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Kommentar

Einfach losfahren – eine Ode an den Roadtrip

Bild: watson/obi
In einer Zeit, in der eine möglichst rapide Reise an einen Ort, wo man wiederum möglichst rapide dem Konsum frönen kann, die Norm ist, hat ein Roadtrip fast etwas Meditatives.
04.04.2022, 10:5105.04.2022, 11:28

Und? Wie macht ihr so Ferien? In den Flieger steigen, dicht gedrängt ans andere Ende der Welt düsen und dort dann zwei Wochen lang auf Kommando entspannen?

Oder mit Sack und Pack in die Berge hinauf und sich in die Seilbahn quetschen, um danach die Berghänge hinunterzurutschen?

Andere gehen Campen. Wiederum andere Backpacken. Hat alles durchaus seinen Reiz.

Ich, hingegen, liebe nichts so sehr wie ein spontaner Roadtrip.

Losfahren. Locker und ungestört Strecken zurücklegen. Kilometer fressen. Epische Landschaften reinziehen. Dabei eine kuratierte Playlist hören oder vielleicht einen spannenden Podcast. Oder auch nicht – stattdessen einfach die Ruhe geniessen und die Gedanken wandern lassen. Und irgendwann dann mal, zu einem Zeitpunkt, den man selbst bestimmt, an einem Ziel eigener Wahl ankommen.

<sup>Spontan anhalten können, wenn einem gerade danach ist. Auch mal nice, oder?<br></sup>
Spontan anhalten können, wenn einem gerade danach ist. Auch mal nice, oder?
bild: watson/obi

In einer Zeit, in der eine möglichst rapide (Flug-)Reise an einen Ort, wo man wiederum möglichst rapide wieder dem Konsum frönen kann, die Norm ist, hat ein Roadtrip fast etwas Meditatives.

Hey, Zugreisen liebe ich aus mitunter ähnlichen Gründen wie Roadtrips: Aus dem Fenster gucken und die Landschaft geniessen und dadurch eine innere Ruhe entwickeln. Nice. Die Autofahrt bietet den psychologischen Vorteil, dass man den Horizont vor Augen hat; die Zugfahrt wiederum den praktischen Vorteil, dass man nicht selber fährt und deshalb auch mal in den Restaurantwagon tschalpen kann, um sich ein Glas Weisswein zu gönnen. Dafür ist man aber an einen konkreten Zielort gebunden und muss sich einem Fahrplan unterordnen.

<sup>Ja, ich bin tatsächlich mal mit einem Alligator auf dem Rücksitz von Avignon nach Zürich gefahren. Es war grossartig. <br></sup>
Ja, ich bin tatsächlich mal mit einem Alligator auf dem Rücksitz von Avignon nach Zürich gefahren. Es war grossartig.
Bild: watson/obi

Letzteres ist entscheidend, denn, wenn man's richtig macht, ist Roadtrippen ein Freiheitserlebnis, wie es nur noch wenige gibt. Kein Terminstress. Kein «bitte zwei Stunden vor Abflug eintreffen». Kein «Umsteigezeit 5 Minuten – ui schaffen wir den Anschluss? Auf welchem Perron steht der?» Kein Kofferschleppen.

Ich empfehle nämlich folgende Vorgehensweise: Meist wird nur minim geplant; oftmals gar nicht. Grobes Ziel ist es, in X Tagen in Stadt Y angekommen zu sein. Der Weg dorthin ist die Variable. Vielleicht habe ich ein paar Freunde, die in Stadt Z wohnen, die ich unterwegs besuchen könnte. Vielleicht liegt die eine oder andere Sehenswürdigkeit auf dem Weg. Oder eben nicht gleich am Weg, denn die Detour ist Teil des Erlebnisses. Und so stehe ich am Morgen auf, überlege mir kurz, wie lange ich fahren möchte/kann und organisiere mir auf der App die Übernachtung am entsprechenden Wegpunkt (übrigens: wenn man derart kurzfristig bucht, gibt es öfters als nicht grossartige Deals).

