International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Darum könnte es 65 Jahre nach dem Korea-Krieg wirklich Frieden auf der Halbinsel geben



Einen Tag nach dem Treffen zwischen den Staatschefs der beiden koreanischen Staaten hat Nordkorea weitere Friedenssignale ausgesandt. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA brachte am Samstag die Gipfelerklärung im vollständigen Wortlaut.

Das Gespräch zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un sei «historisch» gewesen und habe den Weg zu «nationaler Aussöhnung und Einheit, Frieden und Wohlstand» geebnet, schrieb KCNA.

Nach ihrem Treffen in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern hatten Kim und Moon sich am Freitag zum Ziel einer dauerhaften und stabilen Friedensregelung und einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel bekannt. Der seit mehr als sechs Jahrzehnten geltende Kriegszustand solle noch dieses Jahr beendet werden, erklärten sie bei ihrer symbolträchtigen Begegnung im Grenzort Panmunjom.

FILE - In this April 27, 2018 file photo, North Korean leader Kim Jong Un, left, prepares to shake hands with South Korean President Moon Jae-in over the military demarcation line at the border village of Panmunjom in Demilitarized Zone. Despite its feel-good emphasis on relationship-building, the first inter-Korean summit in more than a decade left a lot of question marks around the biggest and most contentious agenda item of them all: denuclearization. And that puts the ball squarely in the court of President Donald Trump, whose much anticipated sit-down with Kim is expected to be just weeks away. (Korea Summit Press Pool via AP, File)

Treffen in der entmilitarisierten Zone: Kim und Moon geben sich die Hand. Bild: AP/Korea Summit Press Pool

In einem gesonderten Bericht schrieb KCNA, Kim und Moon hätten sich «aufrichtig und offenherzig» zu Themen ausgetauscht wie Friedenssicherung und Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Die Zeitung «Rodong Sinmum», Sprachrohr der in Nordkorea herrschenden stalinistischen Partei, berichtete auf den vorderen vier ihrer sechs Seiten über das Ereignis – mit insgesamt 60 Fotos, 15 davon auf der Titelseite.

Das staatliche nordkoreanische Fernsehen sendete mehrere Minuten lang Bilder von dem Treffen, einschliesslich der Umarmung zwischen Moon und Kim. Die bewährte Nachrichtensprecherin Ri Chun Hee wurde aufgeboten, um den Text der Gipfelerklärung zu verlesen.

Formell noch immer im Kriegszustand

Es werde «keinen Krieg mehr auf der koreanischen Halbinsel geben», und Korea werde wieder «eins» werden, heisst es darin. Der Korea-Krieg (1950-1953) war vor 65 Jahren mit einem Waffenstillstand zu Ende gegangen – ein Friedensvertrag kam nicht zustande. Formal befinden sich beide Länder deswegen weiter im Kriegszustand.

Nun solle es mit den USA und möglicherweise auch mit China Treffen für eine Friedensvereinbarung geben, hiess es in der Gipfelerklärung. Washington und Peking haben den Waffenstillstand mit unterzeichnet. Die USA haben in Südkorea zehntausende Soldaten stationiert.

Politische Beobachter warnten unterdessen, dass frühere Bekundungen für innerkoreanische Entspannung und Versprechungen Nordkoreas im Sande verlaufen seien. Pjöngjang habe jahrelang daran festgehalten, niemals sein «wertvolles Schwert» der atomaren Abschreckung aus der Hand zu geben, das es nach eigenen Angaben zur Selbstverteidigung gegen einen möglichen Angriff der USA benötigt.

Experte in Seoul: Pjöngjang meint es ernst

Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul bewertete die breite Berichterstattung über den Gipfel in den nordkoreanischen Medien dagegen als Zeichen dafür, dass es Pjöngjang «mit seinem Engagement ernst» sei. Es signalisiere den USA zugleich, dass sich «der Ball nun in ihrem Feld» befinde.

Andere Analysten und Diplomaten sehen die derzeitige Politik der nordkoreanischen Führung unter anderem darin begründet, dass Pjöngjang meine, aus einer Position der Stärke heraus verhandeln zu können. Ausserdem befürchte es die Auswirkungen der vom UNO-Sicherheitsrat verhängten drastischen Strafmassnahmen und einen möglichen militärischen Angriff der USA.

Washington drängt Nordkorea, auf sein Waffenarsenal vollständig, überprüfbar und unumkehrbar zu verzichten. Viel wird nun davon abhängen, wie das Gipfeltreffen ausgehen wird, das Ende Mai oder- Anfang Juni zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump stattfinden soll. Eine solche Begegnung galt lange Zeit als ausgeschlossen.

