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Der deutsche Rapper Nimo erwies Sabrina die letzte Ehre.  Wikipedia commons

Nach Mobbing-Suizid von Sabrina (13): Deutscher Star-Rapper tritt an Beerdigung auf

Sabrinas Tod wird auch in Deutschland zum Thema. Der Hip-Hopper Nimo besucht die Beerdigung und löst eine Debatte über Cybermobbing aus. 

andreas maurer / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Am kommenden Donnerstag hätte Sabrina* das ausverkaufte Konzert des deutschen Rappers Nimo in Zürich besucht. Die 13-jährige Schülerin aus Spreitenbach AG hatte zwei Tickets für die Show ihres Idols gekauft. Der 21-jährige Musiker gilt derzeit als bedeutendster Newcomer der deutschen Rapszene. Mit seinen Videos erreicht er ein Millionenpublikum und mit seinen Songs die Top 10 der Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Am 28. August nahm sich Sabrina das Leben. Es gibt Hinweise, dass Cybermobbing dabei eine Rolle spielte.

Eine 15-Jährige aus Dietikon outete sich in einer Videonachricht als Täterin und drohte einem nächsten Mobbingopfer: «Du wirst genauso sterben wie Sabrina.»

Die Jugendanwaltschaft hat wegen der Drohung ein Strafverfahren eröffnet, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtete. Es ist der erste öffentlich thematisierte Fall von Cybermobbing in der Schweiz mit mutmasslich tödlichen Folgen.

46'000 Likes auf Social Media

Sabrinas Freundinnen kontaktierten Nimo nach dem Suizid und erzählten ihm die Geschichte. Sie berührte ihn besonders, weil er in seinem Umfeld einen ähnlichen Fall erlebt hatte. Auf Instagram postete er darauf ein Bild, das nur aus einer schwarzen Fläche besteht, und schrieb dazu: «Ruhe in Frieden Sabrina.» Der Eintrag wurde 46'000-mal geliked und 1600-mal kommentiert. In den meisten Kommentaren drückten Jugendliche ihre Anteilnahme aus. Einige fanden sogar den Mut, ihre Sorgen zu teilen.

Ein Mädchen berichtete, wie sie ebenfalls schon an Suizid gedacht hatte: «Ich werde gemobbt seit der 4.Klasse und ganz ehrlich, ich hatte solche Gedanken mehrmals, aber ich hatte immer Schiss.» Zum Glück hätten ihr Kollegen geholfen. Es war der 1569. Kommentar.

Viele Beiträge zuvor waren weniger reflektiert. Jemand schrieb: «Cyber-Mobbing für kurze Zeit ist weniger schlimm als über ein Jahr Mobbing in Real Life.» Ein anderer meinte: «Traurig, dass man erst Aufmerksamkeit bekommt, wenn man tot ist.» Und ein Dritter kommentierte: «Das passiert täglich in anderen Ländern und keinen interessiert’s.» Man sehe nur, was in Deutschland oder Nachbarländern geschehe, aber fast niemand kümmere sich um Pakistan oder Syrien.

Hilfe bei Suizidgedanken

Die folgenden Hilfsangebote sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und ihr Umfeld da, vertraulich und gratis: Die Dargebotene Hand: Gespräch und Beratung per Telefon, Mail und Chat auf www.143.ch und Kurzwahlnummer 143. Beratung + Hilfe 147: Beratung für Kinder und Jugendliche von Pro Juventute über Telefon, SMS, Chat und Mail auf www.147.ch und Kurzwahlnummer 147. Weitere Adressen: www.reden-kann-retten.ch für Beratungsangebote in allen Kantonen und www.trauernetz.ch für Hinterbliebene nach einem Suizid.

Hass auf Social Media

Unter den Hunderten Teenagern lösten die Wortmeldungen Streit aus mit nicht zitierfähigen Beschimpfungen. Die Online-Debatte, die eigentlich zu einer Sensibilisierung der Gefahren des Internets führen sollte, wurde selber zur Hassplattform.

«Überlegt euch mal, wegen so Shit wie Snapchat konnte sie erst gemobbt werden. Bringt lieber Blumen an ihr Grab in Spreitenbach.»

Facebook-Kommentar

Einige Jugendliche riefen zu Vernunft auf: «Überlegt euch mal, wegen so Shit wie Snapchat konnte sie erst gemobbt werden. Bringt lieber Blumen an ihr Grab in Spreitenbach.» Und eine junge Frau, die Sabrina seit der Kindheit kannte, fügte an: «Es tut weh, dass Leute im Städtchen, an der Schule und sogar auf Social Media darüber reden. Süss, dass euch die Geschichte berührt. Echt.» Aber statt oberflächliche Kommentare abzugeben, solle man aus der Geschichte lernen und das eigene Leben anders leben.

