DE | FR
International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Das wunderbare Chaos der Khao San – Militärs räumen in Bangkok auf



Die Khao San Road ist natürlich auch nicht mehr das, was sie einmal war. Grell sind die 400 Meter Strasse in der Nähe von Bangkoks altem Königspalast geworden, arg touristisch und an manchen Ecken auch richtig kriminell.

Aber was jetzt mit ihr passiert, hat die Thanon Khao San («Strasse des geschliffenen Reises»), die in den 1980er und 1990er Jahren zur berühmtesten Backpacker-Strasse der Welt wurde, auch nicht verdient.

Mit einer grossen Säuberungsaktion hat die Bangkok Metropolitan Administration (BMA) letzte Woche alle mehr als 200 Strassenhändler von der Khao San vertrieben. Ziel ist, die Strasse künftig komplett von den Ständen frei zu halten, wo es bislang von goldenen Buddhas über gefälschte Sonnenbrillen bis Thai-Food so gut wie alles gab. Noch ist nicht sicher, wie das ausgehen wird. Jedenfalls regt sich unerwartet viel Protest.

epa04447518 Foreign tourist walks past Thai soldiers as they inspect shops as they take action to clean up sidewalk stalls and bring order to the  tourist popular area of Khao San road in Bangkok, Thailand, 15 October 2014. Thai authorities are starting measures to clean up on Khao San road area to reduce chaos and bring them in line with new regulations of the Bangkok Metropolitan Administration (BMA).  EPA/NARONG SANGNAK

Bereits 2014 wurde mit den Aufräumarbeiten begonnen und Polizisten inspizierten die Shops. Bild: EPA/EPA

Zweites Singapur statt Chaos

Das Ganze gehört zu einem Megaplan von Thailands aktueller Militärregierung, die Hauptstadt moderner und sauberer zu machen. Wenn es nach dem Willen der Generäle geht, die nach ihrem jüngsten Putsch jetzt auch schon wieder mehr als vier Jahre an der Macht sind, soll die Zwölf-Millionen-Metropole eine Art zweites Singapur werden, modern, steril, durchreglementiert. Auf jeden Fall: weg mit dem Chaos, das für Bangkok so typisch ist.

Die Händler aus der Khao San könnten nun die neuesten Opfer der grossen Reinemach-Aktion werden. Letztes Jahr hatte die BMA schon damit begonnen, Bangkoks legendäre Strassenküchen zu verjagen, was im Rest der Welt keineswegs gute Schlagzeilen brachte.

So sieht die Strasse nun aus:

Inzwischen haben sich die Köchinnen und Köche einige Meter zurückerobert, aber so wie früher ist es längst nicht mehr. Vor ein paar Monaten wurde dann eines von Bangkoks ältesten Vierteln plattgemacht, Fort Mahakan.

Und jetzt also die Khao San. Oder auch: «Rucksackland», wie der Brite Alex Garland die Strasse 1996 in seinem Bestseller «The Beach» nannte, der Bibel aller Südostasien-Backpacker, von Hollywood dann auch verfilmt.

Zitat: «Beinahe alle Gebäude waren zu Pensionen umgebaut. Es gab klimatisierte Telefonzellen für Auslandsgespräche. In den Cafés zeigten sie brandneue Hollywood-Filme auf Video, und man konnte keine fünf Schritte tun, ohne an einem Stand mit Raubkopie-Kassetten vorbeizukommen.»

Mekka der Rucksack-Touristen

Damals war das die Strasse, wo jeder Rucksack-Urlauber aus den USA, Europa oder sonst woher hinmusste, bevor es weiter ging, meist auf irgendeine Insel. Das Zimmer kostete selten mehr als zehn Franken.

