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Darum liebt Gen Z Vintage Gegenstände wie CDs oder MP3-Player

Voici pourquoi la Gen Z s’arrache ces «pièces vintage»
In den sozialen Medien boomt die «Analog Bag».bild: watson

Darum reisst sich die Gen Z um diese «Vintage-Stücke»

Lange Zeit dachte man beim Thema Vintage an Schallplatten und Plattenspieler. Seit Kurzem setzen sich auf Flohmärkten und in den sozialen Medien weitere Gegenstände durch: CDs, Kassetten, MP3-Player und digitale Geräte aus den 2000er Jahren. Eine neue Nostalgie, die ganz im Zeichen der Generation Z steht.
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08.02.2026, 15:2008.02.2026, 15:20
Margaux Habert

Wenn man heute über Flohmärkte schlendert, sei es in Miami, Mailand, London oder anderswo auf der Welt, fällt ein Detail sofort ins Auge. Wo vor einigen Jahren noch Plattenkisten zum Träumen einluden, ziehen heute Digitalkameras aus den 2000er Jahren, tragbare CD-Player, iPods, MP3-Player und sogar alte Nokia- oder BlackBerry-Handys die Blicke auf sich.

Vintage hat sich gewandelt. Die grosse schwarze Schallplatte ist passé, stattdessen gibt es nun zerkratzte CDs, Radiokassetten und digitale Kompaktgeräte aus dem Jahr 2007. Dieser Wandel lässt sich nicht einfach auf einen blossen Gadget-Trend reduzieren. Er ist Teil einer breiteren Bewegung, die eine Rückkehr zu Technologien anstrebt, die als einfacher, greifbarer und vor allem weniger aufdringlich als Smartphones gelten.

Lange Zeit auf die Nostalgie der Millennials beschränkt, übt diese Faszination für «Pre-iPhone»-Objekte nun auch eine Generation in ihren Bann, die deren Blütezeit paradoxerweise oft gar nicht selbst miterlebt hat.

«Retrotech» als Anti-Smartphone-Lösung

In den USA hat dieser Trend mit den zunehmenden Einschränkungen für die Nutzung von Mobiltelefonen an den Schulen eine neue Dimension erreicht. In mehr als einem Dutzend Bundesstaaten sind Smartphones inzwischen eingeschränkt oder sogar verboten. Die Folge: Schülerinnen und Schüler suchten nach Alternativen. Und fanden sie in den Kellern ihrer Familien, auf eBay oder in Secondhand-Läden.

CD-Player von Sony, iPod Nano, Shuffle oder Classic, einfache MP3-Player und sogar Kassetten-Walkmans haben somit ihr Comeback in den Fluren amerikanischer High Schools gefeiert, wie die New York Times berichtet. Geräte, mit denen man Musik hören kann, ohne Internet, Benachrichtigungen und soziale Medien. Eine perfekte Lücke im Handyverbot … bis einige Schulen beschlossen, auch MP3-Player zu verbieten.

Dieses wiederauflebende Interesse ist nicht nur praktischer Natur, sondern auch kultureller Art. Für viele Jugendliche stellen diese Objekte eine andere, bewusst kompliziertere Art des Musikkonsums dar. Ein Album herunterladen, es auf einen iPod übertragen, eine Kassette mit einem Bleistift zurückspulen: All diese Handgriffe stehen im Kontrast zum sofortigen Streaming und tragen zu einer bewusst gewählten Entschleunigung bei.

Wie in den USA hat sich auch in der Schweiz das Handyverbot in Schulen verbreitet durchgesetzt, beispielsweise in den Kantonen Waadt, Jura oder Neuenburg. Die Massnahme zielt darauf ab, die Konzentration zu verbessern, Cybermobbing einzuschränken und den sozialen Austausch zu fördern. Werden auch die jungen Schweizerinnen und Schweizer wieder die Retro-Technik ihrer Eltern hervorholen?

