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Hollywood-Autoren und Schauspieler streiken – das musst du dazu wissen

Hollywood steht still – alles, was du zum Schauspieler-Streik wissen musst

Hollywood steht ab sofort still. Neben den Drehbuchautorinnen und -Autorinnen streiken nun auch die Schauspielerinnen und Schauspieler. Ein Überblick über die Situation.
14.07.2023, 19:54
Corina Mühle
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Bereits seit drei Monaten streiken die Drehbuchautorinnen und -Autoren. Dieser Streik kostet die Studios täglich 30 Millionen Dollar. Nun haben die Schauspielerinnen und Schauspieler sich dem Streik angeschlossen und ihre Arbeit niedergelegt. Dies, weil bei Verhandlungen mit dem Verband der TV- und Filmstudios AMPTP keine Einigung für neue Verträge erzielt werden konnte.

Hier findest du einen Überblick darüber, welche Filme betroffen sind, was die Schauspieler ab sofort nicht mehr tun und wie es in der Filmbranche nun weitergeht.

Warum streiken jetzt auch die Schauspieler*innen?

«Der Lebensunterhalt als professioneller Schauspieler wird immer schwieriger, da sowohl die Inflation als auch das Streaming-Ökosystem die Vergütungen unterbieten – während gleichzeitig die Unternehmensgewinne und die Managergehälter in den Studios weiter steigen», schreibt SAG-AFTRA in einem Statement. So zum Beispiel verdienen Stars an Serien, die auf einem Streaming-Dienst laufen, weniger Geld, als wenn Wiederholungen im TV gezeigt werden. Der unregulierte Einsatz von KI sei ebenfalls eine Gefahr für Schauspieler, denn so können sie sehr einfach durch digitale Charaktere ersetzt werden.

SAG-AFTRA-Präsidentin Fran Drescher sagte, sie sei «schockiert» über die Art und Weise, wie die Studiobosse die Schauspieler behandeln. «Ich kann es, ehrlich gesagt, nicht glauben, wie weit wir bei so vielen Dingen auseinander liegen. Es ist ekelhaft. Sie sollten sich schämen. Sie stehen auf der falschen Seite der Geschichte.»

Sie fügte hinzu, dass Schauspielerinnen nicht länger durch ein Geschäftsmodell, das sich durch Streaming verändert hat, an den Rand gedrängt, respektlos behandelt und entehrt werden können.

«Es ist nur ein kleiner Prozentanteil der Schauspieler und Performerinnen, die Millionen von Dollar verdienen», schreibt Matthew A. Cherry, Schöpfer vom Animationsfilm «Hair Love» und ehemaliger NFL-Spieler, auf Twitter. Und weiter: «Die meisten Schauspieler haben mehrere Jobs und leben von Gehalt zu Gehalt, wie in anderen Branchen auch».

Was sind die Forderungen?

Konkret geht es um folgende zwei Punkte:

  • Streaming-Giganten sollen die Gewinne gerechter aufteilen und besseren Arbeitsbedingungen zustimmen.
  • Die Gewerkschaft fordert Garantien dafür, dass künstliche Intelligenz und computergenerierte Gesichter und Stimmen nicht dazu verwendet werden, um Schauspielerinnen und Schauspieler zu ersetzen.

Welche Stars streiken?

Zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler machten nach der Bekanntgabe ihre Unterstützung für den Streik öffentlich. «Wir werden das gewinnen», schrieb «Sex and the City»-Star Cynthia Nixon bei Twitter. Auch Darsteller wie Josh Gad, Jamie Lee Curtis und Issa Rae signalisierten über die sozialen Medien ihre Unterstützung. Die Schauspieler des Films «Oppenheimer», darunter Matt Damon und Emily Blunt, verliessen am Donnerstag nach einem Auftritt auf dem roten Teppich aus Solidarität mit dem Streik eine Premiere in London.

Auch «The Boys»-Star Jack Quaid rief auf Twitter zum Streik auf:

Bei der Schauspieler-Gewerkschaft SAG-AFTRA sind rund 160'000 Kulturschaffende Mitglied. 65'000 haben an der Abstimmung, ob gestreikt werden soll, teilgenommen. Über 97 Prozent sprachen sich für den Streik aus. Dieser ist nun verbindlich für alle Schauspielerinnen und Schauspieler. Andere Mitglieder wie Stuntleute, TV-Journalisten und Moderatorinnen sind vom Streik ausgenommen.

