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Die Pose des Siegers: Emmanuel Macron und Ehefrau Brigitte.
Die Pose des Siegers: Emmanuel Macron und Ehefrau Brigitte.Bild: Thibault Camus/AP/KEYSTONE
Kommentar

Frankreich wagt den revolutionären Bruch – und hat nun eine echte Wahl

Die Umfragen logen nicht: Emmanuel Macron und Marine Le Pen werden unter sich ausmachen, wer in den Elysée-Palast einziehen wird. Damit hat Frankreich eine klare Alternative: Weltoffenheit oder Abschottung.
24.04.2017, 06:4224.04.2017, 07:04

Für einmal muss man einer in letzter Zeit viel gescholtenen Zunft ein Kränzlein winden: Die Demoskopen lagen im ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahl vollkommen richtig. Wochenlang sahen die Umfragen Emmanuel Macron und Marine Le Pen auf den ersten beiden Plätzen, die zum Einzug in die Stichwahl berechtigen. Und genau so ist es gekommen.

Was sich an diesem Sonntag ereignete, darf man durchaus als eine Art zweite französische Revolution bezeichnen. Das Wahlvolk hat sich für zwei Kandidaten entschieden, die ausserhalb der bisherigen Machtstrukturen antraten. Es will die Rupture, den Bruch mit jenen Kräften, die sich seit einer gefühlten Ewigkeit an der Macht abgelöst und letztlich nur Stillstand produziert haben.

Marine Le Pen lässt sich feiern.
Marine Le Pen lässt sich feiern.Bild: Michel Spingler/AP/KEYSTONE

Damit bietet sich der Wählerschaft in zwei Wochen eine klare Alternative. Hier der Strahlemann Macron, der Senkrechtstarter der französischen Politik. Ein ehemaliger Investmentbanker und Wirtschaftsminister, der als Absolvent von Eliteschulen ein Teil des Systems ist und es dennoch geschafft hat, sich als unverbrauchte Kraft ausserhalb des Links-Rechts-Schemas zu empfehlen.

Terrorismus spielte geringe Rolle

Dort die ewige «Aussätzige», die von der Wut vieler Menschen über das Malaise in der ehemaligen Grande Nation profitieren konnte und den Front National aus der Schmuddelecke geführt hat. Dies hat Marine Le Pen für breite Kreise wählbar gemacht, obwohl Kenner und ehemalige Insider überzeugt sind, dass die Partei in ihrem Kern nach wie vor rechtsextrem ist.

Zwei Schlüsse lassen sich aus dem ersten Wahlgang ziehen: Der Terrorismus hat nur eine geringe Rolle gespielt, trotz des Anschlags vom Donnerstag auf den Champs-Elysées. Dieser hätte wohl zynisch gesagt schlimmer ausfallen müssen, um die Wahl zu beeinflussen. Die klare Priorität lag bei der Frage, wer Frankreichs schleichenden Niedergang stoppen kann.

Die Reformbereitschaft scheint grösser zu sein als auch schon, zumindest bei den Wählerinnen und Wählern von Emmanuel Macron. Dies ist die zweite zentrale Erkenntnis. Viele Franzosen empfinden zwar eine tiefe Morosité, eine Verdrossenheit über den Zustand ihres Landes. Aber Abschied nehmen von lieb gewordenen Privilegien – dazu waren sie bislang nicht bereit.

Macron kann sich nur selber schlagen

Marine Le Pen spielt mit solchen Sentiments. Die Chefin des Front National verspricht den Leuten das Blaue vom Himmel herunter. Frankreich müsse sich nur in seine Grenzen zurückziehen und von der Europäischen Union und der Globalisierung abkoppeln, dann kommt alles gut. So richtig gezündet hat diese Botschaft nicht, Le Pen selber hat sich wohl ein besseres Ergebnis erhofft.

Im Hinblick auf die Stichwahl wird sie womöglich ihr protektionistisches Wirtschaftsprogramm abschwächen, um Wähler des glücklosen François Fillon anzulocken. Sie wird versuchen, Macron als «Hollande II» und damit als «More of the Same» darzustellen. Den Linken wird sie weiterhin soziale Wohltaten versprechen und ihren knallharten Law-and-Order-Kurs bekräftigen.

Emmanuel Macrons grösste Sorge dürfte sein, dass (zu) viele linke und rechte Wähler am 7. Mai zu Hause bleiben werden. Wahrscheinlicher ist, dass noch immer genügend Franzosen eine Präsidentin Le Pen um jeden Preis verhindern wollen und mögliche Vorbehalte gegen Macrons jugendliches Alter und sein eher diffuses Programm herunterschlucken werden.

Natürlich ist es möglich, dass Le Pen die Sensation schaffen wird. Nach dem Ergebnis dieses ersten Wahlgangs aber kann sich Macron eigentlich nur noch selber schlagen. Er hat es geschafft, sich mit einer klar proeuropäischen Ausrichtung an der Spitze des Bewerberfeldes zu platzieren. Was eine weitere wichtige Erkenntnis ist – und sicher nicht die schlechteste.

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