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USA Gefängnis Flagge Symbolbild

Kein anderes Land sperrt so viele Menschen ein wie die USA. Bild: Pixabay

«Planet Prison» – Wie das Gefängnissystem in den USA zu einem Moloch wurde



Die USA sind das «Land of the Free», wie ihre Nationalhymne verkündet. Für Millionen Amerikaner muss dies wie ein Hohn klingen: Rund 2,3 Millionen zählt die Gefängnispopulation im Land derzeit – etwa so viel wie die Einwohner von Wien und Zürich zusammengezählt. Handelte es sich um eine Stadt, sie wäre die fünftgrösste der USA nach Houston. In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele Gefängnisinsassen; in den USA befinden sich mehr Menschen in Haft als in China und Russland zusammen, zumindest gemäss deren offiziellen Zahlen. Etwa jeder fünfte Gefangene der Welt ist in den USA inhaftiert.

Dass die absoluten Zahlen hoch sind, ist nicht erstaunlich, immerhin zählen die USA fast 330 Millionen Einwohner. Aber sie stehen auch an der Spitze der Rangliste, wenn man die relative Anzahl betrachtet: 655 Gefangene pro 100'000 Einwohner waren es 2016, mehr als in El Salvador (597) und Turkmenistan (552). Zum Vergleich: Die Schweiz liegt mit 81 Gefangenen pro 100'000 Einwohner auf Platz 112 dieser Liste.

Hinzu kommt, dass dieses Millionenheer von Gefängnisinsassen nur einen Teil der gesamten Population ausmacht, die in irgendeiner Art unter Aufsicht der amerikanischen Justizbehörden steht. Wir sprechen hier von nahezu 7 Millionen Menschen, von denen mehr als die Hälfte auf Bewährung ist und mehr als 800'000 bedingt entlassen wurden. Nicht dazugerechnet sind hier all die ehemaligen Gefängnisinsassen, die beispielsweise kein Wahlrecht mehr besitzen, weil sie eine Haftstrafe verbüssten. Allein in Florida betraf dies 2018 mehr als 1,4 Millionen Menschen.

Erwachsene unter Aufsicht von Justizbehörden, 1980-2016

Total adult correctional population, 1980-2016
https://www.bjs.gov/index.cfm?ty=kfdetail&iid=487

Rot: Gesamtanzahl, grau: auf Bewährung, grün: Bundes- und Staatsgefängnisse, gelb: bedingte Entlassung, blau: lokale Gefängnisse. Grafik: bjs.gov

Wie kam es dazu, dass sich in den USA heute eine solch ungeheure Anzahl von Menschen hinter Gittern befindet? Dazu müssen wir etwas ausholen.

Die Wurzeln

1596 wurde in Amsterdam das Zuchthaus «Rasphuis» eingeweiht – es war eines der ersten modernen Gefängnisse, in denen die Besserung der Straftäter im Vordergrund stehen sollte. Der Tagesablauf war auf die Minute genau geregelt, die strengstens überwachten Gefangenen mussten Zwangsarbeit verrichten. Erst mit Zuchthäusern dieser Art wurde das Gefängnis zur Standardstrafe für alle Formen der Kriminalität.

Rasphuis-Insassen beim Holzsägen und bei der Auspeitschung (1662)
https://de.wikipedia.org/wiki/Rasphuis#/media/Datei:Melchior_Fokkens_Rasphuys.jpg

Rasphuis in Amsterdam: Insassen bei der Arbeit und bei der Auspeitschung (1662). Bild: Wikimedia

Es dürfte kein Zufall sein, dass dieses neue Modell der Bestrafung in einer protestantisch geprägten Gesellschaft entwickelt wurde: Die protestantische Arbeitsethik, die Fleiss und Genügsamkeit als zentrale Tugenden und Arbeit als gottgewollten Lebenszweck betrachtet, fand darin ihren Niederschlag. Harte Arbeit im Verein mit einem minutiös geregelten Tagesablauf sollte die verirrten Schafe auf den rechten Weg zurückbringen.

Die puritanischen Pilgerväter, die einen starken Einfluss auf die Mentalität der 13 Kolonien und später diejenige der USA ausübten, brachten diese Ethik auf den nordamerikanischen Kontinent. Allerdings war die Justiz in den nordamerikanischen Kolonien zu Beginn milder als im englischen Mutterland, wo schon kleinere Vergehen wie der Diebstahl eines Guts, dessen Wert 12 Pence überstieg – etwa ein Zwanzigstel des Wochenlohns eines gelernten Arbeiters –, die Todesstrafe nach sich ziehen konnten. Lange Gefängnisstrafen waren in den Kolonien auch deshalb weniger üblich, weil jede Arbeitskraft in diesen dünn besiedelten Gebieten dringend benötigt wurde.

Nachdem aber die Amerikanische Revolution die Unabhängigkeit der 13 Kolonien erreicht hatte und die Verfassung verabschiedet worden war, wurden Haftstrafen das übliche Mittel des Strafvollzugs. Körperstrafen wurden zunehmend zurückgedrängt und die Todesstrafe, der der Geruch des monarchistischen Absolutismus anhaftete, wurde in manchen Bundesstaaten eingeschränkt. Michigan und Wisconsin schafften sie im 19. Jahrhundert sogar ganz ab.

