menschen zu verletzten. Lagerfeld ist kein Heiliger gewesen, doch er war ein Mensch, der wie wir alle Fehler machte und wir alle sollten die Möglichkeit haben, diese zu vergeben.»

Jamil hatte die perfekte Antwort für Delevingne und jene anderen parat, die Lagerfelds Aussagen in Schutz nahmen.

«Wir können nicht Jahrzehnte von verletzender Rhetorik gegenüber Minderheiten als ‹menschlich sein› oder ‹Fehler machen› bezeichnen». Dies einmal als Witz zu tun und sich dann zu entschuldigen, ist eine Sache. Wer es immer und immer wieder tut – trotz der öffentlichen Empörung – ist ein schlechter Mensch. Es tut mir leid, schlecht über jemanden zu sprechen, den du magst.»

Delevingne versuchte vom Thema abzulenken ...

«Ich stimme dir zu, aber bitte nenne ihn nicht einen schlechten Menschen, das ist einfach nicht fair. Wir sollten über diejenigen Menschen sprechen, die am Leben sind, die an der Macht sind, die die Welt regieren, die verletzt werden, und weit mehr Leben zerstören als dieser Mann, der erst gestern gestorben ist.»

... doch Jamil blieb hartnäckig.

«Aber Cara, seine grausamen Worte richteten sich nicht gegen dich, weil du dünn, weiss und unglaublich privilegiert bist. Deshalb spürst du den Schmerz seines schlechten Verhaltens nicht. Es gibt nie eine gute Zeit, um wirklich darüber zu sprechen.»

Jamil wies weiter darauf hin, dass Delevingne den Verstorbenen nicht in Schutz nehmen würde, hätte er sich «notorisch wild homophob» geäussert. Lagerfelds Freundin war schon mit Männern und Frauen Beziehungen eingegangen. «Es ist wichtig, dass man einfach ehrlich ist», fügte Jamil an.

Delevingne ihrerseits verteidigt Lagerfeld weiter.

«Ehrlich ja und das sollte eine allgemeine Diskussion sein, über die nicht nur von ihm gesprochen werden sollte. Er ist nicht das Problem. Die Art und Weise, wie die Welt ist.... und die Art und Weise, wie die Branche seit langem ist. Es ist Zeit für Veränderungen und ich stimme dem zu.»

Eine schlagfertige Antwort folgte prompt. Jamil argumentierte, dass nicht Hollywood den ehemaligen Filmproduzenten Harvey Weinstein zu dem gemacht hat, was er ist. Gegen ihn wurden von mehreren Frauen Vorwürfe sexueller Übergriffe erhoben.

«Das ist als würde man sagen, dass nicht Harvey das Problem ist, sondern Hollywood. Wir alle sind für unser Verhalten verantwortlich. Ich bin es. Du bist es. Und wir müssen respektvoll zu denjenigen sein, die verletzt wurden, indem wir nicht die extrem unfreundlichen Worte eines ‹sehr› mächtigen Mannes herunterspielen oder diese entschuldigen.»

Lagerfelds Muse verstand nicht, worauf Jamil aus war.

«Du kannst Harvey nicht mit Karl vergleicht. Besonders nicht gegenüber mir.»

Die Antwort:

«Ich vergleiche ihre Taten nicht. Ich meine, dass wir die Verbrechen einer Person nicht auf die Branche abschieben können, in der sie arbeitet. Wir müssen sehr mächtige Menschen, die andere Menschen verletzen, zur Verantwortung ziehen.»

Erstmals stimmte Delevingne zu – doch hat sie auch verstanden, was Jamil sagen wollte?

«Ich stimme dir zu, aber du musst verstehen, dass es mich sehr wütend macht, was du da sagst. Ich trauere um jemanden, der etwas Besonderes für mich war. Es ist sehr schwierig, dieses Gespräch zu führen, ohne emotional zu werden.»

Einen Konsens erreichten die beiden nicht. Laut «HuffPost» neigte Lagerfeld dazu, während Interviews frauenfeindliche und diskriminierende Kommentare abzugeben. Besonders übergewichtige Menschen beleidigte der Modekönig offenbar regelmässig.

So sagte er beispielsweise 2009 in einem Interview, dass «niemand kurvige Frauen sehen will». Sängerin Adele nannte er 2012 «ein bisschen zu dick». Auch für russische Männer hatte er nicht viel übrig: «Wäre ich eine Frau in Russland, wäre ich lesbisch, da die Männer sehr hässlich sind». Zur verstorbenen Prinzessin Diana meinte er, sie sei zwar «hübsch und süss», aber auch «sehr dumm».

Lagerfeld nahm aber auch bei anderen Themen kein Blatt vor den Mund. Er schockierte in einer französischen TV-Show mit einer Aussage über Flüchtlinge: «Ich kenne jemanden in Deutschland, der einen jungen Syrer aufnahm und vier Tage später sagte: ‹Das Beste, was Deutschland erfunden hat, war der Holocaust.›» Und zu Griechenland meinte er: «Niemand will, dass Griechenland verschwindet, aber sie haben wirklich ekelhafte Gewohnheiten – auch in Italien.» (vom)

Die Musen des Karl Lagerfeld:

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Die Musen des Karl Lagerfeld
quelle: epa/epa / ian langsdon
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Die Modewelt trauert – Karl Lagerfeld ist tot:

Video: undefined/Keystone SDA
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