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Historisch: Eritreas Staatschef Isayas Afewerki (Mitte) empfängt Äthiopiens Ministerpräsident Ahmed Abiy am Flughafen Asmara (rechts) zur Unterzeichnung eines Friedensvertrags.  Bild: AP/ERITV

Plötzlich Frieden in Eritrea: «Bei den Flüchtlingen wird es nun knallhart ums Geld gehen»

Vom Frieden mit Erzfeind Äthiopien profitiere das eritreische Regime, sagt Professor Magnus Treiber. An der Menschenrechtslage werde sich kaum etwas verbessern. Trotzdem würden die europäischen Staaten nun versuchen, Flüchtlinge nach Eritrea zurückzuschaffen.

11.07.18, 13:10 12.07.18, 06:20


Die Hintergründe

Das Interview

Herr Treiber, was bedeutet der Friedensvertrag zwischen Äthiopien und Eritrea?
Magnus Treiber:
Der Vertrag kommt auf jeden Fall überraschend. Im Frühjahr war mir zwar bereits klar, dass sich etwas tun würde in der Region – weil Äthiopien unter dem damaligen Ministerpräsidenten Hailemariam Desalegn auf eine schwere Staatskrise zusteuerte. Allerdings hätte ich niemals damit gerechnet, dass nur wenige Monate nach der Ablösung Hailemariams durch Abiy Ahmed ein Friedensabkommen mit Erzfeind Eritrea zustande kommt.

Welche Umstände haben dieses Abkommen ermöglicht?
Sowohl Äthiopien als auch Eritrea sind Staaten, die permanent unter Spannung stehen. In Äthiopien mit seinem komplexen Geflecht verschiedener Völkergruppen spitzte sich der Unmut über die Regierung seit 2015 immer stärker zu. Das Regime kam im Frühjahr zum Schluss, dass es nur mit einem Wechsel an der Spitze überleben kann.

Und wie half dieser Führungswechsel dem Friedensvertrag?
Der bisher wenig bekannte, neue Ministerpräsident Abiy Ahmed aus der grössten Volksgruppe der Oromo versucht derzeit, eine eigene Machtbasis zu schaffen. Mit dem Friedensangebot an Eritrea versucht er, einige einflussreiche Kräfte im Land auf seine Seite zu ziehen. Der Konflikt mit Eritrea ist eine Belastung und sein Ende wird von Teilen der Gesellschaft herbeigesehnt. Vermutlich drängten auch die USA und die EU Abiy zu diesem Schritt.

Magnus Treiber ist Professor für Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte sind Eritrea und Äthiopien. Bild: zvg

Das Regime in Eritrea hat Hunderttausende als Flüchtlinge aus dem Land getrieben, wo ein repressiver und militarisierter Staat herrscht. Als Rechtfertigung diente der Konflikt mit Äthiopien. Was ändert sich nun?
Die Regierung von Langzeitherrscher Afewerki warf dem «Westen» immer vor, sich im Krieg auf die Seite Äthiopiens geschlagen zu haben. Damit rechtfertigte sie die Militarisierung und die Unterdrückung der Opposition, die teilweise von Äthiopien unterstützt wird. Das Wegfallen dieser Drohkulisse verunsichert das Regime in Eritrea. Afewerki überlegte denn auch monatelang, wie er auf das Friedensangebot Äthiopiens reagieren soll.

«Das Wegfallen dieser Drohkulisse verunsichert das Regime in Eritrea.»

Und warum ging er auf den Deal ein?
Ein Friedensabkommen stärkt seine Position. Zuvor war er international isoliert und es wurde erwartet, dass in den nächsten Jahren entweder sein Regime zusammenbricht oder er aus Regierungskreisen heraus gestürzt wird. Jetzt ist Afewerki wieder ein Player, mit dem eine Transition möglich ist. Für die Unterzeichnung des Friedensvertrags bekommt er internationale Anerkennung und wird nun Forderungen stellen.