Reformmodell Einzelhaft

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konkurrierten zwei Modelle miteinander, die eine Reform des Strafvollzugs bezweckten: Das «Separate System», dessen Prototyp das Eastern State Penitentiary in Philadelphia war, isolierte die Gefangenen von der Aussenwelt und durch Einzelhaft voneinander. Jede Zelle verfügte über einen durch Mauern abgetrennten Aussenbereich; die Häftlinge durften weder arbeiten noch Besuch empfangen. Das nach Auburn im Bundesstaat New York benannte System, das in der Folge weitgehend dominierte, setzte dagegen auf gemeinsame Arbeit während des Tages und Einzelhaft während der Nacht. Den Häftlingen war es strengstens untersagt, miteinander zu sprechen.


Eastern State Penitentiary in Philadelphia, USA (1855)
Von Mike Graham aus Portland, USA - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1146578

Das 1829 in Betrieb genommene Eastern State Penitentiary in Philadelphia (US-Staat Pennsylvania) war eine der ersten Gefängnisbauten, deren Trakte strahlenförmig um einen Zentralbau angeordnet waren. Bild: Wikimeida/Mike Graham

Kritik an der Isolationshaft gab es damals schon: Während der französische Publizist Alexis de Tocqueville, der das Eastern State Penitentiary 1831 besuchte, sich begeistert über die erzieherische Wirkung dieser Anstalt äusserte, verurteilte der englische Schriftsteller Charles Dickens – er besuchte das Gefängnis 1842 – dieses Modell mit scharfen Worten. Die Reformer hätten wohl die besten Absichten, räumte er ein, doch sie wüssten nicht, was sie tun. Die langsame und tägliche Manipulation des Gehirns sei schlimmer als jede physische Folter, umso mehr, als ihre schrecklichen Zeichen für das Auge kaum sichtbar seien.

Rassistisch geteiltes Strafsystem

In den schnell wachsenden Industriestädten des 19. Jahrhunderts, vor allem im Nordosten, sah man in langen Gefängnisstrafen ein Mittel, sowohl verlorene Seelen auf den rechten Pfad zurückzuführen, als auch Übeltäter von der Gesellschaft fernzuhalten. Diese Entwicklung betraf aber nicht die aus Afrika importierten Sklaven, die – besonders in den südlichen Bundesstaaten – einen beträchtlichen Teil der Gesamtbevölkerung ausmachten; in Georgia und South Carolina betrug ihr Anteil um 1770 beispielsweise über 60 Prozent. Brutale Körperstrafen blieben bei dieser Bevölkerungsgruppe in Gebrauch. Hier liegen die Anfänge einer rassistisch begründeten Zweiteilung des Strafsystems.

In den Südstaaten entwickelte sich auch das System der «Chain Gangs» – Gruppen von Gefangenen, die aneinandergekettet und in Gefängniskleidung ausserhalb der Haftanstalt arbeiten mussten. Es entstand bereits vor dem Bürgerkrieg und kam dem Bedürfnis der Südstaaten entgegen, öffentliche Arbeiten möglichst kostengünstig ausführen zu lassen. Nach der Niederlage im Bürgerkrieg stellten Chain Gangs ein Mittel dar, die schwarze Bevölkerung über den Umweg des Strafvollzugs weiterhin für Zwangsarbeit einzusetzen. Der 13. Verfassungszusatz hatte zwar die Sklaverei 1865 abgeschafft, liess sie aber explizit weiterhin als Strafe für ein Verbrechen zu.

A chain gang in the southern US, circa 1903
https://en.wikipedia.org/wiki/Chain_gang#/media/File:A_Southern_chain_gang_c1903-restore.jpg

Chain Gang in den Südstaaten um 1903. Bild: Wikimedia

Krieg gegen Drogen – Krieg gegen Schwarze

Im Hinblick auf die Zahl der Gefangenen blieb die Strafjustiz in den USA jedoch bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts vergleichbar mit jener anderer Industriestaaten. Während sich aber die Inhaftierungsquote in den westlichen Demokratien bei ungefähr einem Promille einpendelte, explodierte sie danach in den USA förmlich.

A graph showing the incarceration rate under state and federal jurisdiction per 100,000 population 1925–2013. Does not include unsentenced inmates, nor inmates in local jails.
https://en.wikipedia.org/wiki/Incarceration_in_the_United_States#/media/File:U.S._incarceration_rates_1925_onwards.png

Anteil der Gefängnispopulation (nur die in Bundes- und Staatsgefängnissen Inhaftierten) an der Gesamtbevölkerung (pro 100'000) von 1925 bis 2014. Rot: Gesamtbestand, grün: Frauen, lila: Männer. Grafik: Wikimedia

1970 gab es knapp 200'000 Gefangene (nur in Bundes- und Staatsgefängnissen) in den USA, vierzig Jahre später waren es beinahe achtmal so viele, während die US-Bevölkerung im selben Zeitraum lediglich um ca. 50 Prozent zunahm. Der scharfe Anstieg seit Beginn der 80er-Jahre verdankt sich zu grossen Teilen dem «War on Drugs» («Krieg gegen Drogen»). Der von Präsident Richard Nixon 1972 geprägte Begriff steht für eine Politik, die wesentlicher Teil der grossmehrheitlich von republikanischer Seite erhobenen Forderung nach «Law and Order» («Recht und Ordnung») wurde.

Hintergrund dieser Forderung, die seit Ende der 60er-Jahre mit zunehmender Vehemenz vorgebracht wurde, war eine Krise: Die amerikanische Wirtschaft stagnierte, die Städte kämpften mit schweren finanziellen Problemen und die Kriminalität nahm massiv zu, insbesondere die Gewaltverbrechen. In der verunsicherten Bevölkerung nahm die Popularität der Law-and-Order-Forderungen zu. Prominenter Vertreter solcher Forderungen war neben Nixon besonders Ronald Reagan, 1967 bis 1975 Gouverneur von Kalifornien und später Präsident der USA.

