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Mit 5000 Spraydosen gegen Milosevic. Die grössten 3 US-Wahleinmischungen seit 1946

Boris Jelzin wurde 1996 vor allem dank amerikanischer Hilfe gewählt. Bild: Keystone

Russland hat die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016 beeinflusst – und die USA haben nun ihre liebe Mühe, damit klarzukommen. Während sich Trump-Fans ignorant zeigen, verzweifeln seine Gegner an der Einfältigkeit ihrer Gegner und der Regierung.   

Das Dilemma der USA ist augenscheinlich. Dabei wurden sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen: Seit 1946 hat Amerika laut dem amerikanischen Politikwissenschaftler Dov H. Levin in 81 demokratische Wahlen eingegriffen. Wir hatten dazu kürzlich eine Story.

Wir haben Dov H. Levin gefragt, welche der 81 Wahlbeeinflussungen die ärgsten waren. Und obwohl er zu bedenken gab, dass eine Auswahl schwierig sei, gab er uns seine Top 3:



Italien 1948

«Die USA befürchteten bei den Parlamentswahlen einen Sieg der kommunistischen Partei und die damit verbundene Möglichkeit, dass sich Italien zu einem kommunistischen Land und zu einem Verbündeten der Sowjetunion wandeln würde. Um das zu verhindern, unternahmen die USA alles, die italienischen Wähler davon zu überzeugen, nicht die kommunistische Partei zu wählen. Um ein paar Beispiele zu nennen: Die USA erhöhte kurz vor den Wahlen die finanzielle Unterstützung um 250 Millionen Dollar (heutiger Wert: ungefähr 1,8 Milliarden). Verschiedene amerikanische Offizielle (wie auch der Botschafter) drohten, bei einem Sieg der Kommunisten die finanzielle Unterstützung wie auch den Marshall-Plan einzustellen. CIA-Agenten unterstützten die Kampagnen der Christdemokraten (die grosse Gegenpartei der Kommunisten) mit ungefähr 10 Millionen Dollar und entsendeten hunderte von Wahlkampfexperten zur Unterstützung.»

Resultat: Die Christdemokraten siegten mit einem Rekordergebnis.

Russland 1996

Bild: AP

«1996 befürchteten die USA einen Sieg des kommunistischen Kandidaten Gennadi Sjuganow bei den Präsidentschaftswahlen. Und dass die Reform in Russland damit ins Stocken geraten und der Kalte Krieg erneut ausbrechen würde. Deshalb entschieden sich die USA, den Gegenkandidaten Boris Jelzin zu unterstützen. Eine der Massnahmen war, dass man den Internationalen Währungsfonds kurz vor den Wahlen dazu brachte, Russland einen 10-Milliarden-Kredit zu geben. 1,3 Milliarden trafen noch vor den Wahlen ein. Zu diesem Zeitpunkt war das der zweitgrösste je gesprochene Kredit des IWF – und das, obwohl Russland die Kriterien dafür nicht erfüllte. In Anbetracht des amerikanischen Anteils am IWF-Budget, stammte in Tat und Wahrheit ein Grossteil des Kredits aus den USA. Jelzin benutzte das Geld, um Beamten die Gehälter zu bezahlen (welche sie zuvor nicht erhielten). Im Geheimen entsendeten die USA auch Wahlkampfexperten, um Jelzin in Sachen Kampagnenführung, Zielgruppenerfassung und Werbetechniken unter die Arme zu greifen.»

Resultat: Jelzin gewann mit 35,28 Prozent der Stimmen. Gennadi Sjuganow erhielt 32,09 Prozent.

Bundesrepublik Jugoslawien 2000

Bild: EPA

«Bei den Präsidentschaftswahlen in der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien im Jahre 2000 unterstützten die USA Oppositionsführer Vojislav Koštunica. Damit wollte man die Wiederwahl von Slobodan Milosevic verhindern, der zuvor etliche Kriegsverbrechen begangen und den gesamten Balkan währen der 90er-Jahre destabilisiert hatte. Die USA befürchteten, dass seine Wiederwahl diesen Trend fortsetzen würde. Die USA lieferten etliches Kampagnenmaterial, darunter auch 5000 Sprühdosen (um Wände mit Slogans zu besprühen) und 2,5 Millionen Aufkleber für Stossstangen (das reichte, um jeden dritten Serben damit auszurüsten). Über 5000 serbische Oppositionelle wurden im Ausland in diversen Kampagnentechniken ausgebildet. Diese kehrten dann nach Hause zurück, wo sie ihre Ausbildung weiter gaben. Ausserdem wurde die Oppositionskampagne mit 17 bis 50 Millionen Dollar gespeist. Wenige Tage vor den Wahlen gaben die USA ausserdem bekannt, dass sämtliche Sanktionen gegen Jugoslawien aufgehoben würden, wenn Milosevic verlöre.»

Resultat: Koštunica gewann, wurde dann aber erst nach einem Aufstand zum Präsidenten erklärt.