Zurückhaltende Reaktion in der Schweiz

Für das Staatssekretariat für Migration SEM «wäre es verfrüht», sich bereits jetzt zum Inhalt des Friedens- und Freundschaftsvertrags oder zu dessen allfälligen Auswirkungen zu äussern, sagt SEM-Sprecher Lukas Rieder auf Anfrage von watson. Dazu gehöre etwa die künftige Zahl eritreischer Asylsuchender.
Mit insgesamt 3375 Asylgesuchen war Eritrea 2017 das wichtigste Herkunftsland von Asylsuchenden in der Schweiz. 2016 waren es noch 5178 Gesuche. Von den Gesuchen im Jahr 2017 entfielen 818 auf Familienzusammenführungen, 616 auf das europäische Relocation-Programm, 1315 auf Geburten und 164 auf Mehrfachgesuche. Selbständig gelangten 462 eritreische Asylsuchende in die Schweiz.

Eritrea steht international wegen seiner Flüchtlinge im Fokus. Welche Forderungen kann das Land da überhaupt stellen?
Bei den Flüchtlingen wird es jetzt knallhart ums Geld gehen. Solange die westlichen Länder die eritreischen Flüchtlinge als Problem wahrnehmen, werden sie zu Finanzhilfen für das eritreische Regime bereit sein, als Gegenleistung für die Entspannung gegenüber Äthiopien. Gehen die Flüchtlingszahlen deutlich zurück, fehlt Eritrea dieses Druckmittel. Anders als etwa Nordkorea mit seinen Atomwaffen fällt das Land dann in den westlichen Hauptstädten wieder aus den Traktanden.

Eine wichtige Fluchtursache in Eritrea ist der Nationaldienst, den theoretisch alle Bewohnerinnen und Bewohner des Landes leisten müssen. Es gibt keine gesetzliche Höchstdauer und Desertion wird hart bestraft. Wird der Nationaldienst nun abgeschafft?
Der national service wurde tatsächlich mit Verweis auf den Konflikt mit Äthiopien eingeführt. Er war allerdings je länger desto mehr einfach eine Quelle für billige Arbeitskräfte bei Regierungsprojekten. Jetzt steht die Regierung unter Zugzwang, ihn zurückzufahren. Allerdings werden dann hunderttausende junger Menschen aus dem Nationaldienst auf den «normalen» Arbeitsmarkt gelangen. Dieser existiert de facto aber gar nicht, weil es keine funktionierende Wirtschaft gibt. Um diese Herausforderung zu meistern, wird die Regierung Hilfsgelder fordern.

«Eritrea stehen unruhige Jahre voller Gewalt bevor.»

Das heisst im Umkehrschluss: Mit dem Wegfall des Nationaldienstes wären Eritreer keine politischen Flüchtlinge mehr, sondern Wirtschaftsflüchtlinge.
Das ist falsch. Die europäischen Staaten und die USA werden die Lage in Eritrea zwar schönreden, als ob nun die legitimen Fluchtgründe sukzessive wegfallen würden. Die Realität ist aber eine andere. An der Menschenrechtslage hat sich nichts verbessert und wird es in absehbarer Zukunft auch nicht. Auch 2016, als die Schweizer Behörden auf einer Fact-Finding Mission eine verbesserte Menschenrechtslage fest stellten, gab es ausser einer oberflächlichen Charmeoffensive des Regimes absolut keine Veränderungen.

Worin besteht diese Charmeoffensive?
Bei Flüchtlingen, die der Regierung dafür Geld bezahlen, wird bei Kurzbesuchen in der Heimat auf eine Strafverfolgung verzichtet. So können sie teilweise etwa kranke Angehörige besuchen oder Papiere organisieren. Ein langfristiges Leben in Sicherheit und ohne Verfolgung ist ihnen deshalb noch lange nicht möglich. Das Regime in Eritrea verletzt weiterhin fundamentale Menschenrechte – insbesondere bei jenen, die aus dem Ausland zurückkommen.

