International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kampuschs Kampf um Kontrolle – eine Frau, die nie wieder Opfer sein will



ZUM 10. JAHRESTAG DES WIEDERAUFTAUCHENS VON NATASCHA KAMPUSCH AM 23. AUGUST 2016 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - epa03588719 Austrian Natascha Kampusch appears on the ARD television talk show 'Guenther Jauch' at the Gasometer in Berlin, Germany, 17 February 2013. The show's topic was 'Kidnapped and abused - How successful is life afterwards?'. In March 1998, Kampusch was abducted at the age of ten, and was held captive in a cellar for eight and a half years. She managed to escape from captivity on 23 August 2006.  EPA/PAUL ZINKEN

Natascha Kampusch. (Archivbild, 2013) Bild: EPA

Da sitzt sie, diese Natascha Kampusch. Die 28-Jährige trägt ein schlichtes, schönes schwarzes Kleid, darüber eine weisse Baumwolljacke. Sie ist stets ruhig, denkt erst sorgfältig nach, bevor sie spricht, und wenn sie dann etwas sagt, drückt sie sich gewählt aus. Diese Frau will die Kontrolle behalten – die ihr das Schicksal über acht Jahre verwehrt hat.

Auch bei «Markus Lanz», in dessen Talkshow die Österreicherin mit ihrer Mutter geladen war. Die Wienerin, die als Zehnjährige Wolfgang Priklopil in die Hände fiel, will nie mehr Opfer sein. Die Zügel behält sie in der Hand – was sich an dem Haus ihres Entführers zeigt, das Kampusch immer noch zwei Mal monatlich besucht. Es wurde ihr als Priklopils einziger Besitz überschrieben.

ZUM 10. JAHRESTAG DES WIEDERAUFTAUCHENS VON NATASCHA KAMPUSCH AM 23. AUGUST 2016 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - A police photo of Austrian, Wolfgang Priklopil, is presented during a police press conference in Vienna, Austria, Wednesday Aug. 23, 2006. The 44-year old technician committed suicide Wednesday after the girl he allegedly held in captivity for more than eight years managed to escape earlier. Natascha Kampusch, then aged 10, had vanished in Vienna on her way to school on March 2, 1998. (AP Photo/Hans Punz)

Der Täter Wolfgang Priklopil nahm sich das Leben. Bild: AP

Sie hat es nicht zu dem Schmerzensgeld gemacht, das ihr zusteht. «Es war nicht so leicht, Käufer dafür zu finden», sagt sie erst. Dann sagt sie, sie habe Angst vor Käufern, die Prikopil bewundern. Kurz darauf versichert sie, dass sie es sofort abgeben würde, wenn es eine «passende Möglichkeit geben sollte». Und etwas später betont sie, dass es ihr wichtig sei, dort hingehen zu können: «Da ich mich jahrelang dort aufhielt, und es wäre sicher demütigend, jemanden bitten zu müssen.»

Selbst die Einrichtung kaum verändert

Nein, die heutige Natascha Kampusch lässt die Zügel nicht mehr so schnell los. Aber wie fühlt sie sich denn bloss in diesem Haus, dessen Einrichtung sie kaum verändert hat? Wo im Wohnzimmer beim Steinkamin noch ein Petrol-farbenes Ledersofa neben einer Schnaps-Vitrine steht – unter dunkler Vertäfelung. Nur die wenigen Bücher in der Holzanrichte sorgen für blasse Farbtupfer.

HANDOUT

Kampusch in dem Haus, das zuvor Priklopil gehörte. Bild: APA/ORF

Warum hat sie es nicht renoviert? «Weil das auch sehr viel Geld kostet. Dann hätte ich das auch alles überwachen müssen.» Stimmt ja, nicht die Kontrolle verlieren! Und wie sieht es in ihrem Herzen aus in diesem Gruselkabinett in Wien? Sie gehe dort «meistens halt mit Unbehagen» hin. Sie spricht über Gefühle, gibt aber nicht preis, was tief in ihrer Seele geschieht. Das klingt dann so: «Ich fühle mich dann nicht sehr wohl. Es ist zwar nur ein Haus, also eine Sache, aber es ist unangenehm.»

Natascha Kampusch am Mittwoch, 17. August 2016, anlaesslich der Buchpraesentation

Kampusch mit ihrem Buch «Zehn Jahre Freiheit». Bild: APA

Weil es für die Behörden ein «ungenehmigter Hohlraum» war, hat sie das Loch im Keller, in dem sie hauste, zuschütten lassen. Heute sei es ein «befreiendes Erlebnis, das Ganze von aussen zu betrachten». Sie hat sich mit ihrem Schicksal konfrontiert, sie hat das Haus «besetzt»: Natascha Kampusch will Herrin der Lage sein.