Welche Filme und Serien sind betroffen?

Alle laufenden Produktionen der US-Filmindustrie werden mit sofortiger Wirkung eingestellt. Dazu gehören Filme wie «Gladiator 2», «Mission: Impossible – Dead Reckoning Part Two» und «Deadpool 3». Viele Produktionen von Filmen und Serien wurden bereits durch den Streik der Drehbuchautorinnen und -Autoren auf unbestimmte Zeit unterbrochen.

Eine Ausnahme ist «House of the Dragon», bei der zurzeit die zweite Staffel gedreht wird. Obwohl es eine US-amerikanische Serie ist, ist die Besetzung hauptsächlich britisch, die nicht Mitglieder von SAG-AFTRA sind, sondern Equity-Verträge haben. Auch die HBO-Serie «Industry» arbeitet nach Equity-Regeln, und Variety berichtet, dass beide Serien wie geplant vorankommen.

House of the Dragon HBO HOTD Olivia Cooke as Alicent Hightower and Emma D'Arcy as Princess Rhaenyra Targaryen
Die Dreharbeiten der zweiten Staffel «House of the Dragon» geht wie bisher weiter.Bild: hbo / sky show

Für Low-Budget-Filme und unabhängige Filme ist die Situation komplizierter. Sie können möglicherweise bei SAG-AFTRA eine Ausnahmegenehmigung beantragen, um weiterarbeiten zu können, berichtet The Guardian.

Welche Arbeit wird niedergelegt?

Mit wenigen Ausnahmen müssten nun alle Dreharbeiten mit Schauspielerinnen und Schauspielern vor der Kamera eingestellt werden. Dazu gehören:

  • Das Schauspielern, Tanzen, Singen, Stunts machen
  • Promotionen drehen
  • Synchronstimmen aufnehmen
  • Foto- und/oder Körperdoubles
  • Anproben, Garderobentests und Make-up-Tests
  • Vorsprechen für Rollen
  • Verhandlungen und Unterschreiben von Verträgen
  • Interviews geben
  • An Award-Shows teilnehmen

Das sagen die Studios

Der Verband der TV- und Filmstudios AMPTP – der unter anderem Netflix, Amazon, Apple und Disney vertritt – verteidigte sich. Man habe versucht, eine Einigung zu finden, hiess es in einer Mitteilung. Die Gewerkschaft habe nun aber «leider einen Weg gesucht, der zu finanziellen Problemen für die unzähligen Tausend Menschen führen wird, die auf die Branche angewiesen sind».

Auch Bob Iger, CEO von Disney, hat sich zum Streik geäussert. Gegenüber CNBC sagte er, dass die Forderungen und Erwartungen der streikenden Kulturschaffenden unrealistisch ist.

FILE - Bob Iger arrives at the Oscars on March 12, 2023, at the Dolby Theatre in Los Angeles. Disney CEO Iger on Monday, April 3, called efforts by Florida Gov. Ron DeSantis and the Republican-control ...
Disney-CEO Bob Iger an den Oscar-Awards im März 2023.Bild: keystone

«Wir haben über störende Faktoren in diesem Geschäft gesprochen und über all die Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen, die Erholung von COVID, die noch andauert, ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Dies ist der schlechteste Zeitpunkt auf der Welt, um diese Beeinträchtigung noch zu verstärken», sagte er, während er an der Sun Valley Conference teilnimmt, die auch als «Sommer-Camp für Milliardäre» bekannt ist.

Ein Blick in die Vergangenheit

Es ist der erste Streik von Schauspielern seit 1980. Und es ist das erste Mal, dass zwei grosse Hollywood-Gewerkschaften gleichzeitig gestreikt haben, seit 1960, als Ronald Reagan Präsident der Schauspielervereinigung war. Dies war der erste branchenweite Streik in der 50-jährigen Geschichte der Filmproduktion. Wie auch beim jetzigen Streik ging es damals um die Beteiligung von Schauspielern an den Gewinnen der Studios. Ausserdem forderten sie einen Renten- und Sozialfonds.

Wie geht es weiter?