Äthiopische Kriegsgefangene in einem eritreischen Armeelager (Archivbild von 1999). Bild: AP/AP

Langfristig betrachtet: Könnte der Frieden mit Äthiopien zu einer politischen Öffnung Eritreas führen?
Es wird auf jeden Fall zu einer Veränderung kommen. Die eritreische Führung macht sich Gedanken über eine Transition, welche die eigene Herrschaft absichert. Denn viele Mitglieder des Regimes haben im Unabhängigkeitskrieg mitgekämpft und werden langsam alt. Ich bin aber nicht optimistisch, dass dieser Prozess friedlich ablaufen wird und eine Entwicklung hin zu mehr Demokratie einleitet. Eher stehen dem Land unruhige Jahre voller Gewalt bevor – das lehrt einem der Blick auf die Geschichte der Region.

«Wird Abiy ermordet, ist nicht nur der innenpolitische Öffnung Äthiopiens, sondern auch der Frieden mit Eritrea in Gefahr.»

In Äthiopien sieht es besser aus. Der neue Ministerpräsident Abiy Ahmed hat zahlreiche politische Gefangene freigelassen. Sind Sie da optimistisch?
In Äthiopien sieht es momentan tatsächlich aus, als würde sich die Menschenrechtslage verbessern. Abiy hat etwa die Direktoren von fünf berüchtigten Gefängnissen entlassen und angekündigt, sie für ihre Verbrechen zu belangen. Das macht ihn sehr populär, in der Diaspora wird er derzeit wie ein Messias verehrt. Aber Abiy muss sich jetzt erst mal beweisen. Ausserdem ist er nicht ohne Gegner. Bei einer Kundgebung Ende Juni in Addis Abeba vor hunderttausenden Anhängern explodierte in seiner Nähe eine Granate. Eine Person wurde getötet und über 150 verletzt. Der Anschlag zeigt: Es gibt Kräfte im Land, die ihn gerne tot sehen würden. Wird Abiy ermordet, ist nicht nur der innenpolitische Öffnung Äthiopiens, sondern auch der Frieden mit Eritrea in Gefahr.

Eritreer produzieren in Zürich eine Radiosendung

Video: srf

Folter in Eritrea

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Charly Otherman, 5.5.2017
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46
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46Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 12.07.2018 07:52
    Highlight Wenn die Régime von Äthiopien und Eritrea besser miteinander auskommen, ist das grundsätzlich erfreulich!
    Dass sich deswegen die verzweifelte Lage von Eritreern, die zu möglicherweise lebenslangem Militärdienst gezwungen werden, wesentlich verbessert, ist deswegen aber noch lange nicht gesagt!
    Das ist vergleichbar mit den Absprachen und Territoriums-Aufteilungen von Mafia-Organisationen und Gangs.
    Wenn die weniger mit anderen Mafia-Organisationen und Gangs rivalisieren und kämpfen müssen, haben sie dafür mehr Zeit, in der sie "ihre eigenen Leute" drangsalieren und auspressen können...
    4 27 Melden
  • Linksgrün-versiffter Gutmensch 12.07.2018 01:36
    Highlight Die angefügte Reportage zeigt unter welchen Bedingungen Migranten unser Supermarkt-Gemüse ernten und produzieren. Unfassbar und dennoch möchten sie nicht zurück.
    Wisst ihr, wir können schon so weiter machen wie bis anhin, nur werden wir uns dann immer schneller ändern müssen, je länger wir warten. Viele wird es wie ein Blitz treffen. Wer jetzt schon seinen Lebenstil an die unabänderbare Zukunft anpasst ist klar im Vorteil. Die Welt muss zusammen wachsen, denn jeden zum Feind zu haben verbraucht unnötig Ressourcen.
    Ich werde nicht mit dem Finger auf euch zeigen, da ich selbst betroffen bin.
    11 39 Melden
  • Linksgrün-versiffter Gutmensch 11.07.2018 17:22
    Highlight Selbst wenn "Frieden" herrscht, ist das präsidiale Einparteiensystem in Eritrea de facto eine Diktatur. Solange als Strafe für Deserteure auch von Folter nicht zurück geschreckt wird, ist es untragbar Oppositionelle zurück zu schicken.


