Schweiz
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Frankreich macht's vor – das sind die Schweizer «Macrons»

Emmanuel Macron wird mit 39 Staatsoberhaupt. Kommt jetzt die Zeit der jungen Politiker? Macron ist einer dieser Einzelfälle, welche es auch in der Schweiz gibt: Sie haben in jungen Jahren politischen Einfluss gewonnen. Heute regieren die einen, andere gestalten die Parteipolitik und alle sind sie Nachwuchshoffnungen. U40: Die Schweizer Politik-Versprechen.

Alexandra Fitz / Nordwestschweiz



39 Jahre: Pierre Maudet, Staatsrat Kanton Genf (FDP)

Le conseiller d'Etat genevois Pierre Maudet, en charge du departement de la securite et de l'economie, s’exprime lors d’une conference de presse sur une nouvelle loi sur les taxis et les vehicules de transport avec chauffeur, ce jeudi 27 aout 2015 a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Er war der jüngste Stadtpräsident Genfs: Mit 33 Jahren wurde er gewählt, kurze Zeit später wechselte er als Sicherheitsdirektor in die Kantonsregierung. Maudet wird seit Jahren Bundesratsformat attestiert: Er ist dynamisch, weltoffen und ein guter Kommunikator – wie Macron. Bild: KEYSTONE

31 Jahre: Cédric Wermuth, Nationalrat (SP/AG), Vize-Fraktionschef

Cedric Wermuth (SP-AG) spricht im Nationalrat, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 15. Dezember 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Als Präsident und Provokateur hatte Wermuth die Juso zur erfolgreichsten Jungpartei gemacht. Seit 2011 ist der Aargauer Nationalrat und bereits wird ihm das Parteipräsidium zugetraut. Wermuth redet Klartext und denkt strategisch. So brachte er die Aargauer SP zum Wahlerfolg. Bild: KEYSTONE

38 Jahre: Thomas Aeschi, Nationalrat, Vizepräsident SVP

Thomas Aeschi, SVP Bundesratskandidat, posiert in der Altstadt am Montag, 23. November 2015, in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Sind Sie nicht zu jung, zu unerfahren? Diese Frage wurde Thomas Aeschi oft gestellt, als er 2015 als Bundesrat kandidierte. Das Parlament entschied sich zwar für Guy Parmelin, doch von Aeschi wird man weiter hören. Er stieg rasch auf in den innersten Machtzirkel der SVP. Bild: KEYSTONE

37 Jahre: Kathrin Bertschy, Nationalrätin, Vizepräsidentin GLP

Kathrin Bertschy, GLP-BE, spricht im Nationalrat am letzten Tag der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Freitag, 17. Juni 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Als ärgste (und unerschrockenste) Kritikerin der Bauernlobby wurde sie bekannt, doch Bertschy kann noch mehr: Mit Sachverstand prägte sie etwa die Debatte um die Altersvorsorge mit. Bertschy ist Schirmherrin des GLP-Lab, des ersten Think-Tanks einer Schweizer Partei. Bild: KEYSTONE

35 Jahre: Guillaume Barazzone, CVP-Nationalrat, Genfer Stadtpräsident

Guillaume Barazzone, maire de la ville de Geneve, s'exprime sur les votations communales lors d'une conference de presse, ce dimanche 5 juin 2016 a Geneve. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Barazzone ist ein politischer Senkrechtstarter à la Pierre Maudet – und auch von ihm wird gesagt, er sei «Bundesratsmaterial.» Der Berufspolitiker war einst Anwalt. Der überzeugte Globalist steht in Wirtschaftsfragen denn auch eher rechts, gesellschaftspolitisch ist Barazzone liberal. Bild: KEYSTONE

29 Jahre: Lisa Mazzone, Nationalrätin (GP/GE), Vizepräsidentin GP

Lisa Mazzone, conseillere nationale Les Verts GE, pose pour le photographe, ce vendredi 13 novembre 2015 a Geneve. Presidente des Verts genevois, Lisa Mazzone, 27 ans, sera la plus jeune elue a Berne lors de la prochaine legislature du Conseil national. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Lisa Mazzone macht Politik auf der Überholspur. Mit 18 gründete sie in Versoix das Jugendparlament, mit 23 wurde sie Gemeinderätin in Le Grand-Saconnex, mit 25 Genfer Kantonsrätin und mit 27 Nationalrätin. Sie ist die grosse Hoffnung der Grünen und bereits Vizepräsidentin. Bild: KEYSTONE

