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Schweden bereitet die Bürger auf Krieg vor – das kommt vielen Schweizern bekannt vor

Die neue schwedische Broschüre weckt Erinnerungen an das Büchlein «Zivilverteidigung», das der Bund im Jahr 1969 an die Haushalte verteilte. Ein Vergleich.



Wenn schwedische Bürger in den nächsten Tagen ihre Briefkasten öffnen, wird ihnen eine Zuschrift sofort auffallen: Die druckfrische Broschüre ihrer Regierung, die an alle Schweden verteilt wird. Deren Titelseite ist mit roter und und oranger Farbe gedruckt, die Wörter KRISE und KRIEG stechen durch die fette Schrift hervor.

Mit der 20-seitigen Broschüre «Falls Krisen oder Krieg kommt» will Schwedens Regierung ihre Bürger auf den Ernstfall vorbereiten, gibt ihnen Tipps wie man sich dabei verhalten soll. 

Anders als Schweden befindet sich die Schweiz derzeit nicht in einem geopolitischen Brennpunkt. Deswegen verzichtet der Bund auf eine Informationskampagne zur Vorbereitung auf einen bewaffneten Konflikt und begnügt sich mit einem allgemeinen Ratgeber (letzte Aktualisierung 2014), der sich auf Situationen wie Überschwemmungen oder Brände fokussiert.

Dies war vor 50 Jahren noch anders, als der Bund den Bürger das Büchlein «Zivilverteidigung» verteilte, dessen Aufmachung Parallelen zum schwedischen «If Crisis or War Comes» aufweist. 

Ein Vergleich zwischen den drei Broschüren.

Titelseite und Umfang

Schweden 2018

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bild: ho

Umfang: 19 Seiten

Download: hier.

Schweiz 1969

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bild: ho

Umfang: 320 Seiten

Download: hier

Schweiz 2014

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bild: ho

Umfang: 27 Seiten

Herausgeber: Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL

Download: hier

Das Vorwort

Schweden 2018

«Der Zweck der Broschüre ist es, uns zu helfen, besser vorbereitet zu sein – von schweren Unfällen bis hin zu extremen Wetter- und IT-Angriffen, bis hin zu militärischen Zusammenstössen. (...) Obwohl Schweden sicherer ist als viele andere Länder, gibt es immer noch Bedrohungen für unsere Sicherheit und Unabhängigkeit. Frieden, Freiheit und Demokratie sind Werte, die wir täglich schützen und verstärken müssen.»

Schweiz 1969

«Neben dem Soldatenbuch tritt nun dieses Buch über den zivilen Schutz des Landes. Es dient auf seine Art der gleichen Aufgabe: die Widerstandskraft des Volkes zu erhalten und zu stärken, die Unabhängigkeit der Schweiz zu sichern. Auch wenn wir in unseren Tagen glücklicherweise nicht von kriegerischem Geschick bedroht sind, sondern im Frieden· unser Tagwerk erfüllen können, brauchen wir doch immer Geist und Kraft der Gemeinschaft, um die vor uns liegenden Aufgaben zu meistern und wohlvorbereitet den Weg in die Zukunft zu gehen.»

Schweiz 2014

«Wie die Beispiele in dieser Broschüre zeigen, kann aber jede und jeder Einzelne in eine Notlage geraten. Eigenverantwortung ist daher wichtig. Der vorliegende Ratgeber soll Sie dazu anregen, sich Gedanken zu Ihrer individuellen Vorsorge zu machen und sich optimal auf mögliche Notsituationen vorzubereiten.»

Der Notvorrat

Diese drei unterschiedlichen Empfehlungen geben die drei Informationsbroschüren zum Notvorrat.

Schweden 2018

Schweiz 1969

Schweiz 2014

Bonus: André Blattmanns Vorrats-Empfehlung

«Unsere Gesellschaft ist sehr verletzlich geworden, und wir sind – ich meine jetzt nicht die Armee – auf neue Risiken nicht wirklich vorbereitet», sagte der damalige Armeechef André Blattmann in einem Interview mit der« Schweiz am Sonntag» im Jahr 2014. Dabei gab er auch preis, wie er auf einen Notfall vorbereitet ist.

Und zwar hat er in seinem Keller 30 bis 40 Sechserpackungen mit Mineralwasser ohne Kohlensäure gelagert. «Dann haben wir noch eine Wasserzisterne und ein Cheminée mitsamt Holz – denn die Heizung würde bei einem Blackout auch nicht mehr funktionieren.»

Der damalige Armeechef gab den Rat, es ihm gleich zu tun: «Vielleicht müsste man den Leuten sagen: Es ist gut, wenn ihr ein paar Vorräte für den Notfall zu Hause habt. Auch Konservenbüchsen. Das hilft, ein paar Tage zu überbrücken, bis der courant normal wieder hergestellt ist.»

Nach dem Interview musste Blattmann für seine «Übervorsicht» viel Hohn einstecken. 