    Viele senden einen Teil des hier erwirtschafteten Geldes ins Heimatland. Hier muss man unterschieden, ob das Geld für Familienangehörige oder die Regierung gedacht ist. Wer diese Regierung unterstützt soll mit seinem Geld mitfahren, sofern er sich seiner Tat bewusst ist und auch weiterhin so handelt.

    Grundsätzlich steht das wohl jeder Person im Vordergrund.
    13 55 Melden
  • Kater Murr 11.07.2018 15:43
    Highlight Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei etwa 600 Euro, weniger hat kaum jemand weltweit.

    Also warum nicht einen finanziellen Anreiz schaffen für die freiwillige Rückreise?
    58 10 Melden
    • Posersalami 11.07.2018 16:14
      Highlight Nehmen wir mal an, die Schweiz bezahlt jedem Rückkehrer jedes Jahr 1000 €.

      Was würde das an der Perspektivlosigkeit ändern? Richtig, nichts. Warum also sollte jemand in ein Land zurück, das ihm und seinen Kindern nichts bietet ausser Elend?
      22 57 Melden
    • Bündn0r 11.07.2018 17:59
      Highlight @Posersalami
      Perspektivlosigkeit ist kein Grund für Asyl, wie übrigens auch Militärdienstverweigerung oder Desertation. Wir können nicht allen eine Perspektive in der Schweiz bieten.
      Sobald die Rückkehr zumutbar erscheint, gehören vorläufig Aufgenommene zurückgeschafft.
      Die bei uns genossene Bildung hilft ihnen hoffentluch beim Wiederaufbau behilflich zu sein.
      77 11 Melden
    • Kater Murr 11.07.2018 18:35
      Highlight Nicht umsonst habe ich freiwillig gewählt. Die Perspektiven hier sind mal abgesehen von Sicherheit und Verpflegung, Dach über dem Kopf, etc. ja auch nicht derart grossartig, dass es sich nicht allenfalls mehr lohnen würde in der gewohnten Umgebung einen Neustart zu wagen.
      24 6 Melden
    • ezclips 11.07.2018 18:56
      Highlight „Basic Income“ wäre vielleicht ein Ansatz um wenigstens die Wirtschafts-Migration einzudämmen? Das kenianische Pilot-Programm von GiveDirectly wo Dorfbewohner direkt per Handy pro Monat ungefähr CHF 22 Bargeld erhalten, wäre so ein Beispiel. Man kann leicht selber ausrechnen wie viele Menschen man mit den € 13 Millionen Jahresbudget der Mittelmeer NGOs unterstützen könnte.
      27 2 Melden
    • Fabian Studer 11.07.2018 18:56
      Highlight Stimmt eritreer in der Schweiz haben ja Perspektiven ohne Ende...
      35 9 Melden
    • Lichtblau550 11.07.2018 19:15
      Highlight @Poser: Vielleicht, weil es ihre Heimat ist? Mit dem gewohnten Klima, den Verwandten, der Sprache? Und weil die meisten hier ja auch nicht wirklich was zu verlieren haben - wenn sie daheim ein Auskommen hätten.
      25 5 Melden
    • Posersalami 11.07.2018 20:50
      Highlight @ Bündn0r: Perspektivlosigkeit ist ein Fluchtgrund. Auch wenn ihnen das nicht gefällt, daran wird sich nichts ändern.