Kampuschs Mutter ist das komplette Gegenteil

Kampuschs Mutter Brigitte Sirny ist das genaue Gegenteil. Für sie gebe es den Ort des Verbrechens gar nicht mehr. «Ich habe ihn von der Landkarte gestrichen.» Das Buch ihrer Tochter, «Zehn Jahre Freiheit», habe sie nicht lesen können – zu schmerzvoll. 

Nach der Befreiung sehen sich Mutter und Tochter vorerst nicht sehr häufig. Natascha wird in einer psychiatrischen Einrichtung behandelt. Für das Opfer in dieser Tragödie war die Wiederkehr in den Schoss der Gesellschaft eine «Überforderung».«Ich stand unter Schock.» Wer würde das nicht? Die Mutter sucht die Nähe zu ihrer verlorenen Tochter. Doch die muss sich selber suchen und weist Brigitte zurück. Die Familie brauchte Zeit, einander wiederzufinden.

Ihre bestimmte Art und ein TV-Interview 2006 werden als «zu stark» bewertet: Weil Natascha nicht das Opfer spielen will, fangen Medien an zu spekulieren. Kampusch wird unterstellt, sie habe ihre Gefangenschaft begünstigt, sei Priklopil nahe gewesen. Die Wienerin taucht ab. «Ich wollte nicht, dass etwas über mich berichtet wird, was nicht der Wahrheit entspricht.» Die junge Frau muss lernen, dass es auch in der Welt da draussen falsche Fünfziger gibt.

Heute ist ihre Odyssee «in den Hintergrund getreten». «Es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Leider», sagt Kampusch.

Sie macht nun eine Ausbildung, will studieren. Den Staat, der Hinweise übersah und ihr Leiden begünstigt hat, will sie nicht verklagen. Sie hatte darüber nachgedacht, aber dann gab es «unvorhergesehene Anfeindungen und Anklagen», sagt die junge Frau. Und der Staat wolle keinen Präzedenzfall schaffen. 

Das braucht diese starke Frau auch nicht. Sie schafft sich ihren eigenen.

Das könnte dich auch interessieren:

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

Link zum Artikel

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

167
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

98
Link zum Artikel

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

84
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

139
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

48
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

107
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

48
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

341
Link zum Artikel

Das Drama um Klein-Anna: Trennungsschmerz on fleek

167
Link zum Artikel

So würde das Parlament aussehen, wenn nur die Romands wählen würden

98
Link zum Artikel

Die Reaktionen auf Fox News legen eine schonungslose Wahrheit über das Impeachment offen

84
Link zum Artikel

Das will die Mikrosteuer-Intiative – das Wichtigste in 5 Punkten

139
Link zum Artikel

Katze zu fett für die Passagier-Kabine im Flugzeug – Besitzer trickst Airline aus

48
Link zum Artikel

Kritik an Federer-Fans wegen Applaus bei Doppelfehlern: «Das hat Djokovic nicht verdient»

31
Link zum Artikel

Picdump. Spass. Jetzt.

220
Link zum Artikel

Darum macht sich Christian Levrat keine Sorgen wegen den erstarkten Grünen

35
Link zum Artikel

Diese 17-Jährige bezwingt die AfD. Eine Vorweihnachts-Geschichte, die ans Herz geht

107
Link zum Artikel

Heute kochen wir einen französischen Dreigänger. Weil Herbst. Und weil geil.

48
Link zum Artikel

«Ein Asiate in Hausschuhen? Das gibt Ärger!» – der Chef hat ein Finken-Problem

72
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

17
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sherlock Holmz 27.08.2016 12:12
    Highlight Highlight Die Erwartungen von Medien und der Gesellschaft: Emotionen, Drama und ein Mensch dem es schlechter geht, das ist eine Story. Dass Kampusch Kontrolle haben möchte in dieser Situation sollte doch mehr als selbstverständlich sein-aber ja die heuchlerische Gesellschaft weiß wie sie es besser hätte machen können...sie bleibt so auf diese Weise ein Opfer, so wie wir alle....
  • Martiis 26.08.2016 09:44
    Highlight Highlight Interessant ist, dass z.T. dieselben, die Kampusch als geld-/mediengeil usw. verurteilen, für Amokläufer, die früher gemobbt wurden umso mehr Verständnis zeigen.
    • Karl Marx 26.08.2016 12:37
      Highlight Highlight Kennst du solche Leute oder ist das jetzt einfach irgendeine Behauptung?
    • Martiis 26.08.2016 13:27
      Highlight Highlight Also die Person, die diesen Kommentar zu Kampusch schrieb, hat zumindest den Täter von Salez verteidigt, weil Mobbing auf derselben Stufe wie Amok stehe. Aber nach 8 Jahren im Keller ein Buch schreiben und Geld mit seiner Geschichte verdienen ist scheinbar verwerflich.

