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epa07026131 Supporters of presidential candidate Jair Bolsonaro participate in a rally outside the Albert Einstein Hospital in Sao Paulo, Brazil, on 16 September 2018.  Bolsonaro was stabbed in an attack at a campaign event on 06 September.  Bolsonaro was released from the intensive care unit but is still recovering in the hospital. Social Liberal Party presidential candidate Jair Bolsonaro is still the favorite for the 07 October elections.  EPA/Fernando Bizerra

Kinder spielten mit Pappfiguren von Jair Bolsonaro bei einem seiner Auftritte im September.  Bild: EPA/EFE

«Trump Brasiliens» verpasst absolute Mehrheit – warum er trotzdem noch scheitern könnte



Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien klar gewonnen. Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Wahlurnen kommt Bolsonaro auf rund 47 Prozent, wie die Wahlbehörden nach der Wahl vom Sonntag mitteilten.

epa07076623 Brazilian extreme right-wing presidential candidate Jair Bolsonaro casts his ballot at a polling station in Rio de Janeiro, Brazil, 07 October 2018. A total of 147.3 million Brazilian voters are called to elect their next president in a two-round election in which Brazilian socialist Fernando Haddad and extreme right-winger Jair Bolsonaro are the two main candidates are contesting to become the new leader of the country. The second round of the presidential election will be held on 28 October.  EPA/ANTONIO LACERDA

Jair Bolsonaro – auch «Trump Brasiliens» genannt Bild: EPA/EFE

Auf dem zweiten Platz landete Linkskandidat Fernando Haddad von der Arbeiterpartei (PT) von Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva mit rund 28 Prozent. Bolsonaro und Haddad treten in drei Wochen in einer Stichwahl gegeneinander an.

Der linke Bewerber Ciro Gomes kam auf 12,52 Prozent, der Mitte-Rechts-Kandidat Geraldo Alckmin auf 4,83 Prozent. Für Henrique Meirelles, Wunschkandidat des amtierenden Staatschefs Michel Temer, stimmten sogar nur 1,21 Prozent der Wähler.

Der Ausgang der Wahl ist ein Triumph für Bolsonaro, der häufig als «Donald Trump Brasiliens» bezeichnet wird. Umfragen hatten den 63-Jährigen zuletzt bei rund 36 Prozent gesehen - bei der Wahl erhielt er nun deutlich mehr Stimmen. Er kam sogar nahe an die absolute Mehrheit, mit der er die Wahl in der ersten Runde gewonnen hätte.

Harter Kampf

Der Ex-Offizier und Verteidiger der früheren Militärdiktatur (1964 bis 1985) ist immer wieder mit rassistischen und sexistischen Äusserungen aufgefallen. Er hat für den Fall eines Wahlsiegs einen harten Kampf gegen Korruption und Kriminalität angekündigt und will die Waffengesetze lockern.

Workers' Party presidential candidate Fernando Haddad, flashes a vee sign after casting his vote, in Sao Paulo, Brazil, Sunday, Oct. 7, 2018. The former Sao Paulo mayor surged into second place after being named last month to replace former President Luiz Inacio Lula da Silva who is barred from running by electoral authorities following a corruption conviction. (AP Photo/Andre Penner)

Fernando Haddad Bild: AP/AP

Bei der Wahl waren rund 147 Millionen Brasilianer aufgerufen, einen Nachfolger für den konservativen Staatschef Michel Temer zu wählen. Insgesamt traten 13 Kandidaten an.

Die Arbeiterpartei hatte Haddad als Ersatzkandidaten für den wegen Korruptionsvorwürfen verurteilten und inhaftierten Ex-Staatschef Lula da Silva ins Rennen geschickt. Lula hatte lange Zeit dafür gekämpft, doch noch kandidieren zu können. Haddad, der frühere Bürgermeister der Millionenmetropole São Paulo, hatte deswegen nur wenig Zeit für den Wahlkampf – nicht einmal einen Monat.

Bolsonaro könnte Brasiliens Präsident werden:

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Video: srf

Knappe Stichwahl erwartet

Zwar landete Bolsonaro in der ersten Wahlrunde weit vor Haddad. Die Stichwahl am 28. Oktober dürfte aber deutlich enger werden. Für viele Wähler ist der Rechtspopulist Bolsonaro ein schwarzes Tuch. Der 55-jährige Haddad dürfte die Unterstützung vieler unterlegener Kandidaten bekommen. Umfragen hatten zuletzt für die Stichwahl einen sehr knappen Ausgang vorhergesagt.

Vor allem die Benachteiligten in Brasilien trauern bis heute Lula nach, der umfassende Sozialprogramme für die Armen aufgelegt hatte. Während seiner Amtszeit von 2003 bis 2010 erlebte das lateinamerikanische Land einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Doch in der Amtszeit seiner Parteifreundin und Nachfolgerin Dilma Rousseff rutschte Brasilien in eine tiefe Rezession. Rousseff wurde 2016 wegen mutmasslicher finanzieller Vergehen des Amtes enthoben. Viele Brasilianer machen die Arbeiterpartei für die wirtschaftliche Misere verantwortlich und setzen grosse Hoffnung in Bolsonaro. (sda/reu/dpa/afp)

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Super 08.10.2018 11:02
    Highlight Highlight Bolsonaro ist viel schlimmer als Trump! Auch wenn das schwer zu glauben ist....
  • Asmodeus 08.10.2018 09:18
    Highlight Highlight Falls jemand wissen will wieso Bolsonaro als brasilianischer Trump bezeichnet wird.



    Aber ich bin mir sicher, dass er hier in den Kommentarspalten trotzdem noch Unterstützer hat.
    Play Icon
    • Max Dick 08.10.2018 11:21
      Highlight Highlight Primär hat er seine Unterstützer in der gebildeten Mittelschicht des Südens - und die werden wesentlich besser wissen ob er nun der geeignete Kandidat ist oder nicht, als die Watson-Kommentarschreiber hier. Vorallem als solche, die sich ihr Wissen über ihn in amerikanischen Latenight-Sendungen angeeignet haben.
  • Max Dick 08.10.2018 07:51
    Highlight Highlight Man tut Bolsonaro Unrecht, wenn man ihn mit Trump vergleicht. Man kann seine politischen Pläne mögen oder nicht (gerade die zur Kriminaöitätsbekämpfung sind Blödsinn) aber immerhin hat er konkrete Pläne. Und er ist einer der Wenigen, die bisher nicht im Zusammenhang mit Korruption stehen. Kann von Trump nicht gerade gesagt werden.
    • Asmodeus 08.10.2018 10:17
      Highlight Highlight Genau. Nichts schlechtes gegen einen frauenfeindlichen, rassistischen Typen sagen, der der Meinung ist die Militärdiktatur wäre nicht brutal genug gewesen.

      Immerhin hat er ja einen Plan....

    • Hoppla! 08.10.2018 11:26
      Highlight Highlight So mancher Kriegsverbrecher hatte auch einen Plan, das alleine verdient noch keine Auszeichnung oder Stimme. Und doch; "Korruption" vielleicht nicht klassisch, aber schau dir mal sein religiöse Verbindung an.

      Homophob, frauenfeindlich, sexistisch, rassistisch und eine Militärregierung propagierend; das kann man nicht schönreden.
    • Sanduuh 08.10.2018 23:20
      Highlight Highlight Wuau. Er hat konkrete Pläne und desswegen tut man ihm unrecht? Diktatoren haben auch konkrete Pläne. sind sie desswegen nun besser?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Juliet Bravo 08.10.2018 02:07
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