Trump: «historisch» – Moskau: Wirtschaftshilfe

Trump würdigte das Gipfeltreffen in Panmunjom als «historisch», fügte aber hinzu, die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten. Die USA würden nicht nachlassen, bevor eine komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel erreicht sei, sagte US-Präsident Donald Trump am Freitag bei einer Pressekonferenz mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Washington.

Der russische Vizeaussenminister Igor Morgulow sagte am Samstag, Moskau wolle sich weiter in den Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel einbringen. Er nannte laut der Agentur Interfax unter anderem mögliche gemeinsame Wirtschafts- und Infrastrukturprojekte mit Nord- und Südkorea, die Moskau fördern könne.

Nordkorea ist wegen seines Atomwaffen- und Raketenprogramms international isoliert. Pjöngjang hatte im vergangenen Jahr eine Reihe von Raketentests sowie einen sechsten Atomwaffentest vorgenommen.

(sda/afp/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Trump schürt weiter Zweifel an Machtübergabe

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gawayn 29.04.2018 09:14
    Highlight Highlight Typisch Trump
    Jetzt wo Tauwetter herrscht, mischt er sich ein.

    Wenn ein Frieden zu Stande kommt,
    Schreibt er es sich als sein Verdienst an.

    Passiert es nicht, wird er behaupten,
    Die Beiden hätten versagt...

    Wie auch immer.
    Ich trau dem Braten nicht.
    Weder der Süden
    Noch der Norden
    Hatten ein Interesse an Frieden

    Jetzt wo dieser "Atomberg" am zusammenbrechen ist, soll Frieden und Eintracht sein?

    Wer denkt es hätte keinen Zusammenhang, ist naiv.

    Frieden und Einheit, wird aber nur ohne Diktator möglich sein...
  • Chnebeler 28.04.2018 23:29
    Highlight Highlight Falls es zum Frieden kommt, würde dies traurigerweise heissen, dass Trump durch seine hirnlosen agressions Tweets Kim dermassen verängsigte, dass er vernünftig wurde. Damit hätte er mit seiner agressiven Rethorik innert Monaten mehr für den Weltfrieden getan, als sein Vorgänger und Nobelpreisträger in der gesamten Amtszeit. In was für einer komischen Welt wir mittlerweile leben, dass Hass und Agression Frieden fördert.
    • NaSkivaL 29.04.2018 09:06
      Highlight Highlight Ich bezweifle ernsthaft, dass das auf Trumps Kappe geht. Tendiere eher zu der Meinung, dass Kim etwas in diesem Stil schon geplant hatte, als er mit den kindischen Drohungen loslegte.

      Ob er wirklich abrüsten wird? Wenn er den Friedensschluss mit dem Süden schafft, wär ein Angriff von Aussen auf die Nation mit 75 Mio Einwohnern ein Angriff auf das wieder vereinte Land. Die Angreifer wären Friedenszerstörer.

      Ich wüsste nur gerne, wie Kim seine Vormachtstellung in der Wiedervereinigung bewahren will.
    • Samurai Gra 29.04.2018 10:44
      Highlight Highlight @NaSkivaL: Wer sagt das er seine Politische Stellung halten will?
      Eventuell will er einfach Gut Situirt Leben nach der Versöhnung
    • PaLve! 29.04.2018 10:55
      Highlight Highlight Schon mal daran gedacht, dass Präsident Moon sich seit seinem Amtsantritt 2017 für eine Annäherung an den Norden ausgesprochen hat?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Alnothur 28.04.2018 20:01
    Highlight Highlight "Die USA würden nicht nachlassen, bevor eine komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel erreicht sei" - gut, dass die USA jetzt auch eingesehen haben, dass sie von der Halbinsel verschwinden sollten.
    • sowhat 29.04.2018 09:04
      Highlight Highlight Ist das nicht eine gar freie Interpretation? Ich glaube noch nicht daran, dass di USA ihre Stellungen da alle aufgeben werden.
    • Alnothur 29.04.2018 12:22
      Highlight Highlight Natürlich ist es "eine gar freie Interpretation". Mir ist schon klar, dass die USA mit ihren Aussagen immer nur alle anderen meinen, bloss nicht sich selbst.

«Wir sahen, was wir sehen wollten» – wenn Ideologen bei Diktatoren zu Besuch sind

CVP-Nationalrat Claude Béglé hat sich mit seinen euphemistischen Tweets aus Nordkorea tüchtig in die Nesseln gesetzt. Der Waadtländer Politiker, der seine Ferien in dem abgeschotteten ostasiatischen Land verbringt, zeigte sich begeistert über seinen Besuch in einer Seidenspinnerei. Die Löhne seien zwar niedrig, doch werde alles – Grundnahrungsmittel, Unterkunft, Gesundheit und Bildung – vom Staat zur Verfügung gestellt. «Und es funktioniert um einiges besser, als man es sich hätte …

Artikel lesen
Link zum Artikel