DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Präsident nahm nun doch den Rücktritt von Innenminister Gérard Collomb an.
Der Präsident nahm nun doch den Rücktritt von Innenminister Gérard Collomb an.Bild: AP/AP

Wichtiger Vertrauter von Macron verlässt Frankreichs Regierung

03.10.2018, 03:0403.10.2018, 07:48

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verliert zum zweiten Mal in rund einem Monat einen wichtigen Minister: Der Präsident nahm nun doch den Rücktritt von Innenminister Gérard Collomb an, wie der Präsidentenpalast in der Nacht auf Mittwoch erklärte.

Bis ein Nachfolger für den 71-Jährigen gefunden ist, soll Premierminister Edouard Philippe sich um das Innenressort kümmern. Collomb will wieder Bürgermeister von Lyon werden. Sein Verhältnis zum Präsidenten hatte sich zuletzt abgekühlt.

Noch am Montag hatte Macron ein Rücktrittsgesuch seines Vertrauten Collomb abgelehnt. Der sozialliberale Präsident hatte erst Ende August den Rücktritt des beliebten Umweltministers Nicolas Hulot verkraften und die Regierung umbilden müssen. Er wollte nicht erneut Ministerposten austauschen.

Schwergewicht im Kabinett

Collomb, ein Schwergewicht der Regierung, beharrte aber am Dienstag auf seinem Rücktritt – Macron musste schliesslich nachgeben und den Ex-Sozialisten ziehen lassen.

Collomb hatte Mitte September überraschend angekündigt, nach der Europawahl im Mai 2019 aus der Regierung ausscheiden zu wollen. Er will wieder Bürgermeister von Lyon werden, 2020 finden Kommunalwahlen statt. Collomb war vor seiner Ernennung zum Innenminister im Mai 2017 bereits 16 Jahre lang Bürgermeister der zweitgrössten Stadt Frankreichs.

Nach der Ankündigung seines Rücktritts hagelte es aber Kritik von der Opposition. Sie warf Collomb vor, nicht das wichtige Amt des Innenministers bekleiden und gleichzeitig in Gedanken schon bei seiner nächsten Aufgabe sein zu können – zumal dem Innenministerium angesichts der Anschlagsgefahr grösste Bedeutung zukommt.

Macron-Vertrauter der ersten Stunde

Angesichts der Kritik entschloss sich Collomb zum sofortigen Rücktritt. Er wolle damit Klarheit für die Franzosen und die Bürger Lyons schaffen, sagte er am Dienstag der Zeitung «Le Figaro».

Der frühere Sozialist ist ein Macron-Vertrauter der ersten Stunde: Er unterstützte den sozialliberalen Jungpolitiker massgeblich beim Aufbau seiner Bewegung En Marche (In Bewegung) und im Präsidentschaftswahlkampf 2017.

Zuletzt schien das Verhältnis aber abzukühlen: Collomb übte Kritik an dem Präsidenten und an der Regierung und prangerte einen «Mangel an Demut» an. Zugleich warnte er davor, Macron könnte sich vor Kritik abschotten und «isolieren». Der Staatschef wiederum soll Collomb die überraschende Ankündigung seines Rückzugs übelgenommen haben.

Bürgermeister-Posten in Lyon ist frei

Collomb dürfte nun sehr schnell Bürgermeister von Lyon werden: Das derzeitige Stadtoberhaupt Georges Képénékian will den Posten für Collomb räumen und schickte nach Angaben aus informierten Kreisen schon am Dienstagabend ein Rücktrittsschreiben an den zuständigen Präfekten. Der Stadtrat von Lyon könnte Collomb in den kommenden Wochen zum Bürgermeister wählen.

Macron wiederum muss sich jetzt einen neuen Innenminister suchen – und dem Eindruck von Zersetzungserscheinungen in seinem Kabinett entgegentreten. Umweltminister Hulot war Ende August zurückgetreten und hatte Macron mangelndes Engagement für den Naturschutz vorgeworfen. Auch Sportministerin Laura Flessel trat zurück.

Darüber hinaus machen dem Präsidenten stetig fallende Beliebtheitswerte zu schaffen. Nach jüngsten Umfragen billigen nur noch drei von zehn Franzosen seinen Reformkurs. Knapp acht Monate vor der Europawahl liegt seine Partei laut Meinungsforschern zudem nur noch knapp vor den Rechtspopulisten von Marine Le Pen. (viw/sda/afp)

Macron lud zur Techno-Party vor dem Élysée-Palast ein

Video: srf/SDA SRF
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

EU fordert bei Taliban-Treffen Einhaltung der Menschenrechte

Die EU hat bei den Gesprächen mit den radikalislamischen Taliban in Oslo die Wiederaufnahme der Hilfe für Afghanistan an die Einhaltung der Menschenrechte geknüpft.

Zur Story