Ikonische Retro-Frisuren, die 2026 ruhig mal ein Revival haben könnten
Mit all den Oden und Elegien zum Tod von Brigitte Bardot wurde uns ein Detail wieder mal vor Augen geführt: Verdammt, ist das eine geile Frisur!
Ihr wisst schon welche – die hier, von 1959:
Die Haarpracht etwas auftoupiert, aber gehörig zerzaust, wie es zum Vibe passt, dieser als «Badetuch-Fotoshooting» in die Annalen der Geschichte eingegangene Bilderserie von Fotograf Sam Lévin.
(Ach. Schade, war sie später im Leben eine derartige Fürsprecherin rassistischer Politik. Na ja – anderes Thema.)
Ob dieses Haar-Styling aufgrund des Todes von Bardot ein Revival feiert? Wir werden sehen.
Doch wenn wir es uns gerade so überlegen: Aktuell befinden wir uns in der Style-Ära des «anything goes» – auch, was Frauenfrisuren betrifft. Weshalb uns nebst BBs blonder Mähne von 1959 auch weitere ikonische Damen-Hairstyles von anno dazumal in den Sinn kommen, die doch durchaus ein Revival verdienen würden.
Hier – zur Inspiration – eine Auswahl:
Audrey Hepburn in «Sabrina», 1954
In Anbetracht dessen, dass die Fünfzigerjahre in Sachen Frauenmode stark von Glamour und Üppigkeit geprägt waren, ist es bemerkenswert, wie viele ikonische Kurzhaarschnitte sich durchsetzten. Und keine davon war ikonischer (oder kürzer) als die von Audrey im Filmklassiker «Sabrina» von 1954.
Disco-Afro: Diana Ross, 1975
Diana Ross könnte mehr als sonst jemand im Alleingang für den Verkaufsboom von Afro-Perücken in den Siebzigerjahren verantwortlich sein. Ihr Afro war – in ihren eigenen Worten – «large and in charge, glorious and glamorous».
Marilyn Monroe in «Niagara», 1953
Während Marilyn zweifellos der Inbegriff der platinblonden Sexbombe der Fünfziger ist und bleibt, wird oft vergessen, dass die betreffende Frisur eine ziemlich kurz geschnittene und locker getragene Angelegenheit war. Verdient vielleicht mal ein Comeback!
«Bad Girls With Beehives»: The Ronettes, 1964
«Frisur» ist hier nur das Vorwort, denn die «Bienenstöcke» der Ronettes waren riesige Haarteile, die einer sorgfältigen Montage bedurften. Doch hey – Amy Winehouse hat es auch hinbekommen. (Und Letztere hatte auch die korrekte Antwort parat auf die Frage eines Paparazzo, ob das ihre «eigenen Haare» seien: «Ja, ich habe sie mir selbst gekauft.»)
«Crimson and Clover»: Joan Jett, 1982
Ein sehr ähnlicher Haarschnitt («the wolf cut») war kürzlich bei den Gen-Z-Kids sehr beliebt. Aber Joan Jetts «black shag» war zuerst da.
«A View To a Kill»: Grace Jones, 1985
Eine 200-km/h-Frisur, so ikonisch und skulptural wie Grace Jones selbst. Perfekt für das taffste Bondgirl der Achtzigerjahre.
Ein Engel für Charlie: Farrah Fawcett, 1976
Der perfekte Sturm: Die TV-Serie «Charlie’s Angels» wurde just zu dem Zeitpunkt zum Mega-Hit, als deren Hauptdarstellerin in einer landesweiten Werbekampagne für den «Lady Schick Speed Styler» zu sehen war. Und auf einen Schlag wollte die gesamte Bevölkerung der westlichen Hemisphäre Farrahs «gefiederte» Lockenpracht.
Janet Jackson in «Poetic Justice», 1993.
Mehr Neunziger geht kaum: «Box braids» – Schachtel-Zöpfe – hiess sowas amtlich. Seit deren Blütezeit Mitte der Neunziger eher selten anzutreffen – wäre doch Zeit für ein Revival, nicht?
Die Elfe: Mia Farrow, 1968
«The pixie cut» – der «Elfen-Schnitt»: Nein, Mia Farrow war mitnichten die Erste, die diesen Stil trug (siehe oben genannte Audrey Hepburn oder etwa auch Jean Seberg). Doch Ende der Sechzigerjahre, als sich unter dem Einfluss der Hippies jede und jeder die Haare wachsen liess, sicherte Mia sich mit ihrem unverwechselbaren Look ein Stück Eigenständigkeit.
Stummfilm-Glamour: Louise Brooks, 1928
Wenn wir schon bei ikonischen Kurzhaar-Frisuren sind: Ta-daaa – «the bob cut». Keine trug einen schöneren als Stummfilmstar Louise Brooks – und versinnbildlichte dabei mehr das Konzept der flapper girls, jener Jazz hörenden, Charleston tanzenden, Cocktail trinkenden urbanen jungen Damen der Zwanzigerjahre.