A handout image released by Ronald Reagan Presidential Library dated 29 September 1982 shows US President Ronald Reagan attending a Virginia Republican Party Fundraising Rally at the Richmond Arena in Richmond, Virginia, USA. The 100th anniversary of Reagan's birth is coming up on 06 February 2011. Ronald Wilson Reagan was the 40th President of the United States (1981–1989). As president, Reagan implemented sweeping new political and economic initiatives and during his second term oversaw the end of the cold war. Reagan died at the age of 93, ater been diagnosed with Alzheimer's disease earlier.  EPA/RONALD REAGAN PRESIDENTIAL LIBRARY / HO

Präsident Reagan setzte auf Law-and-Order-Politik. Bild: EPA

Mit Reagans Einzug ins Weisse Haus 1981 setzte sich diese Law-and-Order-Politik landesweit durch. Gesetze wurden verschärft, verbindliche Mindeststrafen festgesetzt und die Hürden für bedingte Freilassungen erhöht. Schon bei kleineren Delikten griffen die Gesetzeshüter hart durch, insbesondere in jenen Vierteln, in denen Minderheiten stark vertreten waren. Gerechtfertigt wurde dieses Vorgehen unter anderem durch die Broken-Windows-Theorie, die einen Zusammenhang zwischen dem Verfall von urbanen Gebieten und der dort grassierenden Kriminalität herstellt. Damit gelangten Sprayer, Bettler, Prostituierte sowie besonders Drogendealer und -konsumenten stärker ins Visier der Ordnungshüter.

Als Folge dieser Massnahmen explodierte die Zahl der Inhaftierten förmlich. Ein beträchtlicher Teil von ihnen sass wegen Drogendelikten ein: Waren es 1980 noch rund 50'000, stieg ihre Zahl bis 2017 auf mehr als 450'000. Heute sitzen in den USA mehr Menschen aufgrund von Drogendelikten hinter Gittern als 1980 aufgrund aller Straftaten zusammen. Der War on Drugs traf zudem die schwarze Bevölkerung viel stärker: So wurde der Konsum von Crack – dem «Kokain der Armen», das bei schwarzen Konsumenten deutlich verbreiteter war – massiv härter bestraft als jener des teureren Kokains. Der 1986 verabschiedete «Anti-Drug Abuse Act» legte für den Besitz von fünf Gramm Crack eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis fest – die bei Kokain erst ab der 100-fachen Menge, also 500 Gramm, fällig war.

Die härtere Bestrafung von Drogen, die in der schwarzen Bevölkerung häufiger als in der weissen konsumiert wurden, hatte freilich Tradition: Schon in den 30er-Jahren betrieb etwa Harry Anslinger, Direktor des Bundesbüros für Narkotika (FBN), eine rassistisch gefärbte Kampagne für das Verbot von Cannabis. Es handle sich um eine Droge der Schwarzen und Mexikaner, die im Drogenrausch die schrecklichsten Verbrechen begingen, behauptete Anslinger. Mit Erfolg: Cannabis wurde verboten.

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Trailer des Anti-Cannabis-Films «Reefer Madness» («Joint-Wahnsinn») aus dem Jahr 1936. Video: YouTube/thecoolidge

So stieg auch mit dem War on Drugs die Zahl der schwarzen Gefängnisinsassen unverhältnismässig an. Die Zahlen sind erschreckend: Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben hinter Gitter zu kommen, betrug 2001 bei allen in diesem Jahr geborenen Männern in den USA 1:9. Bei den Weissen unter ihnen lag sie bei 1:17, bei den Schwarzen hingegen bei 1:3. Mehr als die Hälfte aller schwarzen Männer, die keinen Schulabschluss haben, landen irgendwann in ihrem Leben im Gefängnis. 2017 kamen auf 100'000 schwarze Erwachsene 1549 schwarze Inhaftierte – eine beinahe sechsmal so hohe Inhaftierungsquote wie bei Weissen und immer noch fast doppelt so hoch wie bei Hispanics.

Lifetime Likelihood of Imprisonment for U.S. Residents Born in 2001
https://www.sentencingproject.org/wp-content/uploads/2015/10/lifetime-likelihood-of-imprisonment-by-race.png

Wahrscheinlichkeit bei verschiedenen Gruppen von 2001 geborenen US-Einwohnern, während ihres Lebens inhaftiert zu werden. Grafik: sentencingproject.org

Die Clinton-Ära

Obwohl die «Tough-on-Crime»-Politik traditionell eher ein republikanisches Anliegen war, erreichte sie in den 90er-Jahren – der Clinton-Ära – ihren Höhepunkt. Der demokratische Präsident Bill Clinton verschärfte den War on Drugs; in seiner Regierungszeit verzeichnete die Gefängnispopulation in den USA ihren grössten Zuwachs. Clinton, der 1992 als Gouverneur von Arkansas seinen Präsidentschaftswahlkampf eigens unterbrach, um in seinem Bundesstaat einer Hinrichtung beizuwohnen, unterzeichnete 1994 auch den «Violent Crime Control and Law Enforcement Act», der unter anderem 9,7 Milliarden Dollar für den Bau von Gefängnissen vorsah und Bundesstaaten, die mehr Personen inhaftierten, mehr finanzielle Mittel zusicherte.

Die meisten Gefangenen in den USA sitzen in Hafteinrichtungen der einzelnen Bundesstaaten ein. In Gefängnissen der Bundesbehörden sind es bedeutend weniger. Rund ein Viertel sitzt in lokalen Gefängnissen ein («Jails»). Der Grossteil unter «andere» sind Jugendgefängnisse und Hafteinrichtungen für Immigranten.