34 Jahre: Lukas Reimann, Nationalrat (SVP/SG), Auns-Präsident

Lukas Reimann, Nationalrat und Praesident AUNS, spricht an der 32. ordentliche Mitgliederversammlung der AUNS, am Samstag, 6. Mai 2017 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Mit 24 wurde Reimann Nationalrat. Er politisiert radikal und eigenständig. 2008 brachte er die SVP mit dem Referendum gegen die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit unter Zugzwang. Kürzlich überrumpelte er die Partei mit den Plänen für eine Kündigungsinitiative. Bild: KEYSTONE

35 Jahre: Christian Wasserfallen, Nationalrat (FDP/BE), Vizepräsident FDP

ZUR MELDUNG, DASS DIE SEKTIONEN DES AUTOMOBIL CLUB SCHWEIZ (ACS) DEN FDP-NATIONALRAT CHRISTIAN WASSERFALLEN ZUM NEUEN ACS-PRAESIDENTEN GEWAEHLT HABEN, STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG 23. JUNI 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Portrait von Christian Wasserfallen, Nationalrat der FDP des Kantons Bern, aufgenommen am 1. Dezember 2015 in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally). *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Nach vier Jahren im Parlament der Stadt Bern gelang Christian Wasserfallen vor zehn Jahren der Sprung aufs nationale Parkett. Seit 2012 ist er Vizepräsident der FDP und prägt die Energiepolitik mit. Vor einem Jahr kam er in die Kränze für das Fraktionspräsidium. Bild: KEYSTONE

34 Jahre: Marco Romano, CVP-Nationalrat, Gemeinderat

Nationalrat Marco Romano, CVP-TI, spricht an einer Pressekonferenz der Sicherheitspolitischen Kommission, SIK, zur Situation der Asylbewerber im Suedtessin in Mendrisio, am Dienstag 23. Juni 2015. (KEYSTONE/TI-PRESS/Benedetto Galli)

Er machte bei den Nationalratswahlen 2011 exakt gleich viele Stimmen wie eine Parteikonkurrentin. Dank Losglück kam der damals 29-Jährige nach Bern. Seither gilt er als Kompetenz in Ausländerfragen. Zudem politisiert er seit 2016 in der Exekutive (Municipio) von Mendrisio. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

39 Jahre: Pascale Bruderer, Ständerätin (SP/AG)

Pascale Bruderer Wyss, Staenderaetin SP-AG, spricht zu Journalisten waehrend einer Medienkonferenz zum Start der Abstimmungskampagne zur Volksinitiative

Sie hat die Ochsentour im Schnellzugtempo abgespult: Mit 20 Jahren schaffte Pascale Bruderer die Wahl in den Einwohnerrat Baden, mit 23 in den Grossrat und mit 24 in den Nationalrat, den sie mit 32 präsidierte. 2015 gelang ihr die Wahl in den Ständerat. Bild: KEYSTONE

Wer ist der Schweizer Macron?

Emmanuel Macron, 39

Weder links noch rechts, parteilos, Investmentbanker, Senkrechtstarter, die 24 Jahre ältere Lehrerin geheiratet. Alles spannend. Aber wirklich staunenswert ist sein Alter. Mit zarten 39 wird Emmanuel Macron Präsident der Grande Nation.

In diesem Alter wurde ein gewisser Donald Trump bekannt, weil er seinen Trump-Tower an der Fifth Avenue baute und eine Airline kaufte. Staatschef wurde er erst als 70-Jähriger. Angela Merkel war mit 39 erst Landesparteichefin der CDU. Kanzlerin wurde sie 2005 mit 51 Jahren.Es gibt auch die anderen Beispiele wie Tony Blair und David Cameron, beide 44 Jahre alt beim Amtsantritt. Und dennoch: Macron übertrifft sie alle.

Auch im Vergleich mit seinen Vorgängern – Charles de Gaulle (69), Jacques Chirac (63) und seinem Vorgänger François Hollande (58) – ist er der Jungspund. Nur Napoleon krönte sich mit 35 zum Kaiser. Allerdings verstarb der Mensch zu dieser Zeit auch früher, der Kaiser mit 51. Also dann, als Merkel erst aufthronte.

