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Frauen der Geschichte

6 unglaubliche Rennfahrerinnen der Auto-Geschichte, die du kennen solltest

Bild: Getty
Sie waren stets eine Minderheit und mussten sich erstickendem Sexismus widersetzen. Und sie scherten sich einen Deut darum und gaben Gas.
16.03.2021, 10:5517.03.2021, 11:39

Gestatten, Catie Munnings:

Catie ist eine 23-jährige britische Rallye-Fahrerin, Gewinnerin der FIA European Rally Championship Ladies Trophy 2016 und aktuell unter Vertrag bei Andretti United Extreme E. Und Munnings steht hier stellvertretend für den Nachwuchs einer stetig wachsenden Gilde von Rennfahrerinnen weltweit.

Aber: Trotz der Erfolge von Damen wie Danica Patrick (IndyCar), Ashley Force Hood (Dragster) und anderer Grössen des Sports ist die Frauenquote nach wie vor gering. Dabei gab es seit Beginn der Geschichte des Automobils etliche eigenwillige Damen, die sich hinter das Steuer setzten und Gas gaben. Und sich dabei gegen erstickenden Sexismus durchsetzten.

«Schuld waren diese verdammten Girls! Sie fuhren, als wären sie zu einer verdammten Beerdigung unterwegs! Eine Frau gehört an den Herd. Und wenn sie nicht am Scheiss-Herd ist, sollte sie die Scheiss-Wiege beaufsichtigen. Und sonst gehört sie ins Bett.»

Dieses Zitat stammt vom australischen Rennfahrer Paul Hawkins, der nach einem Crash im 12-Stunden-Rennen von Sebring 1967 die Schuld dem Rennteam von Janet Guthrie und Liane Engeman gab. Nur so als Beispiel für das, womit sich Rennfahrerinnen herumschlagen mussten.

<em>Modified Stock Car Racers</em> – irgendwo in den USA in den späten 1940ern.
Modified Stock Car Racers – irgendwo in den USA in den späten 1940ern.
Bild: Getty
Judy Kondratieff, Janet Guthrie, Sharlene Seavey und Rosemary Smith vom Ring Free Oil Racing Team mit ihrem Austin-Healey Sprite vor dem <em>12 Hours of Sebring</em>, 1970.
Judy Kondratieff, Janet Guthrie, Sharlene Seavey und Rosemary Smith vom Ring Free Oil Racing Team mit ihrem Austin-Healey Sprite vor dem 12 Hours of Sebring, 1970.
Bild: motorsportfriends.ch
NASCAR-Fahrerin Lyn St. James auf ihrem Spice Engineering Ford in Le Mans, 1989.
NASCAR-Fahrerin Lyn St. James auf ihrem Spice Engineering Ford in Le Mans, 1989.
Bild: AP NY

Gut, dass es immer wieder Frauen gab, die sich einen Deut darum scherten. Vorhang auf für sechs sehr, sehr coole Pionierinnen aus der Geschichte des Rennsports:

Hier handelt es sich um eine willkürliche Auswahl. Wer eine umfassende Liste möchte, kann beim Blog «Speed Queens» nachschlagen, wo einige Hundert nennenswerte Fahrerinnen aufgezeichnet sind.

Liane Engeman

Liana Engeman: Von den Niederlanden über Kalifornien nach Le Mans und zurück.
Liana Engeman: Von den Niederlanden über Kalifornien nach Le Mans und zurück.
Bild: shutterstock

Liane Engeman begann ihre Rennkarriere in den Sechzigerjahren in den heimatlichen Niederlanden in Mini Coopers. Bald aber nahm sie an der britischen Tourenwagen-Meisterschaft teil, gefolgt von Formel 3, bis sie schliesslich bei der Meisterschaft des Sports Car Club of America (SCCA) mitfuhr. In den USA spannte sie oftmals mit Kolleginnen wie Janet Guthrie, Donna Mae Mims oder Suzy Dietrich in reinen Frauenteams zusammen. Doch auch in Europa blieb sie präsent, fuhr unter anderem die 24 Stunden von Le Mans oder Targa Florio.

