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Hunter Biden: Die dicke Skandalakte des Sohns von US-Präsident Joe Biden

FILE - President Joe Biden's son Hunter Biden leaves after a court appearance, Wednesday, July 26, 2023, in Wilmington, Del. Attorney General Merrick Garland announced Friday, Aug. 11, he has app ...
Hunter Biden ist kein Kind von Traurigkeit. Bild: keystone

Hunter Biden wurde angeklagt – das ist seine dicke Skandalakte

Der Sohn von US-Präsident Joe Biden, Hunter Biden, wurde angeklagt, weil er bei einem Waffenkauf mutmasslich falsche Angaben gemacht hatte. Doch das Negativ-Aushängeschild der Familie Biden hat eine weitaus dickere Akte an Skandalen – und Schicksalsschlägen.
15.09.2023, 18:48
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Hunter Biden hat Abschlüsse von den renommierten US-Universitäten Georgetown und Yale, ist Rechtsanwalt, Finanzmanager, Wirtschaftslobbyist – und Sohn des mächtigsten Mannes der Welt. Doch Hunter Biden ist auch das Familienmitglied der Bidens, das die meisten Negativschlagzeilen schreibt. Drogenabhängigkeit, dubiose Geschäfte, Steuersünden – der 53-Jährige liess wenig aus. Eine Übersicht zu den Makeln im Leben von Hunter Biden gibt es hier:

Darum ist Hunter Biden aktuell angeklagt

Beleuchten wir zuerst kurz den aktuellen Fall, der Hunter Biden ins Fadenkreuz der US-Justiz gebracht und ihm eine Anklage im Bundesstaat Delaware eingebrockt hat. Es geht um einen Waffenkauf, den er vor einigen Jahren getätigt hatte. Dabei soll er wissentlich falsche Angaben gemacht und unter anderem seine Drogensucht verschwiegen haben (siehe nächsten Punkt).

Der Besitz einer Waffe, während man regelmässig Drogen konsumiert, kumuliert mit den Falschaussagen, kann in den USA mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Diese dürften Hunter aber kaum drohen, die Staatsanwaltschaft Delawares hat bereits erklärt, dass bei solchen Vergehen selten die Höchststrafe ausgesprochen wird. Dennoch liegt eine Haftstrafe im Bereich des Möglichen, ein Deal Hunters mit dem Staatsanwalt vor der Anklage mit Aussicht auf eine Bewährungsstrafe ist geplatzt.

Hunters Drogensucht

Hunter Biden war jahrelang drogenabhängig. In seiner 2021 erschienenen Autobiografie «Beautiful Things» sprach er selbst ausführlich über seine Sucht. Besonders Crack, eine chemisch veränderte Version von Kokain, die geraucht wird, und dem Alkohol war er über lange Zeit verfallen.

In der Biografie erzählt Biden offen von tagelangen Drogen- und Alkoholtrips, gescheiterten Aufenthalten in Entzugskliniken, die er oft nur auf Wunsch seiner Familie überhaupt in Angriff nahm, wie er obdachlose Dealer bei sich hausen liess und wie er in heruntergekommenen Motels in Los Angeles selber Crack aufbereitete.

Über die Gründe für Bidens Abrutschen in den Drogensumpf und weshalb er jahrelang darin steckenblieb, gibt es verschiedene Spekulationen. Fakt ist, dass Hunter Biden in seinem Leben zahlreiche Schicksalsschläge zu verkraften hatte. Als Baby, gerade einmal zwei Jahre alt, starben seine Mutter Neilia, Joe Bidens erste Ehefrau, und seine Schwester Naomi bei einem Autounfall. Hunter und sein ein Jahr älterer Bruder Beau überlebten schwer verletzt.

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Der Tod von Bruder Beau stürzte Hunter Biden noch tiefer in die Krise.Bild: www.imago-images.de

Während seiner Schul- und Universitätszeit wurde er gemobbt, besonders die Jahre in Georgetown sollen schlimm gewesen sein. 2015 erlag Bruder Beau einem Hirntumor. Zu diesem pflegte Hunter eine innige Beziehung, Beau war für ihn eine Stütze, ein Vorbild, jemand, der ihm den Rücken freihielt, schon zu Schulzeiten.

Obwohl Hunter den krankheitsbedingten Tod seines Bruders auch in seiner Biografie nicht als Grund für seine Eskapaden zu jener Zeit nennt, scheint es, als ob der damals 45-Jährige zeitgleich den Tiefpunkt erreicht hatte – und seine Drogenexzesse gleichzeitig den Gipfel.

