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French President Emmanuel Macron and Croatian President Kolinda Grabar-Kitarovic, right, attend the award ceremony at the end of the final match between France and Croatia at the 2018 soccer World Cup in the Luzhniki Stadium in Moscow, Russia, Sunday, July 15, 2018. France won 4-2. (AP Photo/Petr David Josek)

Kolinda Grabar-Kitarovic herzt Emmanuel Macron bei der Pokalübergabe. Bild: AP/AP

Kroatiens Kolinda – eine Show-Politikerin mit wenig Inhalt

Dominik Sliskovic / watson.de



Kroatien ist Fussball-Vizeweltmeister. Auch einen Tag nach der bitteren Finalniederlage gegen Frankreich wirkt der Erfolg des 4,5-Millionen-Landes unwirklich. Modric, Rakitic und Co. haben ihre Heimat ein für alle mal auf die Karte gepackt – und wurden dabei tatkräftig von einer Meisterin der Selbstdarstellung unterstützt.

Kroatiens Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic war nach dem brillanten 3:0-Erfolg gegen Argentinien omnipräsent. Keine Zeitung, kein Internetportal kam ohne Bilder der ausgelassen, im ikonischen rot-weiss-karierten Trikot feiernden Politikerin aus. Kolinda war überall.

Auch beim Finale im Moskauer Luschniki-Stadion sass die 50-Jährige im Fanshirt zwischen Putin und Macron auf der Ehrentribüne, jubelte und litt mit ihrer Nationalmannschaft. Nach Abpfiff knutschte sie jeden und alles – sogar den WM-Pokal, den zu Berühren nur Weltmeistern vorbehalten ist. 

Nach dem Viertelfinal feierte Grabar-Kitarovic ausgelassen in der Spielerkabine.

Grabar-Kitarovic nutzte ihre letzte grosse Bühne in Russland vollkommen aus, was manchen gegen den Strich ging, den meisten Zuschauern jedoch zu gefallen schien. Die Metzgerstochter, die vor ihrer Wahl im Jahr 2015 Abgeordnete und Ministerin für die national-konservative HDZ war, ist nämlich die perfekte Personifizierung Kroatiens: emotional, impulsiv, euphorisch, patriotisch, hübsch anzusehen. So zumindest der äussere Eindruck.

Die Weltöffentlichkeit wurde durch Grabar-Kitarovic das Bild des lebensfrohen Kroatiens verkauft. Die wirtschaftlichen und demographischen Probleme, mit denen der Adria-Staat im politischen Alltag zu kämpfen hat, bleibt ihr – ebenso wie für die Millionen Touristen, die jährlich zwischen Pula und Dubrovnik im azurblauen Meer plantschen – verschlossen.

epa06881473 US President Donald J. Trump and Croatian President Kolinda Grabar-Kitarovic (L) at a dinner at the Art and History Museum at the Park Cinquantenaire during a NATO Summit in Brussels, Belgium, 11 July 2018. NATO member countries' heads of states and governments gather in Brussels on 11 and 12 July 2018 for a two days meeting.  EPA/GEERT VANDEN WIJNGAERT / POOL

Kolinda ist mittlerweile bekannt im Konzert der Grossen. Hier beim NATO-Gipfel. Bild: EPA/AP POOL

Denn auch wenn Grabar-Kitarovic in den vier Wochen der WM zum Gesicht der modernen, europäischen Konservativen geworden ist, kann ihr Charisma und ihre Instagram-Filterblase nicht kaschieren, dass sie seit ihrem Amtsantritt politisch kaum etwas geleistet hat.

Zwar übernimmt sie als Staatspräsidentin, ähnlich wie etwa Frank-Walter Steinmeier, vor allem repräsentative Aufgaben, ihr Kompetenzenbereich ist jedoch im Vergleich zu ihrem Amtskollegen aus Deutschland deutlich grösser: Sie darf nicht nur in den Regierungs- und Parlamentsalltag eingreifen, sondern gestaltet insbesondere die Aussenpolitik aktiv mit.

Trotz dieser Machtfülle ist Grabar-Kitarovics Haben-Seite als Präsidentin äusserst dünn befüllt. Einige Kommentatoren spotten sogar, ihr grösster politischer Erfolg sei gewesen, dem kroatisch-stämmigen Popstar Lorde beim Staatsbesuch in Neuseeland die kroatische Staatsbürgerschaft überreicht zu haben.

#Lorde #lordemusic #korijeni

Ein Beitrag geteilt von Kolinda Grabar-Kitarović (@predsjednicarh) am

Grabar-Kitarovic selbst legt ihr Augenmerk vor allem auf die Verbesserung in den Beziehungen zu den weiteren ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens: Sie reist nach Srebrenica und gedenkt den Opfern des Massenmordes, bietet der in die EU strebenden mazedonischen Regierung ihre Hilfe an und fiebert für Serbiens Tennisgrösse Novak Djokovic. Das alles öffentlichkeitswirksam auf ihrem Instagram-Account festgehalten.