Auch einzelne Bundesstaaten verschärften in dieser Zeit ihre Gesetze drastisch; etwa Washington, das 1993 ein sogenanntes Three-strikes Law einführte, das bei der dritten Verurteilung wegen einer Straftat eine besonders schwere Strafe zwingend vorschreibt. Kalifornien folgte 1994 mit einer besonders strengen Variante eines Three-strike Laws. Zu welch absurden Verurteilungen dieser Strafmechanismus führen kann, zeigt das Beispiel von Timothy Tyler, der 1992 im Alter von 24 Jahren eine lebenslängliche Haftstrafe ohne Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung erhielt. Sein Verbrechen: Er war nach zwei Verurteilungen wegen Drogenvergehen, für die er nicht ins Gefängnis musste, beim Verkauf von LSD im Wert von 3000 Dollar erwischt worden. Tyler wurde von Präsident Barack Obama begnadigt.

Private Gefängnisbetreiber

Der War on Drugs kennt aber auch Gewinner. Als die Gefängnisse in der Ära Reagan chronisch überfüllt waren, witterten Geschäftsleute ihre Chance: Sie stiegen in den Markt der privaten Gefängnisbetreiber ein, der bis dahin völlig marginal gewesen war. 1983 gründeten drei Geschäftsleute aus Nashville die Firma Corrections Corporation of America (CCA), die sich heute CoreCivic Inc. nennt. Weitere Unternehmen folgten, etwa die Geo Group oder die Management & Training Corporation (MTC). Zwischen 1990 und 2005 stieg die Zahl der in privaten Gefängnissen inhaftierten Gefangenen laut Schätzungen um 1600 Prozent. Private börsennotierte Konzerne betreiben heute acht Prozent der rund 3300 Haftanstalten.

Das Geschäft mit den Gefangenen ist lukrativ: 2015 erzielte CoreCivic, das in den USA über 60 Anstalten mit insgesamt rund 75'000 Insassen und mehr als 17'000 Mitarbeitern betreibt, einen Umsatz von 1,79 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 282 Millionen. Die Knast-Unternehmen verdienen zudem Geld mit Fussfesseln, Überwachungstechnik und dem Transport von Gefangenen. Da sie gewinnorientiert sind, zahlen sie ihren Mitarbeitern oft nur den Mindestlohn und sparen an Personal – das zudem oft schlechter ausgebildet ist als in den staatlichen Anstalten. Dies wiederum erhöht das Risiko der Korruption und führt zu prekären Zuständen in den privat betriebenen Gefängnissen.

San Diego, CA / USA - November 3, 2019: Sign for privately owned Core Civic Detention Center in Otay Mesa, where San Diego County's illegal immigrants are held as they go through the legal process.

Haftanstalt des privaten Gefängniskonzerns CoreCivic in San Diego, Kalifornien. Bild: Shutterstock

2001 ergab eine landesweite Untersuchung, dass Attacken auf Wärter in privaten Gefängnissen um 49 Prozent häufiger waren als in staatlichen Einrichtungen. Angriffe auf andere Gefangene waren sogar um 65 Prozent häufiger. Mehrmals kam es in privat betriebenen Anstalten zu gewalttätigen Zusammenstössen zwischen Gruppen von Gefangenen, denen das unterbesetzte und untrainierte Personal nicht Herr wurde.

Im kalifornischen Eagle Mountain kamen zwei Häftlinge bei einem solchen Vorfall zu Tode, sieben weitere wurden lebensgefährlich verletzt. Die Wärter zogen sich zurück und forderten Verstärkung aus weit entfernten staatlichen Gefängnissen an. Die von MTC betriebene Anstalt wurde danach geschlossen.

Gefangenentrakt im überfüllten California State Prison (2006)
https://de.wikipedia.org/wiki/Gefängnissystem_der_Vereinigten_Staaten#/media/Datei:Prison_crowded.jpg

Gefangenentrakt in einem überfüllten kalifornischen Gefängnis. Bild: Wikimedia

Einige Bundesstaaten haben deshalb in den letzten Jahren die Verträge mit privaten Gefängnisbetreibern aufgelöst, so Idaho oder Kentucky. Auch Kalifornien schliesst ab 2020 keine Verträge mehr mit privaten Betreibern ab; von 2028 an sollen sie komplett verboten werden. Präsident Obama hatte ebenfalls geplant, die Verträge mit privaten Gefängnisunternehmen auslaufen zu lassen, doch sein Nachfolger Donald Trump, der sich bereits im Wahlkampf für private Gefängnisse ausgesprochen hatte, nahm diese Ankündigung wieder zurück.

Allerdings schreien auch die Verhältnisse in staatlichen Gefängnissen mitunter zum Himmel. Im April 2019 erschien ein Untersuchungsbericht des US-Justizministeriums, der unmenschliche Zustände in den Haftanstalten des Bundesstaats Alabama offenlegte. Der Bericht stellte fest, dass dort exzessive Gewalt, Vergewaltigungen und massenhafte sexuelle Übergriffe unter den Gefangenen an der Tagesordnung waren. Suizide und selbst Folter unter den Insassen kamen vor, wobei die Wärter oft gar nicht eingriffen.

Federal and state Prisoners per 100'000 U.S. residents, 2008-2018, ethnicity
https://www.bjs.gov/content/pub/pdf/p18.pdf

Anteil der Gefängnispopulation (nur die in Bundes- und Staatsgefängnissen Inhaftierten, die zu mehr als einem Jahr verurteilt wurden) an der Gesamtbevölkerung (pro 100'000) von 2008 bis 2018.
Rot: Gesamtbestand, grün: Schwarze, grau: Hispanics, blau: Weisse.
Grafik: U.S. Department of Justice

Nach Jahrzehnten des Wachstums scheint der amerikanische «Planet Prison» seit einigen Jahren wieder leicht zu schrumpfen. Während die Gefängnispopulation stagniert oder leicht zurückgeht, sinken die Inhaftierungsraten etwas stärker, da die Gesamtbevölkerung in den USA nach wie vor wächst. Ob dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist oder bereits eine klare Trendumkehr andeutet, bleibt jedoch abzuwarten.