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Video: reuters

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ville_16 21.07.2017 08:00
    Highlight Highlight Ja, wenn zwei das gleiche tun so ist es nicht dasselbe. Denn dann hört man vom Ami und seinen Trollen nur noch *mimimi*
  • Spooky 20.07.2017 19:11
    Highlight Highlight Super Artikel. Aber ich sehe das Problem nicht. Dem sagt man Machtpolitik.
    • Amarama 02.10.2017 14:40
      Highlight Highlight Ich sehe diese Machtpolitik als Angriff gegen die Demokratie! und zwar ganz Klar!
    • Spooky 02.10.2017 19:13
      Highlight Highlight Seit wann hat Machtpolitik etwas zu tun mit Demokratie? Seit ihren Anfängen in der Antike ist die Demokratie ein machtvoller Hebel in den Händen der Schlauen, um die Dummen in ihrer Dummheit zu stabilisieren.
  • Jimmy No 20.07.2017 13:34
    Highlight Highlight https://www.heise.de/tp/features/Der-Staat-Jugoslawien-stand-dem-strategischen-Entwurf-der-USA-im-Wege-3378506.html

    sestra moja, Yugoslavia..
  • Eksjugo 20.07.2017 13:16
    Highlight Highlight Betreffend Kostunica gibt es so viele Paradoxe:

    Er wurde von den USA unterstützt aber..

    - er war und ist gegen die Souverenität des Kosovos

    - er unterstützte Mladic und Karadzic und unter seiner Amtszeit als Premier und Präsident blieben die beiden "verschollen"

    - Zoran Djindjic

  • NWO Schwanzus Longus 20.07.2017 12:05
    Highlight Highlight Das Russland die Wahlen 2016 beeinflusst hat ist keinesfalls erwiesen worden. Bis jetzt gibt es keine klaren Beweise dafür. Dies kann man nicht als Fakt ansehen. Die Wahl ansich lief Fair und regelkonform.
    • Bene86 20.07.2017 12:23
      Highlight Highlight Immer wieder liest man von diesen vermeintlichen Beweisen. Und immer wieder wird es daraufhin schlagartig ruhig. Ich kann die USA nicht mehr ernst nehmen. Bis vor 2-3 Jahren war ich der Überzeugung, dass die Amerik. Regierung unserer Freunde wären, schliesslich haben wir doch ein Nato-Bündnis, etc,. Man liest selten Negativ-Schlagzeilen in den öffentl. Zeitungen und in den Filmen waren sie doch immer die guten Jungs, die einem aus der Patsche helfen. Falsch gedacht. Die Bedrohung Nr. 1 ist für die meisten Länder die USA, auch wenn von anderen Staaten auch Konfliktpotential vorhanden ist.
    • äti 20.07.2017 14:10
      Highlight Highlight @bene, wie sähen denn solche Beweise aus?
    • walsi 20.07.2017 17:32
      Highlight Highlight @äti: Mitschnitte von Telefonaten, Bankauszüge die den Geldfluss von Russland in die USA aufzeigen, Videos, Zeugen die mit ihrem Namen unter Eid aussagen usw.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 20.07.2017 11:34
    Highlight Highlight Watson ist ein Putin Megatroll (Ironie off). Was sagt Herr Löpfe dazu?
  • John Smith (2) 20.07.2017 11:05
    Highlight Highlight Ein «Dilemma»? Aber sicher nicht für die USA! Die sehen so Sachen nämlich ganz einfach: Wir sind die Guten, also dürfen wir, die anderen sind die Bösen, also dürfen sie nicht. Eine Sichtweise, die übrigens nicht nur auf die USA beschränkt ist.
    • Mikki 20.07.2017 11:59
      Highlight Highlight Bin ürsprünglich aus montenegro meine südlichen nachbarn haben genau die gleiche sichtweise!!
    • Nonqi 20.07.2017 13:37
      Highlight Highlight @Mikki Urteile nicht ohne wirklich Kenntnisse zu haben... Lieber mal mit der Aufarbeitung beginnen und in die Zukunft schauen. Weniger mit dem Finger auf andere zeigen und mehr vor der eigenen Türe kehren.
    • Mikki 20.07.2017 16:40
      Highlight Highlight Was hast den du für kenntnisse ausser dass was dir deine eltern erzählt haben??
    Weitere Antworten anzeigen
  • walsi 20.07.2017 10:51
    Highlight Highlight Einen Daumen hoch für diesen Artikel!
    • Moudi 20.07.2017 11:59
      Highlight Highlight Genau! Fortsetzung von Gesten! Einfach Top Pädu!

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

Proteste der «Gelbwesten» mit Krawallen und Ausschreitungen haben Frankreich an diesem Wochenende erneut in Atem gehalten. Unter die Demonstranten mischten sich anscheinend auch Schweizer Linksautonome.

Mitglieder der Revolutionären Jugend Bern schreiben auf Facebook, sie hätten sich in Paris ein Bild der Bewegung machen können, das «sehr positiv und motivierend» ausfalle. Darunter publizieren sie ein Foto eines brennenden Autos. 

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