Ab Sonntag, 1. September 2024, gilt das vom Bundesrat beschlossene Verbot von Verkauf, Import und Verschenken von Kirschlorbeer. Dieser Entscheid wurde aus guten Gründen gefällt – und kommt für viele Expertinnen und Experten sogar reichlich spät.
Das Problem: Der Kirschlorbeer verwildert leicht. Er breitet sich darum als invasiver sogenannter Neophyt sehr rasch aus. Damit verursacht die Pflanze aus der Familie der Rosengewächse ökologische Probleme. Gerade in Wäldern und deren Unterholz gedeiht der Kirschlorbeer im Vergleich zu anderen, einheimischen Pflanzen sehr gut. So verdrängt er die natürliche Vegetation.
Hinzu kommt, dass Kirschlorbeer für die Natur völlig nutzlos ist – alle Teile der Pflanze sind nämlich giftig. Der Verzehr des Zierstrauches ist damit nicht nur gefährlich für Mensch und Tier, auch Insekten können mit ihm nichts anfangen.
Dass er sich so schnell verbreiten kann, ist aber eben nur die eine Seite der Kirschlorbeer-Medaille. Denn die Pflanze ist, ebenfalls aus guten Gründen, trotz ihrer Giftigkeit eine der beliebtesten Heckenpflanzen.
Kirschlorbeer ist ein sogenannter immergrüner Strauch. Das heisst, er behält das ganze Jahr über seine Blätter. Ausserdem verträgt er, je nach Sorte, tiefe Temperaturen von bis zu minus 25 Grad; auch Frost schadet der Pflanze kaum. Das Rosengewächs ist gerade als Heckenpflanze sehr beliebt, weil es äusserst dicht wächst. Und: Der Kirschlorbeer wächst auch an sogenannten Mangelstandorten gut. Weiter weist er eine starke Resilienz gegen Krankheiten und Schädlinge auf.
Kurz: Kirschlorbeer hat abgesehen von seinen unökologischen Eigenschaften vor allem Vorteile. Wer jetzt seine Hecke ersetzen will oder sich eine neue zulegen wird, muss aber nicht verzagen: Man kann den Kirschlorbeer ersetzen – auch mit einheimischen Pflanzen.
Grundsätzlich gilt: Es gibt nicht die eine, beste Alternative. Das erklärt uns Thomas Streun, Gartenpfleger bei der Berner Gartenbau-Firma Woodtli. Am besten beurteile man situativ – je nach Standort, Kundenwunsch und Bodenbeschaffenheit –, welche Pflanze sich am besten eignet.
Folgende fünf Alternativen zum Kirschlorbeer sind ebenfalls immergrün, pflegeleicht und gelten darum als guter Kirschlorbeer-Ersatz.
Der Wintergrüne Liguster wird etwa drei bis vier Meter hoch und auch breit. Er trägt im Juni und Juli cremeweisse, angenehm und süsslich duftende Blüten. Im Herbst treibt er kleine, schwarze Beeren, die für den Menschen zwar leicht giftig sind – als kleiner Snack bei Vögeln dafür umso beliebter.
Der Wintergrüne Liguster ist ausgesprochen pflegeleicht und kommt mit den meisten Böden sehr gut zurecht. Ausserdem ist er sehr insektenfreundlich. Ein Nachteil sind allerdings die Wurzelausläufer, mit denen sich die Pflanze teilweise unerwünscht ausbreiten kann.
Auch die einheimische Gewöhnliche Eibe ist immergrün. Sie trägt dunkelgrüne Nadeln und steht, obschon sie grundsätzlich standorttolerant ist, nicht so gerne «voll in der Sonne», erklärt Gartenpfleger Streun. Dafür ist sie äusserst schnittverträglich, lässt sich also sehr gut formen und zurückschneiden.
Achtung: Mit Ausnahme des roten Fruchtfleisches, welches das Saatkorn umgibt, ist die Eibe für Mensch und Tier hochgiftig – bereits der Verzehr von geringen Mengen kann tödlich sein. Besonders mit Kindern ist im Umgang mit der Eibe deshalb Vorsicht geboten.
Diese Variante habe er in letzter Zeit vermehrt gesehen, sagt Gartenpfleger Thomas Streun. Die Wintergrüne Ölweide wächst relativ üppig und rasch. Ihr Nachteil ist, dass sie etwas instabiler und nicht ganz so kompakt ist wie andere Hecken. Dafür ist die Pflanze, die auch «Limelight» genannt wird, besonders dekorativ und dadurch spezieller als so manch andere.
Wie die Ölweide hat auch der «Red Robin» im Frühling einen besonders schönen, roten Austrieb. Im Mai und Juni zieren die Hecke zudem viele weisse Blüten, die einen Kontrast zu den roten Blättern bilden. Die Glanzmispel sollte im Vergleich zu anderen Sträuchern und Hecken etwas besser von eisig kalten Winden geschützt sein – sonst kann sie ihre Blätter abwerfen.
Achtung, ein Kirschlorbeer! Allerdings ist die portugiesische Variante im Gegensatz zum ab Herbst verbotenen Kirschlorbeer nicht invasiv. Prunus lusitanica ist darum eine beliebte Alternative. Ihre Blätter sind etwas kleiner als beim invasiven Verwandten, aber ebenfalls – so wie ihre Beeren – giftig. Laut dem Experten dürfte sie im Vergleich etwas teurer in der Anschaffung sein, ausserdem wächst sie etwas weniger stark. Dafür ist auch der Portugiesische Kirschlorbeer grundsätzlich anspruchslos und pflegeleicht.
Ebenfalls eine Überlegung wert sind gemäss dem Gartenpfleger Mischhecken. Diese würde man individuell und je nach Standort zusammenstellen, oft nehmen Gartenbauer dafür eine Mischung aus Eibe, Photinia (Glanzmispel), Liguster und Buchs. Auch für letzteren, den ebenfalls immergrünen Buchs, wird seit einiger Zeit vermehrt für Alternativen gesucht. Der Buchsbaum leidet derzeit stark unter verschiedenen Schädlinge, darunter vor allem der Buchsbaumzünsler. Der aus Asien importierte Schmetterling breitet sich seit über zehn Jahren auch in der Schweiz stark aus. Die Raupen des Buchsbaumzünslers fressen ganze Buchsbäume kahl – und führen dazu, dass auch Buchs als Hecke immer unbeliebter wird.