Heute ist Hunter Biden nach eigenen Aussagen seit mehreren Jahren clean.

Hunters gescheiterte Militärkarriere

Eine potenzielle Militärkarriere fiel ebenfalls Hunters Hang zu Drogen zum Opfer. 2013 wollte der damals 43-Jährige der US-Marine beitreten und legte, vor seinem Vater, den Amtseid ab. Doch am ersten Tag seines Dienstes fiel ein Drogentest positiv auf Kokain aus – Hunter wurde umgehend wieder entlassen.

Hunters fragwürdiger Job in der Ukraine

Ein Kapitel aus Hunter Bidens Leben, das auch politisch hohe Wellen warf, war seine Anstellung als Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma. Dieser ist der grösste private Gasförderer der Ukraine. Biden sass ab 2014 im Verwaltungsrat der Firma, wo ein zusätzlicher Sitz für ihn geschaffen wurde.

Fragwürdig war diese Ernennung aus mehreren Gründen: Biden brachte kaum Erfahrung mit, die eine Anstellung aus beruflicher Sicht glaubwürdig gemacht hätten, zudem lag die Militärgeschichte noch nicht lange zurück. Biden soll auf seinem Posten rund 50'000 US-Dollar monatlich kassiert haben.

President Joe Biden attends his granddaughter Maisy Biden's commencement ceremony with first lady Jill Biden and children Hunter Biden and Ashley Biden at the University of Pennsylvania in Philad ...
Die Bidens: US-Präsident Joe, First Lady Jill, Hunter und seine Halbschwester Ashley. Bild: keystone

Rasch kamen – vor allem von republikanischer Seite – Vorwürfe bezüglich Korruption und Vetternwirtschaft auf. Burisma wurde vorgehalten, mit der Anstellung Lobbyarbeit in Washington zu betreiben und eine bevorzugte Behandlung durch die US-Regierung erreichen zu wollen. Damals war Joe Biden Vize- und Barack Obama US-Präsident. Die Angelegenheit fiel in eine politisch besonders heikle Zeit: Die Ukraine-Krise war in vollem Gang und nur kurz zuvor hatte Russland die Krim annektiert. Hunter Biden trat 2019 von seinem Burisma-Posten zurück, noch bevor sein Vater für die Präsidentschaftswahl kandidierte.

2019 sorgte die Geschichte um Hunter Bidens Ukraine-Anstellung für das erste Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen US-Präsidenten Donald Trump: Dieser soll den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Telefonat nachdrücklich gedrängt haben, Ermittlungen gegen Hunter und Joe Biden aufzunehmen. Trump wurde Machtmissbrauch und die versuchte Beeinflussung des Wahlkampfes vorgeworfen, die Demokraten lancierten deshalb ein (letztlich erfolgloses) Amtsenthebungsverfahren gegen ihn.

Hunters dubiose Geschäfte mit China

Ein weiteres Kapitel aus Hunter Bidens Leben, das für Fragezeichen sorgt, sind seine Geschäftsbeziehungen mit der chinesischen Firma CEFC, einem grossen Öl- und Gasunternehmen. Diese Deals waren für den Präsidentensohn äusserst lukrativ. Ab 2017 sollen er und sein Onkel James Biden 4,8 Millionen US-Dollar erhalten haben, die an von den Bidens kontrollierte Firmen ausbezahlt wurden.

Was genau Hunter Biden als Gegenleistung für das Geld lieferte, ist nicht klar. «Nachgewiesen» sind Beratungs- und rechtliche Mandate für zwei hochrangige Mitarbeiter der chinesischen Firma, Ye Jianming und Patrick Ho. Beide gerieten später ins Visier der chinesischen und US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden. Ho wurde wegen Bestechung und Geldwäsche in den USA zu drei Jahren Haft verurteilt, Ye wurde 2018 in China, angeblich wegen «Wirtschaftsverbrechen», festgenommen und seither nicht mehr gesehen.

Die «Washington Post» hat die Deals von Hunter und seinem Onkel James Biden genau unter die Lupe genommen – den detaillierten Bericht gibt es hier.