      Eine andere Möglichkeit wäre es, all die Probleme zu bereinigen, die wir mitzuverantworten haben. Ausbeutung zB. ist absolut unnötig und kontraproduktiv:
      https://tinyurl.com/y7aejsar

      Natürlich können wir nicht alle Probleme lösen. Aber zumindest damit aufhören, Diktatoren zu finanzieren.
      https://tinyurl.com/yatbfdfm

      16 20 Melden
    • Ludovigo 14.07.2018 10:22
      Highlight Wenn Perspektivlosigkeit ein Fluchtgrund wäre, hätten auch viele Europäer Recht auf Asyl.
      3 0 Melden
  • the guy who did nothing wrong 11.07.2018 14:08
    Highlight Ich persönlich hoffe das man jetzt die Asylanerkennung bei Eritreern drastisch verringert. Zumal Desertation kein anerkannter Fluchtgrund ist und die aller wenigsten politisch verfolgt sind.

    Frieden zwischen den beiden trotz den Regimes ist deutlich besser als brutaler Bürgerkrieg um einen aus dem Amt zu entfernen wie wir in der Causa Syrien gelernt haben. Der Globale Süden sowie der Nahe Osten sind für Demokratie nicht bereit. Daher wird jedes Aufzwingen von unsererseite aus in ein Desaster enden.
    108 36 Melden
    • Nosgar 11.07.2018 14:43
      Highlight Die sind ja schon jetzt meist nicht anerkannt, sie werden nur nicht zurückgeschaft, sondern vorläufig aufgenommen. Was leider schlussendlich aufs Selbe hinausläuft.
      90 12 Melden
    • geissenpetrov 11.07.2018 15:06
      Highlight @guy:
      "Der Globale Süden sowie der Nahe Osten sind für Demokratie nicht bereit. Daher wird jedes Aufzwingen von unsererseite aus in ein Desaster enden."
      Aktuell sind die westlich-abendländischen super Demokratien gerade dabei sieben Länder des globalen Südens in Schutt und Asche zu bomben.
      Bevor der Kampf gegen den Terror begonnen hat, im Jahre 2001, gab es lediglich ein paar Hundert Terroristen. Jetzt sind es wohl Zehntausende.
      Insofern haben sie Recht: es ist ein Desaster. Ein Desaster, dass wir verursacht haben!
      52 44 Melden
    • Ueli der Knecht 11.07.2018 15:58
      Highlight Du machst ein Durcheinander, the guy...:

      "Der Globale Süden sowie der Nahe Osten sind für Demokratie nicht bereit."

      In Ägypten wurde demokratisch gewählt, und auch im Gaza-Streifen. Bestens überwacht, fair, alles korrekt und demokratisch.

      Aber das Resultat passte dem Westen nicht. Denn in Ägypten wurde Mursi gewählt und im Gaza die Hamas. Also wurden die demokratischen Resultate vom christlich-abendländischen Westen nicht akzeptiert und umgestossen.

      Der Nahe Osten wäre schon bereit für Demokratie. Aber der Westen missbraucht den Begriff "Demokratie" nur als Deckmäntelchen für ihr Diktat.
      51 52 Melden
    • Posersalami 11.07.2018 16:16
      Highlight Nein der Nahe Osten ist nicht bereit für Demokratie.

      Eine grundlegende Bedingung für Demokratie ist so etwas wie ein Bürgertum. In den meist noch tribal geprägten Gesellschaften im Nahen Osten führte eine "richtige" Demokratie (welche Demokratie soll es denn eigentlich sein? Wie in Frankreich? England? USA? Schweiz?) nur in die nächste Katastrophe.

      Einzig der Iran hat in der Region wohl die gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie.
      35 10 Melden
    • Ueli der Knecht 11.07.2018 18:51
      Highlight Poser: Du bestätigst die Demokratie-Defizite des Westens, wenn du frägst,
      "welche Demokratie soll es denn eigentlich sein? Wie in Frankreich? England? USA? Schweiz?"

      Es könnte auch eine gelenkte Demokratie sein wie in Russland oder Türkei.

      Demokratie ist doch nur Zauberwort. Es existiert weltweit keine echte Demokratie. Weder im Westen, noch im Osten, noch in der Schweiz.

      "...meist noch tribal geprägten Gesellschaften im Nahen Osten"

      Das trifft allenfalls in ländlichen Regionen zu, aber nicht in urbanen Zentren.