Die Szenarien

Die drei Broschüren fokussieren sich auf unterschiedliche Gefahren: 

Schweden 2018

Schwedische Broschüre Krieg Vorbereitung

Krieg. bild: ho

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Terroranschlag. bild: ho

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IT-Angriffe. bild: ho

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Unwetterkatastrophe. bild: ho

Schweiz 1969

«Es könnte geschehen, dass in unserer Umgebung ein Krieg ausbricht, der mit Atomwaffen, chemischen oder biologischen Kampfmitteln geführt wird.»

«Es könnte geschehen, dass unser Land, wie in den Jahren 1940-1944, eines Tages von einer einzigen Grossmacht oder einem einzigen Mächteblock umschlossen wäre. Vielleicht gäbe es keinen Krieg, aber unser Land wäre ständigem Druck ausgesetzt.»

«Es könnte geschehen, dass bei einem Krieg in unserer Nähe eine der kämpfenden Parteien, um einen Vorteil über den Gegner zu gewinnen, überraschend durch unser Land durchstossen wollte – eine Gefahr, die für die Schweiz von jeher bestand.»

«Es könnte geschehen, dass unser Land ganz oder teilweise vom Feind besetzt und dass aus dem Untergrund ein Widerstandskampf aufgebaut würde.»

«Es könnte geschehen, dass auch ohne Krieg gewaltige Katastrophen und Gefahren auftreten.»

«Es könnte geschehen, dass unser Land in wirtschaftliche Bedrängnis gerät, weil irgendwo in der Welt ein örtlicher Krieg ausbricht.»

«Es könnte geschehen, dass ein Gegner vielleicht zusammen mit anderen feindseligen Handlungen Bakterien in unser Trinkwasser streuen lässt, so dass schwere Epidemien ausbrechen.»

«Es könnte geschehen, dass die Großmächte einsehen, dass sie mit militärischen Mitteln ihre Ziele nicht erreichen. (...) Es könnte darum geschehen, dass ein Gegner in Friedenszeiten durch Schmeichelei, Propaganda, wirtschaftliche Massnahmen, kulturelle Bearbeitung, Infiltration von Parteigängern schliesslich in Volk und Behörden so viel Einfluss gewinnt, dass sich das Land widerstandslos unterwirft.»

Schweiz 2014

Als mögliche Szenarien werden hier Beispiele aus der früheren Vergangenheit genannt.  

Ein ueber die Fahrbahn gefallener Baum behindert am Sonntag, 26. Dezember 1999 in Bern die Verkehrsteilnehmer. Der orkanartige Sturm Lothar fegte am 26. Dezember 1999 ueber die Schweiz und richtete riesige Schaeden an. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

26. Dezember 1999: Sturm Lothar. Bild: KEYSTONE

ZUR MEDIENKONFERENZ DES KANTONS BERN „10 JAHRE NACH HOCHWASSSER 2005 – BILANZ UND AUSBLICK“ STELLEN WIR IHNEN AM MONTAG, 17. AUGUST 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Firemen and civil protection members evacuate the Mattequartier neighborhood in  the old part of the Swiss capital Bern, Switzerland, Monday, August 22, 2005. After several days of continuous rainfall the lowest areas of the Swiss capital city are completely flooded. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

24. August 2005: Rekordhochwasser im Berner Mattequartier. Bild: KEYSTONE

ZUM FEUERWERKSVERBOT FUER DEN ERSTEN AUGUST IM KANTON BERN  STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 23. JULI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Children and their parents burn fireworks, during the Swiss National Day, in Geneva, Switzerland, Monday,  August 1, 2011. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

1. August Jahr für Jahr: Feuerwerkskörper verursachen in der Schweiz jedes Jahr etwa 200 Brände. Bild: KEYSTONE

Die Zeichnungen

Schweden 2018

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Evakuierung in eine Schutzanlage. bild: ho

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Sich via Radio informieren ... bild: ho

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... oder via Smartphone. bild: ho

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Notvorrat anlegen. bild: ho

Schweiz 1969

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Die Gasmaske aufsetzen. bild: ho

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In der Schutzanlage abwarten. bild: ho

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Die Illustration einer Atombombe. bild: ho

Schweiz 2014

In dieser Broschüre wird auf Zeichnungen verzichtet und nur mit Fotos illustriert.

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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Don Alejandro
23.05.2018 07:42registriert August 2015
"Schweden bereitet die Bürger auf Krieg vor..." ist für den simplen Versand einer Informationsbroschüre schon stark übertrieben...
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Olifant
23.05.2018 07:28registriert June 2017
Könnt Ihr noch etwas Hintergrundinfos geben, warum Schweden offenbar ein "geopolitischer Brennpunkt" ist? Danke!
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glointhegreat
23.05.2018 07:49registriert December 2014
Ist das Sommerloch schon wieder da? .... Vielleicht ähneln sich die Informationen weil sie das gleiche Thema beschreiben und die Länder Schweden und Schweiz sind ja jetzt nicht vollkommen verschieden..... wobei ich denke so eine Information wird auch in Burkina-Faso etwa gleich aussehen.
Würden die Regierungen nichts rausgeben wäre es auch wieder nicht recht.
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46

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