DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Trump zieht Truppen aus Syrien zurück – Erdogan schickt Panzer und Granatwerfer an Grenze



epa07242840 (FILE) - US Defense Secretary James Mattis (C) listens to President Donald J. Trump (R) speaking to the media before meeting with senior military advisors in the Cabinet Room of the White House in Washington, DC, USA, 23 October 2018 (re-issued 20 December 2018). Media reports on 20 December 2018 state that US Secretary of Defense James Mattis is retiring at the end of February 2019 citing the announcment from a tweet by US President Donald J. Trump.  EPA/JIM LO SCALZO

James Mattis und Donald Trump, dieses Bild gehört der Vergangenheit an. Bild: EPA/EPA

US-Verteidigungsminister Mattis kündigte aus Protest gegen Trumps Kurs seinen Rücktritt an. Nun löst der US-Präsident den Ressortchef deutlich eher ab als geplant. Der Befehl zum umstrittenen Truppenabzug aus Syrien ist indes nach Medienberichten unterzeichnet.

US-Präsident Donald Trump will Verteidigungsminister James Mattis früher als bisher geplant austauschen, nachdem dieser wegen Meinungsverschiedenheiten mit ihm seinen Rückzug angekündigt hatte. Trump verkündete am Sonntag auf Twitter, der bisherige Vize-Verteidigungsminister, Patrick Shanahan, werde ab 1. Januar die Führung des Ressorts übernehmen.

Der Auslöser des Streits, der umstrittene Abzug amerikanischer Soldaten aus Syrien, ist inzwischen nach Medienberichten offiziell angeordnet worden. In der Nacht zum Montag feierte Trump die bevorstehende Heimkehr der US-Soldaten auf Twitter.

Truppenabzug offiziell unterzeichnet

Unter Berufung auf Quellen im Pentagon berichtete der Sender CNN am Sonntagabend, der Befehl zum Truppenabzug aus Syrien sei inzwischen offiziell unterzeichnet worden. Unterschrieben habe das Dokument der scheidende Minister Mattis persönlich, hiess es unter Berufung auf die namentlich nicht genannten Quellen. Details zum Ablauf des Abzugs der über 2000 Soldaten, wie etwa ein Zeitplan, wurden nicht genannt.

Erdogan verstärkt Truppen an Grenze

Die Türkei hat ihre Truppen an der Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien verstärkt, obwohl sie zuvor eine geplante Offensive im Nachbarland vorläufig abgesagt hatte. Ein Konvoi mit Panzern und Granatwerfern erreichte in der Nacht zu Montag den türkischen Grenzort Kilis.

Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Auf der syrischen Seite seien pro-türkische Rebellen in Richtung der kurdisch kontrollierten Stadt Manbidsch vorgerückt. (sda/dpa)

«Unsere Truppen kommen nach Hause!», twitterte Trump. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe ihm versichert, schrieb Trump, dass er «alles, was vom IS noch übrig ist, auslöschen wird ... und er ist ein Mann, der das tun kann, zudem ist die Türkei direkt ‹nebenan›».

Mattis hatte eigentlich erst Ende Februar abtreten wollen, um den Übergang geordnet zu regeln. Er hatte seinen Rückzug kurz nach Trumps umstrittener Entscheidung für dem Truppenabzug aus Syrien angekündigt. Aus Protest gegen den Syrien-Entschluss erklärte auch der US-Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, seinen vorzeitigen Rücktritt.

U.S. President Barack Obama (R) meets with Special Presidential Envoy for the Global Coalition to counter the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) United States Marine Corps (USMC) General John Allen (C) and Deputy Special Presidential Envoy Brett McGurk (L) in the Oval Office of the White House in Washington September 16, 2014.   REUTERS/Gary Cameron    (UNITED STATES - Tags: POLITICS MILITARY)

Brett McGurk wurde noch von Obama eingesetzt. Bild: X00044

Harte Kritik aus In- und Ausland

Trump hatte vergangene Woche angekündigt, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen - mit der Begründung, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sei dort besiegt. Der Entschluss stiess national wie international auf grosses Unverständnis. Am Sonntag kritisierte auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron den Schritt und mahnte: «Ein Verbündeter ist es sich schuldig, verlässlich zu sein.»

Trump soll die Entscheidung gegen den Rat wichtiger Kabinettsmitglieder gefasst haben, auch gegen den Rat von Mattis. Experten mahnen, der IS sei keineswegs besiegt und ein Abzug habe fatale Folgen. Auch in Trumps eigener Partei löste der Entschluss Empörung und Besorgnis aus.

Der Krieg in Syrien

1 / 13
Syrien: Der vergessene Krieg
quelle: x03126 / yazan homsy
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Kurz nach der Entscheidung hatte Mattis erklärt, er werde Ende Februar seinen Posten räumen. In einem veröffentlichten Schreiben an Trump begründete er dies mit inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten - unter anderem wegen Trumps Kurs gegenüber Verbündeten. Internationale Partner müssten mit Respekt behandelt werden, mahnte er.