Janet Guthrie, Donna Mae Mims und Liane Engeman (v.l.) 1969 in Sebring.
Janet Guthrie, Donna Mae Mims und Liane Engeman (v.l.) 1969 in Sebring.
Bild: wikicommons

Janet Guthrie

Gratulation nach Guthries Qualifikation für die 1976er Indianapolis 500.
Gratulation nach Guthries Qualifikation für die 1976er Indianapolis 500.
Bild: Getty

Engemans Co-Fahrerin am 1967er Langstreckenrennen von Sebring war Janet Guthrie, die von Beruf eigentlich Luft- und Raumfahrt-Ingenieurin war und Rennsport anfänglich nur als Hobby betrieb (nur so von wegen «Eine Frau gehört an den Herd»). Sie erwies sich aber als derart talentiert, dass sie ab 1972 vollberuflich Rennen fuhr. Guthrie schrieb Motorsportgeschichte als erste Frau, die sowohl am Indianapolis 500 als auch am Daytona 500 teilnahm. Ausserdem war sie die erste Frau, die in einem Rennen der NASCAR Winston Cup Series führte.

Durchschnittsgeschwindigkeiten um die 280 km/h – das war NASCAR in den Siebzigerjahren.
Durchschnittsgeschwindigkeiten um die 280 km/h – das war NASCAR in den Siebzigerjahren.
bild: key

Zeitlebens engagierte sie sich wortstark gegen den strukturellen Sexismus in der Branche. In ihrem konkreten Fall äusserte sich das darin, dass sie – obwohl sie als Frau viel mehr Publicity als die männlichen Kollegen bekam – dennoch stets Schwierigkeiten bekundete, adäquates Sponsoring zu finden.

«Die Sponsoren wollen die Publicity, die der Rennsport bringt. Aber eine erfolgreiche Fahrerin bekommt zehnmal so viel Aufmerksamkeit wie ein Mann. Weshalb bekommen Männer ein Sponsoring und Frauen nicht?»
Bild: ISC Archives

Im Jahr 2019 wurde Guthrie für ihre Leistungen im Motorsport in die Automotive Hall of Fame aufgenommen.

Hellé Nice

Hellé Nice am 2. Juni 1929 am Frauen-GP in Montlhéry, laut Eigenbekunden «nach einer langen Nacht voller Champagner, Morphium und Sex». Sie wurde Erste.
Hellé Nice am 2. Juni 1929 am Frauen-GP in Montlhéry, laut Eigenbekunden «nach einer langen Nacht voller Champagner, Morphium und Sex». Sie wurde Erste.
Bild: wikicommons

Bevor Mariette Hélène Delangle eine Ikone des Motorsports wurde, hatte sie bereits eine erfolgreiche Karriere als Model und Balletttänzerin absolviert. Derart erfolgreich, dass sie sich mit 26 Jahren bereits ein Landanwesen und eine Jacht erstehen konnte. Doch ein Skiunfall mit Knieverletzung beendete die Tanzkarriere von Hellé Nice, wie ihr Künstlername lautete, weshalb sie auf Autorennsport umsattelte und prompt grosse Erfolge in Grand Prix, Rally und Bergrennen erzielte.

1933 wechselte Nice von Bugatti zu Alfa Romeo.
1933 wechselte Nice von Bugatti zu Alfa Romeo.
Bild: wikicommons

Im Jahr 1936 lag sie beim Grand Prix von São Paulo auf dem dritten Platz, als ihr Alfa Romeo sich überschlug und in die Tribüne krachte, wobei sechs Menschen starben. Nice wurde aus dem Auto geschleudert und landete auf einem Soldaten, der die volle Wucht des Aufpralls abfing und ihr das Leben rettete. Die Wucht des Aufpralls tötete den Soldaten, und versetzte Nice in ein Koma, aus dem sie drei Tage später erwachte.

Nices Unfall 1936 in São Paulo.
Nices Unfall 1936 in São Paulo.
Bild: wikicommons

Ihr Sozial- und Liebesleben war ebenso extravagant wie ihre Fähigkeiten hinter dem Steuer und Hellé Nice unterhielt Liebschaften mit etlichen Rennfahrer-Kollegen ihrer Ära. Doch das (sehr wahrscheinlich erfundene) Gerücht, sie habe während der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg eine Liason mit einem SS-Angehörigen unterhalten, verunmöglichte eine Wiederaufnahme ihrer Karriere nach dem Krieg. Das Stigma haftete und Nice würde nie wieder an einem Autorennen teilnehmen. Auch ihre Familie wandte sich von ihr ab und Hellé Nice lebte in zunehmend ärmlichen Verhältnissen, bis sie mit 83 Jahren vergessen in Nizza verstarb.