Hunters Steuervergehen

Gegenwärtig ist Hunter Biden nicht nur wegen des erwähnten Waffenkaufs im Visier der Justiz, sondern auch in Steuerangelegenheiten wird gegen ihn ermittelt. So soll der 53-Jährige seine Einkommenssteuer in den Jahren 2017 und 2018 zu spät oder gar nicht bezahlt haben. Zwar wurde eine mögliche Anklage im August vorerst von einer Bundesrichterin in Delaware abgewiesen, doch aufgrund des geplatzten Deals mit der Staatsanwaltschaft ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich Biden erneut wegen seiner mutmasslichen Steuersünden verantworten muss.

Eine ganze Reihe weiterer Vorfälle aus dem Privatleben

Derweil sorgten auch Hunter Bidens Eskapaden in seinem Privatleben immer wieder für Schlagzeilen. Regelmässig tauchten Berichte, Bilder und Videos von den Exzessen des Präsidentensohns auf. Dabei geht es häufig um Drogenkonsum, auch mal bei horrendem Tempo hinter dem Steuer eines Autos, oder Sex mit Prostituierten. Hier zwei Beispiele aus den vergangenen Jahren:

Und wie steht eigentlich Joe Biden zu seinem Sohn?

Hunter Bidens chaotisches Leben fällt unweigerlich auf seinen Vater zurück, einerseits aufgrund der persönlichen Betroffenheit, andererseits, weil es politisch Angriffsfläche bietet. Donald Trump und Konsorten nahmen und nehmen Joe Biden seit Jahren wegen der Machenschaften seines Sohnes ins Visier. Doch dieser wusste bisher geschickt damit umzugehen und politischen Schaden weitestgehend abzuwenden.

Das Image der Bidens mag zwar Kratzer abbekommen, doch insbesondere der Umgang des Clans mit Hunters Drogensucht sorgt auch für Sympathiewerte. Die Familie und speziell sein Vater stärkten Hunter immer wieder demonstrativ den Rücken und bekräftigten, ihn nicht im Stich zu lassen – womit Joe Biden das Narrativ des trotz allem fürsorglichen und warmherzigen (Landes-)Vaters zu pflegen vermochte.

U.S. President Joe Biden speaks during a meeting with Vietnam's President Vo Van Thuong at the Presidential Palace in Hanoi, Vietnam, Monday, Sept. 11, 2023. (Nhac Nguyen/Pool Photo via AP)
Joe Biden muss sich einmal mehr mit den Machenschaften seines Sohns befassen. Bild: keystone

Jüngst sorgten Hunters Verfehlungen aber dennoch für politische Auswirkungen: Die Republikaner um Mehrheitsführer Kevin McCarthy strengen ein Impeachment-Verfahren gegen Joe Biden an. Der Grund: Es gebe glaubhafte Anschuldigungen, dass der Präsident an illegalen Geschäften seines Sohnes beteiligt war – dabei geht es um die besagten China-Deals und die Anstellung in der Ukraine. McCarthy warf mit Worten wie Machtmissbrauch, Verschleierung und Korruption um sich.

Allerdings sind Beweise für eine Beteiligung oder ein Mitwissen Joe Bidens an Hunters dubiosen Geschäften bisher ausgesprochene Mangelware – taucht nicht doch noch etwas wirklich Belastendes auf, wird das Absetzungsverfahren am Präsidenten wohl folgenlos vorbeiziehen. (red.)

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32 Kommentare
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Hoagie
15.09.2023 19:52registriert Oktober 2018
Als Sohn eines einflussreichen Politikers bekommt man leider Posten in Firmen, für die man eigentlich nicht geeignet ist.
George Bush Jr. war auch ein versoffener Taugenichts, der dank Papas Kontakten einen Posten in der Öl-Industrie bekam.
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moderat
15.09.2023 19:40registriert Juni 2022
…und trotzdem wurde er, rein aufgrund seiner Qualifikationen, von Burisma und Chinesischen Firmen in hochbezahlte Posten gehoben? Hat rein nix damit zu tun, dass er diesen Zugang zu seinem Papi, einem einflussreichen Senator und später Vize-Präsident des mächtigsten Landes der Erde, verschaffte?
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Butzdi
15.09.2023 23:14registriert April 2016
Wenn er ein Verbrechen begangen hat, dann anklagen und evtl verurteilen.
Nur dann bitte auch mit Kushner, Ivanka und der restlichen Gedösel gleich verfahren. 685 Millionen $ Einkommen - vorallem von den Chinesen - während man bei Daddy im Weissen Haus arbeitet und danach bekommt man von den Saudis 2 Milliarden hinterhergeworfen? Aber klar, schaut alle auf Hunter…. Super Ablenkung
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