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Anthony Weiner bei der Medienkonferenz zu seinem Rücktritt vom Kongress im Juni 2011.
Bild: EPA

Dick-Pics, Lügen und Jesus googeln: Anthony Weiner über das Leben im Auge der Mega-Shitstorms

Der demokratische Ex-Politiker Anthony Weiner musste wegen Sexting-Vorwürfen aus dem Kongress zurücktreten und verlor wegen Nudies auch die Bürgermeisterwahl von New York. Jetzt gab Weiner ausführlich Auskunft über sein Gefühlsleben während der Skandale.
29.03.2016, 15:4101.04.2016, 15:34
Maurice Thiriet
Maurice Thiriet
Chefredaktor
Maurice Thiriet
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Anthony Weiner war ein aufstrebender Stern am Polithimmel der US- Demokraten. Mit 27 wurde er als jüngstes Mitglied in den Stadtrat von New York gewählt, 1999 mit 35 Jahren in den US-Kongress. 

2011 musste der verheiratete Weiner zurücktreten, nachdem er tagelang geleugnet hatte, mit verschiedenen Frauen über unterschiedliche soziale Netzwerke Sexting betrieben zu haben. Aufgeflogen war Weiner, weil er ein Bild von sich in Unterwäsche versehentlich öffentlich an all seine 56'000 Twitter-Follower schickte, statt per Direktnachricht an seine Chatpartnerin. 

Obwohl Weiner nach seinem Rücktritt weiter aussereheliches Sexting betrieb und wusste, dass er dabei Spuren hinterlassen hatte, trat Weiner 2013 zur Wahl um das Bürgermeisteramt von New York an. 

Als erneut explizite Bilder von ihm auftauchten, kündigte sein Wahlkampf-Manager und die Partei entzog ihm die Unterstützung. Er beendete die Kampagne mit lediglich 5 Prozent der Wählerstimmen. 

Nun hat Weiner im Rahmen der Podcast-Reihe «Candidate Confessional» von Huffington Post detailliert über seine Gefühlswelt während der beiden Skandale Auskunft gegeben.

Eines von vielen Bildern, die Wiener an Sexting-Partnerinnen in den ganzen USA verschickt hat.&nbsp;<br data-editable="remove">
Eines von vielen Bildern, die Wiener an Sexting-Partnerinnen in den ganzen USA verschickt hat. 
Bild: AP BigGovernment.com

Insbesondere die Frage, warum er zur Bürgermeisterwahl angetreten sei, obwohl er gewusst habe, dass er auch nach seinem Rücktritt aus dem Kongress 2011 Nacktselfies im Internet gestreut habe. «Ich habe ganz zu Beginn der Kampagne alle Reporter, mit denen ich gesprochen habe, darauf aufmerksam gemacht, dass da noch mehr sei. Ich dachte, das sei klar genug, aber das war es wohl nicht», sagt Weiner. Deswegen sei er zunächst überrascht gewesen, dass die Medien nach Aufbrechen des zweiten Skandals so hart mit ihm ins Gericht gegangen seien. «Ich dachte wirklich, ich hätte zu Beginn der Kampagne genug offen kommuniziert, aber da habe ich mich getäuscht und deswegen verstehe ich es ein Stück weit, dass ich dermassen auseinandergenommen worden bin», sagt Weiner. 

Er habe mit sehr wenigen Personen über seinen Entscheid, zur Bürgermeisterwahl anzutreten, gesprochen. Darunter hauptsächlich mit seiner Frau Huma Abedin, die stellvertretende Stabschefin von Hillary Clinton im Aussenministerium war, derzeit deren Präsidentschaftskampagne leitet und bei einem allfälligen Sieg wohl Stabschefin der Präsidentin wird. 

«Das war alles völlig surreal»

Im Moment, als er während der Bürgermeisterampagne vom Auftauchen weiterer Nacktselfies erfahren habe, sei schwierig gewesen. «Ich erhielt eine E-Mail von Buzzfeed, dessen Reporter die Authentizität der Bilder bestätigt haben wollte. Ich leitete die Mail sofort meinem Kommunikationsberater weiter mit der Frage, wie schlimm er das einschätze. Ich selbst rechnete noch nicht mit dem Schlimmsten, da ich ja zu Beginn der Kampagne darauf hingewiesen habe, dass es noch weitere Bilder gebe», sagt Weiner. 

Seine Gefühlslage in den Medienkampagnen gegen ihn, beschreibt Weiner als «surrealer Eindruck, in der Hauptrolle eines national ausgestrahlten Filmes zu stehen». Er sei zeitweise mehr gegoogelt worden als Jesus Christus, und beim zweiten Mal 2013 habe er es nur noch schlecht ausgehalten, wie sein Ausraster gegenüber einem Kosher-Bäcker vor laufender Kamera gezeigt habe. «Ich bin auseinandergefallen, einfach auseinandergefallen. Natürlich hat der Mann eklige und rassistische Dinge über meine Frau gesagt, aber deswegen hätte ich nicht so reagieren müssen, ich stand einfach zu sehr unter Druck», sagte Weiner. 

Weiner zeigt während des Gesprächs grosses Selbstbewusstsein, insofern als dass er sich als begnadeten Politiker und Campaigner bezeichnet. «Ich liebe es, ich bin einfach wirklich gut darin und deshalb wollte ich es wieder tun», sagt Weiner, der gleichzeitig auch skeptisch ist, ob er in der Politik überhaupt noch tätig sein könnte, auch in der passivsten Rolle. «Es gibt viele Leute, die mich anhauen, ob ich ihnen nicht helfen könne mit einer Spende oder Mitarbeit bei einer Kampagne und ich frage dann immer, ob sie wirklich sicher seien, ob sie wirklich zwei Tage mit meinem Namen in irgendwelchen Schlagzeilen stehen wollen», sagt Weiner. 

Er erklärt seine politische Karriere als definitiv für beendet. «Man kriegt einen Biss vom Apfel und meistens auch einen zweiten, aber einen dritten, eine dritte Chance kriegt man nicht», sagt Weiner, der zufrieden wirkt. «Ich verbringe viel Zeit mit meinem vierjährigen Sohn, die ich nicht mit ihm verbringen könnte, wenn ich wochenlang in Washington im Kongress sässe oder 15-Stunden-Tage als Bürgermeister von New York abreissen würde», sagt Weiner. Dass er viel Freizeit habe, sei auch deswegen praktisch, weil seine Frau als Mitarbeiterin von Hillary Clinton viel unterwegs auf Reisen sei.

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