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Hohe Strafe im Krebs-Prozess – 5 Fragen zum Urteil gegen Monsanto



Es ist ein Urteil, das bahnbrechend sein könnte: Der Agrarchemie-Riese Monsanto muss einem Krebspatienten in den USA wegen verschwiegener Risiken seiner Unkrautvernichter Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe zahlen. So hat es jedenfalls ein Geschworenengericht in Kalifornien angeordnet. Die Jury habe Monsanto klargemacht, dass die «Jahre der Täuschung» vorbei seien, sagte Klägeranwalt Brent Wisner nach der Urteilsverkündung.

epa06942458 (FILE) - The herbicide Roundup, which contains glyphosate, pictured in a garden in Hoechenschwand, Germany, 18 October 2017 (reissued 11 August 2018). Roundup is manufactured by the Monsanto company, a unit of German pharmaceutical company Bayer AG, in St. Louis, USA. Monsanto was ordered to pay 289 million US dollars by San Francisco's Superior Court of California, USA, because of damages to school groundskeeper Dewayne Johnson who alleged the company's glyphosate-based weed-killers, including Roundup, caused him cancer.  EPA/STEFFEN SCHMIDT

Um diesen Unkrautvernichter geht es beim Prozess. Bild: EPA/EPA

Die Entscheidung wurde weltweit mit Spannung erwartet. Denn es handelte sich um den ersten Schadenersatz-Prozess, der sich mit der seit Jahren strittigen Frage befasste, ob Produkte von Monsanto Krebs erregen können. Doch hat die Jury mit ihrem harten Urteil tatsächlich Klarheit in diesem Konflikt geschaffen? Und wird das seit kurzem zum Bayer-Konzern gehörende US-Unternehmen die hohe Strafe am Ende wirklich zahlen? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Um was genau ging es bei dem Prozess?

Geklagt hatte der an Lymphdrüsenkrebs leidende Dewayne «Lee» Johnson, der als Platzwart an kalifornischen Schulen häufig Unkrautvernichter wie Roundup und Ranger Pro von Monsanto verwendete. Der 46-Jährige machte die Produkte, die den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat enthalten, für seine Erkrankung verantwortlich und beschuldigte das Unternehmen aus St.Louis, die Risiken bewusst verschwiegen zu haben.

In this July 9, 2018, file photo, Plaintiff Dewayne Johnson, right, reacts while attorney Brent Wisner, not seen, speaks about his condition during the Monsanto trial in San Francisco. Monsanto is being accused of hiding the dangers of its popular Roundup products. A San Francisco jury on Friday, Aug. 10, 2018, ordered agribusiness giant Monsanto to pay $289 million to a former school groundskeeper dying of cancer, saying the company's popular Roundup weed killer contributed to his disease. The lawsuit brought by Johnson was the first to go to trial among hundreds filed in state and federal courts saying Roundup causes non-Hodgkin's lymphoma, which Monsanto denies. (Josh Edelson/Pool Photo via AP, File)

Er ist der Kläger: Dewayne «Lee» Johnson.  Bild: AP/POOL, AFP

Er hätte Roundup niemals an Schulen eingesetzt, wenn er die Gefahren gekannt hätte, sagte Johnson bei dem rund vierwöchigen Prozess vor Gericht und erhob schwere Vorwürfe an Monsanto. «Es ist unethisch. Es ist falsch. Menschen verdienen so etwas nicht», so der schwer von seinem Krebsleiden gezeichnete Kläger. Johnsons Prozess wurde vorgezogen, weil die Ärzte mit seinem baldigen Tod rechnen.

Wie lautet das Urteil?

Nach nur dreitägigen Beratungen verurteilte die Jury Monsanto am Freitag einstimmig, Johnson Schadenersatz in Höhe von ingesamt 289 Millionen Dollar (254 Mio Euro) zu zahlen.

Für Monsanto, das einen Zusammenhang zwischen Krebs und seinen Produkten abstreitet, ist die Entscheidung eine herbe Schlappe. Die Geschworenen befanden, dass das Unternehmen mit Vorsatz gehandelt habe und bestraft werden müsse.

Welche Bedeutung hat das Urteil?

Alleine in den USA laufen über 4000 weitere ähnliche Klagen gegen Monsanto, für die diese Entscheidung wegweisend sein könnte. Bei Johnson handelte es sich nur um einen Einzelfall, doch weil es das erste Urteil überhaupt war, stand das Verfahren stark im Fokus der Öffentlichkeit. Die harte Strafe könnte deshalb besonders grosse Imageschäden anrichten. Monsantos Ruf ist allerdings ohnehin schon ziemlich ramponiert, die neue Konzernmutter Bayer will den Namen verschwinden lassen, wenn die Übernahme vollzogen ist.

