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Jap, ein brandneues Sportauto ... mit 3 Rädern. Zum Glück gibt's solche Spässe noch

Bild: morgan-motor.com/super-3
Hirnrissig und genial zugleich: Der Morgan Super 3 ist das konsequenteste Gegenmittel zu Konsens und Mainstream in der Autowelt.
05.03.2022, 20:0507.03.2022, 09:17

Jawohl, werte Damen und Herren, das hier ist ein topaktuelles Auto:

Bild: morgan-motor.com

Und keine Einzelanfertigung, notabene, sondern eine Serienproduktion. Obwohl die Totalproduktion am Ende ungefähr ähnlich gross sein dürfte als das, was Ford oder Toyota vor der ersten Kaffeepause herstellt, aber trotzdem: Dies ist ein Auto, das man hier und jetzt im Jahr 2022 kaufen kann.

Bild: morgan-motor.com

Und ja, es hat drei Räder. Dies hat historische Gründe. Es handelt sich hier nämlich um den Morgan Super 3.
Und Morgan ... naja, ... Morgan ist speziell.

Seit 1910 in Malvern in der westenglischen Grafschaft Worcestershire beheimatet (dort, wo die Sauce herkommt, die ihr nicht aussprechen könnt), befindet sich die Firma seit vier Generationen in Familienbesitz. Ebenfalls seit vier Generationen werden die Vehikel von Hand gefertigt. Von Hand. Und heute noch in denselben Fabrikgebäuden wie anno dazumal. Hey, die Spurbreite des neusten Morgan-Modells wurde durch die Türbreite der einen Fertigungshalle diktiert: Breiter geht nicht, weil sonst bringen sie den Göppel nicht nach draussen.

Bild: morgan-motor.com

Falls ihr mal in der Gegend seid: Eine Fabriktour durch die Morgan Pickersleigh Road Factory ist eine der wohltuendsten, charmantesten Unternehmungen, die man sich gönnen kann.

«The Most Honest Car Factory in the World» – in der Tat.Video: YouTube/THE DRIVE

Weshalb aber drei Räder? Morgan baut bekanntlich sehr wohl auch vierrädrige Gefährte (aktuell etwa die muskulösen Sportwagen Plus Four und Plus Six). Angefangen aber hat alles anno 1909 mit drei Rädern. Harry Frederick Stanley Morgan wollte Automobilität allen Schichten zugänglich machen. Billig und wartungsfreundlich mussten sie sein. Ein wenig wie Motorräder, also.

Juristisch galten Harry Morgans «Threewheelers» tatsächlich als Motorräder, weshalb sie keine Kfz-Steuer benötigten, ergo billig im Unterhalt waren. Zudem waren sie mit Motorrad-Motoren ausgestattet, die frei im Fahrtwind stehend über der Vorderachse eingebaut waren. Der Antrieb erfolgte über das einzelne Hinterrad. Im Laufe der Jahre wurden eine grosse Zahl von Varianten gebaut: Zweisitzer, auch Viersitzer – gar Lieferwagen mit Kastenaufbau. Es gab auch Sport- und Rennversionen. So erreichte bereits 1928 ein Threewheeler auf der Brooklands-Rennstrecke eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.

Bild: morgan-motor.com

1950 sattelte Morgan komplett auf Vierräder um ... bis zum Jahr 2012, als zum Erstaunen der Automobilwelt eine neue Version des Threewheelers auf den Markt kam. Dieser war zwar durch und durch mit moderner Technik ausgestattet, hatte aber letztlich immer noch dasselbe alte Layout: 2-Zylinder-Motorradmotor vorne freistehend und dergleichen. Ausserdem gab es ihn in einem WW2-Kampfflieger-Farbschema mit aufgemaltem Haifischmaul und Einschusslöchern. Genial.

Und nun ist der rundum neue Dreiräder da: Morgan Super 3 heisst er.

