Russland-Drohnen: Wie ukrainische Hacker Moskaus geheime Routen enttarnten
Während Drohnen über ukrainische Städte und Felder fliegen, sitzen anderswo Analystinnen und Analysten vor Bildschirmen und beobachten, was auf gegnerischer Seite passiert. Jetzt zeigt eine Recherche aus der ukrainischen Cyber-Community, wie tief diese digitale Front reicht – und welche Rolle Belarus dabei spielt.
Wie das ukrainische Portal «Militarnyi» berichtet, ist es Hackerinnen und Hackern gelungen, sich Zugang zu russischen Militärkonten zu verschaffen. Die Operation wurde demnach vom Cyber-Analysezentrum Fenix in Zusammenarbeit mit der internationalen Geheimdienst-Community Informnapalm durchgeführt.
Sechs Monate im System der Drohnenpiloten aus Russland
Laut Militarnyi hackten sich die Cyber-Expertinnen und Experten in die Accounts von Dutzenden russischen Militärangehörigen ein. Dadurch erhielten sie Zugriff auf Monitoring-Systeme, die von russischen Drohnenoperatoren genutzt werden.
Wichtig: Die ukrainischen Hacker übernahmen keine Kontrolle über die Drohnen. Sie konnten jedoch die Aktivitäten der Operatoren mitverfolgen und Informationen in Echtzeit an die ukrainischen Verteidigungskräfte weiterleiten. Geheimdienstmitarbeitende organisierten demnach eine «rund um die Uhr» laufende verdeckte Überwachung der kompromittierten Accounts. Die gewonnenen Daten wurden unmittelbar an die ukrainischen Streitkräfte übermittelt.
Das habe die Lageübersicht der Verteidiger «signifikant verbessert» und es ermöglicht, russische Drohnen «effektiv abzuschiessen und zu unterdrücken», berichtet «Militarnyi» unter Berufung auf Informnapalm.
Die Cyber-Operation lief laut Bericht über mehr als sechs Monate. Erst im Februar 2026 sei ihr operativer Aufklärungswert erschöpft gewesen. Ein Grund dafür war, dass ukrainische Streitkräfte in dieser Zeit mehrere erfolgreiche Angriffe auf russische Gefechtsstände und Drohnen-Startplätze in Russland und in den besetzten Gebieten der Ukraine durchgeführt hätten. Genannt werden zudem Standorte der russischen Eliteeinheit «Rubikon».
Hacker enthüllen Belarus als Infrastruktur-Hub im Ukraine-Krieg
Besonders brisant sind die Erkenntnisse zur Rolle von Belarus. Bereits im September 2025 hätten Analystinnen und Analysten bei der Auswertung abgefangener Chats russischer Operatoren festgestellt, dass Russland aktiv zivile Infrastruktur auf belarussischem Gebiet nutze. Konkret gehe es um Mobilfunkmasten. Diese würden eingesetzt, um stabile Signale für Drohnenangriffe auf Ziele an der Nord- und Westgrenze der Ukraine zu gewährleisten.
Teilweise seien Drohnen dabei in den Luftraum von Nato-Staaten eingeflogen, heisst es im Bericht. In der Nacht vom 9. auf den 10. September 2025 sind demnach Dutzende russische Drohnen über Polen geflogen. Laut den ausgewerteten Informationen habe es sich dabei um einen Test neuer Taktiken gehandelt, bei dem die belarussische zivile Mobilfunkinfrastruktur eine Rolle spielte.
Ziel war es demnach, Logistikrouten in der Ukraine und in Polen anzugreifen, um die Versorgung der Ukraine mit westlichen Waffen und Ausrüstung zu unterbrechen. Die entsprechenden Informationen seien bereits im September 2025 an Nato-Partner weitergegeben worden.
Putin und Lukaschenko: Verhältnis zieht Sanktionen nach sich
Das Verhältnis zwischen Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin gilt seit Jahren als eng, ist aber von klaren Machtasymmetrien geprägt.
Belarus ist wirtschaftlich und sicherheitspolitisch stark von Russland abhängig, unter anderem wegen günstiger Energielieferungen und militärischer Kooperation. Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen in Belarus 2020 und den darauffolgenden Massenprotesten rückte Lukaschenko noch enger an Moskau heran.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stellt Belarus Russland unter anderem sein Territorium für militärische Zwecke zur Verfügung.
Der politische Höhepunkt der Cyber-Operation jedenfalls folgte am 18. Februar 2026. An diesem Tag kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Sanktionen gegen den belarussischen Machthaber an. Als Grund nannte er dessen Beteiligung an der «Eskalation und Verlängerung des Krieges des Aggressorstaates Russland».
Informnapalm betont, die Erfahrungen aus dieser und anderen erfolgreichen Cyber-Operationen hätten wichtige Erkenntnisse gebracht: dass eine tiefe Infiltration gegnerischer Kommunikations-, Planungs- und Koordinierungssysteme einen «signifikanten Einfluss» auf den Verlauf der Kampfhandlungen habe.
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