<sup>Aaaaaand relax! Ausspannen im Channel Tunnel.</sup><br>
Aaaaaand relax! Ausspannen im Channel Tunnel.
Bild: watson/obi

Okay, ja: Gewisse Länder eignen sich besser als andere für Roadtrips, keine Frage. Frankreich, etwa. Oder Spanien. Oder die USA. Länder, die eine gewisse Grösse und Weite haben; Gegenden, in der genug Platz ist, um die Landschaften geniessen zu können. Ein kleines Mass an Monotonie ist notwendig, um richtig zu entspannen. Die Schweiz eignet sich eher als Startpunkt, da das Land in einem halben Tag bereits durchquert ist.

Die lange Fahrt auf der Strasse zwingt einem, ein Land mit anderen Augen zu sehen. An eine Feriendestination fliegen und dort die vorsondierten Sehenswürdigkeiten abklappern mag unterhaltsam sein, aber an einer Tankstelle mitten im Nirgendwo oder in einer kleinem Resti, wo hauptsächlich Lastwagen-Chauffeure einkehren, lernt man, wie die Menschen ticken. Ausserdem führt die Strasse nicht ausschliesslich an Insta-Panoramen vorbei (okay, in Frankreich eigentlich schon fast immer), sondern auch an weniger bekannte Orte, die aber den Kitt eines Landes ausmachen.

<sup>Etwa an <em>Conde's Middle of Nowhere Gas Station</em> (jap, die heisst so), irgendwo auf der I-8 in Arizona. <br></sup>
Etwa an Conde's Middle of Nowhere Gas Station (jap, die heisst so), irgendwo auf der I-8 in Arizona.
Bild: obi/watson

Ja, der Zeitpunkt ist auch nicht unwichtig. Wer beschliesst, am Karfreitag einen Roadtrip durch den Gotthard zu machen, wird weder Road noch Trip bekommen. Ohnehin ist es von Vorteil, möglichst von Terminen unabhängig zu sein. Macht man einen Roadtrip mit mehreren Leuten, ist es wichtig, dass niemand dabei ist, der hetzt. Und am schönsten sind Roadtrips ohnehin zu zweit mit dem Schätzli.

Viel wird heutzutage von grassierender Hektik und Stress gesprochen. Davon, dass man «ausklinken» soll, oder «die Langsamkeit entdecken». Man bucht Yoga-Kurse und Meditations-Seminare. Mindfulness und so. Etwas für die Seele tun. Und für die Kassen der Wellness-Industrie.

Was auch ginge: Ein paar Tage frei machen und einen Roadtrip unternehmen. Einfach losfahren.

<sup>Demnächst wieder mal. Garantiert.<br></sup>
Demnächst wieder mal. Garantiert.
Bild: obi/watson

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111 Kommentare
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MrXanyde
04.04.2022 13:02registriert Dezember 2016
Im Sommer mqch ich einen Roadteip mit dem Motorrad: über Frankreich nach Calais, dann Fähre nach England, Westküste hoch bis Edinburgh, Ostküste runter und dann via Deutschland retour 😎🙌
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kusel
04.04.2022 13:10registriert Januar 2015
Ein Roadtrip hat wirklich seinen Reiz. Ich habe meine USA-Reisen sehr genossen 100% Roadtrips). Und jetzt - versuche ich einen Plan zu schmieden, wie ich mit meinem kleinen Elektroflitzer Kopenhagen erreichen werde. Mein erster, elektrifizierter Roadtrip. Und das mit einem Elektroauto, welches maximal 270 KM weit kommt - im besten Fall. Ich werde aufs Alter hin deutlich mutiger...
Einfach losfahren – eine Ode an den Roadtrip\nEin Roadtrip hat wirklich seinen Reiz. Ich habe meine USA-Reisen sehr genossen 100% Roadtrips). Und jetzt - versuche ich einen Plan zu schmieden, wie ich mit meinem kleinen Elektroflitzer Kopenhagen erreichen werde. Mein erster, elektrifizierter Roadtrip. Und das mit einem Elektroauto, welches maximal 270 KM weit kommt - im besten Fall. Ich werde aufs Alter hin deutlich mutiger...
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Lol28
04.04.2022 15:13registriert April 2021
4 Wochen Roadtrip durch England bis hoch nach Dundee, Schottland! Unterwegs 2 mal Freunde besucht, die restlichen Stops wurden spontan eingelegt oder basierend auf Empfehlungen der Einheimischen. Alte Queen Songs hören während man auf Landsträßchen durch den Nothhumerland Nationalpark düst und abends am Meer Fish n Chips futtert - Freiheit pur und bester Urlaub ever!
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