Kommentar

Warum Macrons Jugendlichkeit keine Garantie für Erfolg ist. Kommentar von Andreas Schaffner.

Ist nun die Zeit gekommen, in der vermehrt junge Politiker an die Macht kommen? «Es gibt tatsächlich eine Veränderung in der Gesellschaft. Heute sind die Chancen für junge Menschen grösser, rasch auf so eine Position zu kommen», sagt Lukas Golder, Politikwissenschafter und Co-Leiter des Forschungsinstituts für Politik und Kommunikation GfS Bern. Das habe insbesondere mit der Digitalisierung zu tun. Sie helfe einem, aus dem Nichts zu kommen und möglichst schnell ein neues Profil zu erreichen und damit gerade Junge für die politische Arbeit zu motivieren. Macron hat erst knapp vor einem Jahr seine Bewegung «En Marche» in Gang gesetzt – die 200'000 Anhänger waren Klicks im Internet.

Macron ist also ein Einzelfall. Einzelfälle gibt es auch in der Schweiz. Sie lassen sich insbesondere unter den Berufsparlamentariern finden, die früh in die Politik gehen. Sehr jung in hohe Positionen kamen: Ruth Metzler, Alain Berset, Toni Brunner und Pascale Bruderer. Der inhaltliche Vorteil der jungen Politiker: Sie bringen neue Lösungsansätze, indem sie Strukturen neu bauen. Laut dem Politologen Golder sind sie oft herausragende Kommunikationstalente.

Doch es geht eben noch um mehr. Sie müssen Mehrheiten bauen, erst dann können sie gemäss Golder erfolgreich sein. Er nennt Barack Obama als Beispiel. Dieser habe zwar ein Talent, Massen zu bewegen. Doch bei der Bildung von Allianzen sei er nicht so stark gewesen. «Er hat vorher kein Netzwerk gehabt und hat es auch nicht geschafft, eines aufzubauen», sagt Golder.

Anti-Establishment-Phase

Doch ohne Netzwerk ist es schwierig, in ein solch hohes Amt zu kommen. Macron und Trump jedoch haben es ohne geschafft. Sie hatten den Aussenseiterbonus und profitierten von der Unzufriedenheit gegenüber den etablierten Parteien. Auch Stefanie Bailer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Basel, spricht von einer Anti-Establishment-Phase. Da sei die Jugend ein Bonus, doch fehle dabei wiederum die Erfahrung. «Das Alter wird nur unter bestimmten Bedingungen zum Vorteil», sagt Bailer.

Macron muss es als jungem Politiker nun gelingen, Mehrheiten zu zimmern. «Grosse Reden eines Verbesserers reichen nicht mehr», sagt Golder. Gleichzeitig warnt er: «Politik ist langwierig, man muss bereit sein, kleine Schritte zu gehen, man kann nicht bloss sagen: ‹Ich kann alles besser›.» Er spricht von «Politischer Naivität», die er aber mehr Trump als Macron unterstellt und somit zeigt, dass dies nichts mit dem Alter zu tun hat. Macron war Wirtschaftsminister, kennt das Gerüst der französischen Politik. Trump war Neuling.

Golder ist nicht nur für eine Verjüngung der Politiker. Er befürwortet eine Durchmischung mit allen Altersklassen. Auch die ganz Alten seien unterrepräsentiert. Wenn jemand im Alter noch Lust auf Politik habe, dann sei das lobenswert. Er hält nichts von einem Alterslimit. Auch Bailer winkt ab. Im Parlament sei eine Durchmischung wichtig. Gewisse Themen bekommen Aufwind, wenn sie von den Betroffenen vertreten würden (z. B. Junge, Frauen, Migrationshintergrund).

Macron spricht die Sprache der Jungen, Kein Wunder, er ist ja selber jung. Bräuchte nun die Schweiz nicht auch einen Macron? Derzeit, so Golder, ist das Schweizer Parlament im Schnitt älter als die Gesellschaft und bald ist jeder zweite Wählende älter als 60. So könnte man also sagen: Junge Politiker würden junge Wähler an die Urne locken.

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(aargauerzeitung.ch)

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