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Ein Jahr nach Charlottesville – Trump und der Rassismus



Ein Jahr sind die tödlichen Proteste von Rechtsextremisten in Charlottesville her, die US-Präsident Donald Trump damals mächtig unter Druck setzten. Zum Jahrestag wollen die Rechten wieder aufmarschieren – diesmal vor dem Weissen Haus in Washington.

FILE - In this Aug. 12, 2017, file photo, people fly into the air as a vehicle drives into a group of protesters demonstrating against a white nationalist rally in Charlottesville, Va. Efforts to take down America’s monuments honoring slain Confederate soldiers and the generals who led them gained explosive momentum following the deadly violence a year ago in Charlottesville. The vehicle plowed into a crowd protesting a gathering of white supremacists whose stated goal was to protect a statue of Gen. Robert E. Lee. (Ryan M. Kelly/The Daily Progress via AP, File)

Vor einem Jahr war ein Auto in eine Menge von Demonstranten in Charlottesville gefahren. Bild: AP/The Daily Progress

Manche Demonstranten trugen Nazi-Flaggen, andere skandierten «Blood and Soil», auf Deutsch lautet der NS-Spruch «Blut und Boden»: Vor einem Jahr marschierten Neonazis und andere Rechtsextremisten in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia auf.

Der gewaltsame Protest wurde tödlich, als ein Rechtsextremist sein Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten steuerte: Die 32-jährige Heather Heyer starb, viele Menschen wurden verletzt. Plötzlich stand die 50'000-Seelen-Stadt Charlottesville stellvertretend für rechte Gewalt in den USA.

Was in Charlottesville geschah:

Umstrittene Aussagen Trumps

Am Jahrestag an diesem Sonntag kommt es nun zur Wiederauflage der Extremisten-Demo – diesmal in Washington. Dann wollen sich mehrere hundert Demonstranten im Lafayette-Park versammeln, gleich vor dem Weissen Haus. Der Hausherr ist nicht da, Präsident Donald Trump weilt ferienhalber in einem seiner Golfresorts.

Ansonsten hätte die Demonstration in Sicht- und Hörweite womöglich unangenehme Erinnerungen bei ihm hervorgerufen: Die Ereignisse von Charlottesville brachten den Präsidenten mächtig unter Druck. Genau genommen brachte sich Trump selber mit Aussagen in die Bredouille. Erst verurteilte er «Hass, Fanatismus und Gewalt auf vielen Seiten» – Distanzierung von Neonazi-Gewalt sieht anders aus.

Mehr Bilder von vor einem Jahr:

Als die Empörung über Tage nicht abebbte, legte Trump noch einmal nach. «Ich denke, dass die Schuld auf beiden Seiten liegt», sagte Trump in einem erhitzten Schlagabtausch mit Reportern in New York. «Sie hatten eine Gruppe auf einer Seite, die schlecht war, und sie hatten eine Gruppe auf der anderen Seite, die auch sehr gewalttätig war.» Es habe auf beiden Seiten auch «sehr gute Menschen» gegeben.

Rechtsextreme, die sich schon mit Trumps Wahlsieg 2016 im Aufwind sahen, fühlten sich von seinen Aussagen zu den Zusammenstössen in Charlottesville ermutigt. «Danke, Präsident Trump, für Ihre Ehrlichkeit und Ihren Mut, die Wahrheit über Charlottesville zu sagen und die linken Terroristen (...) zu verurteilen», schrieb etwa David Duke auf Twitter. Duke war einst führendes Mitglied des rassistischen Ku Klux Klan und ist weiter aktiv in der rechtsextremen Szene.