Srebrenica, 20. obljetnica (Izvor klix.ba)

Ein Beitrag geteilt von Kolinda Grabar-Kitarović (@predsjednicarh) am

Darüber hinaus engagiert sich Grabar-Kitarovic besonders für den Erhalt der Kroaten als eines von drei konstitutionell geschützten Völker im multi-ethnischen Bosnien-Herzegowina. Zusammen mit ihrem Vertreten katholischer Grundwerte in der Familienpolitik erklärt dieser Einsatz ihre Beliebtheit in national-konservativen Kreisen. 

Trotz ihres sympathischen Auftretens bei Sportgrossereignissen wie der Fussball-WM und ihres unstrittigen Gespürs fürs diplomatische Parkett, wird Kolinda Grabar-Kitarovic in der Retrospektive vor allem an einem gemessen werden: ob sie entscheidendes gegen den Brain Drain, der Kroatien einen dramatischen demographischen Wandel aufzwingt, bewirken kann.  

Bereits heute leben über drei Millionen Kroaten im europäischen Ausland, täglich kommen im Schnitt 41 dazu, die Hauptstadt Zagreb ist die am schnellsten schrumpfende Grossstadt Europas. Die, die keine Zukunft im von Vetternwirtschaft und alten Eliten dominierten kroatischen Alltag sehen, sind oftmals jung und gut ausgebildet. Das Pro-Kopf-Jahreseinkommen liegt gerade einmal bei 13'000 US-Dollar, die Wirtschaftskraft speist sich zu über 20 Prozent aus der Tourismus-Branche. (Spiegel Online)

Doch weder der Regierung um Premierminister Andrej Plenkovic noch der mächtigen Staatspräsidentin fallen Lösungen ein. Stattdessen wird der poröse Grosskonzern Agrokor zwangsverstaatlicht und mit Krediten am Leben gehalten. Momentan verblendet die Euphorie über die Vizeweltmeisterschaft die kroatische Öffentlichkeit und schiebt die wirklich wichtigen Themen auf die lange Bank.

Um diese Probleme zu lösen, wird Kolinda Grabar-Kitarovic noch mehr Einsatz zeigen müssen als auf der Ehrentribüne des Moskauer Luschniki-Stadions.

Die besten Bilder der Fussball-WM 2018 in Russland

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    Alle Leser-Kommentare
  • kupus@kombajn 18.07.2018 11:39
    Highlight Highlight
    Sie hat das Präsidentenflugzeug
    und die 35 Mercedes-Benz, die den Ministern und anderen Beamten zugewiesen waren, verkauft und
    das Geld an die Staatskasse zurück gegeben.
    Ihr eigenes Gehalt und das der Minister hat sie um die Hälfte gekürzt.
    Sie hat die Ausgaben und Gehälter von Botschaftern und Konsulen auf 60% gesenkt und den Mindestlohn für den privaten Sektor
    erhöht. So übel ist das nicht.
  • nuhresideeli 17.07.2018 08:36
    Highlight Highlight Haha.. und wie war das beim Doppeladelerthema??

    Politik hat im Fussball nichts verloren...
    Damit meine ich alle die sich bei der Pokalübergabe zur Schau gestellt haben...
    Peinlich das ganze.
  • Therealmonti 17.07.2018 04:54
    Highlight Highlight Ich masse mir nicht zu, die Meriten von Kroatiens Präsidentin zu beurteilen. Ich denke aber, der Auftritt von Kolinda Grabar-Kitarovic am WM-Final war äusserst sympathisch und hat Kroatien ganz bestimmt nicht geschadet. Im Gegenteil. Der Schreiber dieses Artikels kann nichts substantiell Schlechtes über Kroatiens Präsidentin berichten. Er ist sicher kein Fan der Präsidentin. Aber vielleicht ist er auch einfach neidisch.
  • Sheez Gagoo 17.07.2018 02:53
    Highlight Highlight Lorde ist eine Frau.
  • häxxebäse 16.07.2018 23:02
    Highlight Highlight Bravo kolinda ❤🤟👏
  • real donald trump 16.07.2018 22:28
    Highlight Highlight Da liess ich mich demnach tatsächlich ein wenig von ihrem Auftritt am Finalspiel blenden. Danke für diesen Kommentar!
  • the Wanderer 16.07.2018 21:21
    Highlight Highlight hmm, also scheinbar ein richtiges IT-Girl (hübscher als manch junges...😋😋).