Bild: morgan-motor.com

Erstmals mit Monocoque-Karosserie und erstmals mit dem Motor unter der Motorhaube (wow – revolutionär!). Laut Morgan-Designchef Jonathan Wells suchte man zunächst nach Motorradmotoren, merkte aber, dass der 1,5-Liter-Dreizylinder Ford «Dragon» die beste Lösung lieferte. Konkret heisst diese beste Lösung: 118 PS – was bei einem knapp 600 Kilo schweren Gefährt eine Beschleunigung von 0-100 km/h in weniger als 7 Sekunden bedeutet und eine Spitzengeschwindigkeit von über 200 km/h.

Was natürlich absolut hirnrissig ist. Denn niemand, garantiert niemand, wird je so schnell fahren wollen. In einem offenen Dreiräder so schnell unterwegs zu sein ist kein Spass, sondern nur noch Stress. Was aber sehr wohl Spass macht, ist, in einem offenen Dreiräder bei mittlerer Geschwindigkeit spritzig und sportlich unterwegs zu sein. Wer jemals ein Oldtimer-Kabrio gefahren ist, weiss, dass sich 80 km/h wie 160 km/h anfühlen.

Bild: morgan-motor.com

«Um ehrlich zu sein, es gab kraftvollere Aggregate zur Auswahl, die gepasst hätten», so Jonathan Wells im Interview, «doch mit dem Ford Dragon war die perfekte Balance gegeben, um sicherzustellen, dass Fahrverhalten und Handling am meisten Spass machen».

Nebst Fahrverhalten macht vor allem etwas Spass: das Design. Obwohl dieses, wie es Wells erklärt, «weitgehend durch technische Zwänge diktiert war». Letztere technischen Zwänge sehen wohl auch vor, dass es demnächst auch eine Elektroversion geben dürfte. Offiziell ist dies noch nicht bestätigt, doch die Tatsache, dass Platz für Akku einberechnet ist (und dass Jonathan Wells ziemlich klare Andeutungen macht), lässt darauf schliessen. Zudem hat Morgan vor drei Jahren den vollektrischen EV3 gebaut:

Bild: morgan-motor.com

Es blieb leider nur beim Prototypen (schon wieder ein hammercooles Design!), doch die Machbarkeit ist bewiesen.

Während der 2012er Three Wheeler quasi ein reines Nostalgieding war, gibt es den Super 3 in drei «trims»/Ausstattungsvarianten. Eine, die Designmässig tatsächlich wieder Retroelemente beinhaltet und auf das Morgan-Kulturerbe setzt, ...

Bild: morgan-motor.com

... eine, die aber minimalistisch-modern daherkommt, ...

Bild: morgan-motor.com

... und eine urchig-funktionale Touring-Version mit Ausstattungs-Elementen wie Seitenkoffer und Gepäckträger und dergleichen.

Bild: morgan-motor.com

Aber, hey – machen wir uns nichts vor: Selbst mit Seitenkoffern und Schnickschnack ist dieses Auto weiterhin komplett unpraktisch. Und auch ein wenig albern.

Und sowas von grossartig.

Leute, rein die Tatsache, dass im Jahr 2022 ein solches Auto existiert, ist ein Gewinn für uns alle. «A fitting antidote to mass-produced automotive manufacturing» heisst es auf der Morgan-Website. In der Tat, ein konsequenteres Gegenmittel zu Konsens und Mainstream gibt es in der Autowelt kaum. Sollen doch die anderen schneller, bequemer, praktischer sein. Cooler ist niemand.

Ach, ja ...

Preislich fängt der Morgan Super 3 bei 40'000 Pfund an (50'000 Franken). Doch selbstredend will man alle Details selbst auswählen, was schnell einmal zu Buche fallen kann. Übrigens ist der Configurator auf der Morgan-Website ein riesiger Spass. So würde mein persönlicher Super 3 aussehen:

Bild: morgan-motor.com

Nein, ich habe nicht nachgeguckt, wie teuer das käme.

Bonus: In-Depth Walkaround with Jonathan Wells

Auto #unfucked

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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Statler
05.03.2022 20:50registriert März 2014
Geiles Teil...

… und so sieht man aus, wenn man schneller als 60 fährt
Jap, ein brandneues Sportauto ... mit 3 Rädern. Zum Glück gibt's solche Spässe noch\nGeiles Teil...

… und so sieht man aus, wenn man schneller als 60 fährt
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