International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Im Zürcher Opernhaus als Regisseur gefeiert, in Moskau als Angeklagter vor Gericht 



Über ein Jahr sitzt der russische Theatermacher Kirill Serebrennikow schon in Hausarrest. Trotzdem hat er gearbeitet: In Zürich feierte seine Inszenierung von Mozarts «Così fan tutte» Premiere. Doch in Moskau steht er vor Gericht in einem Prozess, der selbst ein bitteres Theaterstück ist.

Als frostiges Signal an die Kulturszene in Russland hält die Staatsmacht Gericht über Kirill Serebrennikow, den Liebling der Moskauer und der internationalen Theaterszene.

epa07147581 Russian film and stage director Kirill Serebrennikov (front R), Director of the Yaroslavl's Fyodor Volkov drama theatre Yury Itin (L), Russian Academic Youth Theater (RAMT) director Sofia Apfelbaum (2-L) and theater producer of Gogol center Alexei Malobrodsk (C) attend a hearing at the Meshansky district court in Moscow, Russia, 07 November 2018. Moscow's avant-garde theater Gogol Center's artistic director Kirill Serebrennikov is accused of being involved in the alleged embezzlement of state art funds allocated between 2011 and 2014.  EPA/MAXIM SHIPENKOV

Kirill Serebrennikow, Alexej Malobrodski, Sofia Apfelbaum und Juri Itin (vrnl.) am Mittwoch vor Gericht in Moskau.   Bild: EPA/EPA

«Ich habe nichts gestohlen», sagte der 49-jährige Regisseur am Mittwoch zu Beginn der öffentlichen Hauptverhandlung in einem Untreueprozess in Moskau. Absurd, unverständlich nennt er die Vorwürfe. Ein Jahr im Hausarrest hat er schon hinter sich.

Absurdes Theater

Mit dem renommierten Theatermacher sind seine Ex-Mitarbeiter Alexej Malobrodski und Juri Itin angeklagt sowie Sofia Apfelbaum als frühere Beamtin des Kulturministeriums. Die Anklage wirft ihnen vor, bei einem Theaterprojekt 133 Millionen Rubel (rund 2 Millionen Franken) staatlicher Zuschüsse unterschlagen zu haben.

Es ist wie absurdes Theater: Vier kluge, redegewandte Angeklagte in den Fängen einer stumpfen Gerichtsmaschinerie. Die Richterin in Saal 433 des Meschtschanski-Stadtbezirksgerichts spricht absichtlich leise. Dabei ist ihr Mikrofon eingeschaltet, denn das Rascheln der Akten ist deutlich zu hören.

Cosi fan tutte, Opernhaus Zürich
Bild: Monika Rittershaus

Im Zürcher Opernhaus hat Kirill Serebrennikow aus dem Arrest heraus die Mozart-Oper «Così fan tutte» inszeniert. Bild: Monika Rittershaus

Erfolg beim Moskauer Publikum

Anderthalb Stunden rasselt ein nervöser junger Staatsanwalt die Anklageschrift herunter, spricht von «kriminellen Absprachen». Gezeichnet wird das Bild einer Betrügerbande, die nur deshalb Theaterstücke aufgeführt habe, um Staatsgeld beiseite zu schaffen.

Dabei hatte das Projekt einmal allerhöchsten Segen. Präsident Dimitri Medwedew wollte, als Wladimir Putin ihm von 2009 bis 2011 den Kreml überliess, die moderne Seite Russlands zeigen. Serebrennikow schlug das Programm «Platforma» vor, das Theater, Tanz, Musik und Medien verbinden sollte. Die Aufführungen von 2011 bis 2014 waren ein Riesenerfolg beim hippen Moskauer Publikum.

Gagen bar bezahlt

Reingeritten hat ihn die gängige Praxis an russischen Theatern, dass viele Gagen und Auslagen bar bezahlt werden. Chefbuchhalterin Nina Masljajewa wandelte das Buchgeld aus dem Ministerium bei Firmen gegen Kommission in Bargeld um. Diese Barsummen hält die Staatsanwaltschaft für unterschlagen, obwohl alle Schauspieler und Tänzer entlohnt worden sind und nie eine Aufführung ausgefallen ist.

Doch es hapert an der Dokumentation. Chefproduzentin Jekaterina Woronowa hat nach Abschluss von «Platforma» die Unterlagen vernichtet, wie sie in einem Film der Journalistin Katerina Gordejewa sagt. Woronowa ist im Ausland, wird mit Moskauer Haftbefehl gesucht. Buchhalterin Masljajewa arbeitet als Belastungszeugin mit den Ermittlern zusammen.

Solidarität von Kulturschaffenden

Im Gerichtssaal herrscht Gedränge. Journalisten und Diplomaten verfolgen den kulturpolitisch wichtigen Prozess. Schauspieler aus dem Gogol-Theater werfen einen Blick auf ihren Chef Serebrennikow. Auch die bekannte Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja ist da, um ihre Solidarität zu zeigen. «Ich spüre die Unterstützung meiner Freunde, von Künstlern, die hier zum Prozess kommen», sagte Serebrennikow der Deutschen Presse-Agentur in einer Verhandlungspause.

Regieanweisungen per Videobotschaft

Trotz des Hausarrests arbeitet Serebrennikow weiter. Für das Zürcher Opernhaus hat er aus dem Arrest heraus die Mozart-Oper «Così fan tutte» inszeniert. Seine Anweisungen gab er per Videobotschaft, die Proben geleitet hatte der Choreograph Evgeni Kulagin.