1930 am <em>Grand Prix Bugatti</em>.
1930 am Grand Prix Bugatti.
Bild: wikicommons

Donna Mae Mims

Donna mit rosa Helm und rosa Rennanzug in ihrem rosa MGB, 1964.
Donna mit rosa Helm und rosa Rennanzug in ihrem rosa MGB, 1964.
Bild: Getty
«Du kannst es dir nicht erlauben, nett zu sein. Höflichkeit existiert auf der Rennstrecke nicht. Ich bin nur für etwas da draussen – um zu gewinnen. Denn niemand erinnert sich an den zweiten Platz.»

So spricht jemand, die als erste Frau die nationale Meisterschaft des Sports Car Club of America (SCCA) gewann. So taff ihr sportliches Ethos auch war, achtete Donna Mae Mims stets darauf, ihren Spass am Wettkampf zu haben. Und zum Spass gehörte, sich das Image als The Lady In Pink zuzulegen: Rosafarbene Renn-Anzüge; ihre Autos – Mims fuhr u.a. MGB, Corvette, Chevrolet Corvair, Triumph TR-3, Austin Healey Sprite – waren ebenfalls allesamt in Pink lackiert.

Mims' «Think Pink»-MGB in Aktion.
Mims' «Think Pink»-MGB in Aktion.
Bild: facebook

1972 nahm Mims am illegalen Cannonball-Run-Strassenrennen von New York nach Los Angeles teil, als Teil eines reinen Frauenteams, das später die Inspiration für die Lamborghini-Damen im Film «Cannonball Run» war.

Mims (r.) und ihr Cannonball-Run-Team, 1973. Ihr Cadillac überschlug sich mit 160 km/h. Glück im Unglück: Niemand wurde verletzt.
Mims (r.) und ihr Cannonball-Run-Team, 1973. Ihr Cadillac überschlug sich mit 160 km/h. Glück im Unglück: Niemand wurde verletzt.
Bild: facebook

Mims starb 2009 an einem Schlaganfall. Gemäss ihren Wünschen wurde ihr Leichnam zur Aufbahrung auf den Fahrersitz einer pinkfarbenen Chevrolet Corvette gesetzt.

Michèle Mouton

«Heutiger Rallyesport ist für Jungs. Gruppe B war für Männer.» So heisst es in der Einführung jenes Videos mit haarsträubend gefährlichen Szenen aus den Wettkämpfen der Achtzigerjahre, als gefährlich übermotorisierte Gruppe-B-Autos in halsbrecherischem Tempo sich durch unkontrollierte Zuschauermengen schlängelten. Nun, abgesehen davon, dass jener Spruch ordentlich doof ist, lässt er zudem komplett ausser Acht, dass eine der erfolgreichsten Fahrerinnen dieser Ära kein Mann war. Michèle Mouton – die anfänglich für Alpine und Fiat fuhr, später für Audi und Peugeot – gilt als die erfolgreichste und bekannteste Rallyefahrerin der Motorsport-Geschichte.

Michele Mouton (r.) und Beifahrerin Fabrizia Pons am RAC Rally of Great Britain, 1984.
Michele Mouton (r.) und Beifahrerin Fabrizia Pons am RAC Rally of Great Britain, 1984.
Bild: Getty Images Europe
Bild: Getty Images Europe

Nach mehreren schweren Unfällen verbot die Fédération Internationale de l’Automobile 1986 die weitere Verwendung von Gruppe-B-Fahrzeugen im Rahmen der Rallye-Weltmeisterschaft. Kurz danach beendete Mouton ihre Karriere. Mit als Grund nannte sie, dass die neuen, aus ihrer Sicht «gezähmten», Autos langweilig zum Fahren seien. Dennoch blieb sie im Sport präsent und seit 2011 ist sie offizielle WRC-Managerin der FIA.