Für die zentrale Streitfrage, ob das Herbizid Glyphosat krebserregend ist, hat das Urteil indes nur begrenzte Aussagekraft. Anders als die Jury im aktuellen Fall zeigt sich etwa der US-Bundesrichter Vince Chhabria, bei dem viele Sammelklagen gebündelt sind, skeptisch, ob die Beweislage einen Zusammenhang wirklich eindeutig belegen kann. Letztlich ist das Urteil im Fall Johnson - so aufsehenerregend es auch sein mag - nur eines von vielen, die noch folgen werden. Und es ist keineswegs klar, wie die anderen Verfahren verlaufen werden.

Wie reagieren Monsanto und Bayer?

Monsanto und Bayer bleiben stramm bei ihrer Verteidigungslinie. Sie verweisen auf «mehr als 800 wissenschaftliche Studien, die US-Umweltbehörde EPA, die Nationalen Gesundheitsinstitute und Aufseher weltweit» die zu dem Schluss gekommen seien, dass Glyphosat sicher sei und es keinen Krebs verursache.

epa06749574 Protesters carry banners during their march against the multinational agrochemical and agricultural biotechnology companies Monsanto and Syngenta in Basel, Switzerland, 19 May 2018.  EPA/GEORGIOS KEFALAS

Im Mai 2018 wurde auch in Basel gegen Monsanto demonstriert. Bild: EPA/KEYSTONE

Dem entgegen steht jedoch insbesondere die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den den Unkrautvernichter 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für Menschen einstufte.

Wird Monsanto die 289 Millionen Dollar bezahlen müssen?

Auch das ist noch nicht klar. Der Saatguthersteller hat bereits angekündigt, Berufung einzulegen und Roundup auch in Zukunft «nachdrücklich verteidigen» zu wollen. Es ist in den USA alles andere als ungewöhnlich, dass die Strafzahlungen bei solchen Verfahren später erheblich verringert oder die Urteile in der nächsten Instanz wieder einkassiert werden.

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson beispielsweise, der wegen angeblich krebserregender Pflegeprodukte mit zahlreichen Klagen konfrontiert ist, wurde schon mehrfach zu spektakulär hohen Schadenersatzsummen verurteilt, die in Berufungsverfahren wieder zurückgenommen wurden. (awp/sda/dpa)

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Crazyscientist 13.08.2018 13:30
    Highlight Highlight Jahrelang hat die US-Justiz Klagen abgewiesen, kaum wurde Monsanto von einer Europäischen Firma übernommen kommen Millionenklagen durch. Es ist immer dasselbe.
  • adritschka 13.08.2018 10:58
    Highlight Highlight 800 wissenschaftliche studien, die die ungefährlichkeit darlegen vs. 1 behauptung, es könnte eventuell krebserregend sein.. eure meinung zu monsanto mal aussen vorgelassen (nehmen wir mal an, es ginge in der sache um starbucks stattdessen), das urteil setzt wissenschaftliche befunde einfach mal in den schatten. erscheint mir ein wenig gefährlich.
    • adritschka 13.08.2018 23:03
      Highlight Highlight die WHO / UN im bericht 2016: (tinyurl.com/zja6l5c):
      - "unlikely to pose a carcinogenic risk to humans"
      - "glyphosate is unlikely to be genotoxic in humans"

      Weiterhin meint die European Food Safety Authority in ihrer Peer-Review (tinyurl.com/hcc8lvg):
      - "evidence does not support classification with regard to its carcinogenic potential"

      der Deutsche Bund meint (tinyurl.com/yd9ce6ab):
      - "data do not show carcinogenic or mutagenic properties of glyphosate"

      Und du willst mir sagen, die Wissenschaftlichkeit wird NICHT aussen vorgelassen?
    • adritschka 13.08.2018 23:22
      Highlight Highlight würden 900 studien die unbedenklichkeit von kaffee aufzeigen&starbucks würde verklagt werden, espresso würde krebs verursachen, dann würdest du dies anders sehen.

      also: glyphosphat blockiert ein enzym des shikimisäure-stoffwechselwegs, der zentral fürs pflanzenwachstum ist (tinyurl.com/ycc7xyay). da ist nichts radikal dran, keine strahlung, nichts dass die DNA der pflanzen, geschweige der menschen ändert (säugetiere haben den shikimiweg zudem nicht). es wird nur die synthese von gewissen proteinabfolgen verhindert. ganz normale enzymhemmung also. kennt man zb. bei alkoholvergiftung

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