Zu viele Häftlinge. Gefängnisse in der Westschweiz überfüllt

Video: srf/Roberto Krone

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64
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64Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Josef Keuner 15.06.2020 23:55
    Highlight Highlight Der Artikel ist sehr von Foucault her bezogen. Es sind in meiner Meinung aber zwei Wurzeln der Mißstände im amerikanischen Gefängniswesens: das Justizsystem, dass bis heute harsche, entehrende Strafen ausspricht (James Q. Whitman, "Mercy and the Criminal Law":
    Play Icon
    ) und die jüngste Schaffung von Straftatbeständen, die im Kern nur den Zweck haben, Unterschichten (die zufälligerweise in den USA schwarz sind) zu kriminialisieren (Michelle Alexander "The New Jim Crow":
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    )
  • Gustav.s 15.06.2020 17:18
    Highlight Highlight Schöner Artikel umso schlimmer der Fehler ganz am Anfang: mehr Menschen in Haft als in China und Russland zusammen....
    Also in China gibt es nur Schätzungen aber alleine die Uiguren, Kasachen, Kirgisen in menschenunwürdigen Lagern, gehen nach schätzungen in die mehrere Millionen.
    Dazu kommen noch andere Arten von Chinesen z.b Hui-Chinesen und religiöse Minderheiten z.b Muslime und Christen plus Leute von denen man denkt sie denken nicht wie sie denken müssen.
    China ist eine Klasse für sich!
  • Vio Valla 15.06.2020 12:20
    Highlight Highlight Zum Thema passt auch diese unaufgeregte Doku:

    Play Icon


    Da werden die hier im Artikel aufgelisteten Punkte auch fast alle nochmals aufgezeigt. Als Ergänzung gesagt, das unterschiedliche Strafmass von Crack und Kokain wurde erst unter Obama angepasst. Nun ist das Verhältnis 1:18... und zum Crack kommt heute das Meth dazu, dass besonders die arme weisse Bevölkerung betrifft. Irgendwie muss diese Gefängnisindustrie ja Nachschub generieren. Im Grunde haben wir es hier nicht nur mit einem Rassenkampf sondern mit einem generellem Klassenkampf zu tun.

  • Ohniznachtisbett 15.06.2020 09:29
    Highlight Highlight Ich finde das US-Strafsystem auch zutiefst unmenschlich. Angefangen beim Strafprozess, der zwingend vor einem Geschworenen-Gericht stattfinden muss (bei den meisten Verbrechen). Hier gelten ja schon Rechtsgrundsätze wie "in dubio pro reo" faktisch nicht. Wer sich nicht eine grosse Tränendrüsenshow von teuren Anwälten leisten kann, wird hier für schuldig befunden. Weiter gehts mit dem systematischen Brechen der Straftäter durch Isolation. Und selbst wer wieder raus kommt, ist lebenslang stigmatisiert. Kein Wahlrecht, kaum Chancen auf Arbeit usw. Der Teufelskreis beginnt dann sofort von vorne.
  • John Henry Eden 15.06.2020 00:43
    Highlight Highlight Drogen legalisieren und ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen.

    Leute, die sich mit einem bescheidenen Leben und regelmässigen Rauschzuständen zufrieden geben, sollte man nicht kriminalisieren.

    Die grössten Übel der Welt gehen immer von jenen aus, die sich mit einem unbescheidenen Leben berauschen wollen.
  • Butzdi 14.06.2020 21:21
    Highlight Highlight Was zu jedem US Thema empfehlenswert ist: schauen ob John Oliver’s Last Week Tonight etwas darüber brachte. Beim Prison System sind es mehrere, der letzte ist hier:
    Play Icon
  • Maracuja 14.06.2020 20:16
    Highlight Highlight Danke Herr Huber! Einmal mehr ein gut recherchierter Artikel, der Missstände auf sachliche Art aufzeigt und Erklärungen zu ihrer Entstehung liefert.
  • Lioness 14.06.2020 18:42
    Highlight Highlight Wahnsinnig auch, dass Pflichtverteidiger den Kliengen oft zur Schuldigbekennung raten, anstatt einen Prozess durchzumachen. Erkennt man sich Schuldig kann man einen Deal aushandeln, bei dem die Bestrafung geringer ausfällt, als wenn man am Ende des Prozesses schuldig gesprochen wird. So landen auch viel eher Unschuldige im Knast. Betrifft auch wieder die arme Bevölkerung.
  • Bildung & Aufklärung 14.06.2020 18:22
    Highlight Highlight Viele Gefangenen mit Jahren und Jahrzehnten Gefängnis haben tatsächlich nicht viel getan, ein bisschen Drogen zum Eigenkonsum (da müsste 90% der Welt ihaftiert sein, Alkohol ist ja auch Droge - die auch schon illegal war) können da für 20 Jahre reichen.

    Man fährt ein und muss sich, wenn man nicht wörtlich ständig gequält werden wil, erstmal mit Gewalt wehren. Das müssen prinzipiell alle neuen Gefangenen. Kriegt das ein Wärter mit, zack, nochmals 2 Jahre drauf. So geht das Jahr für Jahr (Gefängnigsverlegung) weiter, bis harmlose Partygänger dann gesamthaft auch mal 20 Jahre sitzen.