Dorothy Levitt

Levitt in ihrem Napier auf der Brooklands-Rennstrecke, 1908.
Levitt in ihrem Napier auf der Brooklands-Rennstrecke, 1908.
Bild: Hulton Archive
«Ratschlag für Autofahrerinnen: Tragen Sie immer eine Handfeuerwaffe bei sich.»

Verehrte Damen und Herren, wir präsentieren: Dorothy Levitt, erste Rennfahrerin Grossbritanniens, Weltrekordhalterin des allerersten Geschwindigkeitsrekords auf dem Wasser, Inhaberin des Weltrekords für Frauen auf dem Land, Feministin, Autorin, gelegentliche Gesetzesbrecherin und ganz offensichtlich eine ziemliche Exzentrikerin.

Das Titelblatt von Levitts Buch, «The Woman and the Car».
Das Titelblatt von Levitts Buch, «The Woman and the Car».

Geboren 1882 als Elizabeth Levi in Hackney, London, brachte sie Königin Alexandra und den Prinzessinnen das Autofahren bei. Im Jahr 1905 stellte sie den Rekord für die längste Fahrt einer Automobilistin auf, indem sie einen De Dion-Bouton in zwei Tagen von London nach Liverpool und zurück fuhr, was ihr von der Presse den Übernamen «Fastest Girl In the World» einbrachte. Sie wurde einmal mit einem Bussgeld von 5 Pfund belegt, weil sie im Hyde Park zu schnell gefahren war und, als sie angehalten wurde, dem Polizeibeamten bedeutete, sie «würde gerne jeden Polizisten überfahren und wünschte sich insbesondere, sie hätte gerade ihn überfahren und dabei getötet».

Levitt am Steuer eines Napiers bei den Brighton Speed Trials 1905, wo sie einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Frauen aufstellte und ihre Klasse sowie die <em>Autocar Challenge Trophy</em> gewann.
Levitt am Steuer eines Napiers bei den Brighton Speed Trials 1905, wo sie einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Frauen aufstellte und ihre Klasse sowie die Autocar Challenge Trophy gewann.

Levitts Buch «The Woman and the Car: A Chatty Little Handbook for all Women who Motor or Want To», das 1909 erschien, empfahl Frauen, «immer eine Handfeuerwaffe bei sich zu tragen». Und ausserdem «beim Autofahren einen kleinen Handspiegel an einer geeigneten Stelle zu tragen, damit sie ihn von Zeit zu Zeit hochhalten können, um beim Fahren im Verkehr nach hinten zu sehen» – womit sie nachweislich den Rückspiegel erfand, Jahre bevor er 1914 von einzelnen Automobilherstellern eingeführt wurde.

Ach ja, an Schnellboot-Rennen waren nahm sie auch teil. Natürlich.
Ach ja, an Schnellboot-Rennen waren nahm sie auch teil. Natürlich.

Im November 1906, nach dem Aufstellen ihres neuen Weltrekords, war Levitt Gegenstand eines ganzseitigen Profils in der National Penny Illustrated Paper, das die Überschrift trug, «The Sensational Adventures of Miss Dorothy Levitt, - Champion Lady Motorist of the World». In dem Artikel beschrieb sie das Gefühl, mit grosser Geschwindigkeit unterwegs zu sein:

«Wunderbar. Man kann die Empfindungen kaum beschreiben. Es ist ein Gefühl, als würde man durch den Weltraum fliegen. Ich denke nie an die Gefahr. So was geht gar nicht. Aber ich weiss, dass sie allgegenwärtig ist. Die kleinste Berührung mit der Hand und das Auto weicht aus, und Ausweichmanöver sind meist tödlich. Aber ich bin ein guter Spieler und immer bereit, das Risiko einzugehen. Bei diesem Tempo ist es am schwierigsten, im Auto zu bleiben. Die Hälfte der Zeit berühren die Räder den Boden überhaupt nicht, und wenn sie ihn berühren, muss man bereit sein, den Stoss und das Schlingern zu verkraften, sonst fliegt man raus. Es ist viel anstrengender, im Auto zu sitzen, als ein galoppierendes Pferd über die Sprünge eines Hindernisrennens zu reiten. Als ich die Rekorde machte, sass ich allein im Auto. Das ist mir lieber.»

Auto #unfucked

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