      Sogar im Iran wird die Feudal-Kleptokratie als Demokratie verkleidet.
      9 25 Melden
    • Eh Doch 12.07.2018 10:35
      Highlight Demokratie ist nur möglich mit einem gewissen nationalen Wohlstand, sonst hätten wir bei uns auch keine
      7 1 Melden
    • Posersalami 12.07.2018 11:15
      Highlight @ Ueli: Unsinn, in Kairo herrschen fast die selben gesellschaftlichen Zwänge wie auf dem Land. Das Leben mag weniger hart sein, trotzdem können die Jungen da nicht machen was sie wollen. Das treibt dann so bunte Blüten wie die in Ägypten weit verbreitete "Urfi-Ehe".

      Wobei das natürlich von Land zu Land wieder variiert, wie auch die Sitten und Gebräuche variieren. So lange aber die Stammeszugehörigkeit (ich meine das nicht abwertend) über die Zukunft entscheidet und wichtiger ist als alles andere (ja, auch des Glaubens!), gibt es keine Demokratie.
      3 1 Melden
    • Ueli der Knecht 12.07.2018 14:04
      Highlight Posersalami: Die Ehe nach islamischen Recht ist auch im Iran (gerade in den Städten) weit verbreitet, weil dort Prostitution verboten ist (und die "Kurz-Ehe" einen Ausweg bietet). Das hat mit Stammestradition überhaupt nichts zu tun (im Gegenteil, ist Auswuchs der Zivilisation).

      Es ist eher die islamische Art der Prostitution, inkl. allen Auswüchsen wie zB. Zuhälterei, Menschenhandel, etc., so wie das auch hierzulande vorkommt.

      Auch hier gibt es zB. Hells-Angels und ähnliche stammestrommelnde Gruppen. Trotzdem würdest du unsere Kultur nicht als tribal geprägte Gesellschaft beschreiben.
      1 1 Melden
  • Goldjunge Krater, Team Selbstbestimmungsinitiative 11.07.2018 13:51
    Highlight „An der Menschenrechtslage hat sich nichts verbessert und wird es in absehbarer Zukunft auch nicht„

    Hab ichs mir doch dedacht 😀. Ansonsten wäre das Interview wohl nicht freigegeben worden...
    200 133 Melden
    • Christoph Bernet 11.07.2018 14:19
      Highlight @Goldjunge Krater, Team Selbstbestimmungsinitiative: Die Aussage bezüglich der Menschenrechtslage hat Herr Treiber im Gespräch mit mir gemacht. Deshalb habe ich sie bei der Transkribieren des Interviews übernommen. Herr Treiber hat beim Gegenlesen des Interviews bloss ein paar wenige sprachliche Details als Änderungswünsche angefügt, denen ich entsprochen habe. Sie bezogen sich nicht auf die von Ihnen erwähnte Passage. Ansonsten hat er das Interview ohne irgendwelche Bedingungen freigegeben. Danke für die Kenntnisnahme.
      117 29 Melden
    • Fabio74 11.07.2018 17:25
      Highlight Wie naiv und weltfremd muss man sein um zu glauen wenn 2 Regimes nach 20 Jahren Krieg erzählen, sie wollen nun Frieden, es sei schlagartig Friede Freude Eierkuchen?
      33 22 Melden
  • Theor 11.07.2018 13:48
    Highlight Ich hoffe persönlich, dass bald viele abgewiesene Asylanten endlich nach Eritrea ausgeschafft werden können. Keine Migrantengesellschaft in der Schweiz ist problematischer. Leider ist das Asylwesen für Eritrea ein rentables Geschäftsfeld, dass sie nicht so einfach opfern werden. Bis man Eritreaer ausschaffen kann, wird es noch zehn wenn nicht gar zwanzig Jahre dauern.

