International
Polen

Ukraine-Krieg: Polen schliesst letztes russisches Konsulat

Nach Sprengstoffanschlag: Polen schliesst letztes russisches Konsulat

19.11.2025, 11:5019.11.2025, 12:33

Als Reaktion auf den Sprengstoffanschlag auf eine strategisch wichtige Bahnstrecke schliesst Polen das russische Generalkonsulat in Danzig (Gdansk). Er habe die Genehmigung für die diplomatische Niederlassung zurückgezogen, sagte Aussenminister Radoslaw Sikorski in Warschau. Polen werde als Antwort auf den Anschlag auch weitere Schritte «nicht diplomatischer Natur» unternehmen. Details nannte Sikorski nicht.

ARCHIV - 04.06.2025, Berlin: Radoslaw Sikorski, Au
Der polnische Aussenminister Radoslaw Sikorski.Bild: DPA

Die polnische Regierung beschuldigt russische Geheimdienste, hinter einem Sprengstoffanschlag auf die Bahnstrecke von Warschau nach Lublin zu stecken. In der Nähe der Ortschaft Mika rund hundert Kilometer südöstlich von Warschau waren am Samstag bei einer Explosion die Gleise zerstört worden. Weil ein Zugführer die Beschädigung bemerkte und meldete, wurde niemand verletzt. Die Ermittler haben zwei Tatverdächtige im Visier. Die beiden ukrainischen Staatsbürger sollen im Auftrag Moskaus gehandelt und sich nach der Tat nach Belarus abgesetzt haben.

«Die Absicht war, Menschen zu töten»

Dieser Vorfall sei eine bedeutende Eskalation im russischen Vorgehen, sagte Sikorski. «Sabotage ist, wenn Besitz beschädigt wird. Wenn die Absicht ist, Menschen zu töten, ist das keine Sabotage mehr, sondern Staatsterrorismus.»

Das russische Generalkonsulat war die letzte verbleibende Einrichtung dieser Art in Polen. Bereits im Mai hatte Polen nach Brandstiftungsvorwürfen gegen den russischen Geheimdienst das Generalkonsulat in Krakau schliessen lassen. Das Generalkonsulat in Posen (Poznan) wurde aus dem gleichen Grund bereits 2024 geschlossen.

Sikorski betonte, Polen habe ähnlich wie andere EU-Länder, die von den Aktivitäten des russischen Geheimdienstes betroffen seien, nicht die Absicht, die russische Botschaft in Warschau zu schliessen und die diplomatischen Beziehungen zu Moskau abzubrechen.

Kreml bedauert Verfall der Beziehungen

Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach in einer Reaktion von einem «völligen Verfall» der Beziehungen zu Polen. Die Schliessung des Generalkonsulats sei Ausdruck des Wunsches der polnischen Führung, jegliche Möglichkeit konsularischer oder diplomatischer Beziehungen zunichtezumachen. «Da kann man nur sein Bedauern ausdrücken.»

Russia Putin Interethnic Relations Council 9040633 05.11.2025 Kremlin spokesman Dmitry Peskov attends a meeting of the Presidential Council for Interethnic Relations held by President Vladimir Putin a ...
Kremlsprecher Dmitri Peskow bedauert Verfall der Beziehungen zu Polen.Bild: imago

Polens Aussenminister sagte weiter, man werde sich an die Regierung in Belarus mit einem Gesuch wenden, die beiden Tatverdächtigen auszuliefern. «Dies sind die Prozeduren.» Grosse Hoffnungen, dass das von Machthaber Alexander Lukaschenko autoritär regierte Land der Bitte nachkomme, habe man nicht. Belarus ist ein enger Verbündeter Russlands. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese Nationen sind für die WM 2026 qualifiziert
1 / 44
Diese Nationen sind für die WM 2026 qualifiziert

Curaçao: Erste WM-Teilnahme

quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Die Schweiz hat sich im Kosovo für die WM qualifiziert – das sagen die mitgereisten Fans
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
8 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8
Giorgia Meloni kritisiert ihren Verbündeten Trump scharf
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat US-Präsident Donald Trump für dessen abfällige Äusserungen zu Nato-Truppen in Afghanistan deutlich kritisiert. Solche herabwürdigenden Aussagen seien «nicht akzeptabel – insbesondere dann, wenn sie von einer verbündeten Nation stammen», hiess es in einer Mitteilung des Amtssitzes der Regierungschefin.
Zur Story