Die Staatsoper Stuttgart 2017 brachte die Märchenoper «Hänsel und Gretel» auf die Bühne, auch wenn er die Inszenierung nicht fertigstellen konnte. In den Deutschschweizer Kinos läuft am 15. November Serebrennikows Film «Leto» über den sowjetischen Rockstar Viktor Zoi an, den er daheim am PC geschnitten hat. (whr/sda/dpa)

Pussy Riot

Das könnte dich auch interessieren:

Wie der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy in Simbabwe tausende Menschen vor dem Aids-Tod rettete

Link to Article

So hast du die Karriere von Roger Federer noch nie gesehen

Link to Article

Warum die Bezahl-App Twint bei Schweizer Teenagern gerade so richtig durchstartet

Link to Article

Vorsicht! Mit den Apple-Ohrstöpseln wird das iPhone zur Wanze 😳

Link to Article

«Der Zug stellt einfach ab»: So leiden die Lokführer unter den SBB-Pannen-Doppelstöckern

Link to Article

Der Lambo-Trottel, sein High-Heels-Schrank und ich

Link to Article

Die grössten Apple-Irrtümer – was nicht nur iPhone-Fans wissen sollten

Link to Article

Die grosse Game-Vorschau: Auf diese 50 Spiele dürfen wir uns 2019 freuen

Link to Article

So cool ist es WIRKLICH, im Januar auf Alkohol zu verzichten 🤔😂

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Trump will den Notstand ausrufen – aber darf er das überhaupt?

Link to Article

«Gölä ist die falsche Art von Büezer» – Nico bügelt mit dem Berner Rapper Nativ

Link to Article

Samsung, Huawei oder doch Nokia? Diese Android-Handys erhalten am längsten Updates

Link to Article

Sie wollte dieses Kleid kaufen – und brach bei der Lieferung (zu Recht) in Tränen aus

Link to Article

24-Jähriger stirbt in Lawine im Wallis

Link to Article

Genfer Caritas-Lagerleiter vergriff sich an jungen Mädchen

Link to Article

Warum Trump plötzlich die Sowjets verteidigt

Link to Article

«Die toten Hoden» – neue Twitter-Challenge ruiniert die Namen deiner Lieblingsbands

Link to Article

«Familie wird mich töten»: Rahaf auf Flucht aus Saudi-Arabien in Thailand vorerst sicher

Link to Article

Das ist der beliebteste Tweet der Welt – aus Gründen ... 💸💸

Link to Article

Quizz den Huber: Dani hängt geistig noch im alten Jahr. Das ist deine Chance!

Link to Article

Wenn sogar Fox News Trumps Grenz-Lüge anprangert

Link to Article

Das Beste an den Golden Globes? Diese Wasserträgerin

Link to Article

Die bizarre Liebesgeschichte der KZ-Aufseherin, die sich in eine Gefangene verliebte

Link to Article

7 kultige Webseiten aus unserer Jugend, die es (leider) nicht mehr gibt

Link to Article

7 Wahlen hat er analysiert – jetzt meint er: «Das System könnte aus den Fugen geraten»

Link to Article

Diese 24 Momente aus 2018 sind so richtig zum Fremdschämen

Link to Article

Sexy Särge oder phallische Felsen – welcher Wandkalender darf's denn sein?

Link to Article

Lärm, Schäden und viel Alkohol – in der Silvesternacht war (teilweise) die Hölle los

Link to Article

Bellydah: «Diesen Job nennt man ‹Rap-Video-Bitch›»

Link to Article

13 Kater, schlimmer als deiner

Link to Article

Kann man wirklich zu lange schlafen?

Link to Article

Der einzige Schweizer auf Mikronesien braut Bier und lebt auf diesem Inselcheln

Link to Article

6 Webseiten, auf denen du dir toll die Zeit totschlagen kannst – klicken auf eigene Gefahr

Link to Article

7 Dinge, die dir bei diesen bekannten Weihnachtsfilmen noch nie aufgefallen sind

Link to Article

Jetzt muss Trump die Börse mehr fürchten als Mueller 

Link to Article

«Globe Air» – der erfreulichste Konkurs der Schweizer Luftfahrtgeschichte 

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dragona 09.11.2018 10:22
    Highlight Highlight Nachdem Buchgeld gegen Kommissionen in Bargeld umgewandelt wurde, Löhne bar bezahlt wurden und zu guter letzt die Unterlagen vernichtet wurden, sollte sich ja niemand wundern dass das nicht gut rauskommt. Ist ja alles vorhanden das auch bei uns als kriminell angesehen wird. Sich nun als Opfer darzustellen ist ein bisschen billig. Aber bei der allgemeinen Russophobie scheint es Programm zu sein.
  • Thomas Bollinger (1) 07.11.2018 23:58
    Highlight Highlight Leto habe ich am Zürcher Filmfestival gesehen. Ich habs nicht so mit schweren russischen schwarzweiss Filmen, aber Leto war - wie erhofft - nicht schwer, dafür aber kreativ und trotzdem unterhaltsam. Sehr zu empfehlen.

Trump und die Russen – 14 Indizien, die auf eine Verbindung hindeuten 

Letzte Woche hatte die «New York Times» in einem Enthüllungsbericht über Ermittlungen gegen US-Präsident Donald Trump berichtet. Nachdem dieser im Mai 2017 den FBI-Chef James Comney abgesetzt hatte, leitete die Strafverfolgungsbehörde eine Untersuchung zur Entlassung ein. 

Dabei ging es auch um Spionageabwehr. So wollte das FBI klären, ob Trump im Auftrag Russlands gegen amerikanische Interessen gearbeitet hat. Ermittlungsergebnisse dazu sind bislang nicht bekannt geworden. …

Artikel lesen
Link to Article