    Im Umkehrschluss könnte man dann aber endlich adäquat echten Flüchtlingen helfen, die wirklich unsere Unterstützung zu Gute hätten...
    275 95 Melden
    • Flötist 11.07.2018 13:53
      Highlight Das wird nicht 10 Jahre dauern.
      20 12 Melden
    • memento 11.07.2018 14:54
      Highlight Das wird nie passieren...
      33 10 Melden
    • geissenpetrov 11.07.2018 14:55
      Highlight @Theor:
      "Keine Migrantengesellschaft in der Schweiz ist problematischer."
      Stimmt das? Ich kenne eine handvoll Eritreer und ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen, dass diese Problematisch wären. Die sind voll in Ordnung, aufgestellt, nett, gehen einer Arbeit nach und geben sich ausserordentlich Mühe die Sprache zu lernen.
      Das ist natürlich meine perönliche Meinung. Mich nähme einfach Wunder, wie Du zu Deiner gekommen bist.
      79 75 Melden
    • Crissie 11.07.2018 15:14
      Highlight @geissenpetrov, ich meine, dass man von einer "Handvoll" nicht auf den Rest der vielen Eritreer hier schliessen kann. Es gibt nicht nur eine sondern mehrere Handvoll Zeitungsberichte über Schlägereien, Überfälle und Vergewaltigungen und ich neige - wie viele anderen auch - sehr dazu, diesen zu glauben.
      65 39 Melden
    • Gähn 11.07.2018 15:15
      Highlight @Theor
      Wenn's ein Rückübernahmeabkommen gäbe, wäre kein Problem.
      Wenn....
      27 5 Melden
    • stef2014 11.07.2018 15:33
      Highlight Theor, auch mich würde interessieren, worauf du deine These stützt, dass keine Migrantengesellschaft problematischer sei als die aus Eritrea. Aus reiner Neugier und Interesse.
      37 23 Melden
    • *klippklapp* 11.07.2018 16:27
      Highlight Was genau am kommentierten Interview lässt sie glauben, dass die eritreischen Flüchtlinge nicht "wirklich unsere Unterstützung zu Gute hätten..."?
      20 9 Melden
    • geissenpetrov 11.07.2018 16:36
      Highlight @Crissie:
      Dito. Lass Dir durch den Blick-Aufmacher keine Angst einjagen:

      "Die Eritreer fielen hier selten auf, weil sie kaum Straftaten begehen. In der Kriminalstatistik liegt Eritrea zwar vor Somalia, aber hinter Italien, Kosovo, Algerien, Nigeria und 20 anderen Nationen."

      (https://bit.ly/2N6wnKf)

      26 9 Melden
    • MaxHeiri 11.07.2018 16:37
      Highlight Mit Eritrea könnte man sicherlich ein Rücknahmeabkommen abschliessen.
      Es ist halt eher ein Frage des finanziellen Handgelds und der Ethik von uns.
      Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass diese beide Punkte in den nächsten kontinuerlich sinken werden. Dann wird eine Einigung sicherlich erzielt werden.
      14 1 Melden
    • geissenpetrov 11.07.2018 16:38
      Highlight @Crissie:
      «Das unauffällige Dasein der gut 22'000 Eritreer änderte sich im letzten Herbst mit einer Schlagzeile: «Sozial¬irrsinn in Hagenbuch ZH» titelte der «Blick». Die Geschichte: Eine Zürcher Gemeinde müsse wegen einer eritreischen Grossfamilie die Steuern erhöhen, da vier der sieben Kinder in Heimen leben. Später stellte sich heraus, dass der Gemeinderat höhere Steuern wollte, weil er sie drei Jahre zuvor um 10 Prozent gesenkt hatte. Die Eritreer dienten als Vorwand -...»