Gegenmittel für digitales Burnout

Diese Rückkehr zu physischen Medien und «offline» Technologien ist Teil einer immer stärker dokumentierten digitalen Ermüdung. Laut der British Standards Institution gaben im Jahr 2025 46 % der Briten im Alter von 16 bis 21 Jahren an, dass sie lieber in einer Welt ohne Internet aufgewachsen wären. In Frankreich ergab eine 2023 veröffentlichte Studie des Insee, dass 57 % der Internetnutzer unter 20 Jahren mindestens eine negative Auswirkung im Zusammenhang mit der Bildschirmnutzung empfinden.

In den sozialen Netzwerken hat diese Ermüdung Trends wie die «Analog Bag» hervorgebracht: eine Tasche voller Gegenstände, mit denen man sich ohne Bildschirm beschäftigen kann: Analogkameras, MP3-Player, Notizbücher, Bücher, Kreuzworträtsel, Strickzeug oder Kartenspiele. Ironischerweise wird diese Ablehnung der Digitalisierung gerade auf Instagram und TikTok inszeniert.

@siececampbell Been in @Marie Claire Magazine , @Business Insider and sooo many more for this!!! Most effective way to make the days human instead of digital pace. #analogbag #analoglife #whimsywithsiece @Polaroid @Sézane @BAGGU @Papier @Sugar Paper LA ♬ original sound - SIECE CAMPBELL

Aber im Gegensatz zum Comeback der Schallplatte, die oft mit einer Art kulturellem Chic assoziiert wird, begeistern CDs, Kassetten und digitale Kameras durch ihre Zugänglichkeit. Sie sind günstiger, robuster, manchmal schon zu Hause in einer Schublade vorhanden und besser für den Alltag geeignet als ein Plattenspieler, den man stolz im Wohnzimmer als Dekoobjekt präsentiert.

Wenn Nostalgie zu Marketing wird

Es überrascht nicht, dass diese Faszination für Retro-Technik auch wirtschaftliche Auswirkungen hat. Auf Online-Wiederverkaufsplattformen verkaufen sich generalüberholte MP3-Player und iPods wie warme Semmeln, angetrieben von der Nachfrage der jüngeren Generation.

Die Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich ebenfalls an dieser Bewegung. In den letzten Jahren haben mehrere Stars CDs wieder in den Mittelpunkt ihres Merchandisings gestellt und bieten sogar CD-Player in limitierter Auflage an. Damit bieten sie nicht nur eine Möglichkeit, das Streaming zu umgehen, sondern reagieren auch auf eine reale Erwartung des Publikums.

Dennoch bleibt auch die Rückkehr zum Vintage der 2000er-Jahre nicht von den üblichen Paradoxien verschont. Was sich insbesondere als Alternative zum digitalen Überkonsum darstellt, wird bereits von E-Commerce-Plattformen aufgegriffen, die Kassetten und CD-Player zu günstigen Preisen anbieten.

Mehr als nur ein Trend?

Anders als die Schallplatte, die zum Kultsymbol und leicht bürgerlich-bohemen Sammlerobjekt geworden ist, wirkt die Rückkehr von CDs, Kassetten und digitalen Geräten weniger ideologisch und eher pragmatisch. Es geht weniger darum, «zum Authentischen» zurückzukehren als vielmehr darum, die Kontrolle über die eigene Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Weniger Benachrichtigungen, weniger Versuchungen.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Retro-Technik ihren Trendstatus überdauern wird. Eines ist jedoch sicher: Auf Flohmärkten wie auch in Schulranzen ist Vintage mittlerweile in Form eines CD-Players oder Kabelkopfhörer anzutreffen.

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Herrliche Vintage-PC-Werbung aus den 70ern und 80ern
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28 Kommentare
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mike2s
08.02.2026 18:00registriert September 2016
Bei den alten Telefonen besteht zum Teil das Problem das die dazu benötigten Netze abgeschaltet wurde.
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Ameo
08.02.2026 19:29registriert Oktober 2025
Wegen ein paar 100 Gen-Zlern die ein bisschen auf Retro machen, sehe ich noch lange keinen Trend. 🥱
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