    Crazy.
  • Bildung & Aufklärung 14.06.2020 18:07
    Highlight Highlight Beschäftige mich seit langem mit der Thematik. Absolut unvorstellbar, die meisten Leute haben KEINE Ahnung, was so innerhalb des "Systems" und der Gefängnismauern Amerikas abgeht.
    Seit vielen Jahrzehnten.

    Als 16-jähriger in Rikers Island New York (pro Woche werden da irgendwie 10 Leichen rausgetragen, nein, die waren nicht alles Greise) landen und erstmal sehen, wie einer (er hat falsch geschaut) mittels Sprung auf den Kopf von Erhöhung ermordet wird oder wie im Hof Kehlen durchgeschnitten werden, ist gar nicht so aussergewöhnlich.

    In dieser Hölle darf (MUSS!) man sich dann behaupten...
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 15.06.2020 10:21
      Highlight Highlight Und da fragt man sich noch, wieso Amerika ein derartiges Problem mit Kriminalität hat.......

      Die Menschen kommen gefährlicher aus eem Knast, als sie vorher waren.
  • Ataraksia Eudaimonia 14.06.2020 17:34
    Highlight Highlight Danke sehr für diesen Artikel! Es braucht definitiv mehr von fundiertem Journalismus aber auch non-sensationalistischem!
    In der medialen Überflutung vermisst man seriösen, Kausalitäten-aufdekenden Lesestoff der nicht zu polarisieren sondern aufklären versucht.
    Aktuell zeichnet sich eine scheussliche Tendenz Richtung "Brot & Spiele" und schwarz-weiß-Berichterstattung ab((
    • Bildung & Aufklärung 14.06.2020 18:12
      Highlight Highlight Rechte Trolls: "Lasst den fundierten Post einfach mal downvoten!"

      Hast natürlich diskussionslos recht. Auf Watson bieten diese Qualität die geschätzten Herr Huber, Frau Rothenfluh und noch einige andere Schreibenden, dann wars das dann leider aber auch...

      Fundierter Journalismus - welcher nicht leichter zu finden sein wird, im Gegenteil, nur schon was aus dem Tagi über die Jahre geworden ist - muss man leider anderswo suchen und, das ist auch selbstverständlich zu grossem Teil, bezahlen.
  • koks 14.06.2020 17:03
    Highlight Highlight Schon noch krass:

    Chance als weisse Frau im Gefängnis zu landen: 1:111
    Chance als schwarzer Mann: 1:3

    Chancengleichheit ist anders!
    • Toerpe Zwerg 14.06.2020 19:33
      Highlight Highlight Das ist eine etwas gar verkürzte Darstellung.
    • Kant 14.06.2020 19:52
      Highlight Highlight Wie wäre denn die andere Darstellung?
    • Toerpe Zwerg 14.06.2020 20:35
      Highlight Highlight Dass die Relation des Anteils verübter Straftaten von Männern vs Frauen einbezogegen wird z.B.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Devilduck 14.06.2020 16:16
    Highlight Highlight Ganze Landstriche, leben von der Gefängnisindustrie. Richter, Sheriff, Verteidiger, Geschworene, Staatsanwalt sind Aktionäre dieser Knasts. Es geht soweit, dass die Betreiber privater Gefängnisse Bundesstaaten verklagten, weil sie ihnen zu wenig neue Insassen lieferten. Und die entsprechenden Prozesse auch tatsächlich gewonnen haben. Und die schwadronieren dann echt von Gerechtigkeit oder postulieren, dass people of colour, eben krimineller seien, als der Durchschnitt. Angenehmer Nebeneffekt: Sie verlieren das Stimm- und Wahlrecht.
    • Bildung & Aufklärung 14.06.2020 18:17
      Highlight Highlight Das eigene Geschäftsmodell redet man (sich) halt so gut wie man nur irgendwie kann schön.

      Seiens die Profiteure der Ausbeutung von Menschen in widerlichen Gefängnissystemen (auch verschiedenste Unternehmen (Weltkonzerne) profitieren massiv von der de facto Gratisarbeit all der Häftlinge) oder seiens Profiteure der Ausbeutung von Tieren in der ausNutztierindustrie.

      Immer das selbe zutiefst lebensverachtende, böswillige Prinzip.