      (https://bit.ly/2N6wnKf)
      30 13 Melden
    • Oh Dae-su 11.07.2018 17:02
      Highlight Ich denke dieser Eindruck dürfte auch dadurch entstehen, dass Eritreer momentan einfach die grösste Einwanderungsgruppe stellen. Dass sie prozentual problematischer sind als andere Gruppen im Asylverfahren, davon hab ich persönlich noch nie eine Statistik gesehen.
      25 7 Melden
    • Nosgar 11.07.2018 18:30
      Highlight Sie sind wegen wenig oder keiner Bildung viel schwieriger zu integrieren als andere. Das ist noch schwerwiegender, weil es viele sind und diese sicher deutlich mehr Kinder haben als andere Migranten.
      24 9 Melden
    • Linksgrün-versiffter Gutmensch 12.07.2018 02:02
      Highlight @Nosger

      Es spricht eigentlich mehr für die Unfähigkeit des Lehrers.

      Wir versuchen zurecht möglichst viele Schweizer mit einer geschützten Stelle im 2. Arbeitsmarkt wieder zu integrieren. Wer in einer Nussschale zu uns kommt muss schreckliches gesehen und erlebt haben. Wir nehmen zwar Rücksicht auf Schleudertraumas und Belastungsstörungen, aber Migranten sollen sich sofort integrieren? Da wird mit zwei verschiedenen Ellen gemessen. So sieht kein faires Klima aus, aber von Klima haben viele sowieso keine Ahnung.
      7 21 Melden
    • rodolofo 12.07.2018 07:57
      Highlight Aber die Haarpracht der Eritreer ist umwerfend!
      Wenn wir solche EritreerInnen mit SchweizerInnen kreuzen, wird das sehr vorteilhaft für uns!
      6 8 Melden
    • Eh Doch 12.07.2018 10:30
      Highlight wow was sind denn für dich "echte Flüchtlinge"?
      5 5 Melden
    • Eh Doch 12.07.2018 10:38
      Highlight und diese sicher deutlich mehr Kinder haben als andere Migranten.

      wie kommt man auf sowas?
      (ausser aus rassistischen Gründen..)
      3 11 Melden
  • franzfifty 11.07.2018 13:35
    Highlight "...wird es nun knallhart ums Geld gehen" ?

    Um was ging es denn bis jetzt? Frieden? Menschenleben?

    ...es ging hoechstens bei uns ums Geld..
    150 14 Melden
    • axantas 11.07.2018 14:45
      Highlight Es ging dem Staat Eritrea immer schon nur ums Geld. Die "Steuern", die den Flüchtlingen aus Eritrea abgerungen wurden, sprechen ja für sich.
      59 4 Melden
    • domimi 11.07.2018 22:03
      Highlight Und worum gehts bei den schweizern welche keine flüchtlinge wollen. Ums geld
      11 14 Melden
    • Dr no 12.07.2018 10:17
      Highlight @domimi:
      Ganz genau. Es ist halt zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die nicht alles mit allen anderen teilen wollen. Auf der anderen seite steht es dir frei, genau dies zu tun und all deine Besitztümer mit anderen zu teilen.
      10 1 Melden
    • Eh Doch 12.07.2018 10:39
      Highlight inoffiziell ums Geld, offiziell um Heimat-Kultur-Blabla
      2 3 Melden

Der nette Herr Molina

Ex-Juso Präsident Fabian Molina ist seit gut 100 Tagen im Nationalrat – und mit 27 Jahren der jüngste Parlamentarier im Bundeshaus. Grund genug, um mit dem Zürcher einen Kaffee zu trinken, ein paar Zigaretten zu rauchen und über die grossen Themen zu plaudern.

Fabian Molina sitzt schon seit einer Weile am Tisch nebenan, aber die äusserliche Unscheinbarkeit lässt ihn verschmelzen mit der lustig-zusammengewürfelten Ausseneinrichtung dieses Treatment-Cafés in den Ausläufern des Zürcher Kreis 4. Vielleicht liegt es auch daran, dass er in einem dieser Strandkörbe sitzt, die überall ausser auf Sylt und in vernachlässigten Hinterhofgärten fürchterlich deplatziert wirken, und zudem Kopf und Oberkörper ihrer Bewohner wegschlucken.

Kurz: man sieht ihn nicht.

Er …

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