Wie lange der Streik dauern wird, ist nicht gewiss. Streaming-Dienste und Filmstudios haben momentan keine Hoffnung darauf, überhaupt Produktionen fertigzustellen, bis beide Streiks beendet sind. Wie gross die Verluste der Studios sind, ist nicht absehbar.

Neben den Studios sind auch unzählige Veranstaltungen vom Streik betroffen. So etwa die bevorstehende San Diego Comic-Con, die vom 20. bis 23. Juli stattfindet. Die meisten grossen Studios haben bereits angekündigt, dass sie wegen des Autorenstreiks nicht wie gewohnt auf dem Messegelände vertreten sein werden. Ohne die Anwesenheit von Schauspielern sind alle Hoffnungen auf die, bei Fans beliebten, TV-Panels dahin.

Stars Walk Out Of Oppenheimer Premiere - London Matt Damon, Emily Blunt, Cillian Murphy and Florence Pugh at the Oppenheimer UK Premiere, London, UK, July 13, 2023. The cast of new movie Oppenheimer w ...
Der «Oppenheimer»-Cast verliess aufgrund des Streiks kurz nach der Premiere den roten TeppichBild: imago images

Auch die Emmy-Saison steht vor dem Chaos. Eigentlich hätten die Emmys bereits im Juni stattfinden sollen, wurden aber auf den 18. September verschoben. Die Nominierungen wurden am Mittwoch bekannt gegeben, nur wenige Stunden, bevor der Streik losgegangen ist. Bereits die erste Abstimmungsphase war schwierig zu koordinieren, da der Autorenstreik die Einbeziehung von Autoren und Showrunnern unmöglich machte, und nun wird die zweite Phase ein kompletter Albtraum für die Werbeteams, die auch keine Schauspieler einsetzen können, schreibt Variety.

Die grossen internationalen Filmfestivals – darunter Venedig und Toronto, die Ende August und Anfang September fast zeitgleich stattfinden – sollten in der Lage sein, die verfügbaren Filme zu zeigen, einzig die Auftritte der Schauspieler ist noch in den Sternen geschrieben.

(Mit Material der SDA.)

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40 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Macca_the_Alpacca
14.07.2023 21:08registriert Oktober 2021
Ich kann die Schauspieler verstehen. Carie Fisher (Prinzessin Lea aus Star Wars) hat bereits als Tote noch eine Rolle gespielt. Wer bekommt das Gehalt? Harrison Ford sagte kürzlich, von ihm hätten sie so viele Beleuchtungseinstellungen usw. dass sie ihn Problemlos weiter spielen lassen können. Wie weit soll das denn gehen? Muss den ein Schauspieler hin nehmen, dass er auch als Toter weiter auftritt ohne dafür entlohnt zu werden (oder seine Erben?). Die ganze Sache nimmt groteske Züge an. Als Schauspieler würde ich mir meine Urheber Rechte an meiner Performance absichern lassen.
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Gordon Blöd
14.07.2023 22:07registriert Februar 2018
Wir als Konsumenten müssten Streicks dieser Art unterstützen und in diesem Fall Netflix und co. Abos künden. Wie kann es sein, dass immer mehr Geld im Umlauf ist aber immer mehr Menschen nicht davon profitieren/in die Röhre gucken? Ist ein Phänomen, dass in immer mehr Brachen auftaucht. Alle arbeiten, die Arbeitlosenqute ist vielerorts auf einem Minimum. Da frag ich mich, wo ist das erwirtschatete Geld? Auf Konnten von Konzernbossen etc., die Geld für 1000 Leben anhäufen. Macht mi eifach hässig.
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ZEUS aKal-El
14.07.2023 22:27registriert März 2021
Im früheren Artikel hat es sehr viele Kommentare die darauf abzielen dass die Schauspieler ja eh genug verdienen, dass es sowieso nur noch schlechte Filme gibt, etc...
Ich hoffe dieser Artikel schafft Klarheit: Es geht genau NICHT darum dass gewisse mehr Millionen verdienen (sind wirklich wenige): Es geht darum dass die anderen Schauspieler überhaupt einen Job haben.
Und darum dass die Studios nicht noch mehr Staffeln/Sequels in kürzester Zeit(!) produzieren für möglichst wenig Geld für Kreative.
Gut Ding will Weile haben👇
Also es geht schlussendlich um mehr QUALITÄT und weniger Quantität😉
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