      20.03.2016 17:06
      Ach kommt. Rendel : Sie sucht doch immer die Öffentlichkeit. Ob mit ihrer Talkshow, ihrer Autobiographie oder der Verfilmung davon. Sie will doch keine Ruhe und immer wieder im Mittelpunkt stehen. Und es wollen sich ja nicht nur Dritte mit der Story bereichern, sondern eben auch sie selbst.





    • Martiis 26.08.2016 13:34
      Highlight Highlight Hier der Kommentar zu Amomläufern von derselben Person.
      22.08.2016 00:35
      2/2
      (...) Mobbing und Amok gehört nunmal auf die selbe Ebene und man sollte sich fragen, warum es in unserer Gesellschaft für gewisse Menschen nur am äussersten Rande ein mikriges Plätzchen hat (z.B bei "schlechtem Aussehen" Behinderungen uvm).
      Die Amokläufer zu befluchen ist zu simpel und nicht lösungsorientiert. Aber wer braucht schon Lösungen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Slowslam 26.08.2016 08:44
    Highlight Highlight 10 Jahre oder mehr ists nun her, die Frau weiss aus ihrer Geschichte Kapital zu schlagen, ein schweres Los das Sie gezogen hat, aber trotzdem: ich kann ihr gesicht nicht mehr sehen und das geheule nimmer hören...
    • KTE 26.08.2016 09:15
      Highlight Highlight Geheule? Ernsthaft? Deinen Kommentar finde ich absolut unverständlich und schwach. Vor allem zwingt dich niemand solche Artikel zu lesen.
      Daher; einfach mal die Kresse halten!
      Benutzer Bild
    • Slowslam 26.08.2016 09:54
      Highlight Highlight Kommentar funktionen sind für Kommentare da, auch für solche die Dir nich zu passen scheinen. Darf denn hier nur geschrieben werden was mit deiner Meinung einhergeht? Muss echt ne freude sein mit dir in real zu diskutieren -.-
    • Slowslam 26.08.2016 09:57
      Highlight Highlight Und btw: hat dich auch niemand gezwungen mein kommentar zu lesen, kannst das grün somit gerne selber halten...
    Weitere Antworten anzeigen
  • FuriousPete 26.08.2016 08:24
    Highlight Highlight Wenn sie nie wieder Opfer sein will, was ist dann der Sinn dieser Auftritte? Ich denke sie fühlt sich durchaus wohl in dieser Opferrolle, mit ganz viel Aufmerksamkeit. Würde sie abschliessen wollen, hätte sie sich längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
    • Saraina 26.08.2016 08:37
      Highlight Highlight Vielleicht ist sie ein Mensch, der gerne Beachtung findet. Das ist weder verboten noch unmoralisch. Sie ist auch durchaus eine interessante und starke Persönlichkeit, die viel nachdenkt. Sie scheint immer noch ihren Platz im Leben zu suchen. Aber dass sie sich deswegen in einer Opferrolle wohlfühle, ist eine sehr boshafte Unterstellung. Wieso sollen Opfer still im verborgenen leiden? Weil uns das weniger stört?
    • Calvin Whatison 26.08.2016 08:41
      Highlight Highlight yes , was ich jetzt gelesen habe, hab ich vor sicher einem halben Jahr in einer Doku des ORF gesehen.
      Sorry, entweder ist es die Aufmerksamkeit, die ihr gefällt, oder dann geht's halt um den Stutz.
    • Martiis 26.08.2016 19:38
      Highlight Highlight Und wo ist das Problem, wenns ihr um den Stutz geht? Sie hat sich ihr Schicksal ja nicht ausgesucht. Und wenn sie durch die Entführung schon um eine normale Schulzeit/Ausbildung überhaupt um ein normales Leben gebracht wurde, soll sie doch jetzt wenigstens das Recht haben Stutz mit ihrer Geschichte zu machen. Wird ja niemand gezwungen ihr Buch zu kaufen oder Interviews mit ihr zu lesen/schauen.

Carola Rackete im SRF «Club» – die 3 wichtigsten Aussagen

Carola Rackete erlangte über Nacht Bekanntheit, weil sie das Rettungsschiff «Sea-Watch 3» mit 53 Flüchtlingen an Bord trotz Verbot in den Hafen von Lampedusa steuerte. Jetzt äusserte sie sich im SRF-«Club» zum Thema soziale Gerechtigkeit.

Im Juni 2019 irrte das Flüchtlingsschiff «Sea-Watch 3» im Mittelmeer umher. An Board befanden sich 53 Flüchtlinge, die von der Besatzung aus dem Mittelmeer gerettet wurden. Darunter befanden sich auch Kinder. Das Problem: Kein Land wollte das Schiff in einen Hafen einlaufen lassen – und das Ärzteteam an Board war über den Gesundheitszustand der Flüchtlinge besorgt. Die Kapitänin – die deutsche Carola Rackete – entschied sich dafür, im Hafen von Lampedusa anzulegen.

Die italienische Regierung …

Artikel lesen
Link zum Artikel