Man konnte sich die Post von zuhause nachschicken lassen, tauschte allerlei Tipps und fand neue Partner für unterwegs. Heute ist fast alles davon weg: die superbilligen Unterkünfte, die Telefonzellen und die Video-Kassetten.

epa05918570 Tourists walk past a clothes shop at the popular backpacker street Khao San road in Bangkok, Thailand, 20 April 2017 (issued 21 April 2017). The Tourism Authority of Thailand (TAT) concludes that a total of at least 695,000 foreign tourists visited Thailand during the Songkran 2017 holiday between 11 to 17 April 2017. These visits are estimated to have generated about 36.941 billion Thai Baht (around 1 billion US dollar) in revenue for the country.  EPA/NARONG SANGNAK

Vorher war die Strasse belebt. Bild: EPA/EPA

Dafür breiteten sich in den vergangenen Jahren immer mehr Massschneidereien, Wechselstuben und Tattoo-Studios aus. Auch McDonalds gibt es längst. Und von früh bis spät wird jetzt auf der Strasse gehandelt: immer noch Schnitzereien von irgendwelchen Bergvölkern, aber auch viel «Made in China».

Ohne Mühe bekommt man hier gefälschte Ausweise. Das Risiko, von einem Taxifahrer übelst betrogen zu werden, ist nirgendwo grösser.

So war das jedenfalls bis zum 1. August. Seit der neuen Verordnung gegen die Händler ist die Strasse tagsüber gähnend leer. Wo bislang Stände waren, warten jetzt Tuk-Tuk-Fahrer gelangweilt auf die nächsten Kunden.

Die Polizisten vom Revier am oberen Ende der Khao San fahren die 400 Meter mit ihren Motorrädern regelmässig auf und ab. Wenn sie doch noch einen der Händler erwischen, kostet das 2000 Baht (etwa 60 Franken). Hier ist das sehr viel Geld.

Khao San verliert Charakter

Die Strassenhändler wollen sich das allerdings nicht gefallen lassen. Mehrere Dutzend haben angekündigt, Widerstand zu leisten, was eher untypisch ist.

Wortführerin Yada Pornpetrumpa sagt: «Wir haben mit dafür gesorgt, dass diese Strasse über 30 Jahre hinweg zu einem von Bangkoks Markenzeichen geworden ist. Und jetzt hört uns nicht einmal jemand zu.»

Andere drohen damit, dass es «krachen» werde. Bangkoks Vize-Gouverneur Sakoltee Phattiyakul bekräftigte trotzdem, dass die neuen Regeln «strikt umgesetzt» würden.

Hinter den Kulissen wird nun nach einer Lösung gesucht, die beide Seiten zufrieden stellt. Vorübergehend sollen auf der Khao San zwischen 18 und 24 Uhr wieder Stände aufgestellt werden dürfen, allerdings nur an genau bezeichneten Stellen. Zufrieden sind die Händler damit nicht.

Ach dieser Instagram-User zeigt eine leere Strasse:

Eine der Verkäuferinnen sagt: «Wir wollen kein Nachtmarkt sein. Wenn das so bleibt, ist die Strasse tot. Ich mache nicht einmal mehr die Hälfte meines Umsatzes.»

Auch vielen Touristen gefällt die plötzliche Stille nicht. Der 36-jährige Andreas Klöthe aus Köln, der zum ersten Mal hier ist, sagt: «Wenn die meinen, dass Urlauber so was mögen, dann täuschen sie sich.»

So sieht das auch der 82 Jahre alte Südafrikaner Claude, der die Khao San schon Anfang der 1990er erlebt hat: «Das ist jetzt schon nicht mehr so schön, wie es einmal war. Aber wenn auch noch die Strassenstände weg sind, fehlt, was Bangkok ausmacht und das Leben auch: dieses wunderbare Chaos.» (sda/dpa)

Chile schränkt Zugang zur Osterinsel ein

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Dieser Februar war trotz Eistagen zu warm

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Dieses Video ist nichts für schwache Nerven: Boa constrictor beisst Touristin in Thailand

Bei einer Schlangenshow für Touristen in Thailand hat eine Boa constrictor eine Besucherin in die Nase gebissen. Die Zuschauer schrien entsetzt, als das meterlange Tier sich in der Nase der Chinesin festbiss, wie ein Video des Zwischenfalls auf YouTube zeigt.

Der Trainer brauchte am Wochenende einige Sekunden, um die Nase der Frau aus den Fängen zu befreien. Boa constrictor sind nicht giftig. Die Wunde musste im Spital mit fünf Stichen genäht werden, wie eine Sprecherin des …

Artikel lesen
Link zum Artikel