    Aber wie man als Frau die Erfolge einer Männer-Fussballmannschaft in der Kabine richtig feiert, könnte sie sich bei Gigi Oehri abschauen bei ihrer legendären (und hochpeinlichen) Schwimmeinlage im Pool bei der Meisterfeier des FC Basel. 😆😆
  • Socceroo04 16.07.2018 21:02
    Highlight Highlight Schon komisch, bin gerade in Kroatien und habe die Leute auch auf ihre „Chefin“ angesprochen. Da sind die Meinungen ziemlich eindeutig: Diese Frau tut dem Land gut! Was sie macht kommt von Herzen und dient ausschliesslich dem kroatischen Volk und allgemeinen Wohlbefinden des Balkan. Aber eben, wir Westler drehen‘s bis es passt 😳 ... sage ich als „Eidgenosse“ ohne Migrationshintergrund 🙈
  • pfffffffff 16.07.2018 20:28
    Highlight Highlight Interessante Einblicke hinter die Kulissen der Showbühne. Danke dafür und sehr gerne mehr davon 😉
  • Luca Brasi 16.07.2018 20:20
    Highlight Highlight Und Macron und Charles Michel haben auch Aufgaben zu erfüllen, machen in ihrem Land auch nicht alles richtig und sonnen sich im Glanz ihrer Mannschaften, imfall.
    Politiker nutzen Erfolge zur Eigenprofilierung. Etwas ganz Neues!
    Was für Nachrichten...
    🙄
  • Doradal 16.07.2018 20:11
    Highlight Highlight Ich kann den Inhalt des Artikels nicht beurteilen aber wie er geschrieben ist, finde ich schwach: zuerst schreibt ihr, sie hätte nur repräsentative Aufgaben und vergleicht ihren Job mit dem des deutschen Präsidenten. Im gleichen Abschnitt schreibt ihr aber auch, dass sie mehr Machtbefugnisse hat als ihr deutsches Pendant. Warum nehmt ihr dann überhaupt den deutschen Präsidenten als Vergleich? Und danach schreibt ihr von "Machtfülle", was wieder bedeutet, dass sie viel Macht hat. Kurz: schlechter Berg eich und es ist nun nicht klar ob sie viel oder wenig Macht hat.
  • P1erre991 16.07.2018 20:09
    Highlight Highlight Armselig sie so zu nennen. Nicht jeder ist so pingelig wie die Schweizer, so gesehen ihr eingeschlossen!
    Lasst doch die Leute leben wie sie wollen, sie hat nunmal Freude an Fußballstars! Ist doch schön wie sie auch die Franzosen umarmte! Armselig!
  • flying kid 16.07.2018 19:51
    Highlight Highlight Mimimi
    Also mir war die Frau nach dem WM-Final sehr sympatisch.
    Wünschte mir von unsere Regierung auch solch Bodenständigkeit, Herzlichkeit, Patriotismus und und und.

    Eindeudig Daumen hoch für die kroatische Präsidentin!!! 👍🏻
    • Gbzh 16.07.2018 23:31
      Highlight Highlight Schon wieder ein Geblendeter
  • N. Y. P. D. 16.07.2018 18:18
    Highlight Highlight Man soll nicht alles schlechtreden.

    Kolinda Grabar-Kitarovic machte eine äusserst sympathischen Eindruck. Und strahlte den Regen weg.

    Hätte sie einen Lätsch machen müssen, wegen der wirtschaftlichen Lage im eigenen Land ?

    Ich denke, nein.
  • Barracuda 16.07.2018 17:41
    Highlight Highlight Ein spannender Blick hinter die aufgesetzte Fassade von Kolinda Grabar. Ich dachte mir schon gestern, dass das etwas viel Theatralik ist. Anscheinend ist das schauspielerische Talent tatsächlich weitaus besser als das politische Geschick dieser Dame.
    Danke watson.de.
  • Connor 16.07.2018 17:06
    Highlight Highlight Welch spannender Artikel! Die Politik der Staatspräsidentin Kroatiens scheint also ein weiterer Fall von "panem et circenses" zu sein: Mit Fussball-WM und Instagram-Shows das Volk von den gesellschaftlichen und ökonomischen Problemen ablenken. Clever eigentlich - denn schon seit der Antike liess sich das Fussvolk, heute eher das "Fussballvolk", mit Spektakeln ruhig stellen.
  • My Senf 16.07.2018 16:55
    Highlight Highlight Ebe
    Säg i ja

    Keine grosse Dame

    Pokal küssen 😗😳
    Wer, ausser der Gewinner Mannschaft macht das in aller 🌍!!

    Solch ein Auftritt geht bei Paris Hilton durch! Auf keinen Fall bei einem Staatsoberhaupt mit solch Problemen zuhause!

    Wo ist die Haltung?!

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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