FILE - In this Aug. 12, 2017 file photo, white nationalist demonstrators, right, clash with a counter demonstrator as he throws a newspaper box at the entrance to Lee Park in Charlottesville, Va. The deadly white nationalist demonstration in Virginia has brought new attention to an anti-fascist movement whose black-clad, bandana-wearing members have been a regular presence at protests around the country in the last year. Members of the antifa movement were among those protesting the Charlottesville rally last weekend. (AP Photo/Steve Helber, File)

Neonazis randalieren während der Demonstration vor einem Jahr. Bild: AP/AP

US-Präsident als Inspiration

Duke soll bei der Demonstration an diesem Sonntag auf der Rednerliste stehen, ebenso wie der bekannte Neonazi Patrick Little. Nazi-Fahnen soll es diesmal nicht geben, die Organisatoren haben dazu aufgerufen, nur Flaggen der USA und der Südstaaten mitzubringen. Besucher sollen zudem «Pfefferspray, Knüppel, Messer oder andere Waffen» zu Hause lassen. Gegendemonstranten rufen zur «Massenmobilisierung» auf.

Der Journalist A.C. Thompson hat für eine Dokumentation des TV-Senders PBS über die Ereignisse auch mit Rechtsextremisten gesprochen. Dem Radiosender NPR sagte er, er habe den Eindruck gewonnen, dass seine Gesprächspartner «von den Kommentaren des Präsidenten inspiriert waren, dass sie das Gefühl hatten, als habe er ihnen zugenickt, ihnen auf den Rücken geklopft».

epaselect epa06141576 People place candles as they gather during a vigil in Charlottesville, Virginia, USA, 12 August 2017. According to media reports at least one person was killed and 19 injured after a car hit a crowd of people counter-protesting the 'Unite the Right' rally which was scheduled to take place in Charlottesville on 12 August. At least 15 others were injured in clashes during protests.  EPA/TASOS KATOPODIS

Eine 32-jährige Frau kam ums Leben. Bild: EPA/EPA

Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center kritisierte zum Jahrestag der Gewalt von Charlottesville: «Das ist Donald Trumps Amerika. Das sind die Kräfte, die er entfesselt hat». Kritiker sahen sich spätestens mit Trumps verharmlosenden Aussagen in ihrem Verdacht bestätigt, dass er heimlich mit dem ganz rechten Spektrum sympathisiert.

«Shithole Countries»

So schürt Trump etwa eine Kampagne gegen Footballstars, die beim Abspielen der Hymne knien, um gegen Polizeigewalt gegen Schwarze zu protestieren. Der Oppositionsabgeordneten Maxine Waters attestierte er einen «niedrigen IQ», die Intelligenz des Basketballstars LeBron James stellte er in Frage, den CNN-Moderator Don Lemon nannte er «den dümmsten Mann im Fernsehen» – alle drei sind Afroamerikaner.

Für internationale Empörung sorgten im Januar angebliche Äusserungen Trumps, der bei einem Treffen mit Senatoren gefragt haben soll, warum die USA so viele Menschen aus «Drecksloch-Staaten» aufnehmen müssten. Trump selber dementierte, dass er von «Shithole Countries» gesprochen habe. Er sah sich dennoch ein weiteres Mal genötigt, den Vorwurf des Rassismus zurückzuweisen. (sda/dpa)

Stadtverwaltung von Charlottesville ruft für Jahrestag Notstand aus

Kurz vor dem Jahrestag der tödlichen Proteste im US-amerikanischen Charlottesville hat die Stadtverwaltung den Notstand ausgerufen. Er gelte ab diesem Freitag um 18 Uhr (Ortszeit) bis zum Montagmorgen, wie die Stadtverwaltung am Mittwoch nach einem Bericht von NBCNews mitteilte. Auch der Bundesstaat Virginia hatte zuvor den Notstand ausgerufen, wie es hiess. Nach der Entscheidung der Stadtverwaltung sind in einem eigens in der Innenstadt eingerichteten Bereich für Demonstranten scharfe Gegenstände, Schlagstöcke, Keulen, Feuerwerk, Rundhölzer, Schusswaffen, Luftgewehre und weitere Waffen verboten. Auch Gesichtsmasken seien nicht erlaubt. (sda/dpa)

Charlottesville: Aufmarsch rassistischer Gruppen eskaliert

Video: srf

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