«The Lob»: Anna May Wong, 1933
Trug Frau den Bob hinten etwas länger, die Franse vorn aber kürzer, sprach man vom «lob» – «the long bob» (ein Vokuhila-Bob, quasi). Und niemand sah damit besser aus, als Anna May Wong, die erste asiatische Filmgöttin Hollywoods.
Die Fetish-Franse: Bettie Page, 1952
Vielleicht waren es die Flappers der Zwanzigerjahre, die der Pony-Franse den Hauch des Rebellischen einhauchten; vielleicht war es Anna May Wong mit ihrer geheimnisvollen Exotik. Unbestritten ist, dass es Pinup-Queen Bettie Page mit ihren Fetish-Fotos war, die der Mitte-Stirn-Franse endgültig den Stempel des Verruchten aufsetzte. In den Nullerjahren erlebte dieser Look in den Punk- und Rockabilly-Subkulturen ein Revival. Zeit für ein neues!
«Simply the Best»: Tina Turner, 1989
Eine Frisur wie ein Befreiungsschlag: Tina Turner hatte sich aus dem Würgegriff ihres ehemaligen Ehemanns Ike befreit und eine Solokarriere gestartet, die bald sogar ihren bisherigen enormen Erfolg mit der Ike and Tina Turner Revue in den Schatten stellen sollte. Auf der Bühne stets ein unbändiger Wirbelwind von Leidenschaft und Energie, bewies sie der Welt, dass sie die ultimative, unangefochtene Königin des Rock'n'Roll war. Die Frisur passte: Diese war, wie Tinas Stimme und Performance, gross, wild und ungezügelt.
Die Punk-Katze: Soo Catwoman, 1976
DO IT YOURSELF. Das ist das wahre Ethos des Punks. Ob in der Musik oder im Style. Und die Londonerin Susan Lucas, genannt Soo Catwoman, kreierte anno 1976 ihren Look tatsächlich ganz allein. Bis heute bleibt ihre exzentrische Frisur einzigartig – wenn auch dadurch ein wenig nischenhaft.
«The Miseducation of Lauryn Hill», 1998
Als die sonore Stimme der Fugees stieg sie zum internationalen Star auf. Und als ihr erstes Soloalbum «The Miseducation of Lauryn Hill» erschien, wurden ihre «luftigen» Dreadlocks («bouncy dreads») zum Kultstil einer ganzen Generation junger Afroamerikanerinnen.
Gugus-dada: Veronica Lake, 1943
Sie nannten es die «Peek-a-Boo-Haarlocke» – was am ehesten als «Gugus-Dada-Locke» übersetzt werden könnte. Dies, weil der Haarschnitt Veronicas Gesicht fast zur Hälfte verdeckte und nur ab und an ihr Auge hervorblitzen liess. Natürlich war dies Kalkül der Hollywood-Diva, weil es ihr jene geheimnisvolle Aura verlieh, die so gut zu dem Film-Noir-Genre passte, in dem sie brillierte. Fakt ist, es sah unendlich cool aus.
Die Jazz-Locke: Josephine Baker, 1927
Einen Bob hatten bald mal viele – auch schon damals, in den Zwanzigerjahren. Josephine Baker, Tänzerin, Sängerin, Schauspielerin und der erste wahre globale Superstar dieser Ära, stylte sich noch eine Locke zum Bob – exzentrisch und ikonisch zugleich.
Mein Königreich für einen Pferdeschwanz: Cher, 1972
Chers Pferdeschwanz der frühen Siebziger war ein Stilstatement, gefeiert für seine dramatische Länge bis zu ihrer Taille und darüber hinaus. Dieser Look passte zudem perfekt zu den extravaganten Bob-Mackie-Kostümen, die sie in ihrer TV-Show «The Sonny & Cher Comedy Hour» trug, und festigte ihren Status als Popkultur- und Modeikone – bis zum heutigen Tag.
«Material Girl»: Madonna, 1985
Madonna am Anfang ihrer Karriere: Ein Wirrwarr an Netz-Leibchen, Punk-Armbändeli, katholischem Kitsch, «Boy Toy»-Gürtelschnallen und – ja – Haarspray. Ach, wie wir uns damals alle augenblicklich verliebten! Sie war «Like a Virgin» und «Material Girl» zugleich ... und ihre Frisur gewissermassen auch: dunkle Haarwurzeln und blondierte Spitzen. Und, ja, nochmals: Haarspray. Es waren die Achtziger.
Fehlen noch welche Beispiele? Sagt es uns in den Kommentaren!
Hey, es wäre ja langweilig, wenn alle Menschen da draussen stets nur die drei, vier Frisuren tragen würden, die gerade in Mode sind. Suchst du eventuell einen etwas ikonischeren Look, lohnt es sich vielleicht, ein wenig Inspiration aus der Geschichte der Popkultur zu holen. Nicht alle diese Frisuren gefallen allen gleichermassen. Doch wir alle sollten uns gleichermassen darüber freuen, wenn sich jemand eine davon zulegt. Do it.