Trump zitiert lobende Worte über sich selbst: «Ich bin sehr stolz auf den Präsidenten. Das ist exakt das, was er versprochen hat und ich denke die Leute stimmen ihm zu. Wir sind zu lange an zu vielen Orten im Krieg gewesen ... und gaben mehrere Billionen Dollar aus.» 

US-Medien berichteten, Trump habe sich sehr über diese öffentliche Protestbekundung geärgert. Am Samstag äusserte sich Trump erstmals öffentlich zu Mattis Rückzug und reagierte für seine Verhältnisse vergleichsweise zurückhaltend auf Mattis' Frontalangriff. Ex-Präsident Barack Obama habe Mattis damals gefeuert, schrieb Trump. «Ich habe ihm eine zweite Chance gegeben.» Er sprach mit Blick auf Mattis von einer «interessanten Beziehung» und widersprach dessen Kritik. «Verbündete sind sehr wichtig, aber nicht, wenn sie die USA ausnutzen», schrieb Trump.

Mit der vorzeitigen Ablösung von Mattis setzte Trump aber doch ein deutliches Zeichen gegen seinen Minister. Dessen Nachfolger Shanahan war früher Manager bei dem Luftfahrtkonzern Boeing und wurde 2017 Vize-Verteidigungsminister.

Trump kritisiert McGurk

Trump äusserte sich auch verächtlich über den Rücktritt von McGurk. Dieser war noch von Obama eingesetzt worden. Trump kommentierte, McGurk hätte ohnehin nur bis Februar auf seinem Posten bleiben sollen und habe nun kurz vorher seinen Rückzug erklärt. Die «Fake-News»-Medien machten eine grosse Sache aus diesem «nichtigen Ereignis». Er kenne McGurk nicht einmal. Führende Akteure der damaligen Obama-Regierung werteten es als Armutszeugnis, dass Trump seinen bedeutenden Sondergesandten nicht kenne.

Der Präsident beklagte sich auch bitterlich über die Kritik an seiner Syrien-Entscheidung. Andere wären für einen solchen Beschluss als Helden gefeiert worden, er dagegen werde von den Medien schwer dafür gerügt, schrieb er.

Zugleich änderte Trump nach der Kritikwelle seine Wortwahl mit Blick auf den IS und schrieb nun, der IS sei «weitgehend» besiegt. Andere Länder in der Region, darunter die Türkei, könnten nun problemlos mit dem fertig werden, was noch von der Terrororganisation übrig sei. Zuvor hatte Trump mehrfach erklärt, der IS sei in Syrien komplett besiegt.

Der Präsident mühte sich, den Eindruck zu zerstreuen, der Entschluss komme überstürzt, unüberlegt und unvorbereitet. Am Sonntag schrieb er bei Twitter, er habe soeben mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über den «langsamen und hoch koordinierten» Abzug von US-Soldaten aus Syrien gesprochen. (sda/dpa)

Russischer Föderationsrat: Truppen in Syrien bleiben vorerst

Ungeachtet des angekündigten Truppenabzugs der USA will Russland die Zahl seiner Soldaten in Syrien vorerst unverändert lassen. «Der Abzug unserer Fachleute hängt überhaupt nicht mit der Entscheidung der USA zusammen», sagte die Vorsitzende des Föderationsrates in Moskau, Valentina Matwijenko, am Montag laut russischen Medien.

«Ob die Soldaten komplett oder zum Teil abgezogen werden, darüber wird von der syrischen Regierung mit uns zusammen entschieden.»

Die Entscheidung Washingtons sei absolut richtig, sagte die Chefin des russischen Oberhauses. Matwijenko verwies darauf, dass US-Soldaten ohne internationales Mandat in Syrien seien. Das russische Militär sei im Gegensatz zur USA auf Einladung der syrischen Regierung im Einsatz. (sda/dpa)​

Warum erscheint Trump, wenn ich «Idiot» suche?

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Genf im Ausnahmezustand: 11 Beobachtungen in der Hochsicherheitszone

Ein verrückter Tag für alle Anwesenden. Ob Journalistin, Anwohner, Schulkind, Flughafenmitarbeiter, Bistro-Barista: Wer am Mittwoch in Genf unterwegs war, sah zwar nicht viel vom Gipfeltreffen und wurde doch Zeugin eines historischen Tags.

Genf ist sich internationalen Besuch gewohnt. Seit der Gründung des internationalen Komitees vom roten Kreuz (IKRK) im Jahr 1863 entwickelte sich die Stadt am Lac Leman zu einem wichtigen Ort für internationale Konferenzen und Friedensgespräche. Heute ist sie der europäische Hauptsitz der Vereinten Nationen, beherbergt rund 40 internationale Organisationen, fast 700 NGOs und Dutzende diplomatische Missionen. Doch so etwas hat die Stadt noch nie gesehen.

Für das Gipfeltreffen zwischen …

Artikel lesen
Link zum Artikel