Rapper Nimo, der mit bürgerlichem Namen Nima Yaghobi heisst, liess der Debatte auf seiner Seite freien Lauf und postete keinen Kommentar.

Stattdessen handelte er im realen Leben. Mitten in der Nacht wählte er die Nummer, die er von Sabrinas Freundinnen erhalten hatte. Er rief ihre Mutter an und kündigte seinen Besuch an der Beerdigung an, doch er hatte eine Sorge. Er fürchtete, er könnte der Verstorbenen die Show stehlen und eine Hysterie auf dem Friedhof auslösen. So einigte er sich mit der Trauerfamilie, dass er mit ihr als Letzter die Kirche betreten und nach dem Besuch des Grabs sogleich wieder gehen werde. Hunderte Jugendliche kamen. Sie waren ganz in Weiss gekleidet, wie es sich die Familie in der Todesanzeige gewünscht hatte. Nur die Trauerfamilie und der Rapper erschienen in Schwarz.

Der Star blieb stets an der Seite der Mutter. So wagte es niemand, ein Foto von ihm zu machen. Die Hysterie blieb aus. Nur einige wenige Jugendliche rannten ihm nach, als er im Auto verschwand.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Keine grösseren Probleme...? 15.10.2017 17:03
    Highlight Highlight Wen wunderts? Die Eltern, an denen liegt's was mit den Jungen geschieht. Verantwortung, Liebe ohne Geld und Er-ziehung, sind die Begriffe zum vielleicht Gelingen, des Ganzen.
    • Menel 16.10.2017 09:08
      Highlight Highlight Sie haben keine Kinder, oder?
    • Fabio74 16.10.2017 10:07
      Highlight Highlight Bisschen simples Abschieben der Verantwortung. Jugendliche in diesem Alter wissen sehr wohl was sie tun
  • Nuka Cola 15.10.2017 12:15
    Highlight Highlight Schöne Story, aber wieso bringt ihr die heute? Hätte sich sowas als good news am Montag nicht besser gemacht?
    • Asmodeus 15.10.2017 15:57
      Highlight Highlight Was ist good news daran, wenn sich ein Mädchen wegen Mobbing umbringt?
      Dass ein Rapper auch zur Beerdigung ging?
    • Nuka Cola 16.10.2017 18:22
      Highlight Highlight Asmodeus, ich finde die grosse Anteilsnahme der Allgemeinheit, und das hier geschilderte Verhalten der Menge doch sehr erstaunlich und denke das ist dann doch eine good News.
    • Asmodeus 16.10.2017 22:57
      Highlight Highlight Ich fürchte leider, dass das hier nur Lippenbekenntnisse sind.

      Es wird zukünftig trotzdem weiter ausgegrenzt und die Augen vor dem Problem verschlossen.
  • Raembe 15.10.2017 08:06
    Highlight Highlight Hut ab, gute Aktion.
  • redeye70 15.10.2017 07:19
    Highlight Highlight Trotz aller Tragik muss man erwähnen, dass Mobbing offenbar auch unter Jugendlichen nicht als Kavaliersdelikt angesehen wird. Die herzergreifende Anteilnahme Hunderter an der Beerdigung zeugen davon, wie auch die scharfe Verurteilung der Tat(en). Was die Täterin betrifft gehört für mich auch ihr Umfeld und familiäres Leben genau untersucht. Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein junger Mensch einfach so derart bösartige Taten begeht. Solch extremes Verhalten hat einen Grund, oft genug sind es desolate Familienverhältnisse, die zu Auffälligkeiten führen.
    • Asmodeus 15.10.2017 13:44
      Highlight Highlight Lippenbekenntnisse bringen nichts wenn man trotzdem so weiter macht.
    • CASSIO 15.10.2017 17:54
      Highlight Highlight redeye70, ob jung oder alt spielt keine rolle. wir menschen haben triebe, die leben wir teils aus, teils nicht. der mensch ist eines der grauenvollsten wesen, weil er weiss, was er tut und mit welchen konsequenzen. das ist schon bei kindern so. es ist nicht das böse umfeld, es ist der mensch.
    • Valon Behrami 16.10.2017 09:28
      Highlight Highlight Cassio: Du denkst wirklich, dass Menschen böse sind von Grund auf?
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