      Habe schon mit US-Gefängniswärter gesprochen, die sagen geradeaus "Gefangene sind alles wilde Biester"
      (aber selbst sind die Wärter oft zutiefst korrupt...)
  • So en Ueli 14.06.2020 15:10
    Highlight Highlight Moment, wenn man in den USA im Gefängnis war, hat man damit sein Wahlrecht verloren? Falls dem wirklich so ist, finde ich dies sehr anti-demokratisch.
    • Toerpe Zwerg 14.06.2020 19:36
      Highlight Highlight Das ist so und war schon immer so und jede Initiative, dies zu ändern ist bis jetzt gescheitert.
    • So en Ueli 14.06.2020 20:53
      Highlight Highlight Das ist ja wahnsinnig. Die USA bräuchten wirklich eine Revolution.
    • Butzdi 14.06.2020 21:31
      Highlight Highlight Leider wahr. Diese Dame in Texas wusste es nicht und stimmte ab: Resultat 5 Jahre Gefängnis.
      https://amp.theguardian.com/us-news/2018/aug/27/crime-of-voting-texas-woman-crystal-mason-five-years-prison
      Ihr Pech dass sie schwarz war, Trump probierte was ähnliches in Florida und kam natürlich ungeschoren davon.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kant 14.06.2020 13:31
    Highlight Highlight Wer sich diesen Artikel als Film ansehen will, kann sich 13th ansehen, denn es auch auf YouTube gibt.
    Play Icon
  • kliby 14.06.2020 13:17
    Highlight Highlight Es sind ja vor allem Männer, die 95% der Gefängnisinsassen ausmachen. Und davon noch mehr Schwarze Männer. Gerecht? Diskriminierung?
  • Toerpe Zwerg 14.06.2020 13:04
    Highlight Highlight Diese Straregie ist krachend gescheitert. Leider wird dies durch einen gleichzeitig starken Rückgang der Kriminalität insbesondere in den Grossstädten kaschiert. Diese hab ganz andere Ursachen.
  • Glenn Quagmire 14.06.2020 12:27
    Highlight Highlight Danke für die immer wieder guten und sachlichen Artikel.
  • TanookiStormtrooper 14.06.2020 12:17
    Highlight Highlight Die USA setzen auf Bestrafung, wir versuchen ja eher die Leute zu resozialisieren, damit sie nachher normal weiterleben können und eine Perspektive haben.
    Wer in den USA aus dem Knast kommt hat auch gleich eine sehr viel höhere Chance wieder dort zu landen. Resozialisierung ist eben teuerer als die Leute in profitorientierte Billiggefängnisse zu sperren. Und welches Unternehmen würde denn freiwillig dafür sorgen, dass der "Kunde" nie wieder kommt?
    • Kant 14.06.2020 13:33
      Highlight Highlight Es geht noch weiter: man könnte ja auch aufgrund guter Führung früher frei kommen. Aber beurteilt die gute Führung? Und wer hat ein Interesse, dass der Insasse länger bleibt?
    • _kokolorix 14.06.2020 22:22
      Highlight Highlight Dass das Wegsperren billiger als das Resozialisieren ist, wage ich mal schwer zu bezweifeln.
      Aber ganz bestimmt fliesst das Geld im ersten Fall eher in die Taschen von konservativen, rechts orientierten Kapitalisten, während im zweiten Fall das Geld eher den linken Weicheiern zuflösse.
      Ein ideologisches Unding. Allein das zu verhindern rechtfertigt alle Opfer (von anderen) ...
  • lilie 14.06.2020 12:09
    Highlight Highlight Ach, lieber @Dani, so sehr ich deine Artikel schätze, muss ich doch zugeben, dass ihr im Moment einfach zu USA-lastig unterwegs seid für meinen Geschmack.

    Natürlich hat das gute Gründe, aber wäre es nicht Zeit, den Blick auch mal wieder über den Rest der Welt schweifen zu lassen? Ich habe zum Beispiel noch keinen ausführlichen Artikel über die Situation im Nahen Osten gesehen, obwohl mehrere Länder dort regelmässig Spitzenplätze in den Corona-Statistiken einnehmen. Was passiert dort? Wie geht es den Menschen? Und warum gelingt es nicht, die Seuche einzudämmen?

    Nur so als Idee. 😕
    • Silent_Revolution 14.06.2020 12:22
      Highlight Highlight Dir ist es zu USA lastig und du möchtest lieber noch mehr Corona?! 🤦🤦
    • PeteZahad 14.06.2020 13:08
      Highlight Highlight @lilie Als ob man nicht bereits Coronalastig unterwegs wäre ...
    • beaetel 14.06.2020 13:23
      Highlight Highlight Wir gehören nun mal weiss Gott zum westlichen Machtblock, ob es uns nun gefällt oder nicht und die USA, als einzig verbliebene Hegemonialmacht, bedarf entsprechend ihrer Wichtigkeit (25 % der Exporte gehen in die USA) - Das Militärbudget ist höher, als das aller anderen Staaten zusammen und .. wenn ein Schweizer mal in den USA war, ist er gleich ein Fan von denen, egal was die auch anstellen. Und hier geht es ausnahmsweise um Rassismus und da haben wir Schweizer sowieso einen immensen Nachholbedarf, da wir uns ja so super unschuldig, weil neutral vorkommen. Weiter so, Watson.
    Weitere Antworten anzeigen
  • coltfishthetank 14.06.2020 12:00
    Highlight Highlight Es sind die Artikel von Herrn Huber welche Watson lesenwert machen. Vielen Dank!
    • Varanasi 14.06.2020 20:00
      Highlight Highlight + die von Marko Kovic
      Die kommen aber leider sehr selten.
  • rodolofo 14.06.2020 11:51
    Highlight Highlight Diese "Kriminalisierung und Versklavung von Armen" (vor allem AfroamerikanerInnen) wird noch perverser, wenn sie im Kontrast mit der "anti-autoritären Hippi-Erziehung für Reiche und Super-Reiche" gesehen wird!
    Steuererleichterungen, Steueroasen, gesetzliche Schlupflöcher für "Die Sau rauslassen" noch und nöcher!
    Und jetzt wird auch klar, FÜR WEN der "American Dream" und die Erzählung von der "Freien Welt" tatsächlich wahr wurde: Für eine kleine Spitze der Machtpyramide.
    Für den Pyramiden-Sockel (vor allem Afroamerikaner und Latinos) heisst die Realität: Armutsverwahrlosung und Arbeitslager...
  • De-Saint-Ex 14.06.2020 11:48
    Highlight Highlight Solange das amerikanische System in erster Linie auf Repression und Bestrafung ausgelegt ist, wird sich an diesen Zahlen nicht viel ändern.
    Die Tatsache, dass arm und schwarz bedeutet, von einem Pflichtverteidiger vertreten zu werden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, auch zu unrecht verurteilt zu werden, massiv. Je mehr Geld ein Straftäter hat, umso grösser die Wahrscheinlichkeit freigesprochen zu werden.
    Und der Irrsinn der privaten Gefängnisse besorgt den Rest der Misere.
    Kapitalismus à la USA halt, wo auch vermehrt Privatunternehmen in den Krieg ziehen (z.B. Academi, vormals Blackwater).
    • Ueli der Knecht 15.06.2020 03:57
      Highlight Highlight "Die Tatsache, dass arm und schwarz bedeutet, von einem Pflichtverteidiger vertreten zu werden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, auch zu unrecht verurteilt zu werden, massiv. Je mehr Geld ein Straftäter hat, umso grösser die Wahrscheinlichkeit freigesprochen zu werden."

      Das verhält sich doch in der Schweiz genau gleich.
    • Silent_Revolution 15.06.2020 15:37
      Highlight Highlight Ueli

      Ich wurde schon zu Unrecht gebüsst und habe bezahlt, da ich einfach nicht sicher gehen konnte, vor Gericht damit durchzukommen, die fälligen Prozesskosten hätten für mich im Knast geendet, da ich die nie hätte bezahlen können.

      Der Staatsanwaltschaft hier in St.Gallen konnte man vor 10 Jahren wegen Cannabis-Vergehen nicht trauen, die haben alles und jeden verurteilt, ganz egal ob bei dem schwammigen Gesetz zu Recht oder Unrecht. Die agierten hier hochgradig kriminell.

      Bei mir war es ein Mischpult mit Staub, nicht mal 0.0001g, was mit Vernehmung (ohne Aussage) und 100CHF Busse endete.
  • KnolleBolle 14.06.2020 11:38
    Highlight Highlight Die USA ist anders, aber nicht besser wie China, oder Russland, also ein Knast in den USA ist nicht das was man als Menschenrecht und Würde bezeichnet.
  • Silent_Revolution 14.06.2020 11:24
    Highlight Highlight Genialer Artikel

    Mit "Reefer Madness" habe ich im Leben nicht gerechnet 😂 "Assasin of Youth" wäre auch noch so ein Streifen.

    Zur Anslinger-Kampagne: Dahinter steckten die mächtigsten Menschen Amerikas. Die Du-Pont Familie im Nylon Geschäft, William Randolph Hearst in der Papierindustrie, Andrew Mellon als Finanzminister wie auch John D Rockefeller und Andrew Carnagie. Anslingers Frau war verwandt mit Mellon.

    In seinem Buch „The murderers“, gab er zu verstehen, dass ihm die Drogenpolitik immer nur als Machtinstrument diente.

    Eine Schande, dass diese Gesetze (auch hier) bis heute bestehen.
  • Bambusbjörn aka Planet Escoria 14.06.2020 11:00
    Highlight Highlight Es ist schlichtweg ein vollkommen perverses System, dass mit immer mehr Gefangenen befeuert werden muss, um weiterhin bestehen zu können.
    Dadurch dass die Gefangenen Zwangsarbeit leisten müssen, wodurch die Gefängnisse zusätzlich noch Gewinn abwerfen.
    Dieses System sind im Grunde genommen nichts anderes als die Baumwollefelder des 20., respektive 21. Jahrhunderts.
    Es ist das selbe kranke System, dass man eigentlich nach dem amerikanischen Bürgerkrieg abschaffen wollte.
    Einfach nur meine Meinung.
    Wer ein Problem damit hat, mir egal.
  • eddie_c 14.06.2020 10:42
    Highlight Highlight "... bei den Schwarzen hingegen bei 1:3. Mehr als die Hälfte aller schwarzen Männer, die keinen Schulabschluss haben, landen irgendwann in ihrem Leben im Gefängnis."

    Das ist eine Katastrophe. Ohne Schulabschluss versetzt sich der Antrieb nach einer Berufung in kriminelle Tätigkeiten. Mit Einträgen im Strafregister verringert sich die Anzahl potentieller Karrieren und Unterkünfte, was wiederum kriminelle Motivationen fördert. Drakonische Strafen, fehlende Wiederintegration und Wählerunterdrückung der Insassen verschärfen den Kreislauf.
    • geissenpetrov 14.06.2020 16:00
      Highlight Highlight Das nennt man strukturellen Rassismus.
    • eddie_c 14.06.2020 18:44
      Highlight Highlight Definitiv nicht. Afroamerikaner können grosse Erfolge seit 1964 in der Politik verzeichnen, geniessen zunehmenden sozialen Aufstieg, haben Zugang zu akademischen Laufbahnen. Positive Entwicklungen werden zzt vernachlässigt. Diese Ungerechtigkeit kann jeden treffen.
    • geissenpetrov 15.06.2020 22:59
      Highlight Highlight "Diese Ungerechtigkeit kann jeden treffen."

      Das mag sein. Aber es trifft überproportional Menschen mit dunkler Hautfarbe.
      Auch wenn Du es nicht gerne hörst, lieferst Du mit Deinem einleitenden Kommentar exakt die Definition von strukturellem Rassismus: https://www.watson.ch/!546164714
    Weitere Antworten anzeigen
  • stadtzuercher 14.06.2020 10:17
    Highlight Highlight Der Titel müsste natürlich lauten:
    "Planet Prison: Warum die USA so viele Menschen wegsperren – vor allem Männer"

    Dass mehr als 90% aller Gefängnisinsassen Männer sind, hat noch nie eine Zeitung interessiert. Man spricht vom Empathie-Gap (der Medien, der Politik) gegenüber Männern. Gegen Schwarze Männer, Latino Männer, weisse Männer, asiatische Männer.

    Wenn dich Rassismus und Sexismus doppelt trifft, dann bist du wahrscheinlich schwarz und männlich.

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