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Demonstrators wear

Befürworter des Referendums demonstrieren mit der Aufschrift «Repealthe8th». Art. 8 in der irischen Verfassung setzt die Abtreibung unter Strafe, mit Ausnahme von Frauen, die sich in Lebensgefahr befinden.  Bild: AP/PA

Interview

Irland und die Abtreibungsdebatte: «Wir hatten zu grosse Angst vor Konsequenzen»

Heute Freitag stimmen fast 3,5 Millionen Iren darüber ab, ob das strenge Abtreibungsverbot gelockert werden soll. Die Journalistin Clare O'Dea lebt seit 15 Jahren in der Schweiz – und besucht derzeit ihre Heimat. Wir haben mit ihr über die Stimmung in Irland und die Chancen des Referendums gesprochen. 



Frau O'Dea, sehr viele Iren teilen derzeit auf Twitter unter dem Hashtag #hometovote mit, dass sie extra nachhause fahren, um ihre Stimmzettel in die Urne legen zu können.
Clare O'Dea:
Ja, das freut mich sehr. Viele junge Menschen setzten sich für die Auflösung des Abtreibungsverbots ein. Auch ich bin derzeit in Irland, zwar eher zufällig, weil ich für ein neues Buch über Irland recherchiere, aber ich bin froh, hier zu sein. 

Haben Sie ihre Stimme schon in die Urne gelegt?
Ich kann leider nicht mehr abstimmen. Nach 18 Monaten im Ausland verliert man das Stimmrecht. 

Bild

bild. https://clareodea.com/about/

Zur Person

Clare O'Dea wurde in Dublin geboren und lebt seit 15 Jahren in der Schweiz. Sie ist Autorin und Journalistin und beschäftigt sich mit Schweizer Klischees und Stereotypen. Im Buch «Die wahre Schweiz» geht sie unter anderem der Fragen nach, ob Schweizer langweilige und korrupte Bankiers sind. 

Wie erleben Sie die Stimmung in Irland?
Die Menschen sind sehr gespannt. Monatelang wurde über das Thema intensiv debattiert. Unzählige Frauen haben sich im Rahmen der Debatte dazu geäussert und ihre persönlichen Geschichten erzählt. Zum Teil waren es wahre Tragödien. Mein ganzes Leben lang war das Thema Abtreibung völlig unter den Teppich gekehrt. Man sprach nicht darüber, weil man zu grosse Angst vor den Konsequenzen hatte. Ich hoffe, dass die Iren eingesehen haben, dass das Leid der Frauen nicht mehr länger ignoriert werden kann. 

Referendum in Irland

In der katholisch geprägten Republik Irland hat das strikte Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen seit einem Referendum 1983 Verfassungsrang. Seit 2013 sind Abtreibungen erlaubt, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Im irischen Parlament gibt es eine Mehrheit für das Ende des Abtreibungsverbots. Auch Ministerpräsident Leo Varadkar ist dafür, die Bevölkerung ist allerdings gespalten.

Die Regierung plant im Falle eines Siegs des Ja-Lagers, Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei zu stellen. Bei bestimmten Indikationen soll sie bis zum sechsten Monat erlaubt sein. (sda)

Vor zwei Jahren hat Irland in einem historischen Volksentscheid die Homo-Ehe angenommen. Wie stehen die Chancen für die Lockerung des Abtreibungsverbots?
Das ist schwierig zu sagen. Es gibt derzeit noch sehr viele unentschiedene Wähler. Diese entscheiden sich eher gegen das Referendum. Denn es ist einfacher und bequemer, alles beim Alten zu lassen, anstatt etwas zu verändern. Aber dennoch: Die Bewegung der Befürworter ist immens. Ich habe gehört, dass zehnmal mehr Leute extra aus dem Ausland angereist sind um abzustimmen, als damals bei der Abstimmung über die Ehe für alle. 

In this May 17, 2018 photo, an anti abortion campaigner holds up a banner as he speaks, in Dublin, Ireland ahead of the abortion referendum on Friday, May 25.  An abortion debate that has inflamed passions in Ireland for decades will come down to a single question on Friday: yes or no? The referendum on whether to repeal the country's strict anti-abortion law is being seen by anti-abortion activists as a last-ditch stand against what they view as a European norm of abortion-on-demand, while for pro-abortion rights advocates, it is a fundamental moment for declaring an Irish woman's right to choose. (AP Photo/Peter Morrison)

Auch die Gegner des Referendums sind zahlreich und warben im Vorfeld der Abstimmung für ein «Nein».  Bild: AP/AP

Sie haben in der Vergangenheit auf Ihrem Twitter-Account dazu aufgerufen, die Schweiz mit Irland zu vergleichen, wenn es um das Thema Abtreibungen geht.
Das habe ich. Und zwar wurde in zahlreichen Fernseh-Debatten zum Thema immer wieder auf die Abtreibungszahlen in England hingewiesen und wie diese in die Höhe schossen, nachdem Abtreibungen bis zur 24. Schwangerschaftswoche erlaubt worden sind. Doch Irland mit England zu vergleichen ist falsch. Die Schweiz wäre ein viel besserer Vergleich und hier sind die Zahlen stabil geblieben, wenn nicht sogar gesunken. Irland und die Schweiz haben zudem vieles gemeinsam, es sind zwei sehr kleine Länder, die sehr viel wert auf ihre Kultur und ihren Zusammenhalt legen. 

Die Urnen sind heute bis 22 Uhr geöffnet, das offizielle Ergebnis wird erst morgen publiziert. Was machen Sie bis dann?
Ich werde die Abstimmung sicher gespannt verfolgen und die Befürworter des Referendums unterstützen. Und ich hoffe wirklich sehr, dass sich unser Land heute richtig entscheidet. 

Badeverbote auf Mallorca nach